Sie fragen, wir antworten
Ein treuer Leser aus dem Fränkischen fragte per e-mail an, welche Lektüre ich denn als Einführung in die Wirtschaftswissenschaften empfehlen würde. Ich dehne das mal ein wenig aus und würde sagen, daß es drei Bücher gibt, die man am Anfang seines Studiums als Ökonom lesen sollte:
1. Greg Mankiw, Principles of Economics
Das ist die offensichtliche und wirklich nicht originelle Wahl, aber es ist halt das beste Einführungslehrbuch weit und breit, das einen breiten Überblick über Mikroökonomik, Makroökonomik und Außenhandelstheorie gibt. Da es völlig intuitiv verständlich ist und praktisch ohne Mathematik auskommt, sollte man es ganz am Anfang lesen. Gerne auch schon in den Sommerferien vorm Studium, man wird es problemlos verstehen und hat schon eine sehr gute Ahnung von dem, was im Grundstudium auf einen zukommen wird. Und es wird einem leichter fallen, die mathematischen Modelle zu verstehen, die man dort dann kennenlernen wird.
2. Gebhard Kirchgässner, Homo Oeconomicus
Etwas fortgeschrittener. Ist auch kein Lehrbuch, aber verständlich geschrieben und nicht zu schwer verdaulich. Bei all den schlecht bis gar nicht begründeten, abwertenden Mythen, die unter interessierten Laien über die zentrale Modellannahme der Ökonomik — den rational handelnden Menschen — kursieren, kann es für Studienanfänger sinnvoll sein, sich einfach mal ausführlich über den Sinn und Zweck, den methodologischen Status dieser Annahme zu informieren. Dafür gibt es keine bessere Quelle als diese.
3. Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang
Ja, klar, das ist nichts Ökonomisches. Aber dieses Buch vermittelt schlicht und einfach, daß Wissenschaft Spaß machen kann. Das hier ist nicht nur Wissenschaftstheorie, sondern auch Wissenschaftsgeschichte. Natürlich versteht man gerade von den naturwissenschaftlichen Problemen nicht jedes Detail, aber man versteht, wie Wissen produziert wird — und darauf kommt es an. Jeder Student, der sich noch nicht ganz sicher ist, daß er Investmentbanker werden will und der daran denkt, vielleicht doch mal den wissenschaftlichen Weg einzuschlagen, sollte dort hereingeschaut haben. Spätestens gegen Ende des Grundstudiums.








Mankiw – ganz sicher, gerne, ist hervorragend, auch für jeden der Allgemeinbildung nicht abgeneigten Menschen. Kirchgässner kenne ich nicht.
Aber vin Paul Feyerabends “Philosophie” kann ich nur abraten. Sie kommt über Taschenspielertricks und Sophismen kaum hinaus. Jemand, der ernsthaft die Gleichwertigkeit von Astrologie und Astronomie, Religion und Wissenschaft als Erkenntniswege oder auch die Schädlichkeit der “Schulmedizin” und anderen Esoterikschnick vertrat (fast durchgehend durch bewusste Mehrdeutigkeit “aufgesext” und mit irreführenden Halbwahrheiten angereichert), eignet sich eher für die Rechtfertigung der gängigen Beliebigkeit und des Kulturrelativismus als für jemanden, der etwas vom Wissenschaffen verstehen will.
Wer ein Beispiel haben möchte: Feyerabend behauptet, Ärzte würden eher schaden als helfen. Wenn in einem Krankenhaus gestreikt würde, würde ja die Mortalitätsrate *sinken*, und das sei ein eindeutiger Beleg. (Der Grund ist natürlich, dass weniger operiert wird, und die Leute unbehandelt bleiben – mit den üblichen langfristigen Folgen.)
Wer was von Wissenschaft verstehen will, ist mit Richard P Feynmans “Es ist so einfach”, Carl Sagans “Der Drache in meiner Garage”, oder auch Steven D. Levitts und Stephen J. Dubners “Freakonomics”, weitaus besser bedient.
Vielen Dank! Wohin jetzt mit dem wohlverdienten Becher?
Oh, doch noch etwas: kann man bei Mankiw zur Übersetzung greifen oder sollte man sich an das Original halten (möglicherweise taugt das auch als allgemeine Frage auf dem Gebiet der Wirtschaftsliteratur)?
Oh, doch noch etwas: kann man bei Mankiw auch zur Übersetzung greifen (möglicherweise ja eine generelle Frage auf diesem Gebiet) oder sollte man das Original (die Originale) lesen?
Kein Becher nötig, das gehört hier zum Kundendienst.
Man kann schon auch zur Übersetzung greifen, die ist gut. Allerdings: Du wirst im Studium viel Englisches lesen müssen, und ehrlich gesagt — wenig nervt einen Dozenten mehr als die Frage “Gibt es da auch was auf Deutsch?”. Eine frühe Gewöhnung an englischsprachige Quellen wäre also auch ganz hilfreich…
In diesem speziellen Fall ist es eher eine Preisfrage, ansonsten kann ich das voll und ganz nachvollziehen, danke!
David D. Friedman’s “Der ökonomische Code” und Tim Harford’s “Ökonomics” sind unbedingt auch zu empfehlen (beide in deutsch erhältlich). Wer des Englischen mächtig ist sollte bei Amazon alle die drei Bücher “Armchair Economist”, “Fair Play” und “More Sex is Saver Sex” von Steven E. Landsburg ordern, und nicht zuletzt die Lektüre von Tyler Cowen’s “Discover your inner Economist” in Erwägung ziehen. Und für den schmalen Geldbeutel bietet das Internet ein wahres Ökonomen-Eldorado, dessen Entdeckung man üblicherweise bei http://www.econlib.org beginnen sollte.
Danke! Dann fehlt jetzt nur noch ein leistungsstarker Drucker oder aber ein Leser-freundlicher Monitor, um die ganzen Texte auch “bearbeiten” zu können
Wie konnte ich bloß Arnold Kling’s “Learning Economics” (http://arnoldkling.com/econ/book/contents.html), eine sehr gut nach Topics strukturierten Sammlung von Essays, vergessen. In Auszügen der gedruckten Fassung kann man sehr gut bei Google Buchsuche nach der Eingabe von “Learning Economics” herumblättern.