Wir sind glücklich!

01.10.2007 10:01 - Liberté d'abord! by Oliver Luksic - 132 Kommentare

Habe ich es doch gewußt: laut SPON belegt eine Studie, dass politisch links stehende Menschen unglücklicher sind als Liberale und Konservative, weil Sie Ungleichheiten bei Einkommen und Status als “unfair” betrachten. Frauen haben damit ein besonderes Problem laut Studie.

Fleiß bei der Arbeit, Talent und angelernte Fähigkeiten werden in den Augen von Liberalen und Konservativen hingegen belohnt , indem Personen die diese Eigenschaften besitzen, reicher sind als andere. In Ungleichheiten, welche Sozialisten abschaffen wollen, sehen “rechtsorientierte” Individuen den Beweis dafür, dass “das gesellschaftliche System dynamisch und gerecht verläuft”.

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132 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Lina, 01.10.2007 11:51

Fazit also: Soziales Gewissen macht unglücklich. Frauen haben, weil sie so sind, wie sie sind, damit ein besonders Problem. Soziale Träumerinnen und Träumer finden es unfair, dass einer mehr hat als der andere. Woher kommt das bloss, oder ist Neid nur eine Erfindung? Nein, sie ist die tiefgründige Wurzel alles Übels. Aber ist Gewissen an sich auch eine Erfindung? Ich glaube, nein.

Um es in die Gesellschaft zu verlängern: Fleiss wäre zu bringen, erlernte Fähigkeiten lassen sich ausbauen. Nur mit dem Talent ist das so eine Sache. Einer hat’s, der andere nicht, vielleicht noch nicht einmal die Ellenbogen, um sich so einen Vorteil zu verschaffen, vielleicht auch nicht die rechte Veranlagung dazu. Was machen wir mit dem? Der braucht einen Ausgleich, wenn Bildung und Arbeitsmarkt nicht genug hergegeben, der braucht die Wohlfahrt. (Soviel sozialer Geist, sprich Solidarität muss sein.)

Aber muss er uns deshalb unfair finden? Hier ist das Problem – wie immer an der (unausreissbaren?) Wurzel. Oder ist auch das nur eine Frage der Aufklärung? Ein verpflichtender Grundkurs ‘Kapitalismus vom Menschen her verstehen’ wäre angebracht; schon damit wäre manch einer der Unglücklichen glücklicher zu machen.

stefanolix, 01.10.2007 12:37 Subscribed to comments via email

Der obligatorische Grundkurs ist eine schöne Idee, aber der Erfolg dieses Grundkurses wird wohl auch wieder vom Talent abhängig sein. Die Zusammenhänge in Gesellschaft und Wirtschaft muss man verstehen können und verstehen wollen.»Was man sieht und was man nicht sieht« ist zu einem nicht unerheblichen Maße davon abhängig, was man sehen will

Lina, 01.10.2007 16:48

Wenn schon nicht die Zusammenhänge in Wirtschaft und Gesellschaft von jedermann verstanden werden können oder wollen, dann wäre es vielleicht der obligatorische Grundkurs von der Natur des Menschen, der weiterhelfen könnte. So käme man schnell darauf, dass seine Triebe, die auch sein Antrieb beim Zugewinn sind, gar keine andere Wirtschaftsform zulassen als den Kapitalismus. Warum hat Kain den Abel erschlagen? Damit er seinen Acker kriegt und reicher wird.

Heute bezahlen wir dafür, aber am Grundsatz, haben zu wollen, was der andere besitzt, hat sich nicht viel verändert. Dafür haben wir jede Menge Kompensationen – immateriell und materiell – erfunden und finden müssen, um uns sowas Gemeines und Menschenunwürdiges nicht mehr nachsagen lassen zu müssen. Wir haben sogar zu teilen gelernt, nicht ganz von alleine, sondern eher mit Hilfe von Religion und Ideologie. Das waren wir uns schuldig. Und deshalb finde ich, dass wir die Unglücklichen vor der Wirtschaftslektion erst einmal darüber belehren könnten, wer wir eigentlich sind. Da kann jeder mitmachen, weil er was davon versteht. Ob er es auch sehen will, ist dann auch wieder die Fage – wie mir gerade auffällt…

stefanolix, 01.10.2007 19:17 Subscribed to comments via email

Kain hatte schon einen Acker. Abel hatte die Weiden ;-)

Der Überlieferung nach hat Kain den Abel nicht aus Habgier, sondern aus Eifersucht erschlagen. Abels Opfer an Gott wurden scheinbar gnädiger angenommen als Kains. Das brachte ihn in Wut und er ermordete Abel. Es ging also um keine materielle Frage, sondern eher um gesellschaftliche Geltung.

Lina, 01.10.2007 20:27

…was aber letztlich doch auf das Selbe hinausläuft: Mehr Haben wollen….

Dennoch: Sie sind alttestamentarisch entschieden beschlagener als ich, oder haben Sie erst nachschauen müssen? Ich hätte es jedenfalls vorher tun sollen, Sorry!

stefanolix, 01.10.2007 21:44 Subscribed to comments via email

Sie meinen, das mehr-haben-Wollen liegt tiefer im Menschen als das Teilen? Wenn man die Geschichte nicht bei Adam und Eva beginnt, dann könnte es eine Zeit gegeben haben, in der das Teilen einfach zum Überleben notwendig war und das [materielle] mehr-haben-Wollen gar keinen großen Vorteil gebracht hätte. Selbst Kain hätte vielleicht mit Herden und Äckern nicht viel anfangen können.

Erst ab einem bestimmten Stand der Entwicklung konnte eine freie Marktwirtschaft überhaupt funktionieren. Heute müssen wir eben aufpassen, dass wir sie erhalten und verbessern. Aber wenn man sich anschaut, welche üblen Anfeindungen bereits von der Leine gelassen werden, wenn jemand nur über neue Formen der sozialen Marktwirtschaft nachdenkt, besteht wohl nicht viel Hoffnung. Aus linker Sicht besteht die größte Gefahr solcher Initiativen darin, dass die Leute ökonomisch rechnen lernen.

———–

Zur Bibelstelle: ich bin eben komplett alttestamentarisch aufgewachsen ;-) — Nein, im Ernst: es hat doch jeder seine Stärken und Schwächen. Ich muss auch bei vielen Dingen nachschlagen … gut ist, wenn man weiß, wo man nachschlagen kann und wenn der Firefox genügend Tabs öffnet.

Lina, 02.10.2007 07:41

Ob ich meine, dass mehr Habenwollen (3. gramm.Version) im Menschen tiefer liegt als das Teilen?

Im Einzelnen schon, fürchte ich, wenn sein Ego entsprechend ausgeprägt ist. Ist es das nicht, ordnet er sich unter und sucht, weil ihm grundsätzlich nicht reicht, was er bekommt, im Gemeinwohl die Lösung, indem er erwartet, dass ordentlich, also vermeintlich ‘gerecht’ geteilt wird – bis heute, vor allem ganz links von der Mitte, wo man das ökonomische Rechnen nicht lernen soll, wie Sie bemerken.

Dort wird viel lieber das soziale Aufrechnen gelehrt, das die weiter wachsende Verteilerfunktion einer freien und sozialen Marktwirtschaft nur zu gern ignoriert. Der derzeitige Stand allerdings zeigt, wie ich finde, in der Umstellung auf globale Verhältnisse z.B. bei freiem und unsozialem Lohndumping durchaus ausbeuterische Züge eines Frühkapitalismus’, die nicht nach meinem Geschmack sind. Müssen wir denn nochmal von vorne anfangen?

Und um zur Bibel zurückzukommen: Wieviel ist dem goldenen Kalb namens ‘Shareholder Value’ noch zu opfern?

stefanolix, 02.10.2007 08:47 Subscribed to comments via email

Das soziale Aufrechnen wird eben auch nur sehr selektiv betrieben: es gehen nur die Rechte, aber nicht die Pflichten in die Berechnung ein.

Ich bestreite zumindest teilweise, dass wir einem »shareholder value« dienen. In der letzten Zeit kommt es mir so vor, als würde eher vieles am Bonus für die Manager ausgerichtet. Das Hinbiegen von Quartalsbilanzen ist auch eher den Analysten als den Anteilseignern geschuldet …

Wenn wir überhaupt je zu einem Prinzip des »stakeholder value« kommen wollten, müssten sich alle Seiten auf ihre Pflichten besinnen. Von den Ansprüchen und von den Rechten ist genug die Rede …

Libero, 02.10.2007 08:55

Eigenartig, ich kenne recht erfolgreiche Unternehmer, die haben so gut wie kein Problem mit dem Engagement und den Pflichten ihrer Mitarbeiter. Irgendetwas an diesen Menschen muß ihre Mitarbeiter doch dazu bewegen, sich für das Unternehmen dieser Unternehmer einzusetzen. Was machen die wohl anders?

stefanolix, 02.10.2007 19:08 Subscribed to comments via email

Es gibt Unternehmer und es gibt Manager. Gegen wirkliche Unternehmer im Sinne von Wagnis und Unternehmergeist habe ich oben überhaupt nichts gesagt. Denn die nennen es vielleicht nicht hochtrabend »stakeholder value«, aber sie streben etwas Ähnliches an. Und auch die Balance zwischen Rechten und Pflichten scheint mir dort gewahrt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Libero, 01.10.2007 13:13

Wenn das nicht ein überzeugender Beweis für das tiefsitzende Mißtrauen der verständigen, besonnenen Männer gegenüber den Frauen ist! Ich habe es ja immer schon geahnt, aber die Wahrheit trifft einen oft so unvermittelt, daß sie einem dem Atem nimmt.

Sind Frauen, da sie nicht so denken wie Liberale, vielleicht Geschöpfe des Teufels? Sind sie die Versuchungen, die überzeugte Liberale vom Pfad der Tugend abbringen? Haben nicht die weisen Theologen recht, die vor den Frauen warnten?

Bei all dem stellt sich natürlich die Frage. Ist es die verderbliche Erziehung der übermächtigen Frauen, die die zarten Seelen der Heranwachsenden verdirbt?

Kann man Frauen überhaupt die Erziehung von Kinder anvertrauen?

