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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Aufgepasst, Moral-Hazard-Fundis!

Statler, 24.09.2007

The world has at least as much to fear from a moral hazard fundamentalism that precludes actions that would enhance confidence and stability as it does from moral hazard itself.

Larry Summers macht ein paar Punkte.



4 Kommentare zu “Aufgepasst, Moral-Hazard-Fundis!”

  1. Robert Grözinger

    Wortklauberei, Nebelkerzen, und eine elegante Umschiffung des eigentlichen Problems: Das staatliche geschütze Monopol der Geldhersteller.

    Die Nebelkerze ist, dass der Begriff Moral Hazard aus der Versicherungswirtschaft stamme, wir hier aber mit Geldwirtschaft zu tun hätten. Das seien zwei Paar Schuhe.

    Blah.

    Moral Hazard entsteht, ganz schlicht, wenn die Folgen riskanten Verhaltens von Dritten getragen werden (müssen). Das hat erstmal nix mit Versicherungen zu tun. Richtig ist, daß Versicherungen bei ihren Kalkulationen immer den M.H. “im Hinterkopf” haben. Wenn nicht, kriegen die ihn und seine negativen Folgen nämlich ziemlich bald zu spüren!

    Sie kriegen ihn auch zu spüren, wenn sie bei ihren Auszahlungen zu großzügig sind. Wenn eine Versicherung z.B. sagt: Wir haben Dir zwar gesagt, daß wir nicht zahlen, wenn Du selber Feuer legst, aber hier hast Du das Geld. Du, das fand ich jetzt echt nicht gut, ey. Mach das nicht nochmal, ne. – Würden Sie einer solchen Versicherung Ihr Geld geben? Ich nicht. Ich würde mich, wäre ich da Kunde, sehr schnell verabschieden.

    Am Markt, in einer Konkurrenzsituation, korrigiert sich das ziemlich schnell: So ein Laden ginge schnell pleite. Genauso aber verhielt sich die Bank of England. Sie kann das, weil sie über ein Zwangsmonopol der Geldproduktion verfügt. Sie kann nicht pleite gehen. Eher geht das ganze Land pleite. Weil dem so ist, und weil die Banken das wissen, verhalten sie sich riskanter, als sie es sonst täten. Sie wissen: Sie sitzen alle im gleichen Boot. Gerät eine in Schwierigkeiten, “muss” ihr geholfen werden, sonst kentern alle.

    Damit dieses System nicht außer Kontrolle gerät und alle ganz schnell pleite sind, muß es reguliert werden. Da wir aber von Mises wissen, daß jeder regulative Eingriff in die Wirtschaft ungewollte Nebeneffekte erzeugt, wissen wir, daß die Regeln immer strenger und immer weitere Bereiche der Wirtschaft erfassen werden.

    Unser gegenwärtiges, Moral Hazard erzeugendes Geldsystem läßt also nur zwei Endergebnisse zu: Hyperinflation oder Totalitarismus. Oder beides zugleich (siehe Zimbabwe). Wer beides vermeiden will, dem bleibt nur die Option der völligen Deregulierung, also eines freien Marktes der Geldherstellung.

    Näheres dazu inm neuen Buch von Guido Hülsmann: Die Ethik der Geldproduktion.

  2. Hojojutsu

    Moin Moin.
    Mal eine Frage an die gesamte werte Autorenschaft:

    Wo bleibt denn der Bericht über die auch hier heftigst beworbene Demo vom Wochenende?

    Ich zitiere die Berliner Morgenpost

    Angriffe auf Polizisten bei Demonstration in Mitte

    Bei der Demonstration gegen die Verschärfung der Sicherheitsgesetze am vergangenen Sonnabend in Mitte gab es offenbar schwerere Ausschreitungen, als bisher bekannt. Unter anderem sind mehrere Polizisten aus einer Gruppe von etwa 1000 gewalttätigen Demo-Teilnehmern heraus angegriffen worden. Dabei wurden 13 Beamte verletzt, einer davon so schwer, dass er nach wie vor dienstunfähig ist. Außerdem wurden zwei Fahrzeuge beschädigt. Das teilte Polizeipräsident Dieter Glietsch gestern in der Sitzung des Innenausschusses mit.(…)
    http://www.morgenpost.de/content/2007/09/25/berlin/923283.html

  3. Mathias

    Ich stimme Summers Argumentation ueberwiegend zu. Eine Einschraenkung moechte ich aber doch machen: Die Aussage, dass das Eingreifen der Zentralbanken die Buerger (bis auf ein Mittagessen) nichts oder fast nichts kostet, beruecksichtigt leider nicht eine “indirekte” Steuer, die Ron Paul in letzter Zeit haeufiger mal als die “Inflations-Steuer” bezeichnete. (Siehe z.B. http://www.lewrockwell.com/paul/paul334.html).

