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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Northern Wreck

Oliver M.H., 21.09.2007

Nach dem Beinahe-Zusammenbruch der britischen Northern Rock-Hypothekenbank wird diskutiert, ob es richtig war, dass der Staat eingesprungen ist und die Einlagen der Sparer garantiert hat. Aus liberaler oder ordnungspolitischer Sicht spricht eigentlich nichts dafür.

Ich bin mir dennoch nicht sicher, ob es vernünftig gewesen wäre, den “bank run” weiterlaufen zu lassen, und habe dies im Policy Exchange-Newsletter so kommentiert:

Northern Wreck

After what appears to be the worst British banking crisis of the past 150 years commentators are still divided when it comes to drawing lessons from the near-collapse of Northern Rock, and the bailout first by the Bank of England and then by Treasury. In the now unavoidable cliché, the Bank and the Government found themselves between a rock and a hard place when confronted with the possible options.

They could have taken the view that Northern Rock’s problems were none of their business and effectively let them go under. Indeed, Simon Heffer made the case for this solution in the Telegraph earlier this week. In such a scenario, the queues in front of Northern Rock branches would have made the bank’s share price tumble to such lows that some other bank would have spotted a bargain and bought it – including all liabilities and risks. Savings in Northern Rock would have been secured through such a deal while Northern Rock’s shareholders would have lost out. But that’s capitalism, as Mr Heffer argued.

While one may have sympathy with such a free market solution, in practice this would not have been possible. And this is not only because the government feared the political fallout from such a business failure, but because it would have severely endangered the UK’s economic reputation.

Since the Big Bang in 1986, the structure of the UK economy has changed dramatically. Over this period the financial services sector has become the UK’s most important industry. Services now account for almost three quarters of our GDP, and in this sense the UK has turned itself into one of the first post-modern economies.

Pictures of angry bank customers trying to rescue their savings from a once-respected British financial institution would have sent an image of instability to the world. It would have raised questions about the soundness of our financial services arrangements – the last thing UK plc needs.

So, in order to avert almost irreparable damage to Britain’s image as a place to do business, the crisis had to be solved quickly, and seen from this angle it was right for the Bank of England and the Treasury to intervene. However, now that the worst has been prevented, questions have to be asked how future crises of the kind Northern Rock experienced can be made less likely.

The regulatory framework for the banking industry will have to be examined, as indeed Mervyn King suggested in yesterday’s Commons hearing. Further, the limited protection of savers’ assets turned out to be insufficient to stop a panic. On both counts, lessons will have to be learned from Northern Rock.



8 Kommentare zu “Northern Wreck”

  1. Michael Kastner

    So viel zum Mininmalstaat …

  2. Oliver M.H.

    Dass ich mit der Lösung nicht glücklich bin, habe ich gesagt. Mit der Alternative dazu allerdings auch nicht. Es bleibt eben die Wahl “between a rock and a hard place”.

  3. Michael Kastner

    Die Alternative ist, daß es sich die Kunden weiterhin darauf verlassen, daß der Staat die Banken, egal wie bekloppt sie sich auch verhalten, immer wieder auslöst.

    Die einzige sinnvolle Bankenaufsicht ist ein funktionierender Wettbewerb. Und dazu gehört nunmal, daß diejenigen, die ihr Geld einer Bank überlassen, auch mal leer ausgehen können. Der Markt bestraft nunmal Fehlentscheidungen.

    Im Falle von Northern Rock hat die Bestrafung nicht stattgefunden.

    Es ist besser, daß jetzt mal ein paar tausen leer ausgehen, als später ein paar hunderttausend oder millionen.

    Der Markt ist keine schöne Lösung, aber immerhin eine, die Menschen dazu zwingt bessere Verfahren zu finden.

    Das was tatsächlich passiert ist, ist keine Alternative, sondern der Weg des geringsten Widerstand, der letztendlich vom Steuerzahler aufzubringen ist.

    Natürlich tut es weh, die Reißleine zu ziehen, wenn man sich im freien Fall befindet. Aber es ist immer noch besser, als im freien Fall auf dem Boden aufzuschlagen.

    Sie meinen, daß man besser keine Reißleine ziehen soll, weil das ja eine Krise heraufbeschwören könnte. Aber es ist besser jetzt eine Bankenkrise zu haben, als den Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems.

    Aber was schreib’ ich mir die Finger wund … die Utopie vom “soft landing” und vom Abwenden der Krise ist soooo viel schöner als die Realität.

  4. Oliver M.H.

    Nur um das einmal festzustellen: Northern Rock war nicht zahlungsunfähig, sondern lediglich nicht mehr in der Lage, weitere Hypotheken zu gewähren, weil der Verkehr unter den Banken praktisch zum Erliegen gekommen war. NR hatte sich daher nicht “bekloppt” verhalten und brauchte auch nicht in diesem Sinne ausgelöst werden.