Ist nicht bereits das Heranwachsen im Mutterleib eine vielfach unterschätzte Gefahr? Ist diese teufliche Saat vielleicht schon in der ersten Eizelle angelegt? Wären Liberale nicht noch viel liberaler, wenn auf das weibliche Erbgut verzichtet werden könnte?

Das sind Fragen, die man sich nach dieser Studie stellen muß. Danke, Oliver, das sie uns warnten. Bei den Älteren dürfte es zu spät sein. Noch ist Hoffnung, das wenigstens Sie vor dem Unheil bewahrt bleiben.

 
ChristianS, 01.10.2007 15:28

Das ist halt die Grundfrage. Objektiv betrachtet ist die Situation wie folgt:

- Es gibt keine Chancengleichheit, nicht mal auf nationaler Ebene

- Blogs wie dieses machen in allererster Linie Vorschläge, die unmittelbar gut für verwöhnte, reiche Jüngelchen sind, und die über ein paar Generationen weitergedacht Neo-Feudale Strukturen erzeugen werden. (Nicht die Leistung, sondern die Herkunft zählt).

- Und, let’s face it, eure peer groups in Regierung und Parlament waren über Jahre hinweg damit sehr erfolgreich.

Ich für meinen Teil denke halt, dass Eure Ideologie im Prinzip menschenverachtend ist, und wieder verdammt viele Leute ins Elend stürzen wird, etwas, was in den 70ern endgültig überwunden zu sein schien. Dass man da als Linksliberaler nicht gerade gut gelaunt durchs Leben geht, finde ich nicht überraschend.

Ihr hingegen setzt halt “wirtschaftlichen Erfolg” grundsätzlich mit “verdient” gleich (Paris Hilton, anyone? Erbengesellschaft?), was in meinen Augen nur Selbstbetrug ist. Aber klar, wenn man glaubt, der Millionenerbe hätte sein leistungsloses Einkommen vollkommen zu recht verdient, während die Arbeitnehmer ca. 60% ihres Einkommens abgeben müssen, um den Staat zu finanzieren, dann geht man natürlich zufriedener durchs Leben. Die anderen sind ja alles nur Neider.

Henning, 01.10.2007 16:23

Ich wollte ja eine satirische Replik auf deinen Kommentar verfassen. Aber nachdem ich 2 mal drüber gelesen habe, hast du es schon selbst ganz gut geschafft Realsatire zu verfassen, finde ich.

Hiermal ein kleiner Tipp, der dir bei Selbstreflektion und Erkenntnis helfen kann:

http://docs.mises.de/Mises/Mises_Antikapitalismus.pdf

Zwar sehr polemisch manchmal, aber damit solltest DU kein Problem haben.

ChristianS, 01.10.2007 20:18

> Ich wollte ja eine satirische Replik auf deinen Kommentar
> verfassen. Aber nachdem ich 2 mal drüber gelesen habe,
> hast du es schon selbst ganz gut geschafft Realsatire
> zu verfassen, finde ich.

Letztlich ist es meine Meinung. Wie ich zu den Details stehe, kannst du in etlichen anderen Beiträgen von mir sehen. Wenn du der Ansicht bist, es gäbe in dieser Gesellschaft Chancengleichheit, nun, das könnte ein entscheidender Grund sein, weshalb du zufrieden bist, und ich eben nicht, oder? Meine Auffassung, es gäbe keine, scheint ja für dich nur Realsatire zu sein.

Dennoch vielen Dank für den Link, habe einiges schon quergelesen, und in der Tat, mit Mises’ Polemik habe ich keine Probleme. Eher schon damit, dass er gegen Auffassungen argumentiert, die nicht die meinigen sind.

 
 
David, 01.10.2007 16:33
Boche, 01.10.2007 16:44

Das Fragezeichen sieht verdächtig glücklich aus. Du wirst doch keiner menschenverachtenden Ideologie angehören?

Rayson, 01.10.2007 16:46

Nein. Er ist nur ein verwöhntes, reiches Jüngelchen.

David, 01.10.2007 16:47
 
 
 
ChristianS, 01.10.2007 17:07

Kein Thema, ist nicht so, dass ich mich einer Diskussion verweigern würde. Wenn es also Fragen gibt, nur zu. Ich finde halt Systeme ohne Chancengleichheit ziemlich menschenverachtend, und unterstütze eher diejenigen, die was dagegen tun wollen. Ist halt so, ich finde, der finanzielle Status eines Menschen in der Gesellschaft sollte in allererster Linie von seiner eigenen Leistung abhängen.

Ihr seht das halt anders, was euch auch unbenommen sein soll. Damit hattet ihr auch ein paar Jahre guten Erfolg, aber mal schaun, wohin das Pendel in Zukunft ausschlägt.

Übrigens, der Artikel schreibt nichts über Linke und Liberale, sondern nur über Linke und Konservative. Oder wird das hier eh gleichgesetzt?

Wie dem auch sei, wenn du mehr als ein “?” als Antwort hast… Argumenten stelle ich mich gerne.

David, 01.10.2007 18:15

??

(mehr als eins)

 
Rayson, 01.10.2007 18:26

Also noch mal rekapitulieren:

Da kommt jemand in diesen Thread, sondert hochgestochene Werturteile ab, behauptet die Identität eines nicht näher erläuterten “ihr” (vier alle vielleicht?) mit irgendwem, der “in den letzten Jahren” mit irgendetwas erfolgreich gewesen sein soll und sagt dann, er stelle sich gerne Argumenten.

Da reichen auch zwei Fragezeichen nicht mehr…

ChristianS, 01.10.2007 20:29

Kein Thema, Rayson. Ich sehe es halt so, dass die typischen Dinge, die so in neoliberalen Kreisen geäußert werden, letztlich unsere Gesellschaft ungleicher machen und Dynastienbildung auf der einen, Armut und Leistungsfeindlichkeit auf der anderen Seite begünstigen werden. Das “neoliberal” meine ich nicht als Schimpfwort, sondern als Charakterisierung.

Des Weiteren gehe ich halt davon aus, dass dir und anderen zum Beispiel Hartz IV besser gefällt, als der Zustand vorher, du Studiengebühren lieber magst als keine Studiengebühren, du die neue Spreizung der Gesellschaft eher freudig als missmutig begrüßt, und so weiter und so fort.

Daraus ergibt sich, dass “ihr”* eben reichlich an Boden gewonnen habt. Herzlichen Glückwunsch dafür, hoffen wir, dass unsere Gesellschaft nicht in ein paar Generationen aufgrund höchst ungerecht verteilter Erblasten implodiert.

.
*P.S.:
Mit “ihr” sind deutlich mehr als vier Leute gemeint. Präzise Definitionen sind fast immer irgendwo zwischen schwierig. und unmöglich angesiedelt. (Definiere einem Skeptiker, was ein Tisch ist. Du wirst viel Spaß damit haben.)

Rayson, 01.10.2007 21:30

Das, wovon du so locker ausgehst, ist Teil deines Problems. Das betrifft nicht nur die ominösen “neoliberalen Kreise”, sondern auch die Einstufung deiner etwas konkreteren Gegenüber.

Und was “vier alle” angeht – nun, das kann man ohne eine gewisse westdeutsche Sozialisierung wohl nicht verstehen…

ChristianS, 02.10.2007 12:38

> Das, wovon du so locker ausgehst, ist Teil deines
> Problems.

Mag durchaus sein.

>
> Das betrifft nicht nur die ominösen “neoliberalen
> Kreise”, sondern auch die Einstufung deiner etwas
> konkreteren Gegenüber.

Das dürfte der größte Vorteil meiner derzeitigen Position sein. Wenn ich mich in euch irre, oder in der Einschätzung der Ergebnisse Eurer Forderungen, wird dies eine sehr angenehme Überraschung in meinem Leben sein. Ich habe vermutlich sehr gute Chancen, es noch mitzuerleben.

Ganz ehrlich, an dem Tag, wo sich herausstellt, dass meine Befürchtungen gänzlich unbegründet waren, und ich somit jahrelang das Falsche gesagt habe, lache ich erstmal über meine pessimistischen Befürchtungen, und dann mach ich eine Flasche Champagner auf, und zwar nicht irgendeine, sondern ab Dom Pérignon aufwärts.

 
 
 
 
 
 
Diskus, 01.10.2007 16:51

Hmm. Mal kurz nachdenken. War es nicht so, daß die reichsten 20% 80% des Steueraufkommens bringen? Wie idiotisch ist eine Gesellschaft, die die Zahlungskräfigsten ins Ausland vertreibt und stillschweigend in Kauf nimmt, daß mehrere nicht ganz so Reiche den Anteil des Ausgewanderten an Steuern mitbezahlen dürfen? Und Stichwort Erbe: Ist es nicht so, daß eine wichtige Triebkraft des Menschen zu Fleiß und Kreativität der Wunsch ist, die eigenen Kinder mögen es besser und leichter haben als man selbst? Daß man ihnen etwas hinterlassen kann? Wie dumm ist mithin ein Staat, der die Erbschaftssteuer in idiotische Höhen treibt und den Leuten damit diese Triebkraft raubt? Und wieviel Recht hat prinzipiell eine Gesellschaft, eine Familie nach jeder Generation zu rupfen? Man kann alle diese Fragen beantworten, ohne auch nur ein einziges Mal das Konzept der Gerechtigkeit zu beanspruchen. Kannst du es auch?

Libero, 01.10.2007 19:08

Gut, lassen wir also alle Steuer auf bereits versteuertes Einkommen einfach weg.

Dann arbeitet der Erbe, der es sich leisten kann, seine Fähigkeiten durch die Fähigkeiten bezahlter Vermögensverwalter aufzupeppen mit dem Hebel des Vermögens seiner Eltern. Das führt automatisch dazu, daß er den Ertrag aus seiner Arbeit, Talent und angelernten Fähigkeiten und der Arbeit, des Talents und der angelernten Fähigkeiten seiner Mitarbeiter potentiert werden kann. Das führt automatisch nach wenigen Generationen zu einer Neofeudalen Gesellschaft.

Sind es nur Arbeit, Talent und angelernte Fähigkeiten, die zu Reichtum oder Wohlstand führen? Sind es nur persönliche Eigenschaften des Inhabers, die den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ausmachen? Besteht zwischen der persönlichen Arbeit, dem persönlichen Talent und den persönlichen angelernten Fähigkeiten einerseits und dem während des Lebens akkumulierten Vermögen eine lineare Beziehung bis zum Tode?

