Scheidung! Sofort!
Draußen an der Synagoge ist ein Plakat angebracht: 350.000 Dollar für die Renovierung sind schon beisammen, 700.000 müssen es werden. So ist das in Amerika: Wenn eine Gruppe von religiösen Leuten — Protestanten, Katholiken, Juden, Schiiten, Sunniten, Ba´hai, Buddhisten, Scientologen, ganz egal — wenn eine Gruppe von religiösen Leuten eine Kirche, Synagoge, Moschee, einen Tempel immer haben will, dann muss sie selber dafür sorgen, dass es irgendwo hingestellt wird.
…schreibt Hannes Stein. Und was er sonst noch zu dem Thema schreibt, ist ein schöner Hinweis darauf, wie vital auch die christlichen Gemeinden in Deutschland sein könnten, wenn sie sich endlich konsequent vom Staat trennen würden.







Das gegenwaertige Mass an Vitalitaet halte ich eigentlich fuer ausreichend – daran koennte sich manch andere Aberglaubensgemeinschaft ‘ne Scheibe abschneiden.
Bisher sind uns Debatten um die Frage, wie und wodurch die Erde oder das Leben entstanden sind, erspart geblieben. Wenn der Preis dafuer die Kirchensteuer ist, dann waere das der beste Grund, an ihr festzuhalten. Und wenn’s dumm laeuft, dann muessen wir uns demnaechst darueber unterhalten, wie wir religioes motivierte Gesetze verhindern.
Im Grunde bin ich ganz auf Deiner Linie, es muss eine konsequente Trennung angestrebt werden, und die muss man denen, die dadurch Privilegien verlieren, irgendwie verkaufen. Aber das Ziel dabei bleibt Trennung, keineswegs die Vitalisierung der Religionen.
Die Behauptung, Religion und Politik hätten in Amerika rein gar nichts miteinander zu tun, stimmt so natürlich nicht. Religiöse Gruppierungen haben in den USA immensen Einfluss auf die Politik.
Wenn Spendenaufrufe ein Zeichen für Vitalität sind, dann braucht man sich um die deutschen Kirchen jedenfalls keine Sorgen zu machen. Als ich das letzte Mal am Ulmer Münster war, stand draußen ein riesiges Plakat, das um Spenden für die Restaurierung des Glockenturms warb. Ähnliches in der Münchner Theatinerkirche (glaub ich). Und die Frauenkirche in Dresden ist doch auch zum überwiegenden Teil mit Spendenmitteln wieder aufgebaut worden.
Die Idee, den Segen zu versteigern, wird im Land der Reformation allerdings auf absehbare Zeit eher unpopulär bleiben, fürchte ich.
Übrigens man muss doch auch in Deutschland das Geld selber aufbringen, wenn man eine neue Kirche o.ä. bauen will, oder?