Gaffen, sabbern, applaudieren

20.08.2007 09:54 - Statler & Waldorf by Statler - 86 Kommentare

Man kann sich darauf verlassen. Der Höhepunkt fast jeder Zeitungsmeldung, die berichtet, wie mal wieder irgendwo in der Provinz die Dorfjugend ihren Herrenrassedünkel an arglosen Besuchern auslebt, ist immer wieder ein Satz wie dieser:

Zahlreiche Schaulustige hatten sich den Überfall mit angesehen.

Ah, Zivilcourage und Anstand sind schon tolle Tugenden. Aber wenn sich die Lust am Pogrom mit der Lust am Spektakel aufs Wundervollste verbindet, dann sollte man in Deutschland nicht damit rechnen, daß Tugenden noch irgendeine Rolle spielen.

Und wenn es auf dieser Welt noch sowas wie Gerechtigkeit gibt, dann gehört die im Bericht erwähnte Pizzeria einer wütenden N’Dranghetta-Familie.

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86 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

R.A., 20.08.2007 11:17

> Zahlreiche Schaulustige hatten sich den
> Überfall mit angesehen.
Das ist aber schon eine recht wertende Formulierung – und ich bezweifele, daß der Journalist genug über den Vorfall wußte, um das zu rechtfertigen.

Konkreter Fall: Ich sitze in meinem Vorgarten, und plötzlicher gibt es draußen auf der Straße Randale. Und bei genauem Hinschauen sieht es so aus, als würde ein großer Haufen (offenbar Deutsche) eine kleinere Gruppe (offenbar Ausländer) verprügeln bzw. verfolgen.

Erste Frage: Bin ich nun schon ein “Schaulustiger”?
(Die Formulierung impliziert ja interessierte Zustimmung zum Geschehen).

Zweite Frage: Was tun?
a) Mannhaft auf die Straße treten und den Pöbel aufhalten?
oder
b) ins Haus gehen und per Telephon die Polizei anrufen.

Ich halte es nicht unbedingt für kritikwürdig, wenn man sich aus naheliegenden Gründen für Antwort b) entscheidet.

Und das haben offenbar einige (viele?) der “Schaulustigen” getan, schließlich waren 70 Polizisten im Einsatz.

 
LePenseur, 20.08.2007 13:08

Na klar, wenn irgendwo eine Wirtshaushausschlägerei stattfindet, bei der acht Inder und vier Deutsche verletzt werden, dann kann es sich nur um das Ausleben eines Herrenrassedünkels handeln. Da hilft nicht mal, daß ein Polizeisprecher “nicht direkt bestätigen” möchte, ob ausländerfeindliche Motive der Grund des Streits gewesen sind. Was freilich eine starke Vermutung für sich hat, daß es offenbar nicht so gewesen ist — denn auch nur bei geringen Verdachtsmomenten in diese Richtung wäre ein braver deutscher Polizist sicherlich in die Betroffenheitsbücke gegenüber dem organisierten Gutmenschentum eingeknickt. Naja, es wird eben eine übliche Wirtshausrauferei zwischen besoffenen Proleten auf beiden Seiten gewesen sein. Mit blöden Sprüchen und anzüglichen Gesten auf beiden Seiten. Mit Macho-Attitüde und allem was dazugehört. So what?!

Nur eine Frage, Herr Statler, sei mir verstattet: warum soll sich ein nichtbesoffener Nichtprolet in sowas einmengen — nur, weil es der unbeteiligte Redakteur weit weg vom Schuß ganz mächtig zivilcouragiert findet? Wenn mir dann z.B. ein Bierkrügel aufgesetzt wird und ich den Rest meines Lebens mit Narben (günstigstenfalls) oder Blindenhund (wenn’s blöd ausgeht) herumlaufe, habe ich dann was von meiner Zivilcourage? Werden mir Statler & Co. dann die Versehrtenrente aufbessern? Ich wage es zu bezweifeln …

 
R.A., 20.08.2007 14:18

@LePenseur:
> Na klar, wenn irgendwo eine
> Wirtshaushausschlägerei stattfindet, …
Das ist jetzt das andere Extrem – die Aggressivität des Nazi-Pöbels als “Wirtshausschlägerei” zu verniedlichen.

> Da hilft nicht mal, daß ein Polizeisprecher
> “nicht direkt bestätigen” möchte, ob
> ausländerfeindliche Motive der Grund des
> Streits gewesen sind.
Natürlich kann er das zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen – das heißt gar nichts.

Im Gegensatz zu einer Behörde darf man sich als Normalmensch aber durchaus auf den gesunden Menschenverstand verlassen und darauf, daß wohl NICHT acht betrunkene Inder auf fünfzig harmlose deutsche Teenager losgegangen sind.

 
digito, 20.08.2007 14:32

Es ist den Leuten immer schnell was Negatives angehängt, wenn man selber nicht dabei war und in keiner Verantwortung war. Selbst im Focus wird publikumswirksam von Ausländer raus-Rufern und “hier regiert der nationale Widerstand”-Parolen berichtet. Der Artikel bleibt letztlich aber so sachlich festzustellen, dass eine politische Motivation nicht als bewiesen gelten kann und zitiert dafür auch den örtlichen FDP-Bürgermeister, der es ja wohl wissen müsste, wenn es anders wäre.

 
LePenseur, 20.08.2007 15:00

@R.A.:
Das ist jetzt das andere Extrem – die Aggressivität des Nazi-Pöbels als “Wirtshausschlägerei” zu verniedlichen.
Nun, wenn man bereits ab initio die “Aggressivität des Nazi-Pöbels” voraussetzt, kann es natürlich keine Wirtshausschlägerei geben sondern nur NS-Wiederbetätigungstatbestände, welche mit mindestens einem und höchstens zehn Jahren Gefängnis zu ahnden sind. Sehr objektiv festgestellt.

Natürlich kann er das zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen – das heißt gar nichts.
Doch, so wie ich den vorauseilenden Generalverdacht, daß alle Deutschen (insbesondere die aus dem Osten) in Wirklichkeit doch nur verkappte Nazis sind, sattsam oft geäußert hörte. Ein Polizeisprecher wird ebenso wie sein Innenminister lieber einmal zuviel “Neonazi-Umtriebe” vermuten, als einmal zu wenig, da können Sie Gift darauf nehmen (welch letzere Aufforderung auch mir vermutlich als Neonazi-lastig ausgelegt werden wird, denn Leute vergiftet wurden bekanntlich v.a. in NS-Gaskammern …).

Im Gegensatz zu einer Behörde darf man sich als Normalmensch aber durchaus auf den gesunden Menschenverstand verlassen und darauf, daß wohl NICHT acht betrunkene Inder auf fünfzig harmlose deutsche Teenager losgegangen sind.
Klassisches Beispiel von untergriffiger Unterstellung. Aber dröseln wir’s auf:
1. sprach ich nicht von acht betrunkenen Indern, denen ich fünfzig harmlose nichtbetrunkene deutsche Teenager gegenüberstellte.
2. ist auch Ihre Gegensatzbildung von “Normalmensch” und “gesundem Menschenverstand” (der bekanntlich nicht mit “gesundem Volksempfinden” verwechselt werden darf, denn das ist ja gaaaaanz was anderes!) einerseits und Behördenhandeln (lauter verkappte Nazi-Schergen?) andererseits untergriffig *).

Aber, um es auf den Punkt zu bringen: nein, ich glaube nicht, daß es sich um fünfzig harmlose deutsche Teenager handelte, sondern vermutlich um ein bereits angetrunkenes Subkultur-Pack. Ich glaube aber ebensowenig, daß acht lämmchenfromme Bilderbuch-Brahmanen völlig unschuldig von einem entfesselten Rassisten-Mob gehetzt wurden. Aber daß sich zwei unterschiedlich große Gruppen von Personen unterschiedlicher Herkunft in angetrunkenem Zustand gegenseitig die Fresse polieren, klingt halt nicht so spektakulär wie “Herrenrassedünkel”, wo man die Knobelbecherstiefel der SS schon so richtig zackig auf den Asphalt donnern hört ….

*) auch diese meine Nebenkommentare waren jetzt durchaus untergriffig — das konzedier’ ich gern!

 
SaltOfTheEarth, 20.08.2007 15:34

Also bitte.
Sollen solche Vorfälle erst durch ein Gericht untersucht werden, bevor ich schon mal in Deutschland arbeitende indische Bekannte vor gewissen Gegenden in Deutschland (Ostdeutschland) warne?
In der jüngeren Vergangenheit waren einige der Opfer rassistischer Gewalt in Deutschland durchaus kultivierte, gut ausgebildete Leute und sicher keine Provokateure. Schon der Respekt gegenüber diesen Opfern wiegt meiner Meinung nach schwerer als Rücksichtnahme auf ostdeutsche Befindlichkeiten.

 
Markus Oliver, 20.08.2007 15:40 Subscribed to comments via email

An dieser Stelle möchte ich mich aus dem selbstgewählen Exil kurz zurückmelden und nur noch einmal darauf hinweisen, dass es erst vor kurzem einen Freispruch in einer Sache gab, in der:
1. Es sich bei den Tätern laut Presse zunächst um Rechtsradikale gehandelt haben soll.
2. Die GSG 9 die Verdächtigen festnahm und ihnen einen Hubschrauberflug zum Generalbundesanwalt schenkte.
3. Eben dieser Generalbundesanwalt bar jeder Vernunft das Verfahren wegen übergeordneter Interessen an sich zog.
4. Wegen Mordversuches gegen die Verdächtigen ermittelt wurde. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. “Mordversuch”, nicht etwa Totschlag oder gefährliche Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung. Nein, Mordversuch! Laut BGH ein delictum sui generis, das sich vom Totschlag so unterscheidet wie die Brandstiftung zur Beleidigung, wegen der besonderen Verwerflichkeit der Tat.
Der BGH hat auch mal festgestellt, dass die Tötung eines Menschen mit der Überwindung einer besonderen Hemmschwelle verbunden ist. Deshalb wird man bei Zufahren auf einen Polizeibeamten mit einem PKW auch dann nicht wegen versuchten Mordes belangt, wenn der Beamte sich nur durch einen Sprung zur Seite retten kann. Dieses Zufahren erfüllt dann nur den Tatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr(Stichwort: Pervertierung des Verkehrsvorgangs).

Die Tathandlung im Fall bestand hier in einem Faustschlag. Mordversuch durch Faustschlag. Der Tatentschluss war hier angeblich unproblematisch gegeben.
Für so eine Subsumtion fällt man in der juristischen Staatsprüfung zu Recht durch. Naja, ein Generalbundesanwalt darf das so subsumieren.

In der Verhandlung stellte sich dann heraus, dass der Faustschlag mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Notwehr erfolgte. Dumm nur, dass die Deppen von der Bundesanwaltschaft sich auf einen Tatentschuss zum Mord festgelegt hatten. Da musste man sich in der Verhandlung korrigieren. Wäre ja auch dumm gewesen, wenn ein Mordversuch rechtfertigend gewesen wäre. So kann es laufen… hehe.

War es nicht auch in dieser Sache der geschätzte Verfasser, der mit den Wölfen heulte und von in dubio pro reo nie etwas gehört hatte?

Mit voreiligen Schuldzuweisungen wäre ich bei solchen Sachen sehr vorsichtig. Selbst in der beschriebenen Situation (50 gegen 8, Verfolgung der 8 in die Pizzeria), kann sogar noch ein Freispruch aller 50 herauskommen, wenn die 50 nämlich ein zivilrechtliches Verfolgungsrecht hatten und die einzelnen Tatbeiträge nicht nachweisbar sind. Fallkonstellationen sind viele denkbar. Eine Verurteilung sehe ich noch lange nicht, jedenfalls dann nicht wenn die Anwälte etwas können.
In diesem Fall stünde die Presse – mal wieder – ziemlich dumm dar.

Das mit der Zivilcourage ist so eine Sache. Es soll Profis geben, die beim Einschreiten außerhalb des Dienstes sehr vorsichtig wären und dann trotzdem – trotz aller Professionalität – schwer verletzt wurden und vorzeitig in den Ruhestand gehen mussten.

Ich muss hinter meinem Haus und meinen Ziegen her telefonieren.

So long, Markus Oliver

 
FAB., 20.08.2007 15:47

Nun ja. Wenn der derzeitige Erkenntnisstand so ist, daß selbst bei SPON von “nicht direkt bestätigen”, “noch offen”, “noch unklar” die Rede ist, würde ich gern abwarten, gegen wen und aufgrund welcher endgültigen Feststellungen Anklage erhoben wird, bevor ich den Vorfall politisch bewerte. Bisher scheint sowohl “Neonaziüberfall” wie “Wirtshausschlägerei” möglich. Daß “Prolopack” bei passendem Anlaß spontan gleich eine ganze Rotte mobilisiert, ist ja auch bei den ständigen Berliner “Vorfällen” mit “Menschenmengen” üblich. Daher sprechen auch die angegebene Zahlen (50 gegen 8) nicht notwendig für einen geplanten “Überfall”. Wenn in Berlin die Polizei einen Straßenräuber festnehmen will, stehen auch gern mal innert fünf Minuten 100 “Brüder und Freunde” da.
Also – erst abwarten, dann bewerten. Wie immer.