 
DDH, 01.10.2007 19:14

Aus Stefan Blankertz, “Die Therapie der Gesellschaft”:

157.

Opfer oder Täter? – Manche Liberale meinen, die „Besserverdienenden“ bräuchten Schutz vor der Ausbeutung durch den Umverteilungsstaat. Es gibt dagegen soziologisch gesehen keinen Zweifel, daß die Mächtigen im Staat darum „mächtig“ heißen, weil sie es vermögen, einen großen Anteil an den finanziellen und politischen Ressourcen des Landes auf sich zu vereinigen. Egal, wie die Mächtigen z.B. den Spitzensteuersatz gestalten, sie werden in der Endabrechnung ihren Schnitt machen. Naiv wäre es, etwas anderes anzunehmen. Wer sollte glauben, daß man dadurch reich und mächtig wird, indem man alles, was man hat, freizügig weggibt?

158.

Cry for me, Argentinia. – Nein, die Opfer des Sozialstaates sind nicht die vielzitierten Besserverdienenden. Geschichtlich gesehen haben die Besserverdienenden den Sozialstaat geschaffen, und heute verteidigen sie ihn, aus einem ganz einfachen Grund: Der Sozialstaat ist ein Instrument der herrschenden Klasse, um sich auf Kosten der weniger einflußreichen Mitmenschen zu bereichern und gleichzeitig das Mäntelchen der Nächstenliebe umzuhängen.

Die Besserverdienenden haben öffentliche Schulen eingerichtet, um die Ausbildung ihrer Kinder von den weniger Bemittelten via Steuern finanzieren zu lassen; haben Zwangsversicherungen eingeführt, um ihre höheren Ansprüche von den Bescheideneren absichern zu lassen; haben Sozialhilfe eingeführt, um ein Heer von Wohlfahrtsbürokraten zu schaffen, die loyale Wähler sind.

Die Besserverdienenden streiten für Subventionen, um sich selbst gegen Marktrisiken abzuschotten; propagieren „Resozialisierung bzw. Psychiatrisierung anstatt Strafe“, um Arbeitsplätze für Psychologen zu schaffen; polemisieren gegen die Privatisierung der Polizei, um nicht für ihre eigenen erhöhten Sicherheitsinteressen aufkommen zu müssen.

Für jede einzelne Maßnahme des Sozialstaates läßt sich angeben, wer in Wahrheit der Nutznießer ist. Die Opfer sind die Enteigneten, die Entmündigten, die Schwachen, die Übervorteilten, die Armen und die Menschen, die mit Zukunftsideen auf eine offene, veränderbare Gesellschaft hoffen.

159.

Empirie des Spätetatismus. – Für alle Interventionen des Staates ist schon gezeigt worden, wie sie objektiv antisozial wirken.
Angebliche Mieterschutzgesetze z.B. schaffen Wohnraumknappheit gerade für die Schwachen. Diese Beobachtung hat Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Sozialisten Ludwig von Mises einen radikalen Liberalen gemacht.
Privilegierung von Berufsgruppen wie Ärzten schützt nicht vor Scharlatanen, sondern hilft, überdurchschnittliche Einkommen gegen die Markttendenz durchzusetzen. Die Folge sind hohe Preise einerseits und arbeitslose Akademiker andererseits.
Steuern verlangsamen Wirtschaftstätigkeit. Mehr als zweimal war die Folge einer Steuererhöhung, daß der Staat letztlich weniger Steuern eingenommen hat. Das ist immer dann der Fall, wenn Steuererhöhungen deutliche Irritationen auf dem Markt erzeugen. Und wenn es zur Krise kommt, ist klar, wer als erstes entlassen wird und wessen Einkommen als erstes sinkt: Es trifft die Schwachen. Denn wer stark ist, kann seinen Teil besser verteidigen. Das liegt in der Natur der Begriffe „schwach“ und „stark“. Objektiv gesehen zahlen immer die Schwachen alle Steuern (unabhängig von irgendwelchen Steuerprogressionen).

Inflation, selbst die „kontrollierte“ Inflation der Keynesianer, schafft nach einem kurzen trügerischen Boom eine Rezension, die Arbeitslosigkeit herbeiführt. Konservative Regierungen behaupten, die Inflation „besiegt“ zu haben. Das ist keineswegs der Fall. Die Vergrößerung der Geldmenge ist nach wie vor ein wichtiges Instrument der Politik. Anfang des Jahres 1994 hat die Regierung Kohl zur Vorbereitung ihrer Wiederwahl die Geldmenge um über 20 Prozent gesteigert und damit tatsächlich eine scheinbare wirtschaftliche Gesundung ausgelöst, die sie die Abstimmung gewinnen ließ. Danach schlug die Arbeitslosigkeit um so erbarmungsloser zu. Daß die Preise nicht so sehr steigen, hat nicht mit einem Erfolg im Kampf gegen die Inflation zu tun. Aufgrund des Produktivitätszuwachses hätten die Preise sinken müssen.

Auch Mindest- und Tariflohnbestimmungen führen zu Arbeitslosigkeit. Wenn etwa im Baugewerbe Mindestlöhne festgesetzt werden, soll das nicht etwa wenig verdienenden Bauarbeitern zu mehr Einkommen verhelfen, sondern die am schlechtesten verdienenden Bauarbeiter vom Arbeitsmarkt zugunsten der besser verdienenden Bauarbeiter verdrängen. Die Gewerkschaften vertreten sehr oft die Interessen der gut verdienenden Arbeiter gegen die Interessen der schlecht verdienenden Arbeiter oder der Arbeitslosen.
Subventionen schaffen de facto arbeitslose Einkommen. Unternehmen, die Subventionen bekommen, wirtschaften unterhalb des Grenznutzens, das heißt, daß sie Kapital vergeuden. Subventionierte Unternehmen erhalten oder schaffen keine Arbeitsplätze, sondern sie vernichten Arbeitsplätze. Jeder subventionierte Arbeitsplatz bedeutet, daß an anderer Stelle zwei Arbeitsplätze wegfallen müssen. Ist Biedenkopf so schlecht informiert, daß er dies nicht weiß? Oder war seine Absicht nicht wirklich, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern den VW-Konzern zu sanieren?
Staatliche Ausgaben für Militär, Straßen, Schulen und repräsentative Bauwerke sind weit entfernt davon, die Wirtschaft anzukurbeln, sondern sie verhindern rationale, das heißt bedürfnisgerechte Entscheidungen über den Einsatz von Ressourcen.

160.

Strauß. – Kaum jemand traut sich, diese durchaus bekannten Einzelergebnisse zusammenzufassen und politisch auszuwerten. Denn eine solche Synthese müßte fast unweigerlich zu dem Schluß führen, daß der Staat nicht in mehr oder weniger vielen Teilbereichen versagt, sondern daß er als Sozialstruktur insgesamt eine verfehlte Konstruktion ist.

 
ChristianS, 01.10.2007 19:24

> War es nicht so, daß die reichsten 20% 80%
> des Steueraufkommens bringen?

Ach, ist das so? Nun ja, die reichsten 20% besitzen zugleich 60% des Vermögens, von daher scheint mir da keine allzu ungerechte Besteuerung vorzuliegen.

>
> Wie idiotisch ist eine Gesellschaft, die die Zahlungskräfigsten
> ins Ausland vertreibt und stillschweigend in Kauf nimmt, daß
> mehrere nicht ganz so Reiche den Anteil des Ausgewanderten
> an Steuern mitbezahlen dürfen?

Vielleicht ist dieses Risiko gar nicht so groß? Vielleicht muss diese Gesellschaft sich halt anstrengen, in anderer Hinsicht attraktiver zu werden? Wieso nicht? Haben die USA mit ihren Erbschaftssteuersätzen bis zu 55% (anfang der 80er sogar bis zu 70%) doch auch geschafft.

>
> Und Stichwort Erbe: Ist es nicht so, daß eine wichtige
> Triebkraft des Menschen zu Fleiß und Kreativität der
> Wunsch ist, die eigenen Kinder mögen es besser und
> leichter haben als man selbst? Daß man ihnen etwas
> hinterlassen kann?

Stimmt, die Triebfeder ist stark. Das war einer der Gründe, wieso früher Adels- und Feudalprivilegien vererbt werden konnten. Trotzdem haben wir diese Privilegien mit gutem Grund abgeschafft. Ich will sie eben nicht durch die Hintertür wieder einführen.

>
> Wie dumm ist mithin ein Staat, der die Erbschaftssteuer
> in idiotische Höhen treibt und den Leuten damit diese
> Triebkraft raubt?

Vielleicht sind die höhen gar nicht idiotisch? Weil die Verhinderung neuer Dynastien ein wichtigeres Ziel sein könnte?

>
> Und wieviel Recht hat prinzipiell eine Gesellschaft, eine
> Familie nach jeder Generation zu rupfen?

Ich sehe das eher personenbasiert, statt in Familienverbünden. Welches Recht besteht, denjenigen, der mit Leistung nach oben gelangen will, mit 50%-60% zu rupfen, während der reiche Sohn, der es mit einer Erbschaft schafft, schlimmstenfalls 30% lassen muss? So kann man eine Gesellschaft auch in Lähmung versetzen.

>
> Man kann alle diese Fragen beantworten, ohne auch nur
> ein einziges Mal das Konzept der Gerechtigkeit zu
> beanspruchen. Kannst du es auch?

Nun, beantworte die Frage für dich selbst. In meinen Augen ist es jedenfalls keine Schande, hier das Konzept der Gerechtigkeit durchsetzen zu wollen. Die Zeitschrift Cicero hat die Debatte, wie sie in den Staaten stattfindet übrigens mal exzellent ausgeleuchtet:

http://www.cicero.de/97.php?item=1907&ress_id=6

Ich stimme fast jedem in diesem Artikel genannten Argument der Erbschaftssteuerbefürworter zu. Zugleich sind viele deiner Argumente da auch zu finden. Insbesondere übrigens auch das typisch deutsche Familiendenken neben dem eher individuell basiertem Denkansatz in den Staaten. Lies es dir ruhig mal durch, ist meines Erachtens exzellent geschrieben, und beleuchtet beide Positionen.

