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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Gesinnungsabsolutismus

M.M., 09.09.2007

Es gibt zuhauf politisch denkende Menschen, die meinen, die grösste Gefahr für den liberalen Rechtsstaat und die offene Gesellschaft drohe von rechts.

Und weil man sich in dieser Gewissheit häuslich eingerichtet hat, ist man froh, um die handvoll sogenannter Neonazis in Deutschlands Osten. Mit wortreichen Erklärungen und ab und an einer Lichterkette kann man nach “Vorfällen” aller Welt zeigen: Nie wieder – wir haben aus der Geschichte gelernt!

Aus der Geschichte gelernt? Wenn man tatsächlich aus der Geschichte etwas lernen will, dann beispielsweise dies: Der Mensch hat die fatale Neigung, sich immer auf den Kampf gegen den schon bekannten Feind vorzubereiten. Wegen dieser Fixiertheit auf das Bekannte, übersieht er die neue Gefahr, die ihn schleichend zu bedrohen beginnt.

Malen wir doch den Teufel an die Wand: Die offene Gesellschaft wird von einem länderübergreifenden Ökofundamentalismus bedroht, der sich, ähnlich wie die röm.-kath.-Kirche während tausend Jahren, der Angst der Menschen vor der Zukunft bemächtigt hat. Und wie einst bei den Katholiken ist diese Zukunft düster und ohne Hoffnung – ausser man befolgt die Gebote der Klimawandler.

Wesentlich sind dabei zwei Momente: Die neue politische Kraft stützt sich auf wissenschaftliche Argumente (von der Allgemeinheit finanziert), die ebenso sakrosankt erklärt werden, wie weiland die Vorhölle der Katholiken. Und zweitens: Dieser Gesinnungsabsolutismus lässt sich nicht mehr an einer Partei festmachen, zum Beispiel an den Grünen, sondern wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich hier so etwas wie ein Einparteiensystem herausbildet.

Zwei Feinde sind bereits ausgemacht, die mit allen Mitteln bekämpft werden: die Atomkraftwerk-Befürworter und die Klimaleugner.

Also nehmen wir gefälligst zur Kenntnis, dass wir in den nächsten zwanzig, dreissig Jahren die Wahl haben: Entweder wir entscheiden uns für Öko oder wir werden als Feinde der Zukunft stigmatisiert und aussortiert.

Ich sage jetzt mal voraus, dass wir in Deutschland, ganz sicher in der Schweiz, im Jahr 2012 eine sehr weitgehende Kontrolle über den individuellen Energieverbrauch per Gesetz eingeführt haben werden.

Ab 2018 werden die Energiespargesetze weiter verschärft und ab 2020 wird eine spezielle Energiepolizei die Einhaltung des Energieverbrauchs auch im Privatbereich überwachen und kontrollieren, von einer Art Energie-Sittenwächtertruppe.

Mit einem für jeden Bürger eröffneten Energiekonto kann der Staat locker und online die totale Kontrolle über jedes Individuum erreichen.

Deshalb, Freunde der offenenen Gesellschaft: Die Grundlagen für den totalitären Energiesparstaat werden jetzt gelegt. Zum Beispiel so, wie es Dirk Maxeiner in seinem neuen Buch beschreibt, das demnächst auf den Markt kommt. Die WELT hat am Samstag Auszüge daraus veröffentlicht.

Wie immer, wenn die Welt gerettet werden muss, duldet dies keinen Widerspruch und keinen Aufschub. Inzwischen gibt es wieder einen einfachen Feind, und der heißt nicht mehr Sowjetunion, sondern Kohlendioxid. Krieg und Notstand erfordern unverzügliche Maßnahmen, und wer da nicht mitmachen will, kommt schnell in den Geruch einer fünften Kolonne. Kein Wunder also, dass die Debatte zunehmend autoritäre Züge annimmt.

Der kurze Prozess für Zweifler kommt derweil in Mode. Für Menschen mit dissidenter Meinung bemüht man inzwischen den Ausdruck “Leugner” – eine bewusste Anspielung auf Holocaust-Leugner. Ganz so, als könne man die Leugnung eines Verbrechens, das in der Vergangenheit stattgefunden hat, mit Zweifeln an einer für die Zukunft befürchteten Katastrophe vergleichen.

