Amuse-Gueule zur Bundeswehr
Leider ist die Reflexion des Deutschlandkorrespondenten der Neuen Zürcher Zeitung von Samstag zur aktuellen Lage der Bundeswehr online nicht abrufbar. Denn schon der Einstieg ins Thema ist ein Amuse-Gueule:
Irgendwann in den neunziger Jahren muss sich die Bundeswehr aufgelöst haben. Seither existieren zwei deutsche Streitkräfte nebeneinander her. Die eine befindet sich in Afghanistan, auf dem Balkan, vor der libanesischen Küste, in Kongo oder am Horn von Afrika. Die andere beschäftigt sich mit dem KPV, dem Kontinuierlichen Verbesserungsprogramm. Soldaten, die Innovationen vorschlagen, erhalten eine Prämie. Doch manchmal streiten sich die KPV-Zentrale und nachgeordnete Stellen über die Festlegung der Prämien. So vergehen sechs Jahre, und am Ende befasst sich der Bundestag mit dem Geldbetrag, der einem Soldaten des Marinestützpunktes Wilhemshaven zusteht.
NZZ-Korrespondent Eric Gujers Analyse in Bullet Points:
- Auch auf deutschen U-Booten gilt das Gebot der Mülltrennung.
- Ein Militärjeep im Kosovo, bei dem der Abgastest verpasst wurde, wird stillgelegt.
- Aus Sicherheitsgründen in Afghanistan umgebaute Militärfahrzeuge müssen wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgebracht werden, weil sonst die Herstellergarantie verfällt.
- Die deutschen Streitkräfte wurden gegründet, um nicht eingesetzt zu werden.
- In Ermangelung jeglicher Einsatzerfahrung bewegte sich die Bundeswehr während Jahrzehnten in einer Kunstwelt.
- Einsatzgebiete werde so gewählt, dass reguläre Gefechte unwahrscheinlich sind.
- Von den 1.600 Soldaten in Mazar-e Sharif verlassen 70% nie das geschützte Lager.
- Karriere macht man in Stäben des Verteidiungungsministeriums und in Nato-Stäben aber nicht mit Kampfererfahrung.
- Die Bundeswehr ist eine Gewerkschafts-Armee, wo als militärische Extremsituation eine „Dauerbelastung in gefährlicher Umgebung ohne Privatsphäre“ gilt.
- Die Konkurrenz zwischen politischer Führung und militärischen Stäben gehört seit der Gründung der Bundeswehr zu den ungelösten Problemen dieser Armee.
Und dann hat er noch eine kleine Geschichte eingebettet, die für mich neu war. Man erinnert sich an die Empörung über die israelischen Tiefflieger, die über die deutsche UNO-Flotte vor dem Libanon hinwegbrausten. Da war ein Schiff mit dabei, das gar nicht zum UNO-Einsatz gehört hat und das die Militärs dem Verband untergemischt hatten: Das Aufklärungsschiff „Alster“. Die war der Grund für das israelische Muskelspiel. Verteidigungsminister Jung hatte von Präsenz des Schiffes vor dem Libanon zunächst keine Ahnung.








Traurig, aber wahr!
Guter Beitrag. Danke!
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