 
 
Robroy, 01.10.2007 17:32

wenn man glaubt, der Millionenerbe hätte sein leistungsloses Einkommen vollkommen zu recht verdient, während die Arbeitnehmer ca. 60% ihres Einkommens abgeben müssen, um den Staat zu finanzieren, dann geht man natürlich zufriedener durchs Leben.

Wer das Millionenerbe “verdient” ist IMO Sache des Erblassers, der restliche Satz zeigt, dass du das, was du als menschenverachtende Ideologie bezeichnest, nicht wirklich verstanden hast.

ChristianS, 01.10.2007 17:56

> Wer das Millionenerbe “verdient” ist IMO Sache des Erblassers

Sehe ich durchaus ein. Was ich nicht einsehe, ist wieso auf Arbeitseinkommen 50%-60% Steuern und Abgaben liegen, während die etlichen vererbten und verschenkten Vermögen insgesamt gerade mal zu ca. 5% belastet werden. Damit bildet man, in Kombination mit der derzeitigen Einkommensentwicklung bei Vermögen gegenüber dem Arbeitseinkommen ziemlich klar neue Erbdynastien heraus. Das ist halt genau das, was ich meine. Auch auf nationaler Ebene zählt eigene Leistung immer weniger gegenüber der Geburt in die “richtige” Familie, und genau das finde ich schlecht, während ihr damit offenbar ziemlich happy seid.

>
> der restliche Satz zeigt, dass du das, was du als
> menschenverachtende Ideologie bezeichnest, nicht
> wirklich verstanden hast.

Mag sein, aber dann hätte ich es schon etwas konkreter. Offen gesagt wäre mir ein Irrtum in der Sache nicht ungelegen, denn der Gedanke, dass hier eine durchaus einflussreiche Gruppe tüchtigst auf eine neue Dienstbotengesellschaft hinrudert, finde ich nicht gerade beruhigend. Man könnte auch sagen, er macht mich unglücklich. ;-)

Welche Aussage genau soll also fehlerhaft sein, und warum?

Robroy, 01.10.2007 19:23

Was ich nicht einsehe, ist wieso auf Arbeitseinkommen 50%-60% Steuern und Abgaben liegen

Das sehen die wenigsten hier versammelten ein, so wie ich sie einschätze (bin hier selber mehr Mitleser als Diskutant), eben das ist der Punkt! Nur weil “wir” nicht grundsätzlich etwas gegen ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilungen haben, heißen Liberale noch lange nicht den Status quo gut. Dass die Vorstellungen der hier Versammelten in den letzten Jahren/Jahrzehnten so furchtbar einflussreich gewesen sein sollen, halte ich für den Witz des Jahrhunderts…

ChristianS, 01.10.2007 19:56

>> Was ich nicht einsehe, ist wieso auf Arbeitseinkommen
>> 50%-60% Steuern und Abgaben liegen
>
> Das sehen die wenigsten hier versammelten ein, so
> wie ich sie einschätze (bin hier selber mehr Mitleser
> als Diskutant), eben das ist der Punkt!

Klar, wir hätten gerne alles zum Nulltarif, Weltfrieden und universelle Gerechtigkeit inklusive. Wie steht es aber, wenn ein Interessenkonflikt besteht? Momentan wird Ererbtes Einkommen im Durchschnitt ungefähr ein Zehntel so stark mit Abgaben und Steuern belastet, wie selbst erarbeitetes.

Die meistens hierzulande zu diesem Thema von sogenannter “liberaler” Seite geäußerte Position ist, die Erbschaftssteuer abzuschaffen, sprich, selbst dieses Zehntel ist zu viel.

>
> Nur weil “wir” nicht grundsätzlich etwas gegen ungleiche
> Einkommens- und Vermögensverteilungen haben, heißen
> Liberale noch lange nicht den Status quo gut.

Ich habe auch nichts gegen ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilungen, sofern sie das Ergebnis einer dahinterstehenden, dies halbwegs rechtfertigenden individuellen Leistung darstellen. Ich freue mich ausgesprochen über die 5 Milliarden Euro Privatvermögen eines Hasso Plattners, und ärgere mich über die 360 Millionen Dollar im Besitz einer Paris Hilton.

>
> Dass die Vorstellungen der hier Versammelten in
> den letzten Jahren/Jahrzehnten so furchtbar
> einflussreich gewesen sein sollen, halte ich für
> den Witz des Jahrhunderts…

Sehe ich anders. Sämtliche Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre, Hartz IV: Hättest du sie gerne durch den vorherigen Status ersetzt? Die stärkere Spaltung unserer Gesellschaft in Arm und Reich: Wird sie nicht von dir begrüßt? Studiengebühren: In deinen Augen ein Rückschritt? Starke Senkungen des Spitzensteuersatzes: Hättest du lieber niedrigere Arbeitnehmerabgaben gesehen, vielleicht Freibeträge für die Sozialversicherung? In meinen Augen haben Leute wie du jede Menge Gründe, den Champagner herauszuholen.

Robroy, 01.10.2007 23:03

Klar, wir hätten gerne alles zum Nulltarif, Weltfrieden und universelle Gerechtigkeit inklusive.

Ich bin kein Utopist, du allerdings scheinst die positiven Wirkungen der von Steuern finanzierten Staatstätigkeit maßlos zu überschätzen.

Ich freue mich ausgesprochen über die 5 Milliarden Euro Privatvermögen eines Hasso Plattners, und ärgere mich über die 360 Millionen Dollar im Besitz einer Paris Hilton.

Und mir sind beide ziemlich schnuppe, nachdem ich nicht wüsste, dass eine(r) der beiden jemandem das Geld gestohlen hätte, wüsste ich auch nicht, wer auf das Geld eher Anspruch haben sollte als die Beiden.

Sehe ich anders. Sämtliche Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre, Hartz IV: Hättest du sie gerne durch den vorherigen Status ersetzt?

Falsche Frage – Ich halte von dem ganzen staatlichen Pflichtversicherungssystem nichts, dagegen, dass Leistungen restriktiver gewährt werden, habe ich grundsätzlich nichts, aber gerade für Leute, die jahrzehntelang zwangsweise eingezahlt haben und jetzt auf deren Leistungen angewiesen sind, sind diese “Reformen” eine zusätzliche Schweinerei.

Die stärkere Spaltung unserer Gesellschaft in Arm und Reich: Wird sie nicht von dir begrüßt?

Die Verteilung von Einkommen und Vermögen ist mir egal, mit dem relativen Armutsbegriff wird hierzulande viel Schindluder betrieben.

Studiengebühren: In deinen Augen ein Rückschritt?

Nicht grundsätzlich, aber das Thema ist zu vielschichtig, um es jetzt in ein paar Sätzen abzuhaken.

Starke Senkungen des Spitzensteuersatzes: Hättest du lieber niedrigere Arbeitnehmerabgaben gesehen, vielleicht Freibeträge für die Sozialversicherung?

Ich hätte lieber beides gesehen, mein Weltbild ist insofern recht simpel, als ich weniger Zwangsabgaben grundsätzlich mal gutheiße, egal wo, nachdem ich von den genannten beides nicht zahle, gibt hier auch der Eigennutz keinen Ausschlag. Du stellst wiederholt Gegensätze auf, die für mich keine Rolle spielen.

In meinen Augen haben Leute wie du…

Kennen wir uns?

Meine Fresse, was hat mich nur wieder geritten, mich wieder in politische online-Diskussionen einzuschalten….

Henning, 02.10.2007 11:27

“Meine Fresse, was hat mich nur wieder geritten, mich wieder in politische online-Diskussionen einzuschalten….”

*kicher*

Don’t feed the Trolls!

 
jo@chim, 02.10.2007 11:43

Klasse Kommentar Robroy. Danke.

Libero, 02.10.2007 12:05

Wie man es nimmt. Beide schreiben über ihr Verständnis von den Aussagen des Anderen und reden aneinander vorbei.

Rayson, 02.10.2007 12:10

Was vor allem für den ein Problem ist, der seine eigene Position mit einem Angriff auf die andere verbindet.

ChristianS, 02.10.2007 12:28

Du hast hier was ganz entscheidendes nicht verstanden. Ich bin momentan nicht im “Angriffs-Modus”. Das habe ich längst aufgegeben, Leute wie du waren vermutlich schon mit 16 felsenfest davon überzeugt, es besser zu wissen, und sind es heute halt auch.

Was ich mache, ist einfach nur eine Beschreibung dessen, was ich aus Linksliberaler Warte befürchte, und das ist eben ein Staat mit neofeudalen Strukturen. Für mich ist das, was hierzulande wirklich in Politik umgesetzt wird, und der Fokus, den hierzulande die Wirtschaftsliberalen verwenden, ein klarer Beweis dafür. Teile der Debatte laufen in den USA vollkommen anders. Von Leuten wie dir, und Parteien wie der FDP wäre eigentlich zu erwarten, dass sie erst einmal die Fesseln sprengen, die hierzulande handeln auf eigene Faust so verdammt stark gängeln und behindern.

Schon mal darüber nachgedacht, warum zum Beispiel fast jeder Türke, der sich selbstständig macht, einen Kiosk, eine Dönerbude oder einen Gemüseladen aufmacht? Es hat sehr viel damit zu tun, dass er sich in Deutschland nicht einfach mal eben als Maler selbstständig machen kann. Nicht ohne Meisterbrief, Eintrag in die Handwerkerrolle und so weiter. Klar, einen Eimer Farbe an die Wand klatschen darf er nicht, verderbliche Lebensmittel herstellen und verkaufen hingegen schon.

Und da kommen wir auch zu eurer Bundesrepublikanischen Lieblingspartei, der FDP: Die sagt ja zur IHK-Zwangsmitgliedschaft, ja zum Meisterzwang, nein zu Internetapotheken, nein zur Änderung oder Abschaffung des von den Nazis eingeführten Rechtsberatungsgesetzes, und so weiter, und so fort. Aber ja zur Abschaffung von Unterstützsleistungen für die Leute, die in diesem extrem regulierten und gründungsfeindlichen Klima an den Umständen scheitern. Feudalismus 2.0, und nach den bisher gehörten Aussagen hat hier auch kaum jemand ernsthaft was dagegen, wenn es so kommt.

