“Freiwillige” WehrPFLICHT?
Der Vorschlag der SPD, dass der Staat sich um Freiwillige für seine Armee bemüht, und, wenn diese Bemühungen nicht hinreichen, ist eine Mogelpackung: eine freiwillige Wehrpflicht macht genau so viel Sinn wie alkoholfreier Schnaps. Was noch freiwillig daran ist, wenn man wegen zu wenig Rekrutierungen doch eingezogen wird bleibt das Geheimnis dieses unsinnigen sozialdemokratischen Wortmonstrums. Der Grundwehrdienst light ist für viele jungen Männer vielleicht sogar noch sinnvoller als eine “freiwillige Wehrpflicht”. Die Vorschläge der SPD zu einer freiwilligen Wehrpflicht sind ein Beleg für die Zerrissenheit der SPD und werden auch vom Wehrbeauftragten, SPD-Mitglied Robbe, abgelehnt. Es gibt keine Begründung mehr, die einen so tiefen Einschnitt wie die Wehrpflicht in die Freiheitsrechte junger Männer rechtfertigt. Die Wehrpflicht gehört sofort ausgesetzt, damit nicht nur die ausgemusterten jungen Männer früher ihre Ausbildung und damit auch ihr Berufsleben beginnen können
Zum Thema Wehrgerechtigkeit: Derzeit leisten übrigens weniger als 17 Prozent der zur Verfügung stehenden Männer Wehrpflicht und mehr als 50% leisten weder Wehr- noch Zivildienst. Das Rekrutierungsargument rechtfertigt auch nicht den schweren Eingriff in die Grundrechte junger Männer, den eine Einberufung darstellt, zumal dem Staat auch andere Mittel des Anwerbens von Zeit- und Berufssoldaten zur Verfügung stehen. Auch das demokratische Argument ist nicht überzeugend. Nicht nur in Deutschland wurde die Wehrpflicht auch von undemokratischen Regierungen genutzt. In zahlreichen gefestigten Demokratien wie Frankreich wurde sie allerdings schon lange abgeschafft. Übrigens: Wenn auch die SPD für eine echte Abschaffung der Wehrpflicht wäre, gäbe es hier einen interessanten Überschneidungspunkt zwischen FDP, SPD und auch den Grünen.







Tatsächlich sollte man niemand zwingen einen Staat dem Er ablehnend oder gleichgültig gegenübersteht im Verteidigungsfall mit der Waffe in der Hand verteidigen zum müssen.
Allerdings halte ich es für falsch sich nur deshalb vor dem Wehrdienst zu drücken weil man sonst Zeit für die Berufsausbildung verliert.
Immerhin gibt es auch andere Formen der Zeitverschwendung. Neben dem orientierungslosen Rumgammeln vor den Studium kann man auch das freiwillige Soziale Jahr oder Mitarbeit bei THW, Roten Kreuz oder den freiwilligen Feuerwehr als verlorene Zeit ansehen.
Natürlich gibt es die Frage der Wehrgerechtigkeit.
In der heutigen Zeit gibt es keinen Grund warum eine Frau nicht Wehrdienst leisten kann.
Viel mehr als den Abzug drücken und ein gewisses Maß an Heimtücke erfordert die moderne Kriegsführung nicht, die Zeiten in denen man mit Bajonetten aufeinander losgegangen ist sind vorbei.
Es gibt auch keinen Grund warum man eine langjährige aktive Mitgliedschaft im THW, der freiwilligen Feuerwehr ect nicht als absolvierten Wehrdienst werten soll.
Es gibt auch keinen Grund die Dauer des Grundwehrdienstes bei 9 Monaten zu lassen – 2 bis 3 Monate Grundausbildung und regelmäßige Übungen wären sicherlicher besser.
Einzig und allein die Idee mit dem Anreiz für das Ableisten von Wehr- oder Ersatzdienst halte ich für gut. Nur soll es kein finanzieller Anreiz sein, auch keine Bevorzugung beim Studium.
Wie wäre es mit dem aktiven und passiven Wahlrecht ?
Wer sich dann wie das Klischee einer neoliberalen Heuschrecke vor Wehr oder Ersatzdienst drückt muß halt auf aktives und passives Wahlrecht verzichten.
