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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Boykottaufruf gegen Kempinskibetriebe

Esther Scheiner, 11.08.2016

Berthold Kempinski, der Namensgeber der Kempinski Hotels verstarb bereits 1910. Nachdem er keinen männlichen Erben hatte, übergab er die Betriebe an seinen Schwiegersohn Rudolf Ungar mit der Auflage, den Firmennamen „Kempinski“ beizubehalten. So erlebte er nicht mehr, wie die Betriebe von den Nazis „arisiert“ wurden. Erworben wurden die Betriebe von der M. Kempinski & Co., Weinhaus- und Handels-GmbH. So blieb zumindest der Name erhalten. Der Enkel des Unternehmensgründers gründete auf dem rückgeführten Grundstück am Kurfürstendamm. 1953 verkaufte der den Betrieb und den Firmennamen. Heute gehören knapp 80 Betriebe, Hotels der Luxusklasse zu Kempinski Hotel Betriebs AG. Sie sind in 31 Ländern zu finden, 13 sind geprägt vom Islam.

Vor diesem Hintergrund muss man den nachfolgenden Artikel lesen, der heute von Claude Lanzmann, dem Regisseur von „Shoa“ in der FAZ veröffentlicht wurde.

 

„Ich möchte versuchen, mit wenigen Worten Zeugnis abzulegen von einem üblen Erlebnis, dessen Zeuge und in gewisser Hinsicht auch Opfer ich in Berlin geworden bin. Zu verstehen und zu vermitteln, warum es mich aufs tiefste schockiert hat.

In Berlin befand ich mich aus Anlass der Beerdigung von Angelika Schrobsdorff, einer halbjüdischen deutschen Schriftstellerin, mit der ich zehn Jahre verheiratet war. Ich hatte, ohne mir viel dabei zu denken, ein Zimmer im Kempinski am Kurfürstendamm gebucht, das Hotel ist mir seit 1986 vertraut, ich logierte hier, als ich erstmals meinen Film „Shoah“ in Berlin vorstellte.

Was kommt vor Italien?
Vor achtundvierzig Stunden saß ich in meinem Zimmer und durchstöberte die „Gebrauchsanweisung“ des Hotels, in der die verschiedenen Dienstleistungen beschrieben werden. Zu den Unterlagen gehört die Liste mit den Vorwahlnummern für die verschiedensten Länder der Welt. Aufgeführt sind Rumänien, die Vereinigten Staaten, Thailand, Belgien, die Ukraine . . . Beim flüchtigen Überfliegen stießen meine Augen auf „Italien“, und „Italien“ löste eine reflexartige Reaktion aus. Der Name beginnt mit I – wie Israel.

Und nun schaute ich zweimal hin: Wir sind in Berlin, im August 2016, im Hotel Kempinski, und Israel existiert nicht. Israel fehlt auf der Liste der Länder, die man aus dem Zimmer direkt anrufen kann. Man muss die Vorwahl für die Verbindung erst in Erfahrung bringen – es gibt den entsprechenden Hinweis am Ende der Liste: „Für Länder, welche hier nicht aufgelistet sind, erfragen Sie bitte die Nummer bei der Telefonzentrale unter der Durchwahl 9.“

Wie ist das möglich?
Die Ländervorwahl von Israel, das nicht auf der Liste ist, kenne ich auswendig: 972. Ich war entgeistert: Wie ist es möglich, im Jahre 2016 in Berlin, der Hauptstadt des neuen Deutschlands, dass Israel eliminiert, getilgt, ausgemerzt wird? Dass Israel ausradiert wird, hatte ich in Gaza erlebt, in einer eher ruhigen Phase, als ich dort die arabischen Schulen besuchte. Man zeigte mir die Karten der Region: Israel war auf ihnen nicht verzeichnet, denn Israel darf in den Köpfen der Araber nicht existieren. Hier und jetzt, in Berlin, das Gleiche: Israel wird von der Telefonliste gestrichen.