Rayson, 02.10.2007 13:00

Um einfach nur zu bestätigen, dass meine Einschätzung deines eigenartigen Auftritts ins Schwarze getroffen hat, hättest du dir wirklich nicht die Mühe machen müssen, weitere Beispiele dafür zu liefern.

Ist ja auch legitim, wenn jemand lieber im Single-Player-Modus gegen eine KI spielt. Nur wozu man sich deswegen in ein Netzwerk einloggt, verstehe ich nicht so ganz.

ChristianS, 02.10.2007 13:10

Nur mal so interessehalber, geht es weniger schwammig? Ich meine, klar, so ziemlich alles dürfte deine Meinung bestätigen, war es irgendwann mal anders?

Aber ich fände dann schon ganz interessant, wenn du konkreter werden könntest, was denn diesmal wieder so schlimm und dumm an meinen Äußerungen war. Andererseits bedeutet das natürlich, dass du dich festlegen müsstest, und wer sich festlegt, macht sich angreifbar.

Rayson, 02.10.2007 13:45

Weil du so lieb fragst:

1. Einen Angriffsmodus zu verleugnen, aber im Satz davor und im Satz dahinter einer anderen Person etwas zu unterstellen, das zeugt dann doch von einer etwas eigenartigen Selbstwahrnehmung.

2. Wenn du meinst, irgendeine sinnvolle Verbindung zwischen den von dir aufgeführten FDP-Positionen und anderen Kommentatoren hier (das ominöse “ihr”) herstellen zu können, belegt das nur die Künstlichkeit deines Konstrukts.

Wir haben zur Kenntnis genommen, dass du diverse Dinge für ganz übel hältst. Bevor du scheibchenweise immer neue davon nachreichst, wäre es vielleicht sinnvoll, zunächst eine vollständige Inventur zu machen und deren Ergebnis dann in deinem eigenen Blog der staunenden Öffentlichkeit bekannt zu geben.

Aus eigener Erfahrung kann ich dir aber sagen, dass es Kommentarsektionen wie dieser hier gut tut, wenn man sich in ihnen auf das Thema beschränkt, zu dem der Beitrag verfasst war statt seine Unzufriedenheit mit Gesamtsituationen zum Ausdruck zu bringen.

 
stefanolix, 03.10.2007 16:06 Subscribed to comments via email

Noch zwei Sätze zum Glück der Liberalen oder zum Unglück der Linken: Glücklich ist ein Mensch doch dann, wenn er ein Ziel erreicht hat, wenn er Hindernisse überwunden hat oder wenn ihm ein nahestehender Mensch einen glückbringenden Moment schaffen konnte. Die Linken suchen eher nach dem Glück der Massen als nach dem Glück des Einzelnen (oder sie geben es zumindest vor). Also müssen sie unglücklich sein, denn noch nie wurde in einer sozialistischen oder kommunistischen Gesellschaft wirkliches Glück erreicht — außer für die Bonzen der Nomenklatura; gesichert durch MfS, NKWD oder andere Spitzelbehörden.

—-

ChristianS schrieb einen furiosen Text gegen liberale Blogger und die FDP. So ganz hat er das Thema damit nicht verfehlt, denn es ging ja oben um glückliche Liberale bzw. unglückliche Linke — und Christian macht keinen wirklich glücklichen Eindruck. Was mir dabei auffällt: die wenigsten liberalen Blogger sind in der FDP und die meisten FDP-wählenden Blogger dürften ihre Entscheidung eher aus taktischen Gründen als aus inhaltlicher Übereinstimmung treffen.

Wenn Christian über mehr Freiheit schreibt, kann ich zustimmen. Wenn er aber ausgerechnet die Liberalen dafür verantwortlich macht, dass wir zu wenig Freiheit haben, dann schlägt er meiner Meinung nach auf die falschen Leute ein …

 
ChristianS, 03.10.2007 23:04

> Wenn Christian über mehr Freiheit
> schreibt, kann ich zustimmen. Wenn
> er aber ausgerechnet die Liberalen
> dafür verantwortlich macht, dass wir
> zu wenig Freiheit haben, dann
> schlägt er meiner Meinung nach
> auf die falschen Leute ein

Genau das sehe ich anders. Ich bewundere wirklich viele Aspekte an dem politischen System der USA, aber ein ganz entscheidender Aspekt ist nun einmal das deutlich höhere Maß an persönlichen Freiheiten, welches die Leute da genießen.

Zu oft sehe ich Liberale, die selber mit hohem Pathos zur Sache gehen, und dafür in ziemlich vielen Bereichen, wo wir teilweise noch Gildenartige Verhältnisse haben “versagen”. (Und, liebe Leute, ein Westerwelle sieht sich selbst kein bisschen als Sozialist, genausowenig, wie ihr das tut).

Um es auf den Punkt zu bringen: Ihr seid nicht glaubwürdig. Es fällt einfach auf, wenn Studiengebühren gefordert werden, die sogar eine ganz ausgezeichnete Sache sein können, dann aber rein “zufälligerweise” natürlich nicht das australische bzw. mittlerweile auch britisches Finanzierungsmodell gewählt wird.

Sondern eine Vorfinanzierung, die es guten, aber nicht ausgezeichneten Leuten aus ärmeren Schichten nun einmal garantiert nicht leichter machen wird. Wie gesagt, herzlichen Glückwunsch, ihr hattet wirklich bombastische Erfolge die letzten Jahre.

 
Rayson, 03.10.2007 23:43

Geht das jetzt so weiter? Christians pickt sucht ständig neue Themen raus, legt sich dazu eine Position für diese ominösen “ihr” zurecht und kritisiert diese dann heftig?

Das ist ja die reinste Theatervorführung.

 
 
 
David, 02.10.2007 13:05

Betreibt die FDP keine Foren? Irgendwann nervt es schon gewaltig, daß sich ständig jemand auf liberalen Weblogs über diese Partei echauffiert, als ob sie mit den Betreibern identisch wäre. Haben die keinen Kummerkasten?

 
DDH, 02.10.2007 16:09

@ChristianS: Hast Du mein Posting mit der längeren Textpassage von Stefan Blankertz gelesen? Deine Kritik an der Doppelzüngigkeit und Inkonsistenz der FDP-Großkopfeten aber auch viele neoliberaler Theoretiker teile ich. Nur löse ich den Widerspruch in Richtung mehr Freiheit für ALLE und nicht egalisierend mit mehr Elend für alle auf!

ChristianS, 02.10.2007 19:53

> Nur löse ich den Widerspruch in
> Richtung mehr Freiheit für ALLE und
> nicht egalisierend mit mehr Elend für
> alle auf!

Tust du das? Dann ist aber Schluss mit privatem, durch staatliche Gewalt verteidigtem Grundbesitz, gelle?

Und warum bitte löse ich es in mehr Elend für alle auf, weil ich nicht mehr möchte, dass Arbeitnehmer mehr von ihrem erarbeitetem abgeben müssen, als Erben?

 
 
 
 
 
 
ChristianS, 02.10.2007 12:13

Nun, Robroy, im Prinzip drückst du dich um die Antwort auf die Fragen. Ein Beispiel: Klar hättest du “lieber gesehen”, dass beides sinkt, Spitzensteuersatz und Abgaben für Arbeitnehmer. Aber was, wenn du dich entscheiden müsstest? (Und das muss man in der Realität als Politiker.) Was dann? Steuern runter, oder vielleicht stattdessen das geplante Entlastungsvolumen nutzen, um Freibeträge in der Sozialversicherung zu finanzieren? (Stichwort Entlastung unterer Lohngruppen, die profitieren davon proportional am meisten, auch was es ihre Jobaussichten betrifft.)

Übrigens, ein “die Verteilung von Einkommen und Vermögen ist mir egal” ist genau so ein Klassiker, der mich zur Überzeugung bringt, dass Leute wie du (ja, ich sage es wieder, Erklärung siehe unten) einen Neofeudalismus vielleicht nicht mal bewusst anstreben, aber auch nicht wirklich was dagegen einzuwenden haben. Sonst darf einem dieser Punkt nämlich nicht egal sein. Sonst muss es dir konsequenterweise nämlich auch egal sein, wenn eine Gesellschaft entsteht, in der die eigene Leistung praktisch praktisch überhaupt nichts mehr zählt, die eigene Herkunft hingegen alles. Und das ist mir NICHT egal, ich möchte so eine Gesellschaft unter gar keinen Umständen.

Ansonsten überrascht mich die zwischen Wut, Hohn und Empörung schwankende Reaktion der meisten Leute hier. Dafür, dass Ihr die ganz großen Gewinner seid, seid ihr erstaunlich schlecht gelaunt.

Was Ihr gerade von mir erhaltet, ist schlicht und einfach mal ehrliches Feedback, wie ihr von einem Linksliberalen gesehen werdet, der ein wenig über die Sache nachgedacht hat. Willst du liber, dass ich lüge? Dass ich nicht sage, dass ich einen Neofeudalismus als das gefährlichste mögliche Resultat eurer politischen Anstrengungen sehe? Das erstaunt mich offen gesagt, ich würde gerne sehr viel mehr über eure Ansichten zu bestimmten Themen wissen, und zwar auch dann, wenn sie mir nicht gefallen.

Eure Empörung darüber, in einen Topf geworfen zu werden… nun ja, als ob ihr es nicht tagtäglich auch tätet. Ihr wisst auch, dass es zwischen Linkspartei und NPD dann doch noch diverse nicht unerhebliche Unterschiede gibt, und vermengt sie ganz gerne. Da solltet ihr nicht gleich explodieren, wenn ich einen Teil des wirtschaftsliberalen Spektrums einfach mal unter den Begriffen “ihr”, “Leute wie du” etc. subsumiere. Das Wort Neoliberal lasse ich weg, es war in der Debatte keineswegs beleidigend gemeint, scheint aber nur noch diese Konnotation zu besitzen, also verwende ich lieber “wirtschaftsliberal”.

David, 02.10.2007 12:55

“Ansonsten überrascht mich die zwischen Wut, Hohn und Empörung schwankende Reaktion der meisten Leute hier.”