Ein Verlust wäre das IMHO nicht, die BRD hat ja recht gute Erfahrung mit solchen Bürgern zweiter Klasse gemacht.
Man denke nur an die vielen Ausländer die hier geboren sind, und die auch ohne Wehrpflicht und Wahlrechte wirtschaftlich erfolgreich sind.
Das mit der “freiwilligen Pflicht” ist natürlich übelster Neusprech, damit versucht die SPD ihre Flügelkämpfe zu verkleistern und will vor dem Publikum verschleiern, daß sie nach jahrelangem Eiertanz schlicht dem Beispiel der FDP gefolgt ist.
Aber letztlich ist die Bezeichnung egal, Hauptsache es gibt endlich ein Ende der Wehrpflicht.
Und als nächstes kommt dann die “freiwillige Steuerpflicht”.
Über einige Punkte des SPD-Vorschlags kann man aber reden.
Es mag akzeptabel sein daß zumindestens die Pflicht verbleibt, sich erfassen und mustern zu lassen, und der Bundeswehr damit die Kontaktmöglichkeit für eine Anwerbung zu geben.
Die Frage ist, für was man eine Bundeswehr denn braucht? Um in die Schweiz einzumaschieren, um dem Steuerwettbewerb endlich den Gar auszumachen? Um sich gegen böse Franzosen und Polen zu verteidigen, die ausser ein paar Populisten kaum noch Unterschiede zu den Deutschen (ausser der Sprache) im Politischen haben…
Wenn man denn die Bundeswehr endlich wirklich einmal reformieren will, dann sollte man daraus eine mobile Truppe aus Berufssoldaten machen. Da die Bundeswehr im jetzigen Zustand eh nur noch Supporttruppe für andere Nationen ist, kann man sie auch gleich ganz darauf ausrichten. Denn was an Ihr noch effektiv ist, das sind eben jene Unterstützungselemente, beim Rest hat uns der Westen schon lange abgehängt.
Was natürlich die Deutsche Industrie nicht davon abhält, trotzdem in der Forschung und Entwicklung von Waffensystemen immer noch top zu sein (siehe Tarn-Uboote, Schnellfeuerwaffen u. ä.).
Die Frage ist also, ob man in einer Europäischen Sozialistischen Union als zukünftiger Einheitsstaat überhaupt noch eine auf Landesverteidigung ausgerichtete unterfinanzierte Bundeswehr braucht?
Die Wehrpflicht ist absurd, da ohnehin nur noch ein Teil der jungen Männer eingezogen wird. Es ist auch keine Lösung, Frauen zum Wehrdienst zu zwingen, die ja oft schon doppelt belastet sind durch Ausbildung/Beruf und Kinder. Im übrigen sind es in der Mehrzahl auch Frauen, die alte und kranke Familienangehörige pflegen. Eine Wehrgerechtigkeit wäre es daher nicht.
Eine Berufsarmee wäre sinnvoll, scheint mir das Beste.
Ja sicher. Für liberale Kernforderungen wie die Aussetzung der Wehrpflicht könnte die FDP-Führung dann in einer “sozialliberalen” Koalition auf Nebensächlichkeiten (Steuersenkung, Schuldenabbau, Deregulierung etc.) verzichten…
Du bringst es auf den Punkt. Joachim..:-)
Wofür man eine Wehrpflicht braucht ?
Hm, man kann nicht ein internationales Gewaltmonopol z.B. der UNO befürworten, aber gleichzeitig sich davor drücken zur Durchsetzung dieses Gewaltmonopoles Truppen zu stellen wenn es darauf ankommt.
Bislang hält sich die BRD – von Ausnahmen wie dem Balkan abgesehen – aus der Stellung von UN Friedenstruppen fein säuberlich raus und überlässt dies Staaten wie Indien oder Pakistan.
Bei solchen Einsätzen sind auch nicht Unterstützungseinheiten wie Sanis, Eliteeinheiten wie das KSK oder High-Tech Truppen wie Panzer oder Luftwaffe gefragt, sondern der Infanterist.