 
R.A., 20.08.2007 16:22

@LePenseur:
> Nun, wenn man bereits ab initio die
> “Aggressivität des Nazi-Pöbels”
> voraussetzt, …
Gut, ich reduziere auf “Aggressivität des Pöbels” – um einen solchen handelt es sich alleine schon aufgrund des Zahlenverhältnisses, und deswegen hätte ich auf jeden Fall die Polizei gerufen.

Das mit dem politischen Hintergrund ist in der Tat noch völlig offen.

> … so wie ich den vorauseilenden
> Generalverdacht, daß alle Deutschen
> (insbesondere die aus dem Osten) in
> Wirklichkeit doch nur verkappte Nazis
> sind, sattsam oft geäußert hörte.
Nun, ich höre das nur selten und dann nicht von Leuten, die ich ernst nehme.

> Ein Polizeisprecher wird ebenso wie sein
> Innenminister lieber einmal zuviel
> “Neonazi-Umtriebe” vermuten, als einmal
> zu wenig, …
Das ist SEHR unterschiedlich.

> Klassisches Beispiel von untergriffiger
> Unterstellung.
Im Gegensatz zu einer zu Neutralität und Unschuldsvermutung verpflichteten Behörde habe ich diese Freiheit ;-)

Und ich habe sogar die Freiheit, allgemeine Lebenserfahrung bzw. persönliche Vorurteile zu Grunde zu legen, anstatt die Hose mit der Beißzange anzuziehen.

Und ich sage da mal: Wenn es um acht Marokkaner oder Kasachstan-Deutsche gehen würde – dann wäre ich da skeptischer, ob die nicht vielleicht in Gruppe ein Volksfest aufmischen wollten.

Bei Indern in Deutschland wäre das ein absolut neues Phänomen – da spricht die Wahrscheinlichkeit deutlich gegen die Anderen.

Wie ich umgekehrt beim von Markus Oliver zitierten Fall Emyas von Anfang an das Gefühl hatte, daß der offizielle Alarmismus völlig überzogen war.

 
jo@chim, 20.08.2007 16:32

Werter LePenseur, für Sie scheint nicht xenophob motivierte Gewalt das Problem zu sein, sondern der öffentliche Hinweis darauf. Es ist doch nun wirklich völlig gleichgültig, ob der Pöbel im Auftrag und Rechnung von Holger Apfel randaliert – aber das wäre wohl auch nur dann politisch motivierte Gewalt für Sie, wenn er sich auf einen NPD-Parteiratsbeschluss berufen könnte, habe ich Recht?
btw: Wo schreibt Statler eigentlich von Nazis? Ich kann das Wort im Beitrag nicht entdecken. Es geht aber in der Tat um die – nicht nur deutsche – “Lust am Pogrom”, von der auch MMarheinecke schreibt. Er bringt das in einem ausführlichen Beitrag auf seinem Blog ganz gut auf den Punkt:

Krawalle auf Volksfesten sind vorpolitisch. Da vertritt niemand eine ausformulierte politische Ideologie, da schlagen enthemmte junge Deutsche einfach zu, allenfalls mit ein paar mit Vorurteilen und rassistischen Klischees durchtränkten Sprüchen garniert. Sie lassen ihren “Gefühlen” freien Lauf – und das Gefühl heißt: unbestimmter Hass und Spaß daran, einfach “der Stärkere” zu sein, die Opfer “winseln” zu hören.

Organisierte Nazis nutzen und befördern diesen Mob als Spielmasse ihrer Strategie der Schaffung national befreiter Zonen – und bieten (biedern) sich ggf. gerne als “Ordnungsmacht” an. Eine alte totalitäre Strategie, das haben SA und RFB genügend vorexerziert. Die vor allem dann funktioniert, wenn möglichst viele wegsehen – aus Überzeugung, Feigheit oder aus gutem Grund (weil es nämlich bereits zu gefährlich ist, einzugreifen).

 
LePenseur, 20.08.2007 17:49

Werter ,
1. ist für mich “xenophob motivierte Gewalt” ebenso ein Problem wie jede andere, nicht xenophob motivierte Gewalt ebenso. Ich halte die Schaffung einer Sonderkategorie von Gewalt (nämlich die “xenophob motiverte”) für ebenso absurd, wie ich eine Qualifizierung der Randale von Rostock als “globalophob motiverte” Gewalt hielte. Gewalt ist Gewalt: wenn es sich nicht um durch die Rechtsordnung (und das Naturrecht, wie ich als alter Kathole hinzufüge — der Atheist mag dazu “übergesetzliche Rechtsgrundsätze” sagen, auch gut!) gedeckte, und damit legitime Gewaltausübung handelt, dann ist sie zu verurteilen. Ob es nun darum geht, daß linke Randalierer “die Reichen” hauen, rassistische Dumpfgummis “Ausländer” vermöbeln wollen, oder bierumdunstete Bayern “de Saupreissen”, ist einerlei. Gewalt ist Gewalt und ihrem Zerstörungseffekt proportional zu ahnden.

2. nicht den öffentlichen Hinweis auf “xenophob motivierte Gewalt” sehe ich als Problem, sondern die taxfreie Erklärung einer Schlägerei als “xenophob motivierte Gewalt”, ohne daß dazu hinreichende Belege vorlägen, außer dem Umstand, daß unter den Beteiligten Ausländer sind. So, wie nicht jeder Mord an einer Frau ein Lustmord ist, oder die Bezeichnung eines kokainschnupfenden Ex-Vizepräsidenten (nomina sunt odiosa) als arrogantes Arschloch nicht notwendigerweise einen Ausbruch latenten Antisemitismus bedeuten muß, sondern einfach als, wiewohl beleidigende, doch inhaltlich korrekte Personenbeschreibung aufgefaßt werden kann, so ist auch nicht jede Volksfest- oder Wirtshausschlägerei das Ausleben eines “Herrenrassedünkels” durch die Dorfjugend.

Und weil wir gerade so nett über “Herrenrassedünkel” plaudern: nein, Sie haben völlig recht — Kollege Statler hat das wort “Nazi” nicht geschrieben. Nur: ich habe mich auch erst in meiner Replik auf Koll. “R.A.” darauf bezogen, und der sprach zunächst sehr wohl von “Nazi-Pöbel”.

Ach, und was die “Lust am Progrom” betrifft: finden Sie nicht, daß das am vorliegenden Beispiel (acht Inder prügeln sich mit einer Übermacht von Ortsansässigen und flüchten sich in eine Pizzeria) ein bisserl überzogen ist? Progrome sehen m.W. anders aus. Oder glauben Sie, russische Juden wären um die Jahrhundertwende zu Hunderttausenden in die USA geflüchtet, bloß weil sie die autochthone Dorfjugend (ob mit oder ohne “Herrenrassedünkel” lasse ich jetzt einmal dahingestellt) versohlt hatte? Denen hat die russische Dorfjugend (mit tatkräftiger Unterstützung durch russische Behörden) die Häuser abgefackelt und die Menschen wenn nicht gleich umgebracht, so doch mit Umbringen bedroht: so schaut ein Progrom aus!

Vergleichen Sie damit den gegenwärtigen Fall: hat sich die Polizei auf die Seite der angeblich “herrenrassebedünkelten” Dorfjugend geschlagen, oder hat sie versucht, dazwischenzutreten und die unterlegene Seite zu schützen? Eben. Nein: so sehen Progrome nicht aus! Und ich bin, ich gesteh’s, relativ allergisch auf das eilfertige Auspacken der Faschismuskeule, bloß wenn irgendwo in deutschen Landen eine Schlägerei ausbricht.

Und, nochmals gesagt: ich bin noch viel allergischer darauf, wenn jemand fern vom Schuß den Augenzeugen einer Schlägerei gute Ezzes gibt, wie sie sich zivilcouragierter zu verhalten gehabt hätten. Und endgültig zum Kotzen (pardon l’expression) finde ich in dem Zusammenhang den Satz:

Aber wenn sich die Lust am Pogrom mit der Lust am Spektakel aufs Wundervollste verbindet, dann sollte man in Deutschland nicht damit rechnen, daß Tugenden noch irgendeine Rolle spielen.

Ich darf paraphrasieren:

Aber wenn sich die Lust an Besserwisserei mit der Lust am Hinhauen mit der Faschismuskeule aufs Wundervollste verbindet, dann sollte man bei einem deutschen Journalisten damit rechnen, daß “Tugenden” bestenfalls als Totschlagvokabel mißbraucht wird.

Journalisten und Tugend! Da lachen ja die Hühner ….

 
Statler, 20.08.2007 18:04

Ehrlich gesagt finde ich es etwas verwirrend, wenn man an der rechtsradikalen Motivation von Leuten zweifelt, die in unschönen Absichten im größeren Rudel einige Inder jagen und dabei “Hier regiert der nationale Widerstand” rufen. Es wäre mir neu, daß solche Sprüche neuerdings als harmlose Volksfestkomik durchgehen.

Aber gut, da laut Focus Online selbst die ermittelnden Behörden keinen Zusammenhang zwischen “nationalem Widerstand” und rechtsradikaler Gesinnung sehen, bin ich auch vielleicht einfach ein Hysteriker. Oder dieser Abschnitt dort unten ist einfach das absurdeste Stück Nachricht, das man seit langem gehört hat:

“Es habe sich bislang kein Anhaltspunkt für ein generell fremdenfeindliches Motiv ergeben, teilte die Polizei am Montag mit. Man ermittle in alle Richtungen. Gegen mehrere junge Deutsche werde wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung ermittelt. Zeugen hätten berichtet, dass die Verfolger bei den Übergriffen ausländerfeindliche Parolen wie „Ausländer raus“ und „Hier regiert der nationale Widerstand“ gerufen hätten.”

 
Libero, 20.08.2007 18:16

Werter LePenseur

ich würde mich wundern, wenn bei diesem Volksfest keine Rechten anwesend gewesen wären. Zu Volksfesten kommt man aus der nahen Umgebung. Das heißt bei Mügeln nicht nur Oschatz oder Torgau, sondern auch Riesa. Das sind knapp 25 km. Das in Riesa das Parteiorgan erscheint, dessen Chefredakteur ein gewisser Herr Apfel ist, muß man in Österreich nicht wissen. In Riesa ist auch die Landesgeschäftsstelle dieser Partei, nicht etwa in Dresden. Große Preisfrage: Um welche Partei handelt es sich? Die Gegend ist auch nicht schlecht zum Üben. Die Dahlener Heide und der Wermsdorfer Forst sind zwar nicht so ausgedehnt wie die Colbitzer Heide, aber auch hier finden Sie lauschige Ecken, wo Sie ungestört sein können, wenn Sie wollen.

 
LePenseur, 20.08.2007 18:23

… Zeugen hätten berichtet, dass die Verfolger bei den Übergriffen ausländerfeindliche Parolen wie „Ausländer raus“ und „Hier regiert der nationale Widerstand“ gerufen hätten.

Na, wie denn auch sonst. Die üblichen Zeugen (welche Zeugen? Egal. Hauptsache Zeugen!) machen die üblichen Angaben. Und die Medien erheben die üblichen Anschuldigungen. Irgendwie erinnert mich das alles an Casablanca: „Round up the usual suspects.“

 
Libero, 20.08.2007 18:39

Werter LePenseur

wenn Sie zu Fuß oder auf dem Rad durch Brandenburg oder Sachsen unterwegs sind, vornehmlich in der Nähe von Badegewässern, müssen Sie schon extrem schwerhörig sein, um nicht die einschlägige Musik der Herren Menschen zu hören. Aber wir können gerne mal gemeinsam durch die Gegenden fahren.

Zwei der Inder heißen übrigens Singh. Auch der Besitzer der Pizzeria heißt Singh. Das sind also höchstwahrscheinlich Sikhs. Singh bedeutet Löwe. 2 bis 8 Löwen haben also auf 50 schutzlose deutsche Jugendliche eingeprügelt.

 
Markus Oliver, 20.08.2007 18:53 Subscribed to comments via email

“Ehrlich gesagt finde ich es etwas verwirrend, wenn man an der rechtsradikalen Motivation von Leuten zweifelt, die in unschönen Absichten im größeren Rudel einige Inder jagen und dabei “Hier regiert der nationale Widerstand” rufen. Es wäre mir neu, daß solche Sprüche neuerdings als harmlose Volksfestkomik durchgehen.”