“Belustigung” hast Du vergessen,

ChristianS, 02.10.2007 13:06

> “Belustigung” hast Du vergessen,

Nicht wirklich, wird von mir unter “Hohn” abgebucht. Das ist halt die Gnade Eurer Ansicht: Ihr seid euch ganz sicher, immer recht zu haben. Gedanken über Dinge, die schiefgehen könnten sind lächerlich, dumm oder irrelevant, und sorgen höchstens für Belustigung.

Mich hat es absolut nicht überrascht, dass Rechte glücklicher sind, als Linke. Die wissen halt ganz genau, was richtig ist, ganz egal, ob es nun um die richtige Wirtschafts- und Gesellschaftsform oder um eine maximal 6000 Jahre alte Erde geht.

Da kann man dann eben über die Spinner, die ernsthaft davon ausgehen, dass das Universum ein paar Milliarden Jahre alt ist, nur herzhaft belustigt sein.

David, 02.10.2007 13:20

“Ihr seid euch ganz sicher, immer recht zu haben.”

Bist Du Dir da ganz sicher?

ChristianS, 02.10.2007 14:09

> Bist Du Dir da ganz sicher?

So kommt ihr oft genug rüber. Übrigens, war das nicht so, dass hier vom anwesenden Publikum in erster Linie FDP gewählt wird, und auch einige aktive Parteimitglieder dabei sind? Ich finde das unter den Umständen nicht so schlimm, mal auf Inkonsistenzen hinzuweisen.

Ich habe nämlich nicht gerade das Gefühl, dass Blogs wie dieses oder auch die werte, begeisterte Leserschaft besonders intensiv für die Abschaffung der beschriebenen Missstände eintreten würde.

David, 02.10.2007 14:45

Übrigens, war das nicht so, dass hier vom anwesenden Publikum in erster Linie FDP gewählt wird, und auch einige aktive Parteimitglieder dabei sind?

Wie aus eventuellem FDP-Wählen oder FDP-Mitgliedschaft die Zustimmung zu all ihren Positionen folgt, das bekäme ich dann doch gerne gezeigt.

dass Blogs wie dieses oder auch die werte, begeisterte Leserschaft besonders intensiv für die Abschaffung der beschriebenen Missstände eintreten würde.

Welche? Die Millionenerben sind mir schlicht egal, warum sollte ich die abschaffen wollen?

ChristianS, 02.10.2007 17:28

Schon klar, das dir die Millionenerben egal sind, genau das ist ja eines der Probleme – in meinen Augen. Weil ich halt da die Gefahr neofeudaler, leistungsfeindlicher Systeme sehe.

Aber wie steht es denn mit Kammerzwang, Meisterzwang, den sehr eingeschränkten Möglichkeiten von Online-Apotheken, Schornsteinfegermonopol usw.?

 
David, 02.10.2007 17:35

Ist es nicht ein bißchen doof, diese Frage an Leute zu richten, die die meiste Zeit lautstark gegen staatliche Zwänge wettern? Ergibt sich die Antwort nicht ganz von selbst?

 
ChristianS, 02.10.2007 19:14

Irgendwie wird zwar gegen alles gleichmäßig gewettert, aber umgesetzt werden dann doch nur die Sozialkürzungen, Steuersenkungen für Besserverdiener, während bei den gebotenen *Chancen* irgendwie nicht wirklich was passiert. Auch heute kann ein Arbeitsloser nicht einfach legal eine Anzeige in die Zeitung setzen, wo er seine Arbeitskraft für Malereiarbeiten anbietet, ohne mit der Handwerkskammer in Konflikt zu geraten. Und die FDP, Stammpartei vieler angeblicher Wirtschaftsliber verteidigt genau dieses Privileg mit Zähnen und Klauen gegen beispielsweise die SPD, die es abschaffen wollte. So wenig ich die Sozis ausstehen kann, die wollten das abschaffen.

Könnte das was mit Priorisierungen zu tun haben? Genauso wie die Tatsache, dass im entscheidenden Moment nicht die Abgaben, sondern die Spitzensteuern gesenkt werden?

 
David, 02.10.2007 20:07

Irgendwie wird zwar gegen alles gleichmäßig gewettert, aber umgesetzt werden dann doch nur die Sozialkürzungen, Steuersenkungen für Besserverdiener, während bei den gebotenen *Chancen* irgendwie nicht wirklich was passiert.

Doch, das stimmts, jetzt habe ich’s erkennen getan. Habe in letzter Zeit tatsächlich die Regierungsgeschäfte vernachlässigt, kontaktiere gleich morgen Angela und ordne die Abschaffung des Meisterzwangs an.

 
ChristianS, 02.10.2007 22:50

> Habe in letzter Zeit tatsächlich die
> Regierungsgeschäfte vernachlässigt,
> kontaktiere gleich morgen Angela
> und ordne die Abschaffung des
> Meisterzwangs an.

Musst du gar nicht. Reicht vollkommen, wenn du dich mal dafür engagierst, dass in Blogs wie diesen, diese Themen auch mal zur Sprache kommen, und man es vielleicht sogar mal wagt, aufzumucken, und die Punkte auch der eigenen Lieblingspartei um die Ohren zu hauen. Viel interessanter als das, womit sich die Wirtschaftsliberalen beschäftigen ist teilweise, womit sie sich nicht beschäftigen.

 
David, 02.10.2007 23:03

Du hast Dich im Verlauf der Diskussion nicht ein einziges Mal dagegen ausgesprochen, die Todesstrafe für außerehelichen Geschlechtsverkehr einzuführen, also muß ich annehmen, daß Du dafür bist. Schäm Dich.

Also: Ich gehe davon aus, daß bei “uns” weitestgehend Konsens darüber herrscht, daß es keinerlei Berechtigung gibt, einem der arbeiten will zu verbieten, das auch zu tun. Wäre das hier ständig das Hauptthema, würde es ziemlich schnell langweilen. Gefiele Ihnen vielleicht, ist aber wohl für die Betreiber dieses Blogs nicht so interessant.

 
ChristianS, 03.10.2007 00:19

Ständig das Hauptthema verlangt niemand hier, aber ein paar Erwähnungen währen nett. Ein, zweimal. Ein paar Beiträge nach dem Motto “Liebe FDP, was denkt ihr euch eigentlich dabei, wenn ihr…” – würde schon reichen.

Todesstrafe für außerehelichen Sex? Da bin ich jetzt nicht grundsätzlich gegen, finde aber es sollte privatisiert werden. Je nachdem, neben wem man nach der durchzechten Nacht aufwacht, soll man dann selbst entscheiden dürfen, ob man auf sich nun die Todesstrafe anwenden will oder nicht.

 
 
ThomasK, 02.10.2007 16:19

Christian,
würde die Abschaffung der Mißstände,
also die Beseitigung der Gefahr der
Dynastienbildung nicht in
letzter Konsequenz zwingend darauf
hinauslaufen müssen, dass Ausbildung
und Erziehung komplett in staatlicher
Hand sein müssen, um den
‘gefährlichen’ und ‘schädlichen’ Einfluss
der Eltern zu unterbinden?
Hierbei meine ich nicht nur materiellen
sondern auch geistigen Einfluss.
Vulgo: Der Staat übernimmt die
Ausbildung KOMPLETT und wirft die
so ausgebildeten ins Wirtschaftsleben,
auf dass die clevereren sich durchsetzen…
Das wären doch ‘gerechte’ Startchancen für jeden. Kann man das wollen? Mich gruselt bei dieser Vorstellung.

ChristianS, 02.10.2007 20:00

Mir gruselt es auch bei dieser Vorstellung. Allerdings gruselt es mir auch bei der Vorstellung, dass der Staat bei der total überforderten Asi-Mutter, die ihr Kind geistig vernachlässigt, nicht einspringt.

Geistige Misshandlung und Vernachlässigung von Schutzbefohlenen kann in meinen Augen genauso wenig akzeptabel sein, wie körperliche.

Es gibt aber einen wichtigen Unterschied: Menschen können sich ändern, und sie tun es auch. Bloß weil der Großvater seine Kinder schlechte Chancen geboten hat, heißt dies noch lange nicht, dass der Vater es mit seinem Sohn genauso hält. Die Gefahr einer geistigen Dynastienbildung ist weit weniger ausgeprägt als die einer materiellen.

Schon wahr, absolute Chancengleichheit kann in letzter Konsequenz auch zur Hölle werden, aber wenn ich mir die heutige Lage anschaue, so sehe ich mit Abstand zu wenig Chancengleichheit. Da kann es dann nicht das Ziel sein, noch weniger Chancengleichheit zu erzeugen.

 
 
 
 
 
 
DDH, 02.10.2007 16:13

Zwischen Linkspartei und NPD, und CDU, CSU, SPD , FDP, Grünen etc. ist der Unterschied graduell, also für Konsequentialisten uninteressant. Sind alles Etatisten. Staazis. Demokratie und Faschismus sind aus gleicher etatistischer Grundsubstanz. Nur in unterschiedlichen Aggregatszuständen. Demokratie ist Faschismus im Gefrierzustand. Im Moment sorgen Schäuble und Jung für Tauwetter.

Boche, 02.10.2007 16:16

Ich wollte immer schon mal einen Wanderprediger erleben. ;-)

jo@chim, 02.10.2007 23:31

Aber er sagt es in wohlgedrechselten Worten! Schade dass auf meine T-Shirts nicht (mehr) so viel drauf passt…

 
 
jo@chim, 02.10.2007 23:36

Ja unterschiedliche Aggregatszustände DDH: Demokratie (lauwarme Cerveza), Faschismus (120 Grad, 1,5 ATM heisser Dampf). So, und jetzt tuen wir uns einen Einlauf hinein: Ich nehm lieber die Cerveza…

 
 
 
 
 
 
 
 
DDH, 01.10.2007 19:02

Leistungsloses Einkommen kassieren doch alle diejenigen, die vom Staat alimentiert und privilegiert werden!

ChristianS, 01.10.2007 20:09

> Leistungsloses Einkommen kassieren doch alle diejenigen,
> die vom Staat alimentiert und privilegiert werden!

Also zum Beispiel Grundstücks-”Besitzer”. Mit welchem Recht gibt der Staat diesen Leuten Privilegien? Früher, als es noch keine Staaten gab, konnte doch auch jeder dahin gehen, und seine Tiere weiden lassen, wo er wollte.

