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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Second Economics

Statler, 10.09.2007

Alex Tabarrok vermutet, daß man virtuelle Welten wie Second Life in Zukunft vielleicht auch wissenschaftlich nutzen kann, nämlich um makroökonomische Experimente durchzuführen.

Klingt zunächst mal plausibel, immerhin hat man da eine abgeschlossene, kontrollierbare Umgebung, in der man beispielsweise über Nacht das Preisniveau ändern und dann mal schauen kann, ob die Leute dort unter Geldillusion leiden und falls ja, wie stark die “realenwirtschaftlichen” (sofern man das so nennen kann) Auswirkungen sind.

Nun ich kenne ich mich mit diesen virtuellen Welten nicht wirklich aus, aber ist die Idee dahinter nicht, daß die Leute sich dort anders verhalten können als im normalen Leben, ohne daß dies große Auswirkungen hätte? Man kann schon darüber streiten, ob man aus konventionellen Laborexperimenten etwas über die alltäglichen ökonomischen Entscheidungen seiner Probanden lernen kann. Aber virtuelle Welten? Was, wenn die Leute dort ihre irrationale Seite ausleben?



12 Kommentare zu “Second Economics”

  1. Robroy

    Ich kenne mich mit diesen virtuellen Welten auch nicht aus, aber zumindest im “Second Life” steht meines Wissens durchaus reales Geld auf dem Spiel. Entsprechend wenig dürften die Teilnehmer dann aber auch davon halten, mit ihrem realen Geld für makroökonomische Experimente herzuhalten.

  2. Rayson

    Es ist wohl auch so, dass sich Menschen auf Dauer nicht so beliebig anders verhalten können, als sie es sonst tun. Jedenfalls nicht in der Mehrzahl, und darauf kommt es ja an.

    Siehe auch:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/95657

  3. jo@chim

    Was, wenn die Leute dort ihre irrationale Seite ausleben?

    Was soll schon passieren Statler? Tun sie doch hier auch.

  4. Max

    Es kommt stark auf die virtuelle welt und ihre auslegung an. Wenn man etwas wie World of Warcraft nimmt, dann ist das in der Tat so: Man freut sich darauf etwas tun zu können, was man sonst nirgends tun kann und dabei auch mal auf Anstand und Sitte zu verzichten.

    Second life und Konsorten treffen jedoch eine andere Sparte, sind sie doch eher Kommunikations- denn Erlebnismedium. Hier geht es wohl den Leuten eher darum ein paralleles Lebensempfinden zur realen welt, ohne gewisse unzulänglichkeiten bzw. unabänderbare Einschränkungen zu erleben (Aussehen, kleine Quirks etc.).

    Von daher würde ein solches Unterfangen durchaus gelingen, solange man die Rahmenbedinungen entstprechend knüpft (z.B. muss der Mensch dabei auch was verlieren können).

    Die Frage ist doch auch, sind Menschen nicht vielleicht am Ende im Internet rationaler als in der Wirklichkeit, zumindest in manchen Momenten (allein das tippen von Antworten dürfte hier schon ein änderndes Merkmal sein)?

  5. Daniel

    Die Frage ist ja ob sich der einzelne anders verhält oder sich alle anders verhalten. Da auch “second Life” ein “Life” ist, gibt es dort die gleichen Sozialstrukturen wie im echten Leben. Mit festgelegten Rollen. So kann der Mechaniker Ingenieur sein und der Ingenieur Arzt und der Arzt… Pornodarsteller. Naja, ein paar Verschiebungen gibt es doch. Aber grundsätzlich ist es keine verschobene Welt sondern nur eine andere.

  6. dagny

    Untersuchungen aus World of Warcraft zeigen imho ähnliches Verhalten wie im RL auch.

  7. Chinaski

    In Second Life kenne ich mich nicht aus, beim Thema World of Warcraft muss ich widersprechen, selbst wenn meine aktive Zeit da schon ein Weilchen zurückliegt. Auch gibt es eine Ökonomie mit Angebot und Nachfrage incl. Auktionshaus. Man kann auch die Effekte einer Verknappung des Angebots (z.B. durch schärfere Verfolgung von sog. China-Farmern; Exploits verhindern) oder stärkeren Nachfrage beobachten (viele Leute ziehen gerade Zweitcharaktere hoch, die dementsprechend ausgestattet werden wollen; Besondere Belohnungen für erbeutete Gegenstände). Die Spieler dort verhalten sich IMHO ziemlich rational, Leute die ein asoziales Verhalten an den Tag legen, werden auf lange Frist weniger Errolg haben, als diejenigen, die auf Kooperation aus sind. Die Anreize in diesem Spiel sind eindeutig so gesetzt, dass man zwar auch alleine durchkommt, aber das Wohlverhalten in Gruppen belohnt wird.

    Viele Grüße
    Chinaski

  8. Björn

    So virtuell ist die virtuelle Welt nicht. (Wie virtuell ist eine Webseite oder ein Weblog?) Was Second Life aus wissenschaftlicher Peerspektive so komplex und interessant macht, ist die Mischung aus Realismus/Rationalität und Irrealität/Irrationalismus – sowohl der Orte und Umgebungen, als auch der Individuen, die sie aufsuchen. Ich kriege das selber dauernd durcheinander, wenn ich dort online bin.

  9. Gernot Kieseritzky

    Einen Bank-Run gab es jedenfalls schon:

    http://tinyurl.com/2nx2n4

    Analyse des Mises-Instituts: Linden-Labs fungiert als eine Art Zentralbank und vermehrt offenbar die Geldmenge des Lindendollars ähnlich den realen Institutionen, was in der VR auch einen Boom-Bust-Zyklus erzeugt:

    http://blog.mises.org/archives/007006.asp

  10. Markus Oliver

    Da macht sich ein Gelehrter tatsächlich Gedanken darüber, ob man Vorhersagen zum menschlichen Verhalten auf Grund von Empirie aus SL herleiten kann. Sehe ich das richtig?

  11. Alrik

    Ganz anders als im realen Leben kann man sich in Fantasy Welten nicht verhalten.
    Um eine möglichst tiefe Immersion zu erreichen ist es notwendig das der Spieler in der Lage ist die Folgen seiner Handlung abzuschätzen.
    Unerwartete Folgen die der Spieler in keine Weise vorhersehen kann führen dazu das er die künstliche Welt als “unreal” empfindet, was den Spielspaß mindert.
    Prägen ist unsere Realität (plus historische und mythologische Allgemeinbildung) für die Erwartungshaltung des Spielers.

    Dabei ist natürlich der gewählte Hintergrund zu beachten. In einer Fantasywelt sind fliegende, feuerspeiende Drachen “real”, Kühe die davon fliegen oder Feuer speien sobald sich ein Spieler nähert würden die meisten Spieler dagegen als “unreal” empfinden.

    Ähnlich verhält es sich mit dem Wirtschaftssystem in solchen Spielen.
    Besonders “mächtige” Ausrüstungsgegenstände müssen teurer sein.

    Auch bei Shooter ist das so, auch wenn manche Spieler nicht davon begeistert sind:

    http://counterstrike.4pforen.4players.de/viewtopic.php?t=243725&postdays=0&postorder=asc&start=0&sid=5b9c7d10044d3cb13b829deba55dbec6

  12. sliqq’s fairy tales » Blog Archive » Märchen machen (2): Annäherungen

    [...] einem Blog wird seit einigen Tagen darüber diskutiert, ob Second Life der Simulation von Second Economics dienen könnte. Immerhin gab es auch in Second Life schon eine Finanzkrise und einen Bankcrash. [...]

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