Das ist aber auch nicht der Punkt. Die Gesinnung ist bei der Bewertung der strafbaren Handlungen irrelevant, solange die Gesinnung nicht die besondere Verwerflichkeit der Tat ausdrückt. Beim Mord ist das z.B. der Fall, ein klassisches Beispiel für Gesinnungsstrafrecht. Bei Körperverletzungsdelikten ist eine erhöhte Strafbarkeit für die Gesinnung aus guten Gründen abzulehnen. Jedenfalls ist das bislang so, es gibt da ja – in meinen Augen recht fragwürdige, weil nur schwer bis unmöglich systematisierbar – Reformbestrebungen.

Maßgeblich ist allein die Frage der objektiven Strafbarkeit.

Ich persönlich gehe zwar davon aus, dass die Inder nicht so dumm gewesen sein werden einen Krieg mit den Einheimischen anzufangen, indes ist fraglich ob das Tatgeschehen überhaupt dergestalt rekonstruierbar ist, dass sich daraus eine Strafbarkeit eines vermeintlichen Rechtsradikalen aus einer ausländerfeindlichen Gesinnung heraus ergibt (die Gesinnung als solche wäre ja ohnehin nicht strafbar).

Auch im bereits genannten Fall aus Potsdam wurde das böse Wort “Nigger” ausgesprochen. Der Mann war trotzdem nicht schuldig. Man hat nämlich auch als Rechtsradikaler (Justiz-)Grundrechte.
Nicht jeder, der bei einer Gelegenheit ausländerfeindliche Sprüche macht, muss diese auch bei Tatbegehung umsetzen. Man kann auch als Rechtsradikaler Taten aus anderen Motiven als nur aus Rechtsradikalismus begehen.

Hätte einer der Inder z.B. die Freundin eines vermeintlichen Angreifers angesprochen, könnte ich mir sehr gut eine Eskalation vorstellen, die genauso auch ohne den Migrationshintergrund des Angegriffenen abgelaufen wäre. Das Ausrufen von Beschimpfungen – auch rassistischer Art – kann auch nur im Rahmen der Gelgenheit erfolgt sein. Ein rassistische Motivation der Tat als solche (wie sie durch den Tatbestand definiert ist) muss nicht zwingend vorliegen. Das war in Potsdam ja nachweislich auch nicht der Fall. “Nigger” war hier die Antwort auf “Schweinesau” oder so ähnlich.

Es ist auch zu befürchten, dass in der öffentlichen Wahrnehmung wieder einmal viele Dinge durcheinander gebracht werden:

1. Wird das Verhalten der Polizeiführer kritisiert werden. Ob zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt.
2. werden dann daraus Konsequenzen gezogen. Diese werden höchstwahrscheinlich dergestalt sein, dass es “Straf-”Versetzungen geben wird. Diese sind übrigens auch möglich ohne dass ein nachgewiesener Fehler vorliegt. Die können sogar vorgenommen werden, wenn der Beamte alles richtig gemacht hat. Es ist eben kein Straf-, sondern ein Verwaltungsverfahren.
3. werden dann daraus voreilig Schlüsse für das Strafverfahren gezogen. Wenn die Beamten schon strafversetzt werden, müssen die Täter ja schuldig sein.
4. Erwähnt habe ich ja schon, dass rechtsradikale Gesinnung nicht gleich rechtsradikale Tat bedeutet.
5. Selbst wenn alles genau so sein sollte, wie es die Presse darstellt: Es bleibt hemmungslos übertrieben.
In Deutschland werden jeden Tag – wirklich jeden Tag – weit schwerere Taten von Angehörigen ausländischer Banden begangen, nach denen kein Hahn kräht.
Es interessiert die linke Presse einfach nicht, dass:
1. Frauen systematisch vergewaltigt und der Prostitution durch libanesische Banden zugeführt werden.
2. Das arabische Jugendliche Jagd auf Homosexuelle und Schwarzafrikaner machen.
3. Das es eine gewaltige Korruptionskrimininalität gibt.
4. usw. usf.

Ich will die Taten dieser Leute durchaus relativieren. Das mag man mir gerne vorwerfen. Es ist in meinen Augen nicht einzusehen, warum man eine einzelne Gruppe von Leuten herauspickt und jede ihrer Taten geradezu dämonisiert.

Ich erinnere mich da an ein Zitat, das immer im Zusammenhang mit Antisemitismus gebracht wird. Vielleicht kann sich jemand daran vollständig erinnern. Es lautet in ungefähr so, dass im Rahmen eines Vorwurfs an Juden von einem anderen argumentiert wird, andere Leute würden das auch machen.
Die Antwort darauf lautet dann: Wir reden hier aber über Juden.
(Wer hat das bloß in welchem Zusammenhang gesagt? Ich habe das irgendwo einmal gehört).

Natürlich ist Rechtsradikalismus ein Problem. Aber man sollte doch nicht den Fehler begehen die Taten dieser Leute über alle Maßen hinaus hervorzuheben und das Verhältnis zu anderen Tätergruppen zu verlieren. Eine solche Verhaltensweise stellt eine eklatante Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen dar, die in ähnlich gelagerten Fällen immer wieder Schadenersatz nach sich zieht (Stichwort: Hervorheben eines einzelnen).

Ich kann mich jedenfalls an noch keine Titelstory wegen der immer schlimmer werdenden Ausländerkriminalität im Spiegel erinnern. Der Rechtsradikalismus ist eine willkommende Gelegenheit, um von den mitverusachten Problemen der Multi-Kulti-Gesellschaft durch die linksliberale Presse abzulenken. Die Kriminalität dieser Leute passt einfach nicht in das Weltbild der Redaktion. Und weil rechte Gewalt sehr gut in das Weltbild der Redaktion passt, wird sie eben so aufgebauscht.

Juristisch und polizeilich sind das allenfalls hochgepushte Nebenschauplätze. Sonst nichts.

Strafrechtlich ist in diesen Sachverhalten regelmäßig nicht viel Saft, darum wurde kürzlich von irgendeinem Deppen ja auch eine Straferfhöhung für rechts motivierte Taten angedacht. (War war das gleich? Mein Gedächtnis lässt nach)

 
noktavian, 20.08.2007 18:55

Also, es schon ein bisschen lächerlich, wie der selbsternannte Denker erklärt, wie ein vernünftiges Pogrom auszusehen hat. 50 Deutsche hetzen acht Inder mit ausländerfeindlichen Parolen über den Markplatz, belagern die Pizzeria, in die sich die Opfer flüchten, werfen Scheiben ein, treten Türen, demolieren das Auto des Pizzeriabesitzers ein und werden schließlich durch die anrückende Polizei abgedrängt. Das soll eine “übliche Wirtshausrauferei” sein ? Jetzt würde mich schon sehr interessieren, in welchem Landesteil die üblichen Wirtshausraufereien so aussehen.

Den unbeteiligten Festbesuchern allerdings vorzuwerfen, dass sie nicht eingeschritten sind, finde ich aber auch etwas gewagt. Zumindest ich würde mich nach einem Telefongespräch mit der Polizei auch lieber im Hintergrund halten, anstatt mich mannhaft 50 zugedröhnten Neonazis entgegenzustellen. Und dass man dann die Szene aus sicherer Entfernung verfolgt, ist ja auch nicht unbedingt verwerflich – vielleicht kann man ja später den einen oder anderen Täter identifizieren.

 
LePenseur, 20.08.2007 19:06

@Libero:

Ach Gott! Jetzt wird schon die Namensbedeutung zum exegetischen Befund kriminellen Geschehens stilisiert. Bald werden wir hören, daß die Äpfel des Herrn Apfel wohl nicht weit vom Stamm fallen können und somit biologisch und nach Newtons Fallgesetzen nachweislich der Konnex zum Neonazismus gegeben sein muß.

“Die Würmer werden eingeteilt …” (so Ihnen dieser alte Schulwitz noch etwas sagt) — mit dieser Methode findet man immer eine Hinterbedeutung, nur fragt sich, ob sie zu mehr als zum Auswischen taugt. Aber darauf kommt es, wenn die “Lust am Progrom” bereits vollmundig und mit der bekannten Unfehlbarkeit journalistischen Tief-, Weit- und Überblicks konstatiert wurde, nicht mehr an.

 
Libero, 20.08.2007 19:21

Werter LePenseur

Sie sind nicht mal auf die Idee gekommen, daß der letzte Satz ironisch gemeint war.

Davon abgesehen sind die Inder mit größter Wahrscheinlichkeit Sikhs. Anscheinend wissen Sie wirklich nicht, daß die männlichen Sikhs fast immer Singh heissen.

 
LePenseur, 20.08.2007 20:08

Ach, ganz besonders werter Kollege Libero,

was soll ich jetzt noch sagen. Sei haben mich ja soooo total erwischt! (Ironie aus)

Was ich vielleicht doch noch sagen sollte: ich weiß zwar nicht, wie es sich mit Ihrer Kenntnis des Sikhismus verhält, meine ist ziemlich gut für einen Mitteleuropäer. Ich habe mich u.a. (vergleichende Religionswissenschaft war scho immer eines meiner Lieblingshobbies) durch einige Teiles des “Adi Grant” gequält (wenn auch auf Englisch) und darüberhinaus ein paar Werke über diese interessante Religion Indiens gelesen. All dem entnahm ich u.a., daß die Sikhs, insbesondere die männlichen Geschlechts, eine durchaus als militant-machistisch zu charakterisierende Attitüde an den Tag legen. Und, Sie werden es nicht für möglich halten, daß “fast” alle männlichen Sikhs den Ehren- und Beinamen “Singh” führen, habe ich auch schon vor Ihrem geschätzten Hinweis gewußt …

Aber vielleicht hätten Sie die Güte, meine obige Replik nachmals zu lesen, dann kämen sie möglicherweise drauf, welche Ironie ich in diese verpackt habe, denn ich habe den Verdacht, “Sie sind nicht mal auf die Idee gekommen, daß der erste Absatz ironisch gemeint war” (um Sie mutatis mutandis zu zitieren). Macht nix. Es ist nicht so wichtig …

 
DF, 20.08.2007 20:12

Meine Erfahrungen mit der Zone bestätigen einen Generalverdacht, den ich im Einzelfall gerne widerlegen lasse: Wenn es gegen Touristen und Migranten geht, ist Rassismus einer besonders widerwärtigen und gewalttätigen Spielart (die in der BRD sonst nicht so verbreitet ist) am Werk.

 
Rayson, 20.08.2007 20:38

Es täte versammelten Egos vielleicht gut, sich zugunsten der hinreichend ätzenden Sache etwas zurückzuhalten. Sage ich als ausgeprägtes Ego mal so…

Beim gegenwärtigen Stand der Sachlage gehört jedenfalls eine gute Menge zielgerichteter Fantasie dazu, die Inder als Angreifer zu identifizieren. Die aus meiner Sicht glaubwürdigste Variante ist bislang die der gezielten und organisierten Provokation.

Warten wir also besser ab. Für Rundumschläge und die Bedienung diverser Stereotype ist die Zeit der Unwissenheit zwar ideal, aber wir sind ja auch keine Anfänger mehr, oder?

 
Franklin D. Rosenfeld, 20.08.2007 20:46

@ LePenseur

“Und die Medien erheben die üblichen Anschuldigungen. Irgendwie erinnert mich das alles an Casablanca: „Round up the usual suspects.“”

Ja, genau! Keiner hat Mitleid mit den armen Nazis! Absolute Frechheit. Kommen diese Auslaender hierher und erwarten, dass die deutsche Polizei sich auch noch um sie kuemmert! Koennte ja jeder kommen…

 
Libero, 20.08.2007 20:46

Werter LePenseur

Sie haben so eine dezente und doch gewichtige Art, Ironie auszudrücken, daß es mir keineswegs entgangen ist, daß Sie diesen Absatz ironisch meinten. Selbstverständlich war mir auch bewußt, daß Ihnen der Nachname und die Religion der Sikhs geläufig ist.

 
milesdavis, 20.08.2007 21:00

ich schließe mich mal ganz der provonummer an. und da mügeln in der nähe von orten wie leissnig und döbeln liegt, ist das mit der nazivariante fast nicht mehr von der hand zu weisen. ferner möchte ich darauf hinweisen, das am 01.mai 2007 etwas 250 in schwarz gekleidet sächsische und auswertige nazis durch den kleinen ort roßwein marschierten und das dortige jugendhauszu attackieren. zum glück, waren nur zwei menschen anwesend. die umtriebe der nazis in dieser region sind nicht zu unterschätzen. siehe auch: hier. mittweida ist ebenfalls nicht sehr weit entfernt…

 
Howard, 20.08.2007 22:51

“Es ist geradezu symptomatisch für die misslungene Integration in Deutschland, dass Türken und andere Einwanderer auf Straßen- und Dorffesten – verglichen mit ihrer sonstigen Präsenz – deutlich unterrepräsentiert sind. Von daher spricht es zunächst einmal für den westsächsischen Ort Mügeln, dass dort noch nach Mitternacht eine Gruppe Inder im Bierzelt kräftig mitfeierte und -tanzte. In einem Nest von Rassisten und Rechtsextremisten wäre das wohl nicht passiert.” Zitat aus der FAZ

 
marc, 20.08.2007 23:22 Subscribed to comments via email

@Statler

nichts gegen Zivilcourage. …zwei …drei Leuten habe ich mich auch schon mal in den Weg gestellt. aber ich möchte ja mal sehen, ob du versuchst dich einem fünfzig Mann starken Mob entgegenzustellen. vom Schreibtischsessel aus ist es immer leicht ein Urteil zu fällen.

außerdem zu zwei anderen Stellen in deinem Artikel: die verfolgten Inder waren bestimmt keine “Besucher” sondern sicherlich Residents. und die Pizzaria gehört nicht Italienern sondern Indern.

 
marc, 20.08.2007 23:33 Subscribed to comments via email

ps: macht mal bitte das Fenster für die Kommentareingabe ein bisschen länger. …das ist viel zu klein geraten, sehr unübersichtlich.

jo@chim, 21.08.2007 01:29

besser marc?