In der amerikanischen Zeitschrift “Grist” wurden für Leugner Verfahren “im Stil der Nürnberger-Prozesse” gefordert. Weil der Flugverkehr nach seiner Meinung zum Klimawandel beiträgt, forderte der britische Umwelt-Aktivist George Monbiot: “Jedes Mal, wenn jemand in Folge einer Überschwemmung in Bangladesh ertrinkt, sollte man einen Angestellten einer Fluggesellschaft aus seinem Büro zerren und ertränken.”



24 Kommentare zu “Gesinnungsabsolutismus”

  1. XiongShui

    (…) Wie ich über Ideeologien denke, dürfte hinreichend klar geworden sein: Sie sind schädlich, weil sie dem Einzelnen das Denken und vermeintlich auch die Verantwortung abnehmen. Wobei es vollkommen gleichgültig ist, ob es sich um rechte, linke oder religiöse Ideeologien handelt. (Gerade bildet sich eine neue Klasse: Die ökologische Ideeologie.) (…)

  2. digito

    Wenn du das vor dem australischen Glühbirnenverbot für 2010 geschrieben hättest, hätte ich gesagt, du spinnst. So allerdings muss ich dir Recht geben, der Feind kommt meist aus einer unvorhergesehenen Richtung. In Deutschland werden Zwangsisolierungen für Wohnhäuser gefordert, als ob die Bewohner nicht ein Recht darauf hätten, ihr Geld für Heizöl auszugeben. Eigentlich beweisen die vielen unrenovierten Häuser doch nur, dass ein Bedarf an günstigem Wohnraum besteht. Wie mit den Billiglöhnen oder dem überlagerten Dönerfleisch, wenn sie nicht angenommen würden, herrschte kein Bedarf. So einfach ist das.

  3. Marco

    Der Beitrag ist klasse.

  4. Howard

    Sehr guter Beitrag.

    Ich fühle mich immer mehr Ceauşescus Rumänien erinnert. Dort durfte die Raumtemperatur auch nicht eine Grenze überschreiten und die Thermometer waren falsch eingestellt.

  5. lemar2

    *gähn* immer wieder die gleiche Leier…

    Ich frage mich ernsthaft, was wohl passieren würde, wenn wir den menschen-gemachten Klimawandel ignorierten und so ziemlich jeder Klimatologe dieser Welt doch recht hätte.

    Und ich frage mich, wieso man als “Liberaler” dieses von Industrie-Interessengruppen gesponsorte Neo-Con-Geschwätz nachplappern muss…

  6. Ben

    Oh ja, die fiesen Oekofundamentalisten, die den ganzen Tag herumlaufen und hoehere Steuern fordern! Die sind wirklich die groesste Gefahr, dagegen sind die paar Nazis, die gelegentlich ein paar Leute erstechen oder verpruegeln nun wirklich harmlos…

  7. M.M.

    Vielleicht muss man diese Schläger einfach so behandeln, was sie sind: ganz gewöhnliche Gewalttäter. Denen auch noch einen politischen Hintergrund zuzuschreiben, ist ziemlich zuviel der Ehre.

  8. David

    Einen politischen Hintergrund hat man doch oder man hat ihn nicht, das ist doch keine Auszeichnung.

  9. M.M.

    Die poltische Gesinnung eines Verbrechers und Gewalttäters ist mir persönlich völlig egal.

  10. Rayson

    Ich habe den Text extra nochmal gelesen und darin immer noch nicht das Wort “Steuer” gefunden…

    Und dass man die Gefahr vor allem da sieht, wo sich der Extremismus mit staatlicher Macht verbindet, halte ich für so unsinnig nicht.

  11. David

    Das ist aber ja ein anderes Argument, als das vorherige, “zuviel der Ehre”. Dem kann ich mich auch anschließen, wo es ausschließlich um Individuen geht. Aber das gehäufte Auftreten einer bestimmten Art politisch motivierter Gewalt läßt befürchten, daß hinter den jeweiligen Einzeltätern ein System steht, und das ist die Crux.

  12. Rayson

    Da würde mich mal interessieren, was an Positionen in der Klimadebatte “Neocon” sein soll.

    Ich fürchte, da wird so langsam aus dem nächsten konkreten Begriff ein sinnentleertes Feindetikett. Wahrscheinlich wird, wenn man auf der Straße mal nach der Bedeutung der Vorsilbe “neo” fragt, die Mehrheit mittlerweile mit “böse” oder “von Übel” antworten…

  13. David

    Sind Nazis, Liberale und Konservative nicht sowieso böse? Ich glaube, es bedeutet mehr “unbelehrbar”.