Oder um es anders zu sagen: Wir hängen im Netz. Klar ist das staatlich verbriefte und durchgesetzte Eigentum an Grundstücken eher ein Pfeiler unserer Zivilisation als ein Hindernis. Es ist aber keinesfalls gottgegeben, die längste Zeit der Menschheitsgeschichte war das Gegenteil der Fall. Sobald wir einen Staat haben, der mit seinen Regeln durchaus für Nachteile gewisser Gruppen sorgt, entsteht zugleich eine Pflicht auf Ausgleich. Wer weiß, in früheren Zeiten hätte ein guter Teil der Alimentierten vielleicht sehr gut für ein eigenes Auskommen sorgen können, aber der Staat verbietet ihnen ja vieles. Inklusive solcher Kleinigkeiten wie Jagd oder eigenem Häuserbau auf nicht dafür zugelassenen Grundstücken. Ja, selbst der Bau eines Hauses auf einem eigenen, nicht dafür zugelassenem Grundstück geht nicht. (Geschweige denn Brunnenbau u.ä.)

Hardy, 02.10.2007 19:31

“Also zum Beispiel Grundstücks-”Besitzer”. Mit welchem Recht gibt der Staat diesen Leuten Privilegien?”
Welche Privilegien für Grundstücksbesitzer? Eventuell selbige, bei Erwerb Grunderwerbssteuern zahlen zu dürfen, und dann weiterhin alle drei Monate Grundsteuer? Ach ja, dazu kommen dann noch solch lustige Dinge wie Erschließungsgebühren etc.pp.

ChristianS, 02.10.2007 20:10

Das Privileg, überhaupt Grund besitzen zu dürfen. Das ist nicht vom Himmel gefallen, das setzt du mit Hilfe des Staates durch, und dieser steht dir notfalls mit Waffengewalt bei.

In “deinem” Wald darf ich nicht jagen, auf “deinem” Grundstück darf ich nicht bauen, und so weiter, und so fort. Gewaltige Privilegien, es war Jahrtausende anders. Das Konzept “Grundeigentum” ist ähnlich revolutionär gewesen, wie ein es ein staatlich durchgesetzter Besitzanspruch für Atemluft wäre.

Stell die mal den idealen Nachtwächterstaat vor, der nur Privateigentum verteidigt, das aber notfalls mit äußerster Gewalt, und dann stell dir mal vor, dass in diesem tollen Nachtwächterstaat dein ärgster Feind allen Grund und Boden besitzt. Happy new world.

Hardy, 03.10.2007 13:54

“In “deinem” Wald darf ich nicht jagen, auf “deinem” Grundstück darf ich nicht bauen, und so weiter, und so fort.”
Ich auch nicht auf Deinem, und selbst auf eigenem Grund und Boden darf man nicht Bauen was man will, sofern man überhaupt eine Baugenehmigung bekommt. Ebenso ist es auch mit dem Jagen, darf man(leider) auch nicht so einfach.
Falls Du allerdings einen Jagdschein besitzt, kannst Du eine Jagd pachten oder bei einer Jagd mitmachen.
Übrigens ist selbiges in den USA und Kanada wesentlich einfacher geregelt, Du jagst in öffentlichen Wäldern und zahlst einen bestimmten Preis pro Tier.

ChristianS, 03.10.2007 23:08

Dir ist schon klar, was gemeint war, oder? Es mag sein, dass heute generell staatliche Genehmigungen gebraucht werden. In einem Nachtwächterstaat ist dies nicht mehr der Fall, aber das Recht, dann ein Grundstück zu “besitzen” und selbst zu bestimmen, was damit geschieht wird auch dieser Nachtwächterstaat bis aufs Blut verteidigen.

Hast du dir mal die Frage beantwortet, was du dann machst, wenn in so einem Staat dein ärgster Feind sämtlichen Grund und Boden besitzt?

Hardy, 05.10.2007 16:07

Mir ist schon klar was von Dir gemeint ist. Du übersiehst jedoch viele “Kleinigkeiten”. Um eigenen Grund und Boden zu haben, muss ich selbigen dem Staat, gleich der Gemeinschaft, mit meinem Geld abkaufen. Zusätzlich verlangt der Staat noch Quartalsmäßig eine Extrasteuer von mir(Grundsteuer). Trotzdem nimmt sich jedoch der Staat(die Gemeinschaft) das Recht heraus, zu bestimmen wie oder was ich zu bauen habe, was ich dort besitzen darf und was nicht. Also wo sind hier Privilegien? Ich sehe keine. Und in einem wie Du so schön sagtest, “Nachtwächterstaat” kann ich auch mein Recht persönlich verteidigen. Ich habe damit keine Probleme.
Allerdings erscheint es mir so, als würdest Du mit Eigentum, und mit den damit zusammenhängenden Rechten und Pflichten, Probleme haben. Irgendwie ein etwas verquertes Weltbild.

 
 
 
 
 
 
 
 
scipio, 01.10.2007 18:01

@ ChristianS

Gibt´s eigentlich nur Erben und Arbeitnehmer in Deinem Weltbild? Und was hat unsere süße Paris mit wirtschaftlichem Erfolg zu tun? Paß bloß auf, daß Du nicht Mr.Spock in die Hände fällst. Der ist ganz wild auf Leute mit eindimensionalen Gedanken.

ChristianS, 01.10.2007 19:32

> Gibt´s eigentlich nur Erben und Arbeitnehmer in Deinem Weltbild?

Etwas komplexer ist es schon, aber willst du mir hier echt vorwerfen, dass ich zum Zweck der Debatte Vereinfachungen verwende? Was in der Tat in meinem Weltbild wichtig ist, ist der Aspekt von durch eigener Leistung erworbenem Vermögen versus einem Dynastievermögen. Eine gut funktionierende Leistungsgesellschaft und Dynastien schließen meines Erachtens einander auf Dauer aus.

>
> Und was hat unsere süße Paris mit wirtschaftlichem Erfolg zu tun?

Eher was mit Dynastienbildung. Stichwort leistungsloses Einkommen.

>
> Paß bloß auf, daß Du nicht Mr.Spock in die Hände fällst.
> Der ist ganz wild auf Leute mit eindimensionalen Gedanken.

Ist er das? War mir gar nicht bekannt. Aber wie gesagt, mein Weltbild dürfte so eindimensional gar nicht sein.

scipio, 01.10.2007 21:50

Viellleicht wäre diese Diskussion leichter zu führen, wenn Du zunächst mal sauber zwischen Einkommen und Vermögen unterscheiden würdest. Natürlich kann ich mir vorstellen, daß Du es als ungerecht empfindest, daß einer für sein Einkommen arbeiten muß, der andere aber sein Einkommen bequem aus den Erträgen des ererbten Vermögens erzielt. Leider ist es aber so, daß das Leben grundsätzlich ungerecht ist, und zwar vom Anfang bis zum Ende. Ungerecht ist schon die Tatsache , daß du dir deine Eltern nicht aussuchen kannst. Du hast keinen Einfluß auf deine Gene, auf deine Talente, auf krankheitsbedingte Schicksalsschläge. Allerdings kannst du dein Gehirn insoweit gebrauchen,als daß du erkennst, daß wir entgegen deiner Erkenntnis in einer Gesellschaft leben, in der eine Mehrheit durch die Leistungen einer Minderheit alimentiert wird.

ChristianS, 01.10.2007 22:53

Nun ja. Mit der Aussage, dass das Leben ja grundsätzlich ungerecht sei, könnte man dann in der Tat auch die Wiedereinführung des Feudalismus’ begründen, mit Leibeigenen von Geburt an und so weiter. Du verstehst, dass ich das nicht sonderlich überzeugend finde? Um genauer zu sein, im Prinzip sind es genau solche Argumente, die meine Befürchtung nähren, dass Leute wie du im Prinzip keine Probleme mit einer Neofeudalen Gesellschaft hätten, sie sich vielleicht sogar zu einem gewissen Grad wünschen.

Mit einem Missverständnis muss ich noch aufräumen: Es ist gar nicht mal so sehr die Ungerechtigkeit, die mich gruseln lässt. Dass Hasso Plattner im richtigen Moment die richtige Chance hatte, und andere Leute nicht, ist in gewisser Weise auch nicht gerecht, aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist das, was daraus erwächst. Zu einem gewissen Grad wird es immer von der Herkunft abhängen, was für Chancen sich einem bieten. Ich möchte aber, dass dieser Grad sich nicht erhöht, sondern verringert. Nur befürchte ich für die Zukunft halt das genaue Gegenteil, und das in einem extremen Ausmaß. Eure Think Tanks, Wirtschaftsinstitute und Lobby-Organisationen haben reichlich gesäht und geerntet, das muss man vom professionellen Standpunkt aus neidlos anerkennen.

Und was es die Generationengerechtigkeit betrifft, so habe ich mich damit abgefunden, dass ich zusammen mit vielen anderen zwar die Last der von der heutigen Erblassergeneration verursachten Staatsschulden mittragen muss, dass aus diesen Schulden generierte Privatvermögen aber höchst individuell und nahezu unversteuert weitervererbt werden wird. Zumindest muss ich das, wenn ich in diesem Land bleibe.

Übrigens, war das nicht immer so, dass eine Minderheit die Mehrheit alimentiert hat? Meines Erachtens haben die Arbeitnehmer und Selbstständigen, die diese Alimentierung leisten, noch nie die Bevölkerungsmehrheit gestellt.

 
 
 
 
DDH, 01.10.2007 18:56

Ich bezweifle, daß es hierzulande ausgerechnet die Liberalen sind, die sich glücklich schätzen können. Klingt mir ein bißchen arg nach säkularisierter Prädestinationslehre. Wer sich in der BRD spreizt, weil er “oben” und nicht “unten” ist, ist wahrscheinlichkeitstheoretisch betrachtet (Staatsquote > 50 %) eher Systemprofiteur des Etatismus. Negativauslese mit psychohygienischem Selbstschutz der Minderwertigen, die die Treppe hochfallen.

ChristianS, 01.10.2007 20:36

> Ich bezweifle, daß es hierzulande ausgerechnet die Liberalen
> sind, die sich glücklich schätzen können.