 
 
Marco, 21.08.2007 09:30

@Statler

Ihr Beitrag ist echt das letzte. Eine liberale Grundhaltung sieht anders aus. Danke, dass Sie die Maske haben fallen lassen. Wer in den kollektivistischen, antideutschen Rassismus von links einstimmt, der macht sich für mich unglaubwürdig bis auf die Knochen.

jo@chim, 21.08.2007 11:08

Was, bitteschön, werter Marco, ist denn daran “kollektivistisch” oder “antideutsch”, zu Zivilcourage gegen rassistische Arschlöcher aufzufordern? Ist die Hatz auf Nicht-Autochthone liberal? Ist es glaubwürdig, auf die strukturelle Gewalt in den Multikultighettos westdeutscher Grossstädte hinzuweisen, aber die “Rule of Fear” in der ostdeutschen Provinz kleinzureden und als linke Erfindung abzutun?

Marco, 21.08.2007 16:27

1.) Wenn so ein linguistischer Müll wie “Herrenrassedünkel” fällt, dann hat das einen Grund. Würde werter Statler auch davon schwadronieren, wenn 40 Türken einen Deutschen jagen und vernichten wollen? Ich bezweifle das mal.

2.) //Aber wenn sich die Lust am Pogrom mit der Lust am Spektakel aufs Wundervollste verbindet,//

.. was man ja kennt. Von den Deutschen. Von den Nazi-Deutschen. Mit dem Nazi-Gen. Dem Hass-Gen. Das Volk des Bösen.

3.) Um aber ganz deutlich zu werden: Es ist “kollektivistisch” und “antideutsch” Deutschen auf Grund ihres Deutschseins ohne jegliche gesicherte Informationen ein negatives Verhalten zu unterstellen.

4.) //Ist die Hatz auf Nicht-Autochthone liberal?//

Die Frage ist so dumm wie unanständig. Du stellst sie aus reiner Unsterstellung, denn selbstverständlich ist es das nicht.

5.) //Ist es glaubwürdig, auf die strukturelle Gewalt in den Multikultighettos westdeutscher Grossstädte hinzuweisen, aber die “Rule of Fear” in der ostdeutschen Provinz kleinzureden und als linke Erfindung abzutun?//

Wer tut das? Ich nicht. P.S. Was ist denn die “Rule of Fear”. Ich dachte der (politisch) korrekte Anglizismus wäre “No-Go-Area”. Aber ich will auch eines klar sagen: Hier wird auch viel dramatisiert
Ich habe mal mehrere Monate freiwillig in einem sogennanten “Übergangswohnheim für Asylbewerber” gearbeitet (im “tiefsten Osten”) und die einzigen, die da in Angst lebten, das waren die Mitarbeiter und Anwohner. Auch icht dürfte das zweifelhafte Vergnügen teilen, von einem mutmaßlichen Angolaner mit dem Tode bedroht zu werden. Was macht die Polizei? Zuckt mit den Achseln und unter dar Hand wurde mir von der Dienststellenleiterin gesagt, sie dürften da nichts machen – Anweisung von oben – Scheiß Staat!
Aber, das gehört zur Wahrheit dazu, ich habe auch eine handvoll sehr intelligente, gebildete und hoch anständige Asylanten kennen gelernt (z.B. einen Iraker, der mir jeden Monat eine riesige Packung von so einem orientalischen Schwarztee geschenkt hat. hehe) Es kommt halt auf die einzelne Person an, auf das Individuum.

6.) Abschließend: Statler, und all die anderen Großmäuler, Euch möchte ich mal sehen, wenn vor euren Augen eine riesige Hetzmeute Leute durch die Gegend jagt. Ihr greift bestimmt ein. Ganz bestimmt. Ihr seid ja schließlich zivilcouragiert. Hurraaaaaa! Ich bin wenigstens so ehrlich zuzugeben, dass ich mich nicht allein gegen 50 Leute (dazu vermutlich noch total betrunken) stellen würde. Denn wenn diese Masse mich ins Koma prügelt, dann darf ich vielleicht nicht nur lebenslang querschnittsgelähmt mit dem Rollstuhl durch die Gegend düsen, nein (BRD-Gesetzen sei dank) erhalte ich nicht mal EINEN EINZIGEN CENT von der Versicherung. Habe ich Glück und die Opfer sind Ausländer, dann steht die Wahrscheinlichkeit gut, dass ich zumindest von der ganze widerlichen Antifa-Industrie als Märtyrer instrumentalisiert werde und von dieser Stelle wenigstens ein bissl Kohle. Ist die Hetzmeute aber arabisch, türkisch o.ä. und die Opfer Deutsche … Mann, dann hätte ich echt die Arschkarte gezogen.

 
 
 

[...] Durchschnittsdeutscher, das eine erstaunliche Konstanz aufweist: Hetero, weiß, männlich. Und, dessen ungeachtet:  Rassismus muß ja erst einmal bewiesen werden und ist juristisch sowieso i… (ich meine manche Kommentare, nicht den Eintrag, den fand ich [...]

 
Statler, 21.08.2007 10:20

Zum Thema Zivilcourage:

Nein, alleine würde ich auch nicht versuchen, mich alleine mit 50 wildgewordenen Nazis zu prügeln. Aber wenn 100, 150 Leute unbeteiligt drumherumstehen, dann ist das mindeste, das man tun kann, Widerstand — oder irgendeine andere Aktivität — in dieser Menge von Schaulustigen zu mobilisieren.

Was meint Ihr wohl, was passiert wäre, wenn sich wenigstens ein Drittel dieser Leute schützend vor die Inder gestellt hätte, anstatt sich unbeteiligt bis zustimmend das Spektakel anzusehen?

jo@chim, 21.08.2007 10:52

Das ist doch Science Fiction Statler: wenn der Mob nicht von der stillschweigenden Zustimmung seines Umfeldes hätte ausgehen können, wären die erst gar nicht durch die Strassen gezogen…. das waren für die Einheimischen “unsere Jungs”. Antifa-Folklore hilft da nicht weiter. Schon gleich nicht, deren oft genug ebenso gewalttätigen Widerstandsbegriff zu transportieren. “Strassenkampf” ist genau das, was rechte und linke Extremisten wollen.
Normalerweise sollte man in jedes verdammte ostdeutsche Dreckskaff, das mit sich “national befreite Zone” spielen lässt, die GSG9 schicken. Und die Subventionen sperren. Das tut denen weh und würde auch FDP-Bürgermeister dazu motivieren, das Problem nicht klein zu reden.

 
 
Libero, 21.08.2007 10:28

@Statler

das setzt einen Gemeinschaftssinn voraus, der nicht vorhanden ist.

 
LePenseur, 21.08.2007 11:20

Ich finde es irgendwie belustigend, daß in diesem Thread gegenüber Ostdeutschen genau das betrieben wird, was gegenüber einem Inder/Afrikaner/egal wem sonst geradezu idealtypisch als Vorurteil angesehen würde. Man ersetze im Satz:

“…da mügeln in der nähe von orten wie leissnig und döbeln liegt, ist das mit der nazivariante fast nicht mehr von der hand zu weisen” (milesdavies, 20.08.2007 21:00)

einfach die Ortsbezeichnungen durch die von Immigrantensiedlungen und füge daran die Behauptung, daß die “Sozialmißbrauchsvariante fast nicht mehr von der Hand zu weisen” sei: ein Sturm der Entrüstung über solch fremdenfeindliche, menschenverachtende, pauschalisierende Vorurteile bräche los. Wobei die Ironie an der ganzen Chose ist, daß der Vorwurf des Sozialmißbrauchs (d.h. einer Ordnungswidrigkeit) wohl ungleich geringer wiegt als der, ein Nazi zu sein (d.h. Mitglied bzw. der Unterstützer einer verbrecherischen Vereinigung) …

Aber wie es natürlich unzulässig und rassistisch ist, darauf hinzuweisen, daß z.B. türkische Jugendbanden ihre nichttürkischen Mitschüler terrorisieren, daß Immigranten überproportional an der Verbrechensstatistik beteiligt sind etc., genau so ist es natürlich zulässig, über Volksfestteilnehmer in Mügeln den Generalverdacht des Nazitums zu legen und auch den Nichtbeteiligten an der Schlägerei, ja ganz Deutschland zu unterstellen, damit sei schlagend widerlegt, daß hier “Tugenden noch irgendeine Rolle spielen” (© Statler). M.a.W.: wo keine Tugenden (die ja erst das Mensch-Sein ausmachen) vorhanden sind, da ist das Gebiet des Unmenschentums. Deutschland = lauter Nazis, sozusagen — oder was sollte diese Wortspende denn sonst insinuieren?

Nicht bös’ sein, p.t. Herr Statler: ich finde derartige Pauschalurteile vom Kothurn der politisch korrekten Selbstgerechtigkeit einfach zum Brechen.

 
Statler, 21.08.2007 11:42

@

An Straßenschlachten hatte ich dabei gar nicht gedacht. Aber so niederträchtig der Mob auch ist, so feige ist er dann oft auch, wenn sich ihm unerwarteter, vielleicht auch nur symbolischer Widerstand entgegenstellt.

Wie gesagt, wenn einfach nur ein paar dutzend Leute sich als menschliche Barriere zwischen Täter und Opfer stellen, dann läuft das manchmal schon auf eine kognitive Überforderung der Täter hinaus…

 
Markus Oliver, 21.08.2007 12:19 Subscribed to comments via email

Da sprechen wahrscheinlich hundert Jahre Erfahrung aus Straßenschlachten in Unterzahl.
Nebenbei werden so ziemlich alle Aggressionstheorien betreffend Gruppendynamik bei Seite geschoben.

Ich schlage daher einen Selbstversuch des Versammelten A-Teams vor. Bitte rechtzeitig bekannt geben, damit ich den Ort des Selbstversuches für einen wissenschaftlichen Versuchsaufbau präparieren kann. Aber bitte lasst die Familienväter da raus.

Da wird es interessant. Ein paar Intellektuelle im mittleren Lebensalter mit intellektuellen Hobbies gegen eine Überzahl aus Arbeitslosen, Handwerkern, arbeitslosen Handwerkern, etc. Spitznamen: Bummi, Kloppi, Keule, Buffi, etc. mit den “einschlägigen” Hobbies. :-D
Bitte bedenkt noch vorher die aktuelle Rechtsprechung zur Minderung der Erwerbsfähigkeit bei Vorschäden (Jo@chim, denk an Dein Bein – die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt alle Schäden betreffend dieses Beines nicht, weil ein Vorschaden vorliegt! (Stichwort: Merkfähigkeit von Sehnen und vorangegangene Muskelverletzung im Zusammenhang mit Frakturen). Die Ökonomen unter Euch können aber ganz sicher die “geringfügigen” Einschnitte im weiteren Lebenseinkommen ausrechnen, wenn man Berufsunfähig wird. Das ist bestimmt nicht viel Geld!

Und das Pissen durch den seitlichen Ausgang ist auch nicht so schlimm – man gewöhnt sich an alles!

Es geht schließlich nichts über Zivicourage. Dafür lassen sogar Ökonomen mal die ganz selbstlos die Vernunft und den Eigennutzen außen vor.

 
R.A., 21.08.2007 12:52

@Statler:
> Aber wenn 100, 150 Leute unbeteiligt
> drumherumstehen …
War das so?
Bisher sind die Medienberichte immer noch recht dürftig.

Da müßte man schon etwas genauer wissen, wie sich das entwickelt hat.
Die meisten Zuschauer wird es wohl am Ende gegeben haben, wenn es dann alle mitbekommen haben – als die Polizei sich die Randalierer gegriffen hat.

