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Menschenraub lohnt sich!

28.08.2007 19:12 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim

(über den Unterschied von Appeasement und Opportunismus)

Negative Verstärkung bedeutet die Erhöhung der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens, wenn als Reiz ein negativer Verstärker entfernt wird. Negative Verstärker sind z. B. jeweils das Entfernen von Lärm, grelles Licht, Hitze oder Kälte, Stromschlag.

So hab ich’s aus meinem Sozpäd-Studium in Erinnerung und so steht es auch in der Wikipedia. Es ist also die Entfernung zweier negativer Verstärker für die Taliban, wenn die Südkoreaner jetzt Ihr Truppenkontingent vor dem geplanten Zeitpunkt aus Afghanistan abziehen und den Islamofaschisten versprechen, zukünftig christliche Mission aus Südkorea im Land zu unterbinden (!).

Die Botschaft an die Islamofaschisten ist eindeutig: Weiter so! Menschenraub lohnt sich! Die südkoreanische Regierung erweist damit denjenigen die in Afghanistan bleiben (müssen) keinen guten Dienst.

Dieses opportunistische Einknicken vor der Stimmung im eigenen Land angesichts der brutalen Erpressung durch die Taliban gleich als Appeasement zu bezeichnen, führt allerdings zu weit: so wie ich den Begriff verstehe, bezeichnet er eher eine Politik, die aktiv, d.h. ohne Vorliegen eines negativen Reizschemas, auf Verhandlungen mit angeblich “Moderaten” unter den totalitären Kräften setzt und aus dem Missverständnis heraus, der Terror sei defensive Taktik statt aggressiver Strategie, “beschwichtigen” will.

So gesehen wäre eher der Herr Beck als “Appeasenik” zu bezeichnen, denn die Südkoreaner.

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6 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Telegehirn, 28.08.2007 19:44

Willst Du stänkern, ;-)

“Der Begriff Appeasement bezeichnet die Politik der Zugeständnisse, der Zurückhaltung, der Beschwichtigung und des Entgegenkommens gegenüber Aggressoren zur Vermeidung von Konflikten.”

Das Verhalten der Südkoreaner könnte man daher durchaus als Appeasement bezeichnen. Klar, alles eine Frage der Definition, aber Südkorea hat das umgesetzt, was Kurt Beck ja fordert und die Taliban, die die Südkoreaner entführt haben, sind bestimmt keine “moderaten Taliban”. Wobei ich “moderate Taliban” für eine schlimme verbale Entgleisung halte. Das klassische Appeasement war ja auch eine Reaktion auf die Forderungen des Dritten Reichs. von daher würde ich in diesem Fall schon gelten lassen. Weniger, was den, auch ohne Entführung, feststehenden Abzug der 200 Soldaten betrifft, sondern viel mehr der Aspekt, auf die Tätigkeit der christlichen Missionare zu verzichten. Einen weiteren Punkt hatte ich ganz vergessen. Die Regierung in Seoul hat allen ihren Bürgern verboten nach Afghanistan zu reisen. Das geschah unmittelbar nach der Entführung.

 
Hardy, 28.08.2007 20:58

Telegehirn hat in diesem Fall ausgesprochen recht, auch wenn viele selbiges nicht wahrhaben wollen. Anstelle von Truppenabzug hätte ich den Taliban gedroht, die Truppen zu verdoppeln(und selbstverständlich auch die christlichen Missionare) wenn die Geiseln nicht freigelassen werden. Egal was einige linke Spinner, welche hier peinlichst auf Religionsfreiheit achten, jedoch für andere Länder noch nicht einmal bereit sind für die Menschenrechte zu kämpfen, davon auch halten mögen.

 
jo@chim, 28.08.2007 21:25

Stänkern wäre, wenn ich Dich ärgern wollte, Commander. Danach ist mir aber heute nicht ;-) Zumal wir in der Sache nicht soweit entfernt sind. Nein, es war eine kritische Anmerkung: Begriffen kann durch inflationären Gebrauch auch ihre Schärfe genommen werden.
Appeasement wäre, wenn die Koreaner nach der Freilassung der Geiseln auch andere auffordern würden, ihre Truppen abzuziehen, um “den Terror ein für allemal zu beenden”. A. behinhaltet IMHO auch die Konstruktion gemeinsamer Interessen oder zumindest die Legitmierung “berechtigter Anliegen” der (Islamo-)Faschisten (”was sollen auch die Missionare in Afghanistan?”).
So wie Chamberlain in den Nazis das “Bollwerk” gegen Stalin sah und sich positiv auf deren Angebote bezog, den Briten die Seemacht zu überlassen, sehen heutige Appeaseniks - unausgesprochen oder offen - in den Islamisten vor allem die Gegner des Weltbösewichts USA. Jedes opportunistische Zurückweichen vor dem Terror als A. zu bezeichnen verharmlost diese Kapitulationsstrategie.
Just my 2€50.

 
Martin S. Hagen, 29.08.2007 11:45

Ich finde die Entscheidung Südkoreas zwar falsch, aber sie ist nicht überraschend. Warum, habe ich hier mal anhand der Logik terroristischer Erpressung erklärt:

http://martin-hagen.blogspot.com/2007/08/die-logik-der-erpressung.html

Medea, 29.08.2007 14:03 Subscribed to comments via email

“die Taliban durch ihre Konzessionen zu weiteren Kidnappings zu ermutigen.”

Dass machen die Deutschen doch ebenso, in dem sie für jeden Entführten soviel Geld zahlen, dass er frei gelassen wird. Damit sind die nächsten Entführungen schon vorprogrammiert.

Darüber hinaus wird uns noch einen Unterschied zwischen politischen und kriminellen Gruppen eingeredet, als wäre eine Entführung nicht stets kriminell.

Und bei Südkorea war die Zahl der Entführten hoch. Ich weiß nicht, wie sie sich anders hätten verhalten sollen. Alle dem Tod preisgeben? Dann würde es vielleicht in deutschen Blogs heißen “Wie kann man nur. Das hätte man auch anders lösen müssen” etc. etc.

Aber wie lösen? Das wissen die Deutschen doch auch nicht, sonst würden sie nicht stets bezahlen.

 
 
antibuerokratieteam.net, 29.08.2007 15:10

Clevere Südkoreaner…

Die Südkoreaner sind ja so was von clever. Die verhandeln seit Tagen mit dem Taliban, um ihre Landsleute aus Afghanistan raus zu holen (wen wollten die dort eigentlich missionieren?). Und versprechen den Beim-Barte-des-Prophetigen das Blaue vom …

 

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