Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:

Beobachtungen

29.08.2007 03:54 - Statler & Waldorf by Waldorf

Seit genau einer Woche toure ich nun durch Kalifornien und da ich eigentlich relativ regelmäßig hier meinen Urlaub verbringe, hier einige Beobachtungen von der Front:

1. Die meisten amerikanischen Bundesstaaten sind pleite. Das mag zwar auch auf die meisten deutschen Bundesländer zutreffen, aber hier sieht man den Verfall an der Infrastruktur. Waren die Straßen schon vor zwei Jahren erschreckend schlecht, ist es nun noch einmal schlimmer geworden. Während die normalen Highways ein Ding für sich sind, wird nun auch an den Freeways (entspricht unserer Autobahn) nur noch das wirklich Nötigste getan. Schlaglöcher in der Größe eines Fußballs Mitten auf der Autobahn habe ich bei uns jedenfalls noch nicht gesehen.

2. Die Zustimmung der Amerikaner zu Bush wird in den deutschen Medien falsch dargestellt. Nein, wirklich beliebt ist er hier nicht mehr, den Irak Krieg finden viele Amerikaner falsch, aber würde man nur den Deutschen Medien glauben, müsste man hier täglich mit Protesten rechnen. Das Gegenteil ist aber der Fall, überall findet man “Support our troups” Schilder - und zur Zeit bewege ich mich noch an der Küste, wo man sowieso noch wesentlich liberaler als im Landesinneren ist.

3. Dafür ist der nahe Osten, Islamismus und auch Gitmo nun endgültig in der Filmindustrie angekommen. Im Winter laufen hier gleich mehrere Filme an, die sich rund um das Thema drehen. Da ist der Familienvater, der von der NSA entführt wird, weil er aus einem arabischen Land stammt, aber auch eine Sondereinheit, die im “Feindstaat” Saudi Arabien tätig werden muss, usw, usw…. Man darf gespannt sein.

RSS Kommentar-Feed Trackback-URI Druckansicht Beitrag senden Tags: ,

21 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Klaus, 29.08.2007 10:45

Zu 2: Das ist einfach nicht das Gleiche, es heißt ja schließlich nicht “Support our Sesselpupser im Pentagon oder Weißen Haus”

 
R.A., 29.08.2007 11:21

Meines Wissens nehmen auch die US-Bundesstaaten ihren Bürgern recht ordentlich Steuern ab.
Wenns dann für die Straßenreparaturen nicht mehr reicht, wird es wohl dieselben Gründe haben wie in Deutschland: Irgendwelche Politbürokraten finanzieren lieber obskure Projekte statt der nötigen Staatsaufgaben.

 
Klaus, 29.08.2007 12:01

Und “Support our troups” schreiben ohnehin nur highschool dropouts :-)

 
Gast, 29.08.2007 13:56

Wer weiss vielleicht besteht auch eine Korrelation zwischen den Ausgaben die noetig sind “our troops” zu supporten und den Mitteln die dann fehlen die heimische Infrastruktur zu supporten. Ist angeblich schon ein paar mal vorgekommen.

Und Islamismus nun in der Filmindustrie angekommen? Ich bitte euch. Das Thema wurde doch seit dem Zusammenbruch des Kommunismus schon mehr oder weniger und eher schlecht als Recht als Replacement fuer den Kalten Krieg genommen. Neu ist das wahrlich nicht.

 
Patrick, 29.08.2007 13:59

Warum wird eigentlich die NSA in Filmen immer so falsch dargestellt? Die haben noch nicht mal Agenten im eigentlichen Sinne, das sind alles bloß Informatiker.

 
Sven, 29.08.2007 19:21

“Und Islamismus nun in der Filmindustrie angekommen? Ich bitte euch. Das Thema wurde doch seit dem Zusammenbruch des Kommunismus schon mehr oder weniger und eher schlecht als Recht als Replacement fuer den Kalten Krieg genommen. Neu ist das wahrlich nicht.”

Totaler Quatsch. Zeig mir doch bitte mal einen Film, in dem Islamisten wahrheitsgetreu dargestellt werden als das, was sie sind, nämlich widerliche blutrünstige frauenverachtende homophobe Faschisten.
Es gibt keinen einzigen, und schon gar nicht seit dem Kalten Krieg. Wenn Araber als Terroristen vorkommen, dann werden sie als verniedlichte Witzfiguren porträtiert, so wie in True Lies oder American Dreamz. Selbst in moechtegern-authentischen Filmen wie United 93 werden die Islamisten als verwirrte und verirrte junge Männer gezeigt, die Brutalität und das Ueberlegenheitsgefuehl dieser ekelhaften Bastarde kommt nicht wirklich rüber.