Es ist denkbar, daß es nach dem erstem Streit mal eine Phase gegeben hat, wo einige ruhige Bürger eine Chance gehabt hätten, deeskalierend dazwischen zu gehen.
Aber sicher ist es nicht.

 
jo@chim, 21.08.2007 12:56

Ich verstehe ganz gut, was Du meinst Markus. Hatte Anfang der 90er mal eine Springerstiefel induzierte Knieverletzung, weil ich ein paar Deppen beim “Ausländerklatschen” in die Quere gekommen bin. Aus meiner heutigen Sicht der Situation… würde ich ebenso selbstverständlich wieder eingreifen, wie ich ohne nachzudenken einen Rettungssprung in die Regnitz machen würde, ohne mir über meinen Anzug Gedanken zu machen. Soviel Zivilcourage würde ich mir schon gönnen wollen.
Etwas anderes ist es, sich einer Stampede des Mobs (ob in der Geschmacksrichtung “Nazi”, “Hooligan” oder “Türkengang” ist dabei völlig belanglos) in den Weg zu stellen.
Dafür gibt’s Handies, mit denen man die Jungs anrufen kann, bei denen dann ggf. die BU zahlt. Aber damit kennst Du Dich ja aus.

 
Medea, 21.08.2007 12:59

Diese Art von Menschenmenge ist doch inzwischen auch untersucht worden bzw. warum sie nicht eingreifen, da entsteht ebenfalls eine Art von Gruppendynamik und zwar je größer die Gruppe ist.

Was passiert denn, wenn der Erste versucht, sich – in dem Fall – 50 besoffenen männlichen Jugendlichen entgegen zu stellen und niemand folgt ihm? Dann passiert genau das, was Marcus Oliver anspricht. Derjenige, der dann schwer verletzt wird, kann anschließend sehen, wie es weitergeht und sich mit dem Sozialamt um einen Rollstuhl streiten. Ein derartiger Fall ging auch mal durch die Presse.

Die Polizei hat in solchem Zusammenhang schon des öfteren darauf hingewiesen, es wäre besser, die Polizei zu rufen als selbst einzuschreiten.

Mich würde mal interessieren, welcher der Kommentatoren, ja auch Statler, sich schon mal in einer solchen Lage befunden und dann tatsächlich eingegriffen hat.

 
R.A., 21.08.2007 12:59

@Joachim:
> Das tut denen weh und würde auch
> FDP-Bürgermeister dazu motivieren, das
> Problem nicht klein zu reden.
Bei allem Respekt vor dem Kollegen Hagen – ich sehe bisher überhaupt keinen Grund, den Bürgermeister zu kritisieren.

Er redet darüber, daß es bei den Ortsbewohnern keine aktive Nazi-Szene gibt.
Wieso sollte man ihm das nicht glauben?

Wenn die Medien-These stimmt, daß da eine organisierte Neonazi-Gruppe Kern des Geschehens war, dann war die offenbar nicht aus Mügeln selber.
Und wenn dann anschließend diverse Jugendliche von dort im Pulk mitgelaufen wären, widerspricht das nicht den Aussagen von Deuse.

 
T.Albert, 21.08.2007 13:14

“Wobei die Ironie an der ganzen Chose ist, daß der Vorwurf des Sozialmißbrauchs (d.h. einer Ordnungswidrigkeit) wohl ungleich geringer wiegt als der, ein Nazi zu sein (d.h. Mitglied bzw. der Unterstützer einer verbrecherischen Vereinigung) …”

Sagen Sie mal, Sie Meister Denker, keine Ahnung, hinter welchem Zaun Sie sitzen, aber Sie haben nicht mehr alle Latten dran.

Was ist das für ein Gerede! Ich bin genau einmal mit einer persichen Freundin durch Brandenburg gelaufen, das hat mir gereicht. Unsere Studenten aus der Gegend haben uns vor national befreiten No-Go-Areas immer gewarnt. Wer dort praktisch arbeitet, so hab ich das in den 90 Jahren erlebt, beispielsweise als Landschaftsarchitekt, hat dort mit Problemen zu tun, die nicht nur aus Gewaltbereitschaft entstehen, sondern aus Gewalt. Das hat übrigens wirtschaftliche Folgen. Ich kannte Leute, die dort schlicht und einfach nicht mehr arbeiten wollten, ob als weisse oder sonstwie farbige Deutsche, oder als irgendwie farbige Deutsche. Die persische Freundin übrigens ist durchaus “westlich” gekleidet und spricht und schreibt ein fehlerfreies Deutsch, wie es sich die Glatzen gar nicht vorstellen können, sie weiss wohl auch sonst mehr von deutscher Leitkultur. Auch in Berlin meidet manche Leute manche Gegenden, kann sein, dass es sich um Vorurteile handelt, aber als Fussgänger ohne Auto gewöhnt man sich Orientierungssysteme an, die auch sowas einbeziehen. Und seltsamerweise kann ich mich in Berlin durch all die bösartigen türkischen und arabischen Gegenden problemlos bewegen, auch mich in normalem Deutsch verständigen.

LePenseur, 21.08.2007 16:54

Nun, wie schön, daß sie sich “in Berlin durch all die bösartigen türkischen und arabischen Gegenden problemlos bewegen” können. Das können nicht alle, wenn man sich die (ohnehin bis zur Unkenntlichkeit geschönten) Polizeiberichte über Ausländer-Kriminalitätsraten so ansieht.

Auch in Wien würde ich in bestimmte Bezirke nächtens keinen Fuß setzen (und werde in dieser Absicht durch ähnlichgelagerte Polizeistatistiken bestärkt) — seltsamerweise sind es durchwegs typische “Ausländerbezirke”. Naja, wie der Zufall halt so spielt … anderes anzunehmen verbietet sich, denn das wäre doch Rassismus und Ausländerfeindlichkeit.

 
 
Markus Oliver, 21.08.2007 13:32 Subscribed to comments via email

Bei denen zahlt die BU auch nicht, wenn man einen – irgendwie gearteten – Vorschaden finden kann.

Gleiches gilt für den Dienstherren. Auch dieser stellt auf Vorschäden ab. Hat der Beamte in irgendeiner Weise vorher schon eine Verletzung gehabt, die die Schädigung in irgendeiner Weise erleichtert haben kann, wirkt sich das auch bei der Versetzung in den Ruhestand aus.

Noch schlimmer sieht es bei Soldaten aus.

Fallbeispiel:

Feldwebel A wird nach Afghanistan geschickt. Er fährt doch auf Streife und wird durch eine seitlich neben dem Feldweg liegende Granate verletzt, die plötzlich explodiert.
Der Feldwebel wird dienstunfähig.

Es kommt zum Streit darüber, ob der Feldwebel im Rahmen eines Einsatzgeschehens verletzt wurde, in das er bewusst ging oder nicht.

Der Feldwebel argumentiert, die Entsendung sei konkret lebensgefährlich gewesen. In Afghanistan auf Streife zu fahren sei wesentlich und vor allem konkret lebensgefährlicher als das in Deutschland zu machen.

Der Dienstherr argumentiert der Feldwebel habe sein Leben nicht bewusst risikiert. Ein sog. “qualifizierter Dienstunfall” (ein Dienstunfall der das bewusste Riskieren des eigenen Todes beinhaltet und daher ein erhöhtes Unfallruhegehalt nach sich zieht) läge daher nicht vor. Der Beamte sei sich nicht bewusst gewesen, dass die Streife lebensgefährlich sei.

Der Dienstherr gewinnt vor Gericht.

Das macht das Bundesministerium der Verteidigung mit einer ganzen Reihe von Soldaten die im Einsatz verletzt wurden.

 

[...] auf alkoholisierten Provinzboden gefallen, sich vermehrt haben, der Hass als Bindeglied für einen ereignisreichen Abend, wie am Sonntag im sächsischen Mügel. Schwuppdiwupp die Nationale Front Mügeln ist geboren, für [...]

 
Medea, 21.08.2007 14:11

@Markus Oliver
Das mit dem Soldaten ist jetzt nicht wirklich wahr, oder? Ich fasse es nicht.

Ich erinnere mich nur, dass damals durch die Presse ging, ein Mann trat einigen Jugendlichen entgegen, die Frauen in der Bahn belästigt haben. Er wurde dabei schwer verletzt, aber das Sozialamt etc. wollte ihm nicht helfen mit der Begründung, er hätte sich ja selbst in Gefahr begeben, mit anderen Worten: er wäre halt selbst schuld.

 
Markus Oliver, 21.08.2007 14:25 Subscribed to comments via email

Doch das ist so, leider. Nach Afghanistan zu gehen ist nach Ansicht der Gerichte eben nicht das bewusste hineingehen in eine konkret lebensgefährliche Situation.

Es gibt aber auch noch Beispiele aus dem Kosovo, in denen Soldaten verletzt wurden. Kein bewusstes Hineingehen in die lebensgefährliche Situation. Das hätte quasi auch in Bayern passieren können.

Ich kann die Gerichte dabei sogar teilweise verstehen. Der sog. qualifizierte Dienstunfall soll eine Art besonderen Schutz bieten, den Beamte und Soldaten nur erhalten, wenn sie wirklich ihr Leben riskieren. Das Todesrisiko soll quasi mit einem besonderen Schutz belohnt werden.

Leider gibt es zwischen der Versorgung nach einem anerkannten qualifizierten Dienstunfall und der sonstigen Versorgung einen riesigen Unterschied. Der Gesetzgeber hat es versäumt die Lücke zu verringern. Deshalb sehen jetzt viele Vollzugsbeamte und Soldaten in die Röhre.

So wurde z.B. ein Polizist der sich Streifenfahrt befand und plötzlich von einem Bankräuber niedergeschossen wurde, nicht mit einem erhöhten Unfallruhegehalt versorgt. Er hat sich ja nicht bewusst in Gefahr begeben. Seine Rente betrug dann knapp 1100 € brutto im Monat. Davon muss er sich privat versichern. Dumm nur, dass private Unfallversicherungen den Beamten wegen bereits erlittener Verletzung nicht versichern wollten. Er hatte also keinen ausreichenden Schutz.

Gar nicht viel für eine Querschnittslähmung, oder?
Das will ich aber gar nicht kritisieren, in anderen Berufen kann man auch einen Unfall versorgen. Die Lücken müssten eben nur ein wenig geschlossen werden.

Aber zurück zum Thema: Angesichts der Rechtsprechung zur Minderung der Erwerbsfähigkeit und der schwierigen Situation der Opfer kann ich jeden nur davor warnen Zivilcourage zu zeigen. Am Ende steht man als Opfer ganz alleine dar und allen anderen ist es egal, wie und ob man klarkommt.

 
Dalayah, 21.08.2007 16:41

Es muss so ein ego-Ding sein, dass Männer bei dem Wort “Zivilcourage” immer gleich an Heldentaten denken, allein gegen 50 Nazis, Purple-Heart included… :-)

Nein, wenn der Fascho-Mob mal am stürmen ist, sollte man eh das weite suchen !

Aber, ich finde Zivilcourage kann vom schon viel früher gezeigt werden. So ein Vorfall beginnt doch nicht mit einem völlig überraschenden aufspringen von 50 zuvor friedlichen Jungs von ihren Bierbänken.

Es fehlen engagierte Bürger, die diesem Pack gar nicht erst gestatten, sich auf dem Fest herumzutrollen. Zivilcourage zeigt der Wirt, wenn er den Nazis gar nicht erst gestattet sein Bierzelt zu betreten oder wenn er rechtzeitig keinen Alkohol mehr ausschenkt, oder sie rauswirft, wenn sie anfangen ihre “Lieder” zu singen. Zivilcourage ist, wenn Bürger schon die Polizei rufen, wenn sie anfangen sich gegenseitig aufzuheizen und ihre Parolen zu gröhlen. Pflichtbewusstsein ist es, wenn die Polizei auf solche Anrufe auch reagiert, und mit genügend Mann vor Ort erscheint, um für den Fall der Fälle einzugreifen. Zivilcourage ist es auch, wenn mal einer auf die Inder zugeht, und ihnen erklärt, dass es hier bald “heiss” wird, weil die vielleicht die doitschen Sitten und Gebräuche in so einem ostdeutschen Provinznest noch nicht kennen, denn als Einheimische kann ich gut einschätzen, dass es bald “losgeht”.

Aber das ist alles mal wieder nicht geschehen, von daher verstehe ich Statler, wenn er eine “Lust am Progrom” unterstellt.

LePenseur, 21.08.2007 17:13

Ts, ts ts! Sie RASSIST! Jetzt kommen Sie gleich noch damit, daß etwa noch die Inder daran schuld sind, wenn sie Sikh-Turban-behütet ganz unauffällig und harmlos bei einer Dorf-Fête rumsitzen. Wie soll das noch enden! (Ironie aus — sicherheitshalber, falls Kollege Libero noch mitliest ;-)

Ja, natürlich gehört sowas auch zur Zivilcourage, und die hätte mancher durchaus rechtzeitig zeigen können, da gebe ich Ihnen völlig recht. Aber so, wie ich eben nicht mit einem Rosenkranz in der Hand und einem großen Plakat “Jesus liebt dich!” am Rücken Freitag mittags durch ein Moslemgebiet flaniere, so haben sich eben auch andere bei eskalationsträchtigen Gelegenheiten (Dorffeste und ähnliche Besäufnisse gehören nun mal dazu!) mit einem Minimalaufwand an Klugheit zu verhalten. Jedoch einfach zu sagen: “In Mügeln sind lauter Nazis — die, die Inder hauen, sowieso, und die, die zuschauen ebenso, weil sie nicht eingegriffen haben”, ist einfach schäbig.

