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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Vom Falken zur Taube – Shimon Peres

Esther Scheiner, 28.09.2016

Er war einer der ganz grossen Politiker, die die Bezeichnung „Staatsmann“ verdienten. Präsident Shimon Peres, geboren am 2. August 1923 als Szymon Perski in Wiszniewo verstarb am 28. September 2016, 25. Elul, 5776.

1934 wanderte er mit seiner Familie nach Palästina aus. Nach dem Besuch einer Landwirtschaftsschule lebte er im Kibbuz Gewa im Norden des Landes.

Bereits im Jahr 1939 begann er seine politische Karriere. Er trat in die Mapai, eine Vorläuferpartei der heutigen Arbeitspartei „Awoda“ ein, und schloss sich der Gewerkschaftsorganisation Histadrut an. Von 1941 bis 1945 war der Generalsekretär der Jugendbewegung.

Im Jahr 1947, im Alter von 24 Jahren wurde er Mitglied der Haganah, der Vorgängerorganisation der IDF. David Ben-Gurion, Mitbegründer der Haganah setzte ihn als Verantwortlichen für die Personal- und Waffenbeschaffung ein.

Während der Zeit der Staatsgründung und des anschliessenden Unabhängigkeitskampfes war er in leitender Position in der Marine tätig. Nach einem Studienaufenthalt in den USA zeichnete er als Staatssekretär im Verteidigungsministerium für die Waffenbeschaffung des noch jungen Staates verantwortlich. Zu dieser Zeit war Peres sich noch sicher, die Existenz des jüdischen Staates Israel nur mit Waffengewalt sichern zu können.

Ab 1957 kam es zu Geheimverhandlungen zwischen dem damaligen Staatssekretär Peres und dem damaligen deutschen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauss. Die Verhandlungen über Waffenlieferungen von Deutschland an Israel fanden grossteils in Strauss’ Privathaus statt. Sie waren erfolgreich, die nachfolgenden Lieferungen mussten unter grösstmöglicher Geheimhaltung vor sich gehen. Peres umging mit diesen Verhandlungen alle diplomatischen Kanäle, die jede Waffenlieferung an Israel mit Sicherheit unmöglich gemacht hätten. Nur Frankreich hatte sich bis anhin pro-israelisch verhalten, sah sich aber ausser Stande, das notwendige Volumen allein aufzubringen. Der Vorschlag, Deutschland mit „ins Boot zuholen“ kam aus Paris.

Ab 1959 war er Abgeordneter in der Knesset und bekleidete in den nachfolgenden Jahren zahlreiche Ministerposten. Ab 1977 übernahm Peres die Führung der Arbeitspartei.

Mehrmals trat er mit ihr als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten an und verlor jedes Mal die Wahl. Niederlagen waren für ihn aber nie der Grund aufzugeben, sondern noch intensiver zu arbeiten. Waren zwei Ansätze nicht geeignet, ein Problem zu lösen, so suchte er einen dritte.

Im Laufe seines Lebens wandelte sich Peres vom Falken, der auch die Siedlungspolitik stark unterstützte, zur Taube, die den Weg in der Diplomatie und den direkten Verhandlungen sah.

Yossi Beilin, s.l., ein langjähriger Weggefährte bezeichnet es als Pragmatismus, der Peres erkennen liess, dass Israel seinen Anspruch auf einen demokratischen jüdischen Staat nur erhalten kann, wenn es sich im Gedanken eines Gross Israel löst. Beilin war es, der vom damaligen Aussenminister Peres mit zunächst inoffiziellen Gesprächen mit den Arabern in Oslo beauftragt wurde. Verhandlungspartner auf der palästinensischen Seite war der damalige Aussenminister Abbas. Der seinerzeit amtierende Ministerpräsident Jitzchack Rabin, s.l., lehnte zunächst sämtliche direkten Gespräche mit Yassir Arafat ab.

1994 erhielt Peres gemeinsam mit Rabin und Arafat den Friedensnobelpreis für den „Friedensvertrag“ von Oslo, der bis heute nur in wenigen marginalen Punkten eingehalten wird.

Peres gewann selber keine Wahl zum Ministerpräsidenten, hatte das Amt aber trotzdem im Laufe seiner politischen Laufbahn dreimal inne: 1977 bis zu den regulären Wahlen, nachdem Rabin kurzfristig vor der Wahl zurückgetreten war, 1984 bis 1986 als Rotationsnachfolger von Jitzchak Shamir, s.l., und 1995 bis 1996 nach der Ermordung des amtierenden Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin.

Dass er in dieser Situation Neuwahlen ausrief und nicht die volle verbleibende Kadenz im Amt blieb, schätzte Peres später als Fehler ein. Das Friedenslager stand nach Rabins Mord unter Schock. Vielleicht wäre es für die Weiterführung der Verhandlungen und das Aushandeln eines Friedensvertrages besser gewesen, Rabins’ Strategie weiter zu verfolgen. Statt dessen rief er Neuwahlen aus, die er gegen den heutigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu verlor.

Im Jahr 2000 verlor Peres seine erste Wahl zum Staatspräsidenten. Im Jahr 2007 gelang es ihm endlich, seinen ersten Wahlerfolg zu feiern. Nach sieben Jahren intensiver Tätigkeit als Präsident Israels trat er im Juni 2014 nicht mehr zu den Wahlen an.

Der Falke, der zur Taube wurde.

Peres hat fast sein ganzes Leben dem Wohlergehen seines Staates, dem jüdischen Staat Israel gewidmet. Es war nicht immer nur Liebe, die ihm dafür entgegengebracht wurde.

Peres hat es ertragen. Im Ausland wurde der für seine Bemühungen um Ausgleich und Frieden hochgeschätzt. Im Inland sah er sich ständig einer kritsichen Beobachtung und Wertung ausgesetzt.

 

Und er hat unermüdlich weitergekämpft. Baruch Dayan Emet.

 

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