Die meisten Bosse hier in Los Angeles sind ultraliberale Juden, die es auf Teufel komm raus vermeiden möchten, etwas mit dem Thema Islamismus zu tun zu haben, einerseits, weil sie natürlich Angst haben, die ja auch nicht ganz unbegründet ist, wenn man sich noch mal die Bilder von Theo van Gogh mit sieben Kugeln und einem Messer im Bauch vor Augen ruft. Andererseits wissen die Leute hier auch gar nicht, wie sie das Thema angehen sollen. Einer der von Waldorf angesprochenen Filme ist The Kingdom, in dem ein FBI Team nach Saudi Arabien reist, um einen Bombenanschlag auf ein US Lager zu untersuchen. Aber was ich bisher im Trailer gesehen habe lasest darauf schließen, daß man wohl die offiziellen Saudis als besorgte Familienväter darstellt, während die Terroristen und ihre Motivation dargestellt werden.

Wer darauf hofft, daß hier in Hollywood demnächst Islamisten in Filmen wahrheitsgetreu dargestellt werden mit allem drum und dran (Kinder ficken; Ehefrau erschießen, wenn sie einen anderen Mann angeguckt hat; Juden hassen, weil sie Juden sind usw.), der kann noch lange warten.

Medea, 11.09.2007 09:54 Subscribed to comments via email

@Sven
“…in dem Islamisten wahrheitsgetreu dargestellt werden als das, was sie sind, nämlich widerliche blutrünstige frauenverachtende homophobe Faschisten.”

Alle Achtung, das hast du klar ausgedrückt. Danke.

 
 
Mathias, 29.08.2007 19:58

Besonders seit dem Brueckenkollaps in Minneapolis ist der marode Zustand der Infrastruktur ein groesseres Thema in den Medien. Hoffentlich tut sich da bald mal etwas, denn es stimmt: Der Zustand der Strassen, Bruecken und Daemme hier ist besorgniserregend. Steuergelder werden lieber fuer andere Dinge verschleudert.

 
jo@chim, 29.08.2007 20:12

Erklärt uns USA erklärt eigentlich nicht immer, dass die Infrastruktur in den USA Sache der Bundesstaaten und der Kommunen ist und nicht der pöhsen Push Administration und ihrer imperialistischen Troops?

 
Franklin D. Rosenfeld, 29.08.2007 21:16

@ Waldorf

” an der Küste, wo man sowieso noch wesentlich liberaler als im Landesinneren ist.”

Jetzt muss ich aber doch intervenieren - das amerikanische “liberal”, im Sinne von Hillary, Berkeley usw., hat ja mit dem eigentlichen Liberalismus gar nichts mehr zu tun. Wenn, dann sind die Kuesten reaktionaerer, sozialdemokratischer, oder einfach menschenfeindlicher und Totalitarismus-freundlicher (immerhin hat Jean-Francois Kerry die komplette West- und die Ostkueste bis vor Virginia gewonnen).

@ Sven

Exzellent getroffen. Danke.

 
NUB, 30.08.2007 08:59

Ich hab mich mal mit einem türkischstämmigen Kollegen unterhalten, der meinte, die Amifilme seien immer so auf Patriotismus getrimmt und würden die eigene Geschichte immer nur positiv darstellen. (Was den Türken ja nicht in den Sinn kommen würde - aber die Armenier habe ich dann doch nicht angesprochen.)
Das scheint hierzulande, auch bei den Eingeborenen, so die gängige Meinung über US-Filme zu sein. Obwohl das natürlich nur auf einen Teil der Filme zutrifft. Aber man nimmt halt gerne nur das wahr, was die eigenen Beobachtungen oder Vorurteile noch mal bestätigt…
Bei den Muslimen, die im Westen zum radikalen Islam finden, ist auch der Aspekt interessant, mit welcher Selbstdarstellung der Westen sich für sie präsentiert. Müssen diese Zeitgenossen, die ohnehin besonders empfänglich für Totalitäres sind oder die es aus ihrem Heimatland nicht anders kennen, nicht in Europa feststellen, dass die Europäer ihre ganzen vermeintlichen und wirklichen Fehler sowieso schon zugeben, ja müssen nicht radikale Muslime im Grunde nur die antiimperialistische Propaganda + Antikapitalismus allgemein + Anfeindungen gegen Christen abgreifen, die sie bei uns schon fertig verpackt vorfinden?
Zumindest erhalten sie wenig Widerspruch oder werden meist nur über Amifilme mit Patriotismus im Sinne einer positiven Selbstwahrnehmung konfrontiert. Und diese kann man ja meist nicht allzu ernst nehmen. Also treffen sie doch auf Leute, die vereinfacht gesagt schon zugeben, dass bei ihnen alles mies und minderwertig, moralisch verkommen ist, dass sie richtig scheiße sind und endlich abgelöst gehören.

 
NUB, 30.08.2007 09:02

Noch vergessen: Antisemitismus finden sie natürlich auch schon vor. Wenn sie nachsehen… Also muss man sich auch davor hüten, das alles nur auf die Muslime zu projizieren, im Sinne von “die tragen diese negativen Ideen zu uns” — so wie es einige Blogs vertreten. Nee, da trifft aufeinander, was oft gut zueinander passt.

 
CptCR, 30.08.2007 09:35

Sven ist ja wirklich ein unangenehmer Zeitgenosse. Schwere Kindheit gehabt?

Sven, 10.09.2007 19:34

“Sven ist ja wirklich ein unangenehmer Zeitgenosse.”