Daraus dann flugs eine “Lust am Progrom” zu konstruieren, das ist schon nicht mehr schäbig — in Kenntnis der Rechtsfolgen werde ich mir jedoch verkneifen, näher zu erläutern, was es meines Erachtens ist. Aber denken darf ich’s mir wenigstens … (noch)

 
 
R.A., 21.08.2007 17:09

@Dalaya:
> Aber, ich finde Zivilcourage kann vom
> schon viel früher gezeigt werden.
Klingt gut, ist aber ziemlich realitätsfremd.

> Es fehlen engagierte Bürger, die diesem
> Pack gar nicht erst gestatten, sich auf
> dem Fest herumzutrollen.
Soll heißen, der “engagierte Bürger” spielt auf dem Dorffest den Türsteher und weist (ohne jede Rechtsgrundlage) Leute ab, die nach seinem subjektiven Eindruck zum “Pack” gehören?
Solche Blockwart-Versuche wären eindeutig rechtswidrig.

> Zivilcourage zeigt der Wirt, wenn er den
> Nazis gar nicht erst gestattet sein
> Bierzelt zu betreten …
OK, der hat im Gegensatz zum “engagierten Bürger” immerhin Hausrecht – aber das deckt auch nicht so willkürliche Maßnahmen.

> oder wenn er rechtzeitig keinen Alkohol
> mehr ausschenkt,
Generell richtig, hier aber wohl nicht ausschlaggebend.

> Zivilcourage ist, wenn Bürger schon die
> Polizei rufen, wenn sie anfangen sich
> gegenseitig aufzuheizen und ihre Parolen
> zu gröhlen.
Ist das ein übliches Verhalten solcher Gruppen? Parolen zu gröhlen, die eindeutig Straftatbestände erfüllen?
Oder soll die Polizei dauernd auf irgendwelche “Zivilcourage”-Anrufe reagieren, obwohl sie dann vor Ort nichts weiter machen kann als mangels gesetzlicher Grundlage auf ein Eingreifen zu verzichten und sich wieder zu verabschieden.

> Zivilcourage ist es auch, wenn mal einer
> auf die Inder zugeht, und ihnen erklärt,
> dass es hier bald “heiss” wird, …
Bevor es zur Randale kam, wäre so eine Warnung lächerlich bzw. würde darauf hinauslaufen, daß man deutsche Volksfeste grundsätzlich zur ausländerfreien Zone deklariert.
Und nach der Randale wußten die Inder das auch ohne Warnung.

> weil die vielleicht die doitschen Sitten
> und Gebräuche in so einem ostdeutschen
> Provinznest noch nicht kennen,
Das ist jetzt aber die wirklich plumpe Wessi-Arroganz.

 
T.Albert, 21.08.2007 19:16

Herr DenkerSie,

es gibt kaum Ausländer in Ostdeutschland. Es gibt auch Ausländer, die nicht hin wollen. Es gibt auch Deutsche, die nicht mehr hin wollen. Es gibt Leute, die dort weggegangen sind, weil sie nicht mehr arbeiten konnten. Da ich es in den neunziger Jahren auch mal versuchen durfte, verstehe ich das. Wenn dort, wie man hört, Frauen weg gehen, dann verstehe ich das auch. Und wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben genau damit zu tun.

Und davon ist die Rede, und nicht von Ihren angeblich geschönten Polzeiberichten Wiens, auch nicht Berlins, was mein Beispiel war.

Und ich habe den Eindruck, dass von “Ausländerproblemen” ich ein bisschen mehr verstehe als Sie, das machen berufliche und lebensweltliche Erfahrung. Ich habe nämlich immer in solchen Stadtvierteln gewohnt. 1992, in der Pogromstimmung, die ich am eigenen Leibe zu spüren bekam, war ich plötzlich ganz froh darüber. Seither wird viel getan gute Nachbarschaften zu zerstören. Bandenprobleme gab es damals auch: deutsche Banden, arabische, griechische, türkische, und normalerweise gemischte, und ich kannte eine Menge älterer Leute dieser Nationalitäten, die nicht anders konnten, als dem ängstlich und hilflos zuzusehen ,auch verständnislos. Wie ich.

Aber machen Sie mal weiter so.

 
LePenseur, 21.08.2007 20:54

Sehr geehrter Herr Albert! *)

Sie wollen gestatten, daß ich Ihre freundlichen Auslassungen nicht völlig unkommentiert lasse:

… ich habe den Eindruck, dass von “Ausländerproblemen” ich ein bisschen mehr verstehe als Sie, das machen berufliche und lebensweltliche Erfahrung.
Offenbar verfügen Sie über ein besonderes Talent für Ferndiagnostik. Aber vielleicht haben Sie einmal Zeit gefunden, sich über die Ausländerprobleme Wiens zu informieren. Und die sind — per capita gerechnet — zwar andere, aber wohl kaum geringere als die Berlins.

Bandenprobleme gab es damals auch: deutsche Banden, arabische, griechische, türkische, und normalerweise gemischte …
… normalerweise gemischte Banden? “Die Botschaft hört’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube” — wenigstens nach meinen beruflichen und lebensweltlichen Erfahrungen (Sie werden es vielleicht nicht glauben, doch ich lebe weder am Mond, noch bin ich beruflich Handschriften-Restaurator in der Klausur eines Kathäuserklosters!)

Und was die bloß “angeblich” geschönten Polizeiberichte betrifft: sehen Sie sich doch einmal um! Reden Sie mit Ladenbesitzern, wer denn vorwiegend die Diebstähle begeht, fragen Sie altgediente Polizeibeamte, welche Gruppen wegen Schlägereien und mutwilligen Sachbeschädigungen vorwiegend polizeibekannt sind.

Und nehmen Sie, bitte, die rosa Brille ab, es gäbe da keine ethnisch-kulturell-religiösen Korrelationen. Wir alle (Sie eingeschlossen) haben nichts davon, wenn wir uns die Situation schönlügen, indem wir Ausländerprobleme unter Anführungszeichen setzen und mit einem unausgesprochenen “Kein Wunder bei diesen rassistischen Vorurteilen, die ihnen entgegenschlagen!” klein und unwichtig reden.

*) ich entnehme Ihrem Schreibstil, daß Sie offenbar männlichen Geschlechts sind (möglicherweise irre ich — aber es ist eben mein Versuch, mit Ihren ferndiagnostischen Fähigkeiten halbwegs gleichzuziehen ;-)

P.S.: “Herr DenkerSie” ist übrigens nicht die Anredeform, die ich in einem Diskussionsforum erwarte. Aber das nur ganz nebenher …

 
T.Albert, 21.08.2007 21:47

@Lepenseur
“es gibt kaum Ausländer in Ostdeutschland. Es gibt auch Ausländer, die nicht hin wollen. Es gibt auch Deutsche, die nicht mehr hin wollen. Es gibt Leute, die dort weggegangen sind, weil sie nicht mehr arbeiten konnten. Da ich es in den neunziger Jahren auch mal versuchen durfte, verstehe ich das. Wenn dort, wie man hört, Frauen weg gehen, dann verstehe ich das auch. Und wirtschaftliche Schwierigkeiten haben genau damit zu tun.”

Das war das wichtige.

Ferndiagnostik?Ich rede nicht von Wien.

 

[...] so einiges zu Mügeln geschrieben wurde: girlsetsfire + subwave + uglydresden + lokale Antifa + antibuerokratieteam + waiting 1 + waiting 2 + bestimmt noch viele [...]

 
Libero, 22.08.2007 07:48

FAZ.NET – Der Exzess von Mügeln: Nazis sind immer anderswo

“Es ist bekannt, dass die rechtsradikale Szene nicht nur Sprüche klopft und ihre Prügelhorden trainiert; sie füllt auch viele ganz alltägliche Lücken, veranstaltet Kinderfeste und Ferienlager. Dem kann man nicht nur mit Ächtung, Empörung und Polizei begegnen, dem muss man etwas Konkretes entgegensetzen: andere Kinderfeste und Freizeitangebote. Und wenn im Osten wieder Wahlen sind, sollten sich Politiker die Mühe machen und über die Dörfer fahren. Vor der letzten Sachsenwahl, die zum ersten Mal die NPD in den Landtag brachte, war jeder Baum, jedes Gasthaus in erschreckend vielen Orten mit deren rüden Sprüchen plakatiert. Es schien niemanden zu geben, der Widerspruch erhob. Und trotzdem haben es alle, die sehen wollten, gesehen.
http://www.faz.net/s/Rub61EAD5BEA1EE41CF8EC898B14B05D8D6/Doc~E15B0A60B528E48A58AD6E47C71C91A0E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Nicht nur die Wahlplakate, sondern auch das Auftreten dieser Herren ist kaum zu übersehen und hinsichtlich der Musik zu überhören.

 
LePenseur, 22.08.2007 10:10

@all:
Schön langsam driftet dieser Thread in die Richtung “Wie verhindern wir den nächsten Wahlsieg der NDP und die Machtübernahme durch Neonazis”. Das sind selbstredend edle Motive der Entrüstung, wenngleich ich die imminente Gefahr einer Machtübernahme durch Neonazis in Deutschland für in etwa so wahrscheinlich halte, wie die Konversion von Pastor Ian Paisley zum Katholizismus (also nicht allzu wahrscheinlich :-D). Aber der dem Thread zugrundeliegende Artikel hatte eine andere Stoßrichtung.

Da wurde pauschal dahinschwadroniert, daß “mal wieder irgendwo in der Provinz die Dorfjugend ihren Herrenrassedünkel an arglosen Besuchern auslebt”, das tatenlose Zusehen von Unbeteiligten an der Randale als “Lust am Pogrom” mit “Lust am Spektakel” kombiniert angeprangert und Deutschland die Bedeutsamkeit von Tugenden in genere abgesprochen. Ach ja, und zum D’rüberstreuen gab’s noch den zwar nicht ausgesprochenen, aber unmißverständlich anklingenden Wunsch, die Randale von Mügeln möge doch, bitte, durch Mafiamorde gesühnt werden.

Ich stehe nicht an, diesen Artikel schlicht und einfach als üble Hetze anzusehen. Denn auch wenn in Mügeln Neonazis lämmchenfromme Sikhs völlig unprovoziert und trotz musterhaften Betragens letzterer gehetzt und vermöbelt haben sollten, dann steht auf Landfriedensbruch und Körperverletzung als Strafsanktion noch lange nicht der Tod, welcher mit dem Wunsch “… wenn es auf dieser Welt noch sowas wie Gerechtigkeit gibt, dann gehört die im Bericht erwähnte Pizzeria einer wütenden N’Dranghetta-Familie” nach dem Blutbad von Duisburg ganz unmißverständlich herbeigesehnt wird — und zwar ohne Gerichtsverfahren. M.a.W.: Neonazis gehören nach Meinung des p.t. Herrn Statler ohne Verfahren durch Lynchjustiz abgeschlachtet.

Wenn ein Journalist solche Ungeheuerlichkeiten von sich gibt, dann finde ich sein gleichzeitiges zu-Gericht-sitzen über die mangelnde Zivilcourage von Dorffestbesuchern oder über die Rolle von Tugenden in Deutschland einfach widerlich. Denn welchen Vorwurf man der randalierenden Dorfjugend auch immer machen kann (und derer gibt es sicherlich viele!), man hat jedenfalls in der überwiegenden Zahl der Fälle den Milderungsgrund mangelnder Intelligenz und Reife ins Kalkül zu ziehen, was allfällige Taten zwar nicht rechtfertigt, aber doch in der Schuldzurechnung mindern kann.

Ich gehe davon aus, daß Herrn Statler weder Mangel an Intelligenz noch an Reife unterstellt werden kann. Dann sind jedoch pauschale Unterstellungen kriminellen bzw. ehrlosen Verhaltens und der Wunsch nach Lynchjustiz unentschuldbar.

 
Markus Oliver, 22.08.2007 10:48 Subscribed to comments via email

Unter diesem Gesichtspunkt hatte ich das noch gar nicht gesehen. Ich gehe aber auch weiterhin davon aus, dass der Wunsch nach N’Dranghetta eher ein Stilmittel als seinen konkreten Wunsch nach Rache ausdrückte. Das drängt sich meiner Meinung nach auch geradezu auf. Soll ich Ihnen, werter LePenseur, jetzt böswillige Unterstellung und Missachtung des Stilmittels unterstellen?
Man muss Statlers Artikel sicherlich als Gesamtheit betrachten und dazu gehörte eben auch seine berächtigte Empörung über die Vorgänge.