    The “tax” is paid when prices rise as the result of a depreciating dollar. Savers and those living on fixed or low incomes are hardest hit as the cost of living rises. Low- and middle-incomes families suffer the most as they struggle to make ends meet while wealth is literally transferred from the middle class to the wealthy. Government officials stick to their claim that no significant inflation exists, even as certain necessary costs are skyrocketing and incomes are stagnating.

    In anderen Worten, besonders in den unteren sozialen Schichten gleichen sich Loehne nicht an die Inflation an, der Nettoverdienst sinkt, wohingegen der Staat seine Schulden schoen abbauen kann und sich die Buerger mit gutem Kreditrating billiger Geld leihen koennen.

  4. Libero

    Ist es nicht so, daß die Federal Reserve 1913 gegründet wurde und es davor nur periodisch Vorgängerinstitutionen gab. Das waren paradiesische Zeiten, in denen sich Banken oder gar Privatmenschen nicht riskant verhielten und es keine Paniken von Kontoinhabern gab, die Banken zahlungsunfähig machten.

    Welch glückliche Welt.

    Es gibt immer eine nachwachsende Generation, die glaubt, das Krisen nur den alterschwachen törichten Greisen passieren, sie viel viel klüger sind und keine Fehler machen. Die glauben, es gibt nur ein Aufwärts und nicht ein Abwärts. Die sind dann zwar 10 Jahre später klüger, aber dafür wächst ja die nächste Generation heran, die erst klüger werden muß.

    Das erfasst allerdings auch Ältere. Ich kann mich noch gut an die Monate vor dem Platzen der dot.com Blase erinnern. Ein Kollege hatte bereits + 40 %/annum bei seinen Anlagen erzielt. Ich riet ihm auszusteigen, aber er glaubte daran, 50, 60, 70 ja 80 % plus machen zu können. Er hatte nur noch $ Zeichen in den Augen. Giiiieeer. Er erhielt wenige Monate später die 80 %, allerdings minus. Es war sein Erbe aus dem Verkauf der Immobilien seiner Eltern, etwa 800000 €. das erste Geld seiner Töchter und die Ersparnisse seiner Geliebten. Diese Verluste zahlte er zurück. Interessant war auch noch seine Begründung, warum es zum Platzen der Blase kam. Weil es Menschen wie mich gibt, die Zweifler, die an ein Auf und Ab glauben und das ewige auf bezweifeln. Die waren schuld, das er sein Geld verlor.

    Dann kenne ich noch, neben vielen anderen, einen Bankangestellten, der immer noch die Verluste seiner Verwandten und engsten Freunde tilgt. Das hätte er natürlich nicht tun müssen und er hatte sie auch gewarnt, aber die wollten eben auch teilhaben an dem plus 30 % 40 % 60 %. natürlich pro Jahr. Er hatte die Wahl, auf alle seine sozialen Kontakte zu verzichten und völlig neu anzufangen.

    Jeder weiss, wie schwer es ihm fällt, in seinem beruflichen Metier viel niedrigere Renditen zu erzielen, aber an der Börse vergißt man diese Erfahrung und entscheidet nicht mehr rational. Und weil das so ist, werden die meisten Menschen nur dann von den schwerwiegenden Vermögensverluste lernen, wenn es sie selbst betrifft. Nicht, wenn es andere betrifft.

    Selbst die intelligentesten Menschen können, wenn man ihnen einmal einen überproportionalen Vermögenszuwachs über 2 bis 3 Jahre demonstriert hat, jede Hemmungen verlieren. Gerade die rationalen kopflastigen Menschen werden dann irrational. Vielleicht, weil sie das erste Mal spüren, was es heißt, Emotionen auszuleben.

    Es gibt Menschen, die sind darauf spezialisiert, sie anzufüttern, alle Bedenken auszulöschen und auszunehmen. Fast jeden von euch. Für die ist es ein Sport, Menschen zu verführen, die eigentlich dazu neigen, rational ein Risiko abzuwägen und die von sich glauben, nicht verführbar zu sein. Es macht Spaß, den Widerstand solcher Menschen aufzubrechen. Erst recht, wenn gewissenhafte Berater den Menschen raten, sich von dem Verführer fern zu halten. Es macht Spaß, die anfänglich Widerstrebenden zu verführen, zu locken, wenn sie sich noch vor dem Fallenlassen aller Skrupel scheuen. Diesen Spaß kann ich verstehen. Hätte ich nicht moralische Skrupel, würde mir dieser Spaß auch Spaß machen. Noch habe ich Skrupel, aber nicht mehr lange.

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