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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Max Mannheimer – ein Leben gegen das Vergessen

Esther Scheiner, 25.09.2016

Geboren wurde Max Mannheimer am 6. Februar 1920 in Neutitschein in Nordmähren. Am vergangenen Freitag, den 23.09.2016 verstarb er im Alter von 96 Jahren in Haar bei München.

Sein Vater, so erzählte Max einmal, hätte nie geglaubt, dass den Juden in Deutschland ein so grausames Schicksal bevorstehen würde. Sie seien doch alle Deutsche, viele hätten im Ersten Weltkrieg für ihr Vaterland gekämpft.

Kurz darauf begann das jahrelange Martyrium der Familie Mannheimer, so wie es für abertausende andere jüdische Familien begann. Von Neutitschein floh die Familie 1939 nach Ungarisch Brod, fand dort aber nur kurz wirklichen Schutz vor der Verfolgung durch die Nazi Schergen. Das Leben wurde immer mehr mit Einschränkungen versehen. Einer der Brüder, Erich wurde 1942 kurz darauf verhaftet und verstarb wahrscheinlich in Brünn.

Am 27. Januar 1943 wurden Jakob und Margarethe Mannheimer, sowie ihre Kinder Max mit seiner Frau Eva, Käthe, Ernst und Edgar nach Theresienstadt deportiert und von da aus am 1. Februar 1943 nach Auschwitz. Die Eltern wurden gleich nach der Ankunft ermordet, Schwester Käthe nur wenige Tage später. Bruder Ernst erkrankte Anfang März und wurde ebenfalls ermordet.

Von der einstmals grossen Familie Mannheimer lebten nur noch die Brüder Max, der Älteste und Edgar, der Jüngste. Es gelang ihnen, bis zu ihrer Befreiung zusammen zu bleiben. Von Auschwitz ging es im Oktober 1943 nach Warschau und von dort im August 1944 nach Dachau. Befreit wurden die Brüder, schwerst gezeichnet von Zwangsarbeit, Mangelernährung und Misshandlung und vom Typhus geschwächt am 30. April 1945 im Aussenlager Tutzing.

Edgar wanderte in die Schweiz aus und Max kehrte in seine Heimat Neu Titschein zurück. Nie wieder wollte er nach Deutschland zurückkehren.

Aber das Leben hatte andere Pläne.

Bald lernte er die ehemalige deutsche Widerstandskämpferin Elfriede Eiselt kennen, die seine zweite Frau wurde. Aus dieser Ehe stammt ihre Tochter Eva. 1946 kehrte die Familie nach München zurück.

Bis zum Jahr 1964 arbeitete Max für einige jüdische Wohlfahrtsorganisationen. In jenem Jahr starb seine Frau an Krebs. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Max mit keinem Menschen über sein Leben während der Shoa gesprochen. Während eines Aufenthaltes in den USA erlitt er einen psychischen Zusammenbruch, der ihm zeigte, dass er seinem Leben einen neuen Sinn geben musste.

Max beschrieb sein Leben in einer Folge der Dachauer Hefte, welches 1985 unter dem Titel „Spätes Tagebuch“ erschien. Ein Exemplar der Erstausgabe liegt in Yad Vashem in Jerusalem.

Er begann, Besuche in Schulen zu machen, um über sein Leben zu sprechen. Unermüdlich war er unterwegs, in der näheren Umgebung zunächst noch mit seinem geliebten Tatra, später dann mit der Bahn und mithilfe später mithilfe von privat organisierten Fahrdiensten.

Max verstand es, die Herzen der Schüler zu öffnen und seine Botschaft tief einsinken zu lassen. Er nahm ihnen die Angst, zur Verantwortung gezogen zu werden für etwas, was ihre Väter- und Grossvätergeneration verbrochen hatte. „Nein, ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber ihr tragt die Verantwortung, dass es nie wieder geschehen darf.“

Er scheute sich auch nicht, die direkte Konfrontation mit Kindern von prominenten Nazis zu suchen. So sass er mit Martin Bormann, dem Sohn von Ernst Bormann zusammen bei einer Podiumsdiskussion.

Wie oft habe ich Max gesehen, wenn er, als dies seine Beine noch zuliessen, nach einer Lesung mit Schülern auf dem Raucherplatz stand und Fragen beantwortete, die sich vorher, im Klassenzimmer niemand getraut hatte zu fragen.

Oder den einen oder anderen Witz erzählte…

1965 heiratete Max in dritter Ehe Grace Franzen. Dieser Ehe entstammt ihr Sohn Ernst.

Nun ist Max in einem Krankenhaus in München verstorben. Die starke versöhnliche Stimme gegen das Vergessen ist für immer verstummt.

Bild: Wikimedia Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany

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