Im übrigen traue ich Statler durchaus zu zu erkennen, dass in der Realität die Opfer der N’Dranghetta wohl eher die Inder als die Einheimischen wären, denn die Inder wären schlecht für das Geschäft. Die N’Dranghetta schert sich nicht um Gerechtigkeit.
Die Rache von Duisburg hatte mit Gerechtigkeit auch nichts zu tun. Wer ernsthaft glaubt, die bringen Menschen wegen ein paar Eierwürfen um, hat nicht mehr alle Eier beisammen. Da geht es ums Geld, sonst nichts.

Von daher muss das ein Stilmittel Statlers gewesen sein.

Bei meiner Kritik an der Gesamtwürdigung bleibe ich allerdings.

 
LePenseur, 22.08.2007 11:27

@ Markus Oliver:

Soll ich Ihnen, werter LePenseur, jetzt böswillige Unterstellung und Missachtung des Stilmittels unterstellen?
Das dürfen sie ruhig, solange Sie daran nicht die Sanktion einer N’Dranghetta-Erschießung geknüpft sehen wollen :-D

 
Marco, 22.08.2007 14:04

Lesen:
Doch die Polizei ermittelt auch in andere Richtungen. Ilka Peter, Sprecherin der Polizeidirektion Westsachsen zu BILD.de: „Vor diesem Ereignis wurde in der Nähe des Marktes ein schwer verletzter Deutscher gefunden.“

Der Verletzte habe die Klinik inzwischen wieder verlassen können. Nähere Angaben wollte die Sprecherin zum derzeitigen Zeitpunkt nicht machen. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Stichverletzungen.

Quelle

Das stinkt nach Sebnitz.

 
Medea, 22.08.2007 14:08

LePenseur,

Sie überziehen gewaltig. Natürlich war dieser letzte Satz von Statler Satire, also ein Stilmittel. Was denn sonst? Markus Oliver hat völlig recht und es ebenso verstanden wie ich.

Entweder Sie verstehen Satire nicht oder wollten sie bewusst nicht verstehen. Es sieht ja fast so aus, als wäre Statler ihr Feindbild.

 
LePenseur, 22.08.2007 14:44

@Medea:
Äh … seltsamerweise werden vergleichbare Stilmittel in anderem Zusammenhang strafrechtlich geahndet. Wer z.B. einem Polizisten, der einen zum Mitkommen auf die Polizeistation auffordert mit einem scherzhaften “Führer befiehl, wir folgen” antwortet, braucht sich über das Satireverständnis nicht bloß des Polizisten, sondern auch des Staatsanwaltes und des Gerichtsssenates keine weiteren Gedanken zu machen …

Nein, natürlich verstehe ich, daß Kollege Statler das nicht als Appell gedacht hat, ebenso wenig, wie ich einen Idioten, der mir in die Spur schneidet, tatsächlich hinter dem Lenkrad hervorzerren und ohnfeigen würde, auch wenn ich diese Absicht verbal u.U. durchaus zu äußern pflege *)

Was das “Feindbild” betrifft: nein, nicht Kollege Statler ist es, sondern die aus dem Artikel zu Tage tretende moralinsaure Methode, mit gerümpfter Nase auf “die da” zu zeigen, und damit sich selbst und allen anderen gönnerhaft zu verstehen zu geben, wie gut man selbst im Verhältnis dazu doch ist.

Und außerdem wollte ich bloß testen, was die Anwendung beliebter p.c.-Spielchen mit veränderten Vorzeichenzufolge hätte. Vielleicht denkt der eine oder andere, der sonst die gutmenschliche Faschismuskeule stets griffbereit zur Hand hat, daran, daß er sich damit zwar gut vorkommen mag, aber dem Gegenüber damit im Effekt genauso unrecht tut, wie ich es mit meinem Test demonstrierte.

*) Das klingt dann auf Wienerisch recht nachdrücklich: “So a Oasch g’höat außeg’fångt und åg’watschn’t!”. Wenn Sie in Wien einmal als Piefke unterwegs sein sollten, wissen Sie jetzt, was dergleichen Urlaute bedeuten ;-)

Medea, 22.08.2007 17:31

@LePenseur

Wienerisch ist herrlich, es kann so fein klingen, aber auch selten ordinär, je nachdem. Der obige Satz klingt für mich amüsant.

LePenseur, 22.08.2007 19:12

@Medea:

Freut mich, obwohl Sie das bei einem allfälligen Wien-Besuch nicht verleiten sollte, mir in die Spur zu schneiden :-D

Nur um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: für gewöhnlich klinge ich eher nach einer Mischung aus Franz Stoß und Peter Alexander (nicht singend, natürlich!), wurde mir attestiert. “Mundl”-Jargon kommt mir nur in Streßsituationen, wie z.B. beim Autofahren, in den Mund.

Medea, 23.08.2007 10:22

@LePenseur

Ich mag Wien (kein Vergleich mit dem hässlichen Berlin) und kann auch schon etwas Österreichisch, wenn es sich auch mehr auf Gemüse bezieht wie “Karfiol, Fisolen”.
Bei meinem nächsten Besuch in Wien werde ich mich aber hüten, Ihnen in die “Spur zu schneiden”. Aber das wird eh nicht passieren, ich kann nämlich gar nicht Auto fahren.

Danke, dass Sie nicht singen wie Peter Alexander ;-)

Und wenn Sie jetzt noch für Rapid sind, werden Sie mir immer sympathischer ;-)

LePenseur, 23.08.2007 11:40

@Medea:

Auch auf die Gefahr hin, jetzt leicht zu ergatternde Sypathiepunkte “liegenzulassen”, muß ich gestehen: Fußball interessiert mich “nicht die Bohne” (das war jetzt mein Pflichtversuch in “Berliner Schnauze” ;-)!

Aber vielleicht interessiert Sie neben Rapid auch noch Klassik (so ca. von Haydn bis Mahler) — also da könnten wir ins Gesprächt kommen! Stundenlang!

Grüße von Wien nach Berlin!

 
Medea, 23.08.2007 12:27

@Le Penseur

ich wohne nicht in Berlin, war aber schon mehrfach dort und die Stadt gefällt mir nicht. “Berliner Schnauze” ist nur widerlich, unhöflich und unfreundlich.
In Wien dagegen könnte ich mir vorstellen zu leben.

Leider bin ich unmusikalisch, was ich von Mahler kenne bzw. mal gehört habe, finde ich gut. Ich weiß aber nicht mehr, was es war. Hat Mahler nicht mal die Totenlieder von ? vertont?

Einen lieben Gruß nach Wien.

 
Libero, 23.08.2007 13:17

@Medea
die Kindertotenlieder von Friedrich Rückert (auch für mich persönlich eines der wichtigsten Werke von Gustav Mahler)

 
Medea, 23.08.2007 14:16

@Libero,

ja richtig, die Kindertotenlieder, das kenne ich. Und finde sie sehr schön.
Danke!

 
 
 
 
 
stefanolix, 22.08.2007 16:46 Subscribed to comments via email

Vielleicht doch noch einige Anmerkungen: Als die Inder sich in die Pizzeria zurückgezogen haben, wurde der Zufluchtsort durch wenige Polizisten verteidigt, bis zwanzig Minuten später ausreichend Verstärkung eintraf. Während dieser Zeit (und auch noch danach) wurden die wenigen Polizisten vor Ort mit Steinen, Flaschen und anderem Material beworfen.

Haben wir nicht neulich erst neulich im Norden Deutschlands erlebt, dass Polizisten auf ähnliche Weise angegriffen wurden? Die Reaktionen waren damals sehr unterschiedlich …

Die Sicherheitskräfte haben jedenfalls nach sehr kurzer Zeit reagiert. Als die Verstärkung vor Ort war, ging die Polizei gegen den Mob vor. Wer vorher gegen mehr als zwei Dutzend geübte Schläger versucht hätte, den Helden zu spielen, der trete vor. Die anderen mögen bitte dazu schweigen. Ich würde in die Elbe springen, um ein Kind herauszuziehen. Aber ich würde mich nicht solchen Gewaltmaschinen in den Weg stellen: kein Hals, keine Haare, kein Hirn — aber Muskelpakete wie Kinderköpfe und mindestens neunzig Kilo schwer.

Es spricht einiges dafür, dass auch in diesem Fall gewaltbesessene Hooligans unterwegs waren. Es spricht einiges dagegen, dass die Angreifer aus dem Ort Mügeln kamen. Die Betreiber der Pizzeria haben seit vielen Jahren in Mügeln gearbeitet und in dieser Zeit gab es keine gewalttätigen Übergriffe. Die Kunden und auch die Betreiber scheinen mit der Situation zufrieden gewesen zu sein.

Bevor wieder auf einem kleinen Ort herumgehackt wird, wie damals auf Sebnitz, sollte man wirklich das Ende der Ermittlungen abwarten. Es darf unterstellt werden, dass es in beiden Orten etliche dumpf-verspießerte Köpfe jeder Altersklasse gibt, in denen Fremdenfeindlichkeit fest verdrahtet ist. Es darf bis auf weiteres nicht unterstellt werden, dass Ortsansässige Gewalt gegen Ausländer angewendet haben. Bis man Genaueres weiß, gilt die Unschuldsvermutung.

 
Libero, 22.08.2007 21:02

@Stefanolix

kurzfristig gesehen hast du recht, bereits mittelfristig nicht. Nehmen wir an, du bist Zeuge eines Gewaltexzesses von Rechten und schweigst. Du siehst sie und sie sehen dich. Meinst du, sie achten dich? Sie verachten dich und das geben sie dir auch deutlich zu verstehen. Du bist in ihren Augen das noch nicht Opfer. Mehr nicht.

Da ich das Vergnügen habe, nahe ihrer Zentrale zu wohnen, sehe ich die Herren ja öfters. Das sind nicht alles Kampfmaschinen und so leistungsfähig sind Muskelpakete nun auch wieder nicht. Deren stärkste Waffe ist die Angst und die Gewissheit, daß sie nie alle gegen sich haben werden. Sie haben es immer nur mit einzelnen Gegner zu tun und die prügeln sie bis zur Bewußtlosigkeit. Schon damit sie keiner unterstützt.

Auch du kannst ihr Opfer werden. Du bist zum Beispiel auf einer Kanutour durch Mecklenburg und hast dein Handy nicht dabei. Willst nur schnell telefonieren. Du kommst nicht zurück, deine Freunde suchen dich. Sie finden dich. Besinnungslos geschlagen. Du hast längere Haare, bist äußerlich auf der Sonnenseite des Lebens. Das reicht schon. Es reicht auch, das du versonnen auf den See blickst. Nur dummerweise in ihre Richtung. Eine gute Antrittsgeschwindigkeit ist dann von Vorteil. Du bist Liberaler? Feinheiten, du bist eine Zecke und wirst behandelt.

Natürlich kannst du ihnen aus dem Weg gehen. Vermeidest neuralgische Punkte, wie Haltestellen, manche Bahnhöfe, Tankstellen (für Bier/Alkohol), menschenarme Wälder. Du solltest auch gut hören können, ihre Musik ist über etliche Meter zu hören.

Trotzdem kann es dir passieren, daß du ihnen unvermittelt begegnest. Dann hängt es von dir ab, ob sie dich als geeignetes Opfer einschätzen.

Es kann dir also passieren, daß du unvermittelt angegriffen wirst. Dann bist du plötzlich nicht mehr bloß Zeuge, sondern zum Opfer befördert wurden. Vielleicht gefällt dein Gesicht nicht oder du hast gegrinst, sie von oben herab angesehen, was auch immer. Der Anlaß ist auf jeden Fall nichtig. Sie sind nicht gerade sehr selbstbewußt. Es gehört also nicht viel dazu, daß sie sich provoziert fühlen.

 
zitterwolf, 22.08.2007 21:25

die sogenannte hatz auf inder durch die ganze stadt die alle abgeschrieben haben und eine kleinstadt sah zu war sage und schreibe 20 meter entfernt vom festzelt.

logischerweise tummeln sich vor dem festzelt leute und besonders bei der randale die sich da im zelt abgespielt haben muss.

das war dann der mop

es wurde berichtet die tür der pizzeria wurde eingetreten. dem war nicht so. es wird von einem versuch gesprochen.

der besitzer der pizzaria kann sich laut faz an den vorgang der sogenannten rempelei nicht erinnern zum bedauern des journalisten. der pizzamensch hätte wohl randale im zelt gesehen und wäre dann zur pizzeria gegangen.

dann wären seine bekannten gekommen und hätten sich in den hausflur geflüchtet und angst gehabt.

auf insestieren des journalisten hat er selbstverständlich auch einen ausländer raus ruf gehört obwohl er bis dahin noch nie mit sowas konfrontiert war und seine pizzeria gut nachgefragt wurde.

selbstverständlich werden nur die armen inder mit ihren wunden gezeicht was normal is bei einer dorfschlägerei wenn da die frauen angemacht werden und nicht

die sogenannten deutschen mit ihren wunden.

