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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Will noch jemand jagen gehen?

Statler, 26.08.2007

We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

So steht es in der Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. In jeder ewigen Hitliste der großartigsten je geschriebenen Sätze müßte dieser einen Spitzenplatz belegen. Jeder Mensch hat das Recht auf Freiheit — auf “Liberty“, also ganz eindeutig auf Freiheit im Sinne von Nicht-Einmischung in seine Angelegenheiten — und vor allem auf die Jagd, oder vornehmer: auf das Streben nach Glück. Es ist offensichtlich, daß dieses “Pursuit of Happiness” im Verständnis der Gründerväter der USA zwei Seiten hatte. Einerseits eben das Recht der Individuen auf ihre individuelle Freiheit, die es ihnen erst ermöglicht, nach dem zu streben, das sie selbst für Glück halten — ohne paternalistische oder gar böswillige Einmischung des Gewaltmonopolisten, und auch wenn andere Individuen andere Wege zum Glück bevorzugen würden.

Die andere Seite dieses Konzepts ist aber eben: die Jagd, das Streben. Der Mensch hat ein Recht auf seine Freiheitssphäre, aber nutzen muß er sie schon selbst. Glück bekommt man nicht geschenkt, Glück strebt man an, und wer es nicht anstrebt, hat ein Problem, das sein eigenes Problem ist — aber nicht das der Gesellschaft, oder das des Staates.

Gerade sah ich die Wiederholung der Nachtstudio-Sendung vom letzten Wochenende, es ging um Weltverbesserung, und natürlich war auch wieder einmal der unsägliche UN-Botschafter Jean Ziegler Teil der Gesprächsrunde. Vielleicht liegt es ja auch gar nicht an ideologischer Verblendung, sondern nur daran, daß man in den Schulen der welschen Schweiz so lausiges Englisch lernt, jedenfalls fand Ziegler nach den üblichen “Staatsterrorismus“-Attacken auf Israel noch Zeit, darauf zu bestehen, daß das Recht auf das “Pursuit of Happiness” schlicht ein Recht auf Glück sei, und daß die Gesellschaften verpflichtet seien, dem Einzelnen sein Glück zu verschaffen.

Wir sollten doch froh sein, daß wenigstens im amerikanischen Supreme Court die Originalisten noch eine Mehrheit haben.



6 Kommentare zu “Will noch jemand jagen gehen?”

  1. DF

    Den antideutschen Kommunisten, die immer vom bügerlichen Glücksversprechen in der Declaration fabulieren, täte solcher Originalismus auch gut.

  2. scipio

    Ja Statler,das ist jetzt Pech für Dich, sozusagen die Ungnade der späten Geburt. Früher hat eine Minderheit die Mehrheit ausgebeutet, heute ist es umgekehrt. Also rück die Kohle raus und erfülle das Recht Deines Nächsten auf Flachbildschirm und Multifunktionshandy ..äh Glück. Und vergiß diesen Protokommunisten Ziegler, denn wie sollte man einen Menschen ernstnehmen, der glaubt, man könnte Glück auf Bestellung liefern. Ach, eh ich´s vergesse: Glück hat natürlich nur der Tüchtige.

  3. Lina

    In Ihrer Comment-Policy steht, dass Psychologen bei Ihnen kein Geld bekommen. Deshalb hier mein Gratis-Tipp: Unter den Menschen, die ein Problem mit der persönlichen Glückssuche haben, gibt es auch solche, die einfach keines finden können. Sie sind zur Jagd danach weder veranlagt noch zu konditionieren, heisst es in der Fachsprache. Schon mal davon gehört? Eher nicht, vermute ich, denn sonst würden Sie ihnen doch bestimmt gern etwas in Euro abgeben wollen vom Glück, das Sie haben, wenn Ihre persönliche Konditionierung stimmt. – Sehen Sie eine andere Lösung des Problems als die westliche Zivilisation sie für diese Art von genetischer Benachteilung bisher allein im Sozialetat gefunden hat? Sie setzen auf Darwin? Das kann dauern…

  4. Statler

    Naja, hier geht es ja nun nicht darum, ob man aus pragmatische Gründen einen (eng eingehegten) Sozialstaat haben will, sondern um die absurde Behauptung Zieglers, es gebe ein RECHT auf Glück, und dieses Glück sei auch noch vom Gemeinwesen bereitzustellen.

  5. Lina

    Danke, gut zu wissen, dass Sie immerhin den “eng ingehegten Sozialstaat” befürworten und meine Bauchschmerzen nachlassen! – So weit also hat Ziegler sich verstiegen, ein RECHT auf Glück für jedermann anzumelden? Dann wäre sein empathischer Impetus mit ihm durchgegangen. Aber ein RECHT auf Teilhabe am Überschuss hätte es meinetwegen schon sein dürfen – und der ist gross, wie er in seinem jüngsten Buch nachrechnet. (Ich musste mich aus der Sendung leider früh ausblenden.)

  6. FAB.

    Der monatliche Tribut, den mir Mütterchen Sozialstaat in Verfolgung ihres “empathischen Impetus” abknöpft ist nicht überschüssig, jedenfalls bei mir nicht, tut mir leid, Ihnen das so drastisch sagen zu müssen.

    (….)

    (Psychologen!! Unglaublich. Grummel…)

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