Eine hohe Anzahl an gut ausgebildeten Infanteristen kann man aber mit einer Wehrpflicht und regelmäßigen Übungen recht gut aufbauen.
Und wer sagt was von zwingen ?
Wenn man das Wahlrecht als Anreiz für Wehr- oder Ersatzdienst verwendet muß sich niemand gezwungen fühlen…
“Eine hohe Anzahl an gut ausgebildeten Infanteristen kann man aber mit einer Wehrpflicht und regelmäßigen Übungen recht gut aufbauen.”
Echt ? Darf man Wehrpflichtige einfach ins Ausland auf gefährliche Einsätze senden ? Das wäre ein weiterer Grund die Wehrpflicht endlich abzuschaffen. Wieviele Monate “lernt” denn der Bürger das Soldat spielen überhaupt ? Wieviele Monate davon hängt er einfach nur in der Kaserne ab und schrubbt Panzer oder schneidet an seinem Massband oder säuft sich dicht ? Ich zweifle dass die Ausscheider die ich öfters am Bahnhof mit ihren bunten Shirts rumgröhlen höre “gut ausgebildete Infanteristen” geworden sind oder es überhaupt sein wöllten.
@Alrik:
> Bei solchen Einsätzen sind auch nicht
> Unterstützungseinheiten wie Sanis,
> Eliteeinheiten wie das KSK oder
> High-Tech Truppen wie Panzer oder
> Luftwaffe gefragt, sondern der Infanterist.
Bei solchen Einsätzen sind Unterstützungseinheiten viel stärker nötig als bei der klassischen Heimatverteidigung.
> Eine hohe Anzahl an gut ausgebildeten
> Infanteristen kann man aber mit einer
> Wehrpflicht und regelmäßigen Übungen
> recht gut aufbauen.
Unfug.
Gerade für die typischen UN-Einsätze mit unklaren Strukturen, Kommunikationsproblemen mit den Einheimischen, asymmetrischen Gefechten etc. müssen die Soldaten viel besser ausgebildet sein als für die klassische Infanterie, die im Kern nur lernen mußte auf alles zu ballern, was aus Richtung Osten angelaufen kam.
Nur eine kurze Mitteilung an den Webmaster: ich sehe bei keinem Artikel den ersten Kommentar — nur die Namenszeile (hier: Alrik, 22.08.2007 13:39) und dann eine lange, weiße Fläche. Und zwar bei allen Threads. Technisches Problem mit meinem Browser kann ich mir schwer vorstellen, was sonst? Bitte einmal checken!
Die Wehrpflicht in Deutschland ist eine ziemlich überflüssige Prinzipienreiterei und ohne jeden Nutzen, weder für die Armee noch fur die Betroffenen. Es gibt keinen Verteidigungsfall, für andere Zweck kann die Armee laut Grundgesetz nich eingestetz werden und die meisten der Eingezogenen sind unwillig und einige auch schlicht unfähig. Dass daran weiterhin festgehalten wird ist einfach eine Art von Gängelung des Staates gegenüber seinen Bürgern.
Für tatsächliche Kriegseinsätze halte ich die Wehrpflichtigen in Deutschland ungeeignet.
Bei den Auslandseinsätzen kommen sowieso keine Wehrpflichtigen zum Einsatz.
>Wieviele Monate “lernt” denn der Bürger das Soldat spielen überhaupt ?
1993 betrug die Grundausbildung 3 Monate, AFIAK wurde sie inzwischen auf 2 Monate verkürzt.
>Wieviele Monate davon hängt er einfach nur in der Kaserne ab und schrubbt Panzer oder schneidet an seinem Massband oder säuft sich dicht ?
1993 sind das 9 Monate gewesen.
In diesen 9 Monaten hat man tatsächlich nicht viel gelernt.
Einer der Gründe warum ich der Meinung bin das 3 Monate Grundausbildung und regelmäßige Reserveübungen besser wären…
Schon jetzt wendet sich die Bundeswehr an Reservisten, wenn das Personal für Auslandseinsätze knapp wird.