    Irrational war eigentlich das Verhalten der Kunden, denn deren Einlagen waren zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Sie gerieten nur in Panik, weil sie offenbar nicht verstanden, warum die Bank of England einen zusätzlichen Kredit zur Aufrechterhaltung des Hypothekengeschäfts gewährte.

  5. Michael Kastner

    Das Verhalten der Kunden war doch nicht irrational. Sie haben ja lediglich _ihr_ Geld, das schließlich ihre Eigentum ist, von der Bank holen wollen.

    Wenn das alle Menschen bei allen, oder zumindest bei einem großen Teil der Banken in Großbritannien gatan hätten, dann hätte das durchaus offen gelegt, daß die Banken das hinterlegte Geld der Kunden garnicht im Tresor haben.

    Die Kunden gehen davon aus, daß die Banke ihr Versprechen einlösen können, daß “Sichtguthaben” auch jederzeit verfügbar sind. Das ist _nicht_ irrational, sondern das, was ihnen die Bank versprochen hat.

    Ich hatte nicht behauptet, daß NR zahlungsunfähig war. Offensichtlich hat die Zentralbank Geld, oder wie es sich so schön nennt “Liquidität”, in die Bank gebuttert hat, als es am Markt für da Unternehmen keines, oder jedenfalls kein billiges, Geld gab.

    Und ja, diese Banker, die die Hypothekenkredite aus den USA gekauft haben, waren, oder sind, “bekloppt”.

    Und sie werden immer bekloppter. Weil sie jedesmal, wenn sie hohe Risiken eingehen, darauf hoffen können, daß irgendeine Zentralbank wieder einen Kredit gibt.

    Sie werden sozusagen zur Beklopptheit konditioniert. Diese get-rich-quick schemes sind zum Massenphänomen im Portfolio von Banken geworden.

    Man muß kein Hellseher sein, um zu wissen, daß es kein Geschäft gibt, bei dem jeder Beteiligte Renditen abschöpfen kann, die über dem Zins der _dauerhaft_ über dem _natürlichen_ oder aggregierten Zins der Zeitpräferenz liegt.

    Diese Schwachmaten in den Banken haben das aber bei den Hypothekenkrediten, die sie gekauft haben, geglaubt.

    Ob da nun Northern Rock besonders involviert war, ist egal.

    Jedenfalls werden die Kunden kaum dadurch kritischer werden.

    Man muß Bank crashen lassen. Basta! Nur die blanke Existenzangst zwingt die Handelnden am Markt dazu nicht leichtfertig mit den anvertrauten Geldern umzugehen.

    Ich weiß nicht, ob die Situation von NR mit der IKB vergleichbar ist, aber daß Banken für Krisensituationen vom Staat auch noch belohnt werden, das sollte schon zu denken geben.

    Und sie werden umso mehr belohnt, je mehr Banken den gleichen Fehler begehen.

  6. fpk

    Ich würde mal ganz laienhaft sagen, dass es in dem derzeit herrschenden System das Crashen Lassen gar keine Alternative gewesen wäre.
    Wo die Deckung durch Gold fehlt ist der einzige Kitt, der das ganze System der wunderbaren Geldevermehrung zusammenhält, das Vertrauen der Beteiligten, dass schon alles gut gehen wird und die Zentralbanker im Notfall den Zauberstab rausholen und Luft in Geld verwandeln werden.
    Eine zu starke Erschütterung und das Finanzsystem kommt in arge Schwierigkeiten.
    War das nicht auch der Auslöser der Weltwirtschaftskrise in den 30ern? Die Pleite einer Bank hatte das Vertrauen in das gesamte System erschüttert und einen Dominoeffekt ausgelöst.

  7. antibuerokratieteam.net

    Kostspielige Bestrafung?…

    Es gab in den letzten Wochen aus allen möglichen politischen Ecken Kritik an der EZB, der amerikanischen Fed und der Bank of England. Diese Kritik richtete sich dagegen, daß diese Zentralbanken Liquiditätsprobleme im Bankensektor verhi…

  8. test

    “Further, the limited protection of savers’ assets turned out to be insufficient to stop a panic. On both counts, lessons will have to be learned from Northern Rock.”

    Right. Aus rein liberaler Sicht, mein Lieber, hätte man die Bank pleite gehen lassen müssen. NR sorgt dafür dass Personen den Einstieg in den Property Markt suchen die sich dies nicht leisten können.

    Schlimmer, wie die Times voller Erstaunen richtig bemerkte, hatten Privatpersonen Vermögen bis zu Pfund 500k bei NR. Ein GAU hätte Privatkunden dazu gebracht ihre Vermögen sinnvoller anzulegen als es zu quasi nicht existenten Zinserträgen bei NR verroten zu lassen.

    Schmerzvoll? Sicher.

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