  14. Rayson

    Auf Nazis und Konservative mag das zutreffen, aber mit “liberal” verbinden die meisten Menschen ja positive Assoziationen. Deswegen brauchte es das “neo”, um einen negativ aufladbaren Begriff zu schaffen. “Neocon” wird von, sagen wir mal, intellektuell nicht ganz so anspruchsvollen Linken, so scheint es mir jedenfalls, als Steigerung von “neoliberal” verstanden, weil hier der Feindbegriff auch seines für sich gesehen positiven Teils entledigt und durch einen für sich gesehen negativen ersetzt wurde.

    Das hat zwar mehr von Scrabble als von Politik, trifft aber das Niveau der meisten Diskussionen wohl ganz gut.

  15. Ben

    Also erstens: Menschen, die den Klimawandel fuer menschengemacht halten und dagegen kollektiv vorgehen wollen als “Extremisten” zu bezeichnen ist laecherlich. Genauso gut koennte man Befuerworter der Anschnallpflicht oder der staatlichen Krankenversicherung als Extremisten bezeichnen.

    Und zweitens: Ich wuerde mir wirklich wuenschen, dass diese Auseinandersetzung auf inhaltlicher Ebene gefuehrt wuerde anstatt durch pauschlae Anfeindungen und den Vorwurf der “Ideologie”. Der Ideologe ist naemlich immer der andere, man selbst hat natuerlich eine wohlueberlegte und fundierte Meinung.

  16. Rayson

    Menschen, die den Klimawandel fuer menschengemacht halten und dagegen kollektiv vorgehen wollen als “Extremisten” zu bezeichnen ist laecherlich.

    Nicht per se. Es kommt nämlich schon noch darauf an, wie konkret “kollektiv” (also unter Einsatz staatlichen Zwangs gegenüber Uneinsichtigen) dagegen vorgegangen werden soll.

    Dass es da an extremen Stimmen nicht mangelt, ist kein Gerücht.

  17. Libero

    @M.M.

    1. Ein Energiekonto wird wohl nicht notwendig sein. Diese Aufgabe übernehmen die Energiepreise.

    2. Die Ökofundamentalisten sind nur solange wirksam, solange der technologische Wandel nicht wahrgenommen wird. Das ihnen die technologischen Kenntnisse fehlen, sind sie ohnehin keine Gestalter.

    3. Selbst wenn es diesen Klimawandel nicht gäbe, muß man sich fragen, ob man wie bisher weiter produzieren kann?

    Bisher überwiegt die Nutzung von primären Rohstoffen, die durch Bergbau gewonnen werden. Beim Bergbau redet man nicht ohne Grund von Ewigkeitskosten. Kosten, die entstehen, wenn die Rohstoffe längst dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden. Es gibt genügend Beispiele, wo die Bergbaufolgekosten auf lange Sicht den Nutzen, die gewonnenen Rohstoffe, übersteigen. Das ist schlicht und einfach unwirtschaftlich, zumal der Nutzen privatisiert und die Kosten nach dem Ende der bergbaulichen Tätigkeit zu einem großen Teil auf die Öffentlichkeit abgewälzt werden.

    4. So wie bisher kann einfach nicht weiter produziert werden.

    Bei der Produktion von Gütern muß mehr als bisher darauf geachtet werden, daß das nicht mehr gebrauchte Gut ohne große Abfallmengen und hohem Energieaufwand in seine Wertstoffe zerlegt werden kann.

    Die Kreisläufe müssen soweit es geht, geschlossen werden. Das gilt auch für das CO2, das in der Technosphäre anfällt. Der CO2 Kreislauf der Biosphäre ist auch geschlossen.

    CO2 ist in der Technosphäre schon längst kein Abgas mehr. Es wird gebraucht, aber erst in sehr geringem Umfang verbraucht, um Biomasse herzustellen.

    Die Konzentration des CO2 im Abgas der Technosphäre liegt bei 18 bis 20 vol %, teilweise auch höher. Es ist einfach Unsinn, es in der Atmosphäre oder in den Ozeane wie bisher zu verdünnen. Das CO2 der Technosphäre muß man in Biomasse und Sauerstoff umwandeln. Das wird sehr schwierig und erhebliche Entwicklungszeiten und -kosten verschlingen. Es wird sicherlich 100, vielleicht auch 200 Jahre dauern, bis es gelingt, nicht nur wertvolle Produkte, sondern auch Alltagsprodukte aus Biomasse in geschlossenen Stoffkreisläufen zu erzeugen. Nebenprodukt wird relativ reiner Sauerstoff sein. Etwa 22 Mrd t/a.