Wer will kann dann ein längere freiwillige Wehrübung in Afgahnistan oder dem Kosovo ableisten…
>Gerade für die typischen UN-Einsätze mit unklaren Strukturen, Kommunikationsproblemen mit den Einheimischen, asymmetrischen Gefechten etc. müssen die Soldaten viel besser ausgebildet sein als für die klassische Infanterie, die im Kern nur lernen mußte auf alles zu ballern, was aus Richtung Osten angelaufen kam.
Nun, dann ist es ja die Chance für 1er Abiturienten.
Man verpflichtet sich 8 Jahre als Mannschaftsdienstgrad und kann dann als Ober- oder Hauptgefreiter Probleme wie unklare Strukturen, Kommunikationsprobleme mit Einheimischen asymetrische Gefechte lösen.
Ich fürchte nur, das solche Leute sich wenn überhaupt nur als Offizier einschreiben und das unsere Bundeswehr dann nur noch Häuptlinge und keine Indianer mehr hat.
Für längerdienenden Mannschaften wird es wohl Probleme geben vernünftige Leute zu rekrutieren.
Und ob man allein mit guten Offizieren weniger Probleme bei UN Einsätzen hat, wenn die Manschaften aus Zivilversagern & Rambos bestehen ?
Bislang wurde für den freiwilligen Dienst als Manschaft vor allem gezielt geeignete Wehrpflichtigen angesprochen, in Zukunft wird man wohl nehmen müssen was kommt.
Eventuell kann man ja gezielt für längerdienende Manschaftsdienstgrade auf den Arbeitsämter, den Knästen und im Berufsvorbereitungsjahr rekrutieren ?
Generell bin ich übrigens nicht für eine Wehrpflicht sondern für einen freiwilligen Dienst bei Militär, Zivilschutz oder einer Sozialen Organisation.
Der Dienst beim Militär sollte aus einer kurzen Grundausbildung und regelmäßigen jährlichen Übungen bestehen, und aus diesem Kader sollten auch längerdienende Freiwillige für Auslandseinsätze rekrutiert werden.
Aktive Mitarbeit in Organisationen wie THW, Feuerwehr oder das Ableisten eines freiwilligen Sozialen Jahres sollte dem Wehrdienst gleichgestellt werden.
Und als Anreiz für alle die diesen freiwilligen Dienst leisten, sollen sie das aktive und passive Wahlrecht erhalten.
Wer immer noch nach dem Ende der Schule der Meinung ist ein freiwilliges Soziale Jahr, Wehrdienst oder gar Mitarbeit in einer sozialen Organisation ist vergeudete Zeit kann dann gerne gleich BWL oder Sozpäd studieren gehen.
Ich hab dann auch kein Problem damit das solche Leute nicht gefragt werden, wenn Abgeordnete gewählt werden die darüber entscheiden wo die Bundeswehr hingeschickt und wie die Sozialpolitik finanziert wird.
hahaha
als ob das wahlrecht in der BRD auch nur eine Kiste Bier wert wäre.
die institutionen & parteien haben sich doch so gut vor dem volkswillen abgeschirmt wie nur möglich.
wobei das bei dem deutschen durchschnittsbürger der zu 60prozent den Sozialismus für eine gute idee haelt vielleicht auch besser ist.
mir wurden 10 monate “geklaut” fuer diesen staat, die ich nur gewaehlt habe weil zivildienst 3 monate zwangsdienst mehr gewesen waeren.
spaetestens im V-Fall werde ich eh zum republikfluechtling.
[...] der Vorschlag, die Wehrpflicht auszusetzen, wenn sich genügend Freiwillige melden. Dieser Blog ist nicht der erste der darauf hinweist daß das Grundproblem damit nicht gelöst ist: was die Wehrpflicht für [...]
Wer gerne das „Land“ verteidigen möchte, möge das tun. Solange er anderen die Mittel gönnt, sich selber zu verteidigen.
Wer sich gerne Landesverteidigen lassen möchte, möge dies tun. Sein Bedürfnis beschützt zu werden verleiht ihm jedoch keinen Anspruch auf das Einkommen oder Vermögen anderer.
Wer das passive Wahl“recht“ an den Wehrdienst knüpfen will: warum nicht? Solange von den so ausgeschlossenen dann nicht noch verlangt wird, den Vertretern des Staates zu gehorchen und sie zu ernähren.