DAS GANZE IS EINE SCHANDE DES JOURNALISMUS
ICH HAB SOWAS PRIMITIVES SELTEN GESEHEN
UND EINGESCHLOSSEN SIND SÄMTLICHE GAZETTEN ALS WÄREN SIE VOM FÜHRER GLEICHGESCHALTET

jo@chim, 22.08.2007 21:46

Ach Zitterwolf, will dich wieder niemand füttern? Hier: <8(+++< < lecker Fischla!
Und jetzt zurück ins Körbchen.

 
 
zitterwolf, 22.08.2007 21:51

joachim, mich brauchste nich füttern.

gefüttert wird die npd aber das scheint ja auch sinn der sache.

 
jo@chim, 23.08.2007 00:22

Jetzt hackt doch nicht alle so auf LePenseur herum! Lieber LePenseur, darf ich Ihnen etwas sekundieren? Hier jemand, der Ihre Argumentationsstränge übersichtlich zusammenfasst…

LePenseur, 23.08.2007 10:02

Ach, wertester ,

… wer zu spät kommt, den bestraft das Leben … Daß “alle” auf mir herumhackten, das war weiter oben. Mittlerweile haben schon ein paar Poster (nämlich die ohne die üblichen p.c.-Rückgratverkrümmungen) den entscheidenden Punkt meiner Argumentation durchaus unterstützt. Und was Ihren netten Link betrifft: recht witzig, würde ich sagen. Nur — was hat das mit meiner Argumentation zu tun?

Aber möglicherweise haben Sie sie nicht ganz verstanden. Kommt vor und braucht Sie nicht zu besorgen, denn auch ich verstehe nicht alles, z.B. die Theorien über den Teilchenaufbau aus Quarks und Leptonen. Man kann eben nicht alles wissen …

Kopf hoch!

 
 
Libero, 23.08.2007 08:03

Werter

Gideon illustriert seinen Text mit einem Bild. Das abgebildete Etwas ist der Kryptozoologie zuzuordnen, der eigentliche Text der Kryptoanthropologie. Wäre es da nicht korrekter zu formulieren

Nazis gab es doch gar nicht.

Vielleicht ist es einfach ein altes Brauchtum in der Gegend, das mangels authentischer Darsteller so lange nicht aufgeführt wurde. Eine mißverständlich tradierte Überlieferung sah vielleicht in den so anders aussehen Gästen den Balthasar, für die Nichtgläubigen, es gibt noch Melchior und Kaspar. Begreiflicherweise verwirrt das, wenn nicht nur ein Balthasar, sondern gleich acht erscheinen. Verständlich, daß Überraschung und Freude, aber auch Befremden, zu einem leichten Abweichen von den getreulich bewahrten Ablauf des Weihespieles führen. Das verwirrt noch mehr und das bedeutet? Stress. Eben! Das wird hier bewußt nicht thematisiert.

Stress geht auf Herz, erst recht, wenn der Kreislauf durch Alkohol belastet ist. Wie reagiert man auf Stress am besten? Man bewegt sich und lässt Gästen dabei höflich den Vortritt. Dann stand man plötzlich vor verschlossenen Türen. Das empört jeden Gastgeber, sich unversehen von Gästen ausgeschlossen vorzufinden. Gibt es eine bessere Gelegenheit, um dem eigentlichen Nutzer dieser Tür zu verdeutlichen, daß es erst nach einer beträchtlichen körperlichen Anstrengung gelingt, eine solche Tür zu überwinden. Das dadurch entstandene Glücksempfinden des Wirtes, sein Eigentum so gesichert zu wissen, wurde bisher anscheinend überhaupt nicht thematisiert.

 
marc, 24.08.2007 07:24 Subscribed to comments via email

Das war gestern auf der Titelseite der ZEIT. Ich find’s recht lesenswert:

Forderung nach Zivilcourage verlogen? http://www.zeit.de/2007/35/01-Zivilcourage

Meine Oma sagt immer, ich soll nicht eins von meinen antirassistischen T-Shirts tragen, wenn ich zuhause in der Sächsischen Schweiz unterwegs bin. Sie hat Angst, dass ich verprügelt werde, oder schlimmeres. … Ich trage aber gerne meine Gesinnung auf T-Shirts (unter anderem). Ob das meine FDP-Mitgliedschaft, Marktwirtschaft, Antirassismus oder meine Ablehnung gegenüber Wolfgang Schäuble betrifft (sind nur Beispiele…). :-) Stur wie ich bin, sehe ich gar nicht ein, warum ich mich der Angstherrschaft auf dem Lande beugen soll. Wir leben doch in einem Rechtsstaat, oder? Auch wenn dieser in einigen Regionen Deutschlands von der Polizei nicht durchgesetzt wird oder werden kann. Dann nehme ich meine Rechte halt selbst in die Hand, denke ich als naiver Libertärer. … Doch tief in mir drin weiß ich auch, dass ich es nicht mit einer ganzen Gruppe von “Rechtsradikalen” aufnehmen könnte. Es ist wohl eher Selbstgefälligkeit als Mut, wenn ich meine Oma beschwichtige und ihre Sorgen ignoriere. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich so ein T-Shirt z.B. auch auf einem Orts- oder Stadtfest in Sachsen tragen würde.

Wenn die Frage der Kleidung schon so ein Thema ist, dann zeigt das, wie es um andere Freiheiten bestellt ist. Natürlich sind die meisten Leute nicht annähernd so ängstlich wie meine Oma. Aber es ist für die meisten auch klar, dass man sich nicht mit “den Rechten” anlegt. Was bedeutet, dass man zu einem gewissen Teil auch deren Ansichten übernimmt (und mental darauf vorbereitet ist diesen nachzugeben.)

Wenn in einem Bus ein Inder von jemandem rassistisch angepöbelt wird, würde ich dazwischen gehen. Aber kann ich das deswegen auch von anderen verlangen? Und würde ich selbst das auch noch tun, wenn es um vier oder mehr Leute geht? Ich glaube, das stimmt schon, was in dem Kommentar gesagt wird: Dass jeder für sich selber entscheiden muss, ob er riskiert auf die Fresse zu kriegen. Sowas können einem keine selbstgerechten westdeutschen Journalisten vorschreiben. Sowas kann man nur entscheiden, wenn man in so einer Gegend lebt. Aber eben dann sollte man sich auch Gedanken darüber machen. Denn wer das erste Mal darüber nachdenkt, wenn es soweit ist, der wird wohl immer der Feigheit den Vorzug geben – wie es gute deutsche Tradition ist, auch da gebe ich der Kommentatorin recht.

 
Libero, 24.08.2007 11:06

Er sagt, anders als in seiner indischen Heimat, wo er als Sikh verfolgt wurde, habe er sich in der BRD stets sicher gefühlt. Erst als Pizzakoch in Leipzig, wo er sieben Jahren lang mit einer deutschen Freundin zusammengelebt habe. Und jetzt auch hier. Seine Landsleute, auch sie bekennende Sikhs, auch sie Anhänger einer Religion, die auf dem Grundsatz beruht, dass alle Menschen gleich sind, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Einkommen, sehen es genauso.

Kulvir Singh sagt es nicht gerne, aber am Ende muss es doch heraus: ” Unter den Menschen, die die Schlägerei im Zelt angezettelt haben, sind auch einige meiner Stammkunden gewesen.”

FR von heute
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1196202

Nach Aussagen eines Dachdeckers aus Wermsdorf, das dortige Schloß kennt vielleicht jemand im Zusammenhang mit dem Hubertusburger Frieden, ging dem Ausbruch eine Rangelei voraus.

Das mag sein.

Meine Mutter wuchs in der Gegend auf und lernte dort meinen Vater kennen. Die meisten meiner Verwandten leben im nahen Umkreis von Mügeln. Ich bin gern in der Gegend, die ich vorher nur aus Erinnerungen meiner verstorbenen Eltern kannte.

Ich müßte völlig blind sein, wenn ich nicht merken würde, daß Xenophobie weit verbreitet ist. Das sieht man an Plakaten, Graffitis und Äußerungen und den Reaktionen der einheimischen Begleiter auf diese. Xenophobie richtet sich nicht nur gegen Ausländer, sondern auch gegen Deutsche, die anders sind.

Sie ist auch nicht erst nach 1990 entstanden, sondern sie gab es auch schon vorher. Es gab große Kombinate mit Gastarbeitern aus Mozambique und Vietnam. Und es gab Menschen, die verletzt bzw tot aufgefunden wurden.

Ich habe zum Bespiel ein T-Shirt mit den Stars and Stripes. Das ist für mich kein Symbol oder Bekenntnis, ich habe es halt. Bei Radtouren trage ich es gar nicht, in der Gegend erst recht nicht. Ich würde auch kein Käppi tragen oder den Schwiegersohn mit Enkel mitnehmen. Ich würde auch keinen meiner ehemaligen Studienkollegen mitnehmen, die jetzt in Deutschland arbeiten. Das sind weltoffene mit der deutschen Geschichte, Musik und Literatur vertraute Chinesen. Aber das Risiko gehe ich lieber nicht ein.

 
marc, 24.08.2007 11:34 Subscribed to comments via email

@Libero

warum trägst du denn dein USA T-Shirt nicht? glaubst du wirklich, dass du wegen so etwas drangsaliert werden würdest??

und warum würdest du kein “Käppi” tragen? hat das noch mit dem Thema zu tun? …denn, ich meine, viele von den rassistischen Schlägern tragen doch selbst solche Kopfbedeckungen.

…und, nur aus Neugierde: was ist der Grund bei Enkeln und Schwiegersohn?

ich würde davon abraten, das “normale” Level an Xenophobie, das es überall in Deutschland gibt, mit Rassismus auf eine Stufe zu stellen. …egal aus welchem Teil Deutschlands du kommst, ich halte es für unwahrscheinlich, dass du in Mügeln mehr Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt bist als ein Berliner in Bayern oder ein Sachse in Preußen.

 
Libero, 24.08.2007 12:13

@marc

Radtouren unternimmst du nicht durch dichtbesiedeltes Gebiet. Das T-Shirt ist ein rotes Tuch. Wenn dann noch Alkohol ins Spiel kommt und vielleicht eine menschenleere Gegend, kannst du auf die falschen Menschen treffen.

Mit der Kopfbedeckung meinte ich die eines gläubigen Juden.

Die Hautfarbe und der Akzent, der beim Enkel natürlich nicht vorhanden ist.

Hinsichtlich der durchschnittlichen Xenophobie gäbe ich dir recht. Ich meine ja auch die Minderheit mit den durch Training oder Biergenuß definierten Körpern. Rein äußerlich entspreche ich durchaus selbst dem Bild, trainierte Kampfmaschine mit kurzen Haaren. Nur bewegen sich die Herren selten mit dem Fahrrad, interessieren sich schon gar nicht für Architektur und Kultur und fahren an Biertankstellen nicht vorbei. Das irritiert, das ist verdächtig.

 
antibuerokratieteam.net, 24.08.2007 13:21 Subscribed to comments via email

Das bisschen Zero Tolerance sollten wir uns gönnen…

Das Riot-Risk-Management für den deutschen Osten läuft 15 Jahre nach den Krawallen in Rostock-Lichtenhagen prozesssicher. Es kehrt wieder Ruhe ein in Mügeln und im Land: Nachdem es diesmal keine Todesopfer gab, fallen die Ringelreihen …

 

[...] von strunzdummer, rechter Gewalt, sondern mehr aufgrund der Reaktion der Einwohner, sowohl in der besagte Nacht, als auch im nachhinein. Die Verleumdung rechter Tendenzen, das Abwiegeln, die “mein Name ist [...]

 
Helmut Pietsch, 25.08.2007 18:00

Es ist erschreckend wie sich im Fall Mügeln (aber auch bei ähnlichen) mal wieder die alte Journalistenweisheit wiederholt. “Hund beißt Mann” ist uninteressant. Kommt häufig vor. “Mann beißt Hund” kommt selten vor und ist daher eine Meldung wert.

Wenn sich drei Einwohner von Groß Mügeln mit drei Einwohner von Klein Mügeln geprügelt hätten, hätte keiner es gemeldet. Da nun aber Ausländer dran beteiligt waren – egal ob sie angefangen haben, ob sie provoziert haben – konnte man die Meldung schön aufbauschen.

Schönes Bild für die Sensationspresse “Ein Dunkelfarbiger wird von drei Hellfarbigen verfolgt.” Ausländerhatz. Das drei Bestohlene hinter einem Taschendieb hinterherliefen interessiert nicht. Das muß man einfach erdulden. Die armen Menschen aus der Dritten Welt.

 
antibuerokratieteam.net, 30.08.2007 18:29 Subscribed to comments via email

Hier spricht der nationale Widerstand Mainstream…

Presseberichten zufolge hat der Mügelner Bürgermeister Gotthard Deuse in der “Jungen Freiheit” bekundet, er sei “stolz Deutscher zu sein”, und sich darüber beklagt, dass die Deutschen ihren Nationalstolz nicht z…

 

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