  18. M.M.

    Zum einen muss ich festhalten, dass die Diskussion hier sachlicher verläuft als drüben in der Schweiz. http://arlesheimreloaded.ch/article/die_feinde_der_zukunft

    @libero: Ich stimme Ihnen zu: So wie bisher kann nicht einfach weiterproduziert werden.

    Aber: Die Produktionsprozesse haben sich in den letzten Jahrzehnten auch ohne Öko-Angstmacherei ständig verändert. Wenn ich denke, wie man in den 70ern beispielsweise Zeitungen produzierte (Bleisatz) und wie man das heute macht. Oder die Recycling-Prozesse in der Industrie.

    Ich überblicke inzwischen die Industrie- und Umweltgeschichte seit 1960. Es ist unglaublich, wie sich die Welt verändert hat. Und zwar nicht negativ, sondern sehr positiv.

    Da der Mensch von Anbeginn bestrebt war, sich das Leben so bequem wie möglich einzurichten, bin ich voller Zuversicht.

  19. Libero

    Aber: Die Produktionsprozesse haben sich in den letzten Jahrzehnten auch ohne Öko-Angstmacherei ständig verändert.

    Ja und nein. Manchmal war leider auch Druck notwendig, um dann festzustellen, das die alternative Produktion profitabler ist. Ich denke da an die Stäube in der Metallurgie. Es gibt immer noch Produktionen mit großen Abfallmengen wie zum Beispiel der Rotschlamm beim Aluminium. Der Schlamm wird in Bergeteichen deponiert. 2 bis 4 t Rotschlamm pro t primäres Aluminium!

  20. Libero

    @M.M.

    Wenn Sie den Vorabdruck in der Welt gelesen haben, wird Ihnen aufgefallen sein, das es bereits von Anfang an starke politische und wirtschaftliche Interessen gegeben hat. In den letzten Wochen waren es Plakate, die AKWs als CO2-freie Klimaschützer priesen. Wenn Sie sich ansehen, wer sich wirtschaftlich im Bereich alternativen Energien im Augenblick engagiert, dann vervollständigt das das Bild. Natürlich sind wirtschaftliche Interessen vorhanden. Vielleicht sollten Sie auch mal in eine andere Richtung blicken. Wer profitiert von dieser Entwicklung?

  21. M.M.

    Wissen Sie, ich sitze da einfach zwischen Stuhl und Bank. Letztendlich geht es allen Akteuren um Macht und Einfluss und Geld. Ich hab da eigentlich nichts dagegen.

    Für die Zwischen-Stuhl-und-Bank-Sitzenden gilt die Prozesse, die da ablaufen, zu begreifen und wenn immer möglich zu durchschauen.

    Mich interessieren dabei vor allem die Intentionen der Akteure. Und ich plädiere für ein gesundes Misstrauen.

    Ja, ich gebe es zu, es macht mir auch Spass, gegen den Strom zu schwimmen, schon aus familiärer Tradition.

  22. Libero

    @M.M.

    Letztendlich geht es allen Akteuren um Macht und Einfluss und Geld. Ich hab da eigentlich nichts dagegen.

    Sie haben etwas dagegen, wenn das verschleiert und verschwiegen wird und mit einem ethischen Mäntelchen herumläuft.

  23. M.M.

    sic!

  24. multi_io

    Ich frage mich ernsthaft, was wohl passieren würde, wenn wir den menschen-gemachten Klimawandel ignorierten und so ziemlich jeder Klimatologe dieser Welt doch recht hätte.

    Von sowas lassen sich Gläubige nicht abschrecken. Bei Leuten, die Klimaforscher für gefährlicher halten als “die handvoll sogenannter Neonazis in Deutschlands Osten” und die moderne wissenschaftliche Forschung mit dem Wirken der Kirche im Mittelalter vergleichen, kann man wohl kaum erhellendes erwarten. Ein paar Superliberale bringen es selbst nach mehrfacher Aufforderung und konkreten Hinweisen und Berichtigungen nicht fertig, ein Filmchen wie “the global warming swindle” mit derselben kritischen Distanz zu betrachten wie einen Michael-Moore-Film. Stattdessen wird lieber eine Globalverschwörung der wissenschaftlichen Community angenommen, deren Mitglieder sich alle konsistent ihre Ergebnisse fälschen und sich ihre Papers gegenseitig schön peer-reviewen. Und ein paar andere Leute glauben, die US-Regierung stecke hinter 9/11. Verschwörungstheoretiker sind sich halt auf einer bestimmten Ebene alle ziemlich ähnlich.

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