Oh, danke sehr. Ich hatte auch nie die Absicht, angenehm zu sein.

“Schwere Kindheit gehabt?”

Gluecklicher als Du Dir in Deinen wildesten Trauemen ausmalen koenntest. Wurde naemlich zur Rechtschaffenheit erzogen. Von Atheisten :)

 
 
Franklin D. Rosenfeld, 30.08.2007 11:35

@ NUB

Dieses “Argument” laesst sich ja schon durch einen fluechtigen Blick auf Hollywood und die Hollywoodianer entkraeften - wer da ernsthaft patriotisch ist, und nicht Kuba und die UdSSR ganz toll findet (oder zumindest lange fand), ist ja doch eher die Ausnahme.

 
Gast, 30.08.2007 12:45

“Totaler Quatsch. Zeig mir doch bitte mal einen Film, in dem Islamisten wahrheitsgetreu dargestellt werden als das, was sie sind, nämlich widerliche blutrünstige frauenverachtende homophobe Faschisten.”

Ich sagte ja auch nicht dass die Filme irgendwelche Tatsachen wahrheitsgemaess portraitieren. Aber welche Hollywood Film tut das schon? Und das gilt beileibe nicht nur fuer Islamismus sondern alle Filme. Schliesslich ist Fiction ein Geschaeft und keine politische oder sonstige Bildung. Auch wenn das einige HBO Juenger nicht wahrhaben wollen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Black_Sunday_%281977_film%29

Nicht direkt Islamisten aber Mossad und Palaestinenser und Football und alles und mehr von 1977. Sogar den Terror aus der Luft Aspekt haben wir hier bereits bevor Clancys Executive Orders und Al Qaidas Copycat Aktion.

 
Hardy, 30.08.2007 12:49

@NUB
,,Was den Türken ja nicht in den Sinn kommen würde - aber die Armenier habe ich dann doch nicht angesprochen”
Wieso? Doch nicht etwa Angst vor eventuellen, u.U. auch schmerzhaften, Folgen gehabt?

 
NUB, 30.08.2007 12:53

FDR

Die linke Hollywood-Gilde wurde ja im Puppentrickfilm Team America: World Police auf die Schippe genommen. Da verbündet sie sich mit Nordkoreas Diktator und werden alle vom Team America erledigt. :-)

Filme mit Patriotismusbezug gab es weiterhin (Beispiel Armageddon) und gibt es. Aber sie sind keineswegs der Regelfall und in den letzten Jahrzehnten ist die Patriotismuskurve auch in den USA von Peeks wie 9/11 abgesehen rückläufig. Einigen linken Kollegen und ihren Beobachtungen zum Trotz sind die westlichen Länder insgesamt seit Jahrzehnten gesellschaftlich auf einem Linkskurs unterwegs, einige punktuelle Ausnahmen rechter Erscheinungen mal außen vor.

 
NUB, 30.08.2007 13:03

Hardy

Nö, ich wechsel nur nicht gerne ständig das Thema. Das ist auch so eine Masche, die im Netz oft betrieben wird. Aussage A, Widerspruch, aber B stimmt doch, Widerspruch, aber C! Jeweils mit Wechseln des Themas. Am Ende meint das Gegenüber, bei A, B und C argumentativ gesiegt zu haben, obwohl ständig nur auf ein anderes Thema gehüpft wurde.

 
scipio, 30.08.2007 15:40

@NUB | 8:59

Seit wann bildet denn der Kintopp die reale Welt ab? Ob irgendwelche Muslime eine bestimmten Eindruck über den verkommenen Westen bekommen oder nicht, ist doch völlig wurscht. Film ist Kunst, Kunst bedeutet künstlerische Freiheit. Wenn das jemand nicht kapiert, kapiert er auch die fremde Kultur nicht. Und übrigens: Ob in Hollywood ein Film gedreht wird oder nicht, wird immer über die Gewinnerwartung entschieden. Ideologie ist im Gegensatz zu unserer Filmindustrie eher unbeliebt und ein echtes Kassengift.

 
NUB, 30.08.2007 15:57

scipio

Es gibt auch Kinofilme, die für sich in Anspruch nehmen, die reale Welt abzubilden (Al Gores Film z.B., wobei da ja mancher Wissenschaftler nicht 100% zustimmt)… oder einen Ausschnitt aus der realen Welt. Andere Filme (JFK z.B. von Oliver Stone) behandeln zwar Themen aus dem realen Leben, behalten sich aber die künstlerische Freiheit vor, die Geschehnisse abzuändern.

Die Frage, ob z.B. Mohammed Atta in Norddeutschland oder Samir Jarrah in Bochum mit mehr Antiamerikanismus und Islamismus in Berührung kam als er in Ägypten je abbekommen hätte, finde ich nicht uninteressant. Ich meine eine dauernde ideologische Bestätigung durch fehlenden Widerspruch. Ich meine damit nicht, dass negative und gesellschaftskritische Äußerungen im Westen zu unterbleiben hätten, sondern dass es ausgewogener zugehen könnte.

 

Beitrag kommentieren

Name (erforderlich)
E-Mail (notwendig - wird nicht angezeigt)
URI