Lafontaine: ein deutscher Sozialist
jo@chim, 15.08.2007
Wo die alte PDS/Linkspartei nur eine heftige, redliche linksreformistische Kritik an Hartz IV, niedrigen Renten oder leichtfertigen Managern übt, zieht Lafontaine mit voller Wucht gegen alles zu Felde, was als „etablierte Politik“ daherkommt. Er betreibt das klassische Geschäft des Populismus. Der ist nicht rechts und ist nicht links; er betreibt die Aktivierung aller Ressentiments gegen die repräsentative Demokratie
Oskar Lafontaine, der klassisch linke Muster geschmeidig mit der Sehnsucht nach einem national begrenzten Sozialstaat verbindet. Eine treffende Analyse unter dem Titel der deutsche Haider im Berliner Tagesspiegel (danke an ddh für den Hinweis):
Der Populist Lafontaine setzt auf eine Koalition der tatsächlichen und eingebildeten (Besitzstands-)Verlierer für vergangene Sozialstaatsgrösse, gegen Modernisierung und die als vorrangig bedrohlich empfundenen Zumutungen der Globalisierung. Angesichts dieses deutschen Sozialisten mit deutschem Programm für (jetzt auch: west-)deutsche Menschen kann einem ganz antideutsch werden. Auch wenn der Typ diesmal nicht aus Österreich kommt, sondern – wieder – aus dem Saarland.
antibuerokratieteam.net





Och nö, jetzt nicht diese Antideutsch-Kacke auch noch hier…! ;-)
Uuups: ich vergass, bei Dir liegen die Nerven blank, lieber Boche :P
Man muss die nehmen wie die Objektivisten: sagen durchaus viele intelligente Dinge und im Binnenverhältnis, d.h. unter Ausblendung aller möglichen Einwände, bekommen diese Dinge auch einen faszinierenden inneren Zusammenhang.
Der MissionsdrangDie extrovertierte Energie, mit der sie dich zum Teil ihres Zusammenhanges machen wollen und mit Schubladenzetteln bepappen, ist dann schon manchmal etwas lästig, vor allem in der Hitze all der (Schein-)Gefechte, in denen mit persönlichen Angriffen nicht gespart wird. Das ist typisch altlinkes “Tod der galiläischen Volksfront!”-Gekasper, in der “undogmatisch” ein Schimpfwort war. Ich kenn das von früher. Nehm’s nur ernst, wenn’s mich selbst betrifft ;-)Ich halte es aber durchaus für wichtig, darauf hinzuweisen, dass nationale und sozialistische Mobilisierung hierzulande nicht das erste Mal eine gefährlich erfolgsträchtige Mischung abgeben könnten.
Die Vermutung Lafontaines und seiner Partei, mit Populismus auf fruchtbaren Boden zu stoßen, ist durchaus berechtigt. Zum einen, weil es bekanntlich die Unzufriedenen gibt, die sich in der SPD nicht mehr wiederfinden, weil sie ihnen nicht mehr links genug ist, sondern seit Schröder “neoliberal” sei, zum anderen durchaus auch die NPD-Wähler oder die Nichtwähler aus Protest. Eine Mischung der Globalisierungsverlierer und -gegner jedenfalls und der Menschen im Osten, die sich betrogen fühlen. Die Zielgruppe ist vorhanden, sie will nur angesprochen werden. Wenn Lafontaine auf Dauer nicht entsprechend viel Kontra bekommt, ja, dann hat er gute Chancen.
Nee, nee, dass meine Nerven blank lägen, ist eine Erfindung von denen. Soviel Relevanz haben solche Splitter-Ideologien überhaupt nicht für mich.
Dass auch blinde Hühner Körner finden, ist aber richtig.
Auch, dass die Mischung aus Nationalismus und Sozialismus gerade hierzulande eine unselige Tradition hat, die es wichtig macht, solchen Rattenfängern eine ernsthaftere Opposition als antideutsche Sektierer entgegen zu setzen.
Mit Rattenfänger war in meinem letzten Beitrag natürlich Lafontaine gemeint. Nicht etwa die Antidingens.
Na Boche, auf jeden Fall scheinst Du mir ziemlich wütend zu sein: sonst liest man Dich nicht so schimpfend. Ruhiger klingst Du besser.
Ein bisschen gereizt wirkst Du schon, Boche. :-P
Dann solltest du mich mal kennenlernen, wenn ich es bin. ;-)
Wo schimpfe ich denn? Hab doch lang nichts mehr geschrieben, erst heute wieder?
Den Battle Antideutsche und Linkspartei gibt es schon längst, und es geht dabei auch um Lafontaine:
http://www.classless.org/2007/04/16/antideutsche-in-der-linkspartei/
[...] 15th, 2007 by NUB Erst heute auf Hinweis eines Kommentators beim neuen Antibürokratieteams [...]
IMHO sind ja weder Haider noch Lafontaine auch nur einen Deut etatistischer oder gar “totalitärer” als ihre etablierten Politkollegen. Sie verkaufen ihr schmutziges Geschäft nur besser, und sind deshalb bei der etablierten Konkurrenz verachtet. Auch die Mainstreampresse wirkt doch in erster Linie ob der ungewohnten Tonlage irritiert – nicht wirklich aufgrund der Inhalte.
Links und rechts sind bei diesen Etatisten ohnehin unsinnige Etikette…
Lafo will doch jedem Transferempfänger aus der Seele sprechen, auch wenn er dazu mal “hüh”, mal “hott” schreien muß – ganz egal! Da sieht er ganz richtig die wahre Mehrheit aller Deutschen vereint.
Lafo steht für die neue Querfront. Sozialismus und Nationalismus sind eben eine deutsche Spezialität.
btw: boche ist eigentlich gar nicht gereizt oder wütend wegen “der Antideutschen”, sondern weil er sich nicht eingestehen möchte, daß es ein Fehler war die Rassismuskeule zu schwingen, denn die kommt oft mit doppelter Kraft zurück. Also mehr ein Bumerang. Gereizt und sauer war er als es um seinen Spezi Filbinger ging, der ja auch ein “Opfer der Geschichte” war und nicht anders konnte. Könnte das nicht auch auf Lafo zutreffen? Aber ich will hier keine schmutzige Wäsche waschen und auf einen toten Hund einprügeln.
Viel Glück und möge die “freundliche Übernahme” von S&W auf Dauer gelingen ;-)
Zweites Merkmal einer YAII: Man nehme real existierende Gegner, lege ihnen aber immer nur die Behauptungen in den Mund, für die bereits passende Phrasen bereit liegen.
Quatsch Sascha. Diese spiegelverkehrte “Deutschtümelei” führt nicht weiter: beides passt nicht nur hier in D gut zusammen. Es sind etatistische Ideologien, die staatlichen Machtanspruch nur verschieden begründen. Oder, um mit Kim Jong Il zu sprechen:
Auch der kubanische oder venezolanische Realsozialismus oder die russischen Kommunisten können und wollen auf die nationalistische und xenophobe Karte ebensowenig verzichten wie die Lafontaines hierzulande. Oft genug, wie bei Chavez, klingen dann auch noch antisemitische (“antizionistische”) Töne an.
btw: Guckstdu mal hier… da gibt sich ja ein nettes “Querfront”-Völkchen die Ehre… zum külbeln…
Merci, cher pour mettre tout le chose en ordre…
Pas de rien, mon ami :-)