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Voller Angst und Empörung begab ich mich zur Rezeption und fragte nach einem Verantwortlichen des Hotels. Ein durchaus freundlicher Mann kam und sagte mir: „Monsieur, es macht mich glücklich, dass Sie diese Frage aufwerfen. Ich bin selbst Jude, es handelt sich bei der Maßnahme um eine bewusste Entscheidung der Direktion des Kempinski-Hotels, gegen die wir leider machtlos sind.“

„Die Mehrheit unserer Kundschaft sind Araber“
Aber warum? Ich war völlig niedergeschlagen: Gibt es dafür eine Erklärung? Seine Antwort: „Die Mehrheit unserer Kundschaft sind Araber, und sie haben verlangt, dass Israel gestrichen werde.“ Wie auf den geographischen Karten in Gaza. Israel existiert nicht. Ich stand an der Rezeption, es war zehn Uhr abends, und blickte um mich. Die Hotelhalle war voller Kinder, dreißig müssen es gewesen sein, in kurzen Hosen, sie fühlten sich sichtlich zu Hause, sie kümmerten sich um keinerlei Belange des Anstands. Es kam mir wie eine Art Besatzung vor.

Man wird wohl leicht verstehen, dass ich von dieser Szene schockiert war. 2016, in Berlin, im Kempinski, wo ich 1986 erstmals übernachtet hatte, als in mehreren Vorstellungen bei den Festspielen mein Film „Shoah“ aufgeführt worden war, der die Deutschen im Herzen getroffen hatte – schon wieder „das“?

Alles scheint wieder möglich zu werden
Es war grauenhaft. Alles um mich herum schien wieder möglich zu werden. Nicht nur die Auferstehung des Nationalsozialismus. Auch alle seine zeitgenössischen Ausformungen, zu denen die Terroranschläge mit massenhaft Opfern genauso wie die Messerstechereien aus der Nähe gehören. Und so weiter, und so weiter.

Kurz, es geht mir einfach darum, jene zu informieren, welche diese Zeilen lesen, und sie aufzufordern: Handelt ohne Umschweife. Denn man kann nicht gegen den arabischen Terrorismus kämpfen und gleichzeitig erlauben, dass in einem der nobelsten und wichtigsten Hotels in Berlin Israel ausgemerzt wird.

Israel ausmerzen heißt zu verlangen, dass die Israelis ausgemerzt werden. Dass man sie tötet.“

Immerhin, Kempinski reagiert schnell:

„Nach Darstellung des Hotels soll an diesem Rückschluss jedoch nichts dran sein. Man könne, heißt es auf Anfrage, die von Lanzmann „beschriebenen Aussagen des Mitarbeiters so nicht bestätigen“. Weiter heißt es: „Es gab und gibt keine Anweisung seitens der Hoteldirektion und auch nicht von der Kempinski AG, die israelische Vorwahl nicht in die Ländervorwahl-Liste aufzunehmen. Dies würde auch unseren Grundsätzen von Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber allen Menschen widersprechen.“ Die genannte Liste stelle keine vollständige Auflistung aller Ländervorwahlen dar, sondern nur eine Auswahl. Es habe „keinen dezidierten Grund“ für die Nichtnennung Israels gegeben, man habe aber „die Vorwahl selbstverständlich ergänzt“.“

……

Und da sitzt nun also der neunzig Jahre alte Claude Lanzmann, der zur Beerdigung der Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff, mit der er zehn Jahre lang verheiratet war, nach Berlin gekommen ist, in dem Hotel, in dem er in der deutschen Hauptstadt immer logiert, seit er hier 1986 seinen Film „Shoah“ vorstellte, und sieht, dass die Nummer von Israel fehlt, und hört, dass es dafür einen bestimmten Grund gibt. Ist das eine Petitesse? Selbst wenn Lanzmann komplett falschläge und die Dementis der Hotelleitung stimmten, woran man seine Zweifel haben darf – „so nicht bestätigen“ -, gilt: Die Nummer von Israel hätte auf der Liste des Kempinski Bristol am Kurfürstendamm nicht fehlen dürfen. Aber es musste erst Claude Lanzmann nach Berlin reisen, bevor das jemandem auffiel.

Auch wenn die Unternehmensleitung schnell reagiert hat, der Schaden ist angerichtet und nicht mehr reversibel. Alle Versuche, zu erklären, zu entschuldigen können nur mehr schal schmecken.

Wir können nichts anderes tun, als die Betriebe weltweit zu boykottieren. Ich werde das ganz sicher tun.

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