Discover your inner economist!

16.08.2007 00:54 - Statler & Waldorf by Statler - 4 Kommentare

Zugegeben, den Bestseller Freakonomics habe ich immer noch nicht gelesen. Das hat Gründe. Zwar ist es natürlich eine hervorragende Idee, ökonomische Forschung zu popularisieren und auch Leuten zugänglich zu machen, die sonst mit diesem Thema wenig zu tun haben. Aber schon beim Durchblättern von Freakonomics war schnell klar, daß dieses Buch am falschen Ende anfängt. Nehmen wir an, ich wäre ein weltfremder Philosoph und wollte wissen, was Ökonomen so machen. Dann würde mich doch vermutlich interessieren, was sie zu ökonomischen Kernfragen zu sagen haben. Zum Konjunkturzyklus, zur Erklärung von Arbeitslosigkeit, zu Bedingungen von Innovationen. All sowas.

Dagegen setzt Freakonomics vor allem beim ökonomischen Methodenimperialismus an. Gerade empirisch arbeitende Ökonometriker fallen seit zehn, zwanzig Jahren über jeden Datensatz her, den sie kriegen können und analysieren diese dann mit Methoden, die sich bei den ökonomischen Kernthemen bewährt haben. Und so sagen Ökonomen dann etwas zur Ausbreitung von Seuchen in Afrika, oder zur Suche eines geeigneten Ortes für ein Atommüllendlager. Schön und gut, kann man machen, ist methodisch solide — aber da gibt es halt auch noch ein paar offene Fragen im Kern unseres Kompetenzgebietes, die vielleicht naheliegender wären. Freakonomics legt hier aber seinen Schwerpunkt, und damit war es aus meiner Sicht immer von vornherein ein Kandidat für das Prädikat “Thema verfehlt”.

Jetzt hat Tyler Cowen, im Hauptberuf Professor an der ehrwürdigen George Mason University und im Nebenberuf einer der beiden Blogger der grandiosen Marginal Revolution, auch so ein Buch geschrieben, mit dem Titel Discover Your Inner Economist. Gestern war es in der Post, heute habe ich es gelesen, und ich muß sagen: Es ist ziemlich gut. Auf den ersten Blick ist es Freakonomics ziemlich ähnlich, auf den zweiten Blick ist es was ganz anderes. Cowens Ausgangsthese ist, daß sich die meisten Menschen im Alltag, ohne es zu wissen und ganz intuitiv, mehr oder weniger so verhalten, wie es Ökonomen und komplizierten, formalen Modellen herleiten. Jeder hat seinen inneren Ökonomen, und Cowen zeigt an zahlreichen Beispielen, wie ganz normale Mikroökonomik hervorragend geeignet ist, um menschliches Handeln wirklich zu verstehen.

Kurz und gut, das Urteil muß also ein wenig gespalten ausfallen. Wieder keine Popularisierung der großen ökonomischen Themen. Aber eine exzellente, sehr gut lesbare — Cowen hat wirklich einen sehr klaren und unterhaltsamen Stil — Illustration des mikroökonomischen Denkens, seiner Anwendungen und auch seiner Grenzen. Man kann es interessierten Nicht-Ökonomen definitiv empfehlen. Sogar wer nichts daraus lernt, wird wenigstens ein paar unterhaltsame Stunden mit der Lektüre verbringen.

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4 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Franklin D. Rosenfeld, 16.08.2007 01:28

Fuer mich ist und bleibt in dieser Materie aber “Classical Economics Reconsidered” des grossen Thomas Sowell unuebertroffen. Die Integration von Makro-, Mikro-Oekonomik, Methodologie und Sozial-Philosophie (ja) macht es einmalig.

Und da lernt dann JEDER garantiert irgendetwas ;-)

 
Robroy, 16.08.2007 10:34

Ich finde den Undercover Economist da recht gelungen, hab ich vor ein paar Monaten gelesen. Es illustriert recht gut, warum freie Märkte im allgemeinen effizient sind (was Ökonomen überhaupt unter “Effizienz” verstehen), was die Ursachen für Marktversagen sind und wie man ihnen begegnen kann, wie es zur dotcom-Krise kam, warum Afrika arm und China (relativ) reich ist – unter anderem. Und das alles so, dass auch interessierte nicht-Ökonomen (wie ich) das verstehen.

 
Cologne, 16.08.2007 11:44

Habe zuletzt David Friedman’s “Der ökonomische Code” (Hidden Order) gelesen und kann das nur weiterempfehlen. Sehr unterhaltsam und mikroökonomische Basics zusammenfassend.

 
Christian Hoffmann, 16.08.2007 15:56

Nun, wenn wir schon so fröhlich am Empfehlen sind:

“Economics in One Lesson” von Henry Hazlitt – eine kurze, kraftvolle und unterhaltsame Widerlegung keynesianischer Irrtümer.

 

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