Die Weicheier vom Climate Change Camp

15.08.2007 10:15 - London Calling by Oliver M.H. - 3 Kommentare

Die Umweltaktivisten, die derzeit vor dem Londoner Flughafen Heathrow kampieren, scheinen wirklich zartbesaitet zu sein. Nicht nur, dass sie selbst harmlose BBC-Reporter nicht auf “ihr” Gelände lassen wollen, nun beschweren sie sich auch noch über die Presse ganz allgemein. Gemeinheiten wären dort verbreitet worden, etwa die, dass man beabsichtige, den Flughafenbetrieb zu stören. Aber war das nicht eigentlich sogar der Zweck der ganzen Aktion? Warum sonst reden die Demonstranten andauernd davon, dass der kommende Sonntag ein “day of action” wird?

Aber richtig drollig werden die Aktivisten, wenn es daran geht, “ihr” Land zu verteidigen, das doch eigentlich dem Imperial College gehört. In der BBC stellten das College und die Polizei die Sache klar:

Chief Superintendent Ian Thomas said the protesters were on the site – a sports ground belonging to Imperial College London – illegally. A spokeswoman for the college said it had not given permission for the protest and hoped it would be “peaceful, safe and not damage the land”. “Any person who gains access to and/or occupies these fields is doing so unlawfully and should vacate the field,” she added.

Das interessiert die Climate-Change-Camper aber nicht im geringsten, berichtet der Independent:

Last night, up to 30 police officers trying to enter the camp were blocked by protesters. “The police gave us no warning and did not say why they were coming on the site. …” a camp spokesman said.

Shocking, kann man da nur sagen. Erst besetzt man fremdes Land und dann kommt die Polizei einfach so und ohne jede Vorwarnung bei einem vorbei. Das machen die Polizisten übrigens bei Banküberfällen auch so, wie man hört. Ein schlimmer Polizeistaat, gar keine Frage.

Aber es gibt Hoffnung, dass am Sonntag der Spuk an Heathrow vorbei ist und keine größeren Folgen haben wird, denn die Demonstranten gehen nicht zur Wahl, schreibt die Times-Kolumnistin Alice Miles, und daher verpassen sie eine große Chance:

The trouble is that the protesters don’t vote. The climate-camp literature claims that voting just perpetuates a fundamentally corrupted political system. And thus what ought to be the protesters’ greatest weapon – the power of the ballot box, flawed as it is – is lost, and all that is left is the anticapitalist dream of overthrowing the entire political system.

Bedauerlich für Ms Miles, dass aus ihrem Traum von der antikapitalistischen Revolution vorerst nichts wird. Aber interessant, dass solche kaum kaschierten Wunschvorstellungen in der sonst so betulichen Times offen ausgesprochen werden.

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3 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Max, 15.08.2007 10:21

Naja, eine gute Sache kann ich diesen Leuten abgewinnen, sie gehen nicht wählen :) Wenn das mehr machen würden, hätte man als Liberaler vielleicht endlich mal die Chance auch als Minderheit zu regieren :D

 
Ben, 15.08.2007 15:24

Ich glaube im letzten Absatz liegt ein Missverstaendnis vor: Es ist nicht die Times-Kolumnistin Alice Miles, die dem Traum von der antikapitalistischen Revolution anhaengt, sondern (laut Ms. Miles) die Protestierenden. Ms. Miles Kolumne ist sehr kritisch gegenueber dem Protest (daher auch der Titel “Get off that perimeter fence at Heathrow”).

 
Hardy, 15.08.2007 16:01

Was ist den aus der englischen Polizei geworden? Sie versuchten nur das Camp zu betreten? Traurig, wirklich traurig, besonders wenn ich da an die britischem MP’s früher in Berlin denke. Die hätten sich nicht aufhalten lassen.

 

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