Wieso nicht? Doch höchstens, weil es den Leuten “mit Hartz IV noch viel zu gut geht”, “die Studiengebühren noch viel zu gering sind”, “die Reichen bei weitem noch nicht genug entlastet wurden”, und so weiter und so fort. Ich wüsste im Bereich der Sozial- und Wirtschaftspolitik kaum relevante Richtungsentscheidungen, die nicht deutlich im Sinne der Neoliberalen ausgefallen wären. (Nebenbei, ich sage Neoliberal, kann aber auch was anderes sagen, vielleicht “wirtschaftsliberal”, wenn gewünscht.)

googlehupf, 02.10.2007 02:32

Sehr viele hier bevorzugen ganz eindeutig die Bezeichnung “liberal” weil es so schön zum Ausdruck bringt, dass man nicht nur auf dem wirtschaftlichem Feld sondern generell für liberale Positionen eintritt.

Beachte weiter, dass der Begriff “neoliberal” so weit ausgedehnt wurde, dass mittlerweile alles und nichts darauf passt. Den kann man den meisten hier den ganzen Tag an den Kopf werfen und die kümmern sich nicht drum (die Libertären ausgenommen – die sehen das als knallharte Beleidigung).

Und es täte der Diskussiobereitschaft der Anwesenden hier gut, wenn du nicht erstmal alles mögliche über “unsere” Positionen annimmst und solche Totschlagdinger verwendest.

Um die Verwirrung perfekt zu machen: Diese drei “Problemstellungen” sind mir ganz persönlich so noch nie durch den Kopf gegangen.

Aber eigentlich wir müssen ja froh sein. Wahrscheinlich ist der in den ganzen Jahren geäußerte Unmut lediglich ein weiteres Phänomen unserer neoliberalen unstillbaren Gier der reichen Jüngelchen. Liegt ja ziemlich nahe… Prost.

Libero, 02.10.2007 08:40

Ich glaube kaum, das viele Menschen, der nicht durch Leistung, sondern durch Geburt wohlhabend oder gar reich sind, den Liberalen angehören. Von dem Prinzen mal abgesehen. Ich denke ChristianS meint, daß ihr euch für Menschen einsetzt, die ihr nie sein werdet und die euch nicht für voll nehmen. Ihr seid brauchbare Claqueure, mehr nicht. Ihr seid nützlich für Sie, aber deswegen muß man euch doch nicht achten.

googlehupf, 02.10.2007 14:04

Jaja, kenn ich zu Genüge: entweder der politische Gegner ist dumm oder unehrlich. In diesem Fall dann wohl eher dumm. Lässt sich einfach von den Mächtigen benutzen… Hah! Solche Deppen!

Wenn es aus meiner Sicht für die richtige Sache ist ist es mir in den meisten Fällen auch herzlich egal wer da Beifall klatscht.
“Argumente” in die Richtung: “Du weißt aber genau, dass XYZ das auch fordert, wie kannst du da noch dafür sein?” verpuffen da recht schnell.

Libero, 02.10.2007 15:07

Die Gesellschaft freier Menschen ist die richtige Sache. Trotzdem sollte man aufpassen, daß man nicht als Hase im Ziel angekommt.

Die Ichbinallhier seid ihr nun mal nicht. Es kommt den konservativen Mächtigen doch sehr zu pass, euch als Prügelknaben zu haben. Das ist doch praktisch, wenn die Sozialisten alles dem Konstrukt Neo-Liberalen in die Schuhe schieben. Alles Negative kann man euch zuschreiben.

Was sollten Konservativen dagegen haben? Warum sollten Sie euch verteidigen? Denen geht es nur um ihre Freiheit? Doch nicht um die Eure.

 
 
 
 
DDH, 02.10.2007 16:19

Nicht den Hartz IV-Empfängern oder “den” Studenten geht es pauschal zu gut, im Gegenteil! Es ist ein moralischer Skandal, wie zynisch der Sozialstaat die Armen und Schwachen an einer würdigen, selbständigen Existenz hindert und wie die jungen, fähigen Köpfe spätestens nach Abschluß ins Ausland rausgeekelt werden.

So richtig Fettlebe haben bei uns die professionellen Sinnvermittler, die parasitären Existenzen im medial-gouvernemental-edukativen Komplex. Habe nicht den Eindruck, daß Du daran was ändern willst. Deine revolutionäre Pose ist schlecht verhüllter strukturkonservativer Systemkonformismus!

jo@chim, 02.10.2007 18:06

Yep. Treffer.

ChristianS, 02.10.2007 19:18

> Yep. Treffer.

Nö, Schwachsinn. Außerdem, wie lächerlich ist es denn, bei mir von revolutionärer Pose zu schwafeln? Bloß weil ich Dynastienbildung verhindern möchte? Get real.

DDH, 02.10.2007 19:46

“Bloß weil ich Dynastienbildung verhindern möchte? ”

Indem Du den Wettbewerb ausschaltest? Und den Leviathan stark machst? Die in der BRD herrschenden Familien herschten schon vor über hundert Jahren! Sie herrschten, weil Deutschland das Land der Staatsmetaphysik ist! Und Du kämpfst gegen Globalisierung und damit für deren Privilegien! Get real!

ChristianS, 02.10.2007 20:12

> Indem Du den Wettbewerb ausschaltest?

Wenn ich also möchte, dass nicht die Herkunft, sondern Leistung entscheidet, dann möchte ich Wettbewerb ausschalten? Ernsthaft?

 
ChristianS, 02.10.2007 20:30

Wieso und wo kämpfe ich gegen die Globalisierung, wenn ich Dynastienbildung verhindern möchte?

 
 
jo@chim, 02.10.2007 19:57

Was Sie verhindern möchten, haben Sie ja ausführlich dargestellt lieber Christian. Ich halte das für platte Parolen. Sie bauen sich einen Popanz auf, unterstellen Diskussionsteilnehmern Positionen, die sie nicht vetreten und nennen das dann “Neofeudalismus”, “Dynastiebildung” – welch ein argumentationsresistentes Gewäsch. Im Endeffekt läuft es immer darauf hinaus, anderer Leute Geld für Ihre politischen Zielvorstellungen zu enteignen. Das ist inzwischen uralt.
In der BRD des Jahres 2007 wird nicht einmal mehr für politische Zielvorstellungen enteignet (was die “revolutionäre Pose” wäre), sondern nur noch für den Unterhalt einer machtbesessenen Bürokratenkaste und ihrer jeweiligen Wählerklientel – was der strukturkonservative Systemkonformismus ist, auf den ddh verwiesen hat.
Aber um das zu erkennen, dafür fehlt Ihnen ganz offensichtlich, der offene Blick. Sie machen sich zum Kasper der Gewerkschaftsbonzen und Politmanager in den Unternehmen dieses staatsmonopolistischen Kapitalismus und merken es nicht einmal.
Nein, verzeihen Sie mir, wenn ich Sie, nachdem ich das hier eine ganze Zeit verfolgt habe, nicht im Ansatz ernst nehme.

ChristianS, 02.10.2007 20:27

Meine Güte, was für ein Eruptionsausbruch. Hilft gewiss bei der Parteikarriere. Ich mache mal einen Vorschlag zur Güte. Lesen Sie doch bitte mal den von mir bereits genannten Cicero-Artikel durch, den hier:

http://www.cicero.de/97.php?item=1907&ress_id=6

Das ist vielleicht mal ein ganz guter Ansatz, ein bisschen Verständnis für die Problematik zu erlangen, an dem es Ihnen etwas zu mangeln scheint.

Die Frage, die sich mir viel eher stellt, warum Sie es eigentlich in Ordnung finden, dass ein Arbeitnehmer sehr viel mehr Steuern und Abgaben zahlen muss, als ein Erbe. Oder wollen Sie, das in Zukunft auf das erarbeitete Einkommen die gleichen Durchschnittsabzüge, erhoben werden? Dann landen wir in Zukunft bei maximal 5% durchschnittlichen Abzügen auf allem erarbeitetem Einkommen, nicht mehr 50%. So kann man es auch machen, aber das war’s dann mit dem Staat. Das reicht dann auch nicht mehr für Nachtwächter.

Wollen Sie das? Soll mir recht sein, aber konkreter hätte ich es schon gerne. Ich möchte halt, das Leistung sich lohnt, und zwar genau in dem Sinne, wie es viele meiner im Cicero-Artikel genannten geistigen Mitstreiter dies auch möchten. Ich halte Warren Buffet, George Soros oder meinetwegen auch Thomas Jefferson absolut nicht für die schlechtesten Advokaten in so einer Angelegenheit.

jo@chim, 02.10.2007 22:49

Lieber Christian, ja das war ein Zufallstreffer:

Dann landen wir in Zukunft bei maximal 5% durchschnittlichen Abzügen auf allem erarbeitetem Einkommen, nicht mehr 50%. So kann man es auch machen, aber das war’s dann mit dem Staat. Das reicht dann auch nicht mehr für Nachtwächter.

Könnte reichen IMHO (ich bin mir nicht ganz sicher). Sagen Sie mir einen realistischen Weg da hin und ich berücksichtige Sie in meinem Testament (erbschaftssteuerfrei dann, selbstredend).

Aber darüber diskutiere ich dann doch lieber mit meinen politischen Freunden (und versuche zu arrangieren, dass die sich nicht darüber an den Kragen gehen, welche Sorte Ketchup wir zum Leviathan servieren werden *g*).

Nur noch kurz zum Thema “Parteikarriere”: Ich weiss nicht, was Sie darunter verstehen – aber das bissla kommunalpolitische Engagement und Vernetzung mit den paar Liberalen, die es in der FDP gibt, so zu bezeichnen, zeigt schon wie sinnfrei Sie Ihre Plattitüden hier platzieren.

Haben Sie gelesen, was ich so schreibe in diesem Online-Medium seit bald drei Jahren? Ist das so missverständlich? Ach Gott, meinen Sie nicht, dass – wenn ich “Parteikarriere” machen wollte – dass ich mich dann nicht ganz anders innerhalb dieser sozialdemokratischen Partei positionieren würde?

*LOL*

(Das war nur eine rhetorische Frage – lassen Sie’s gut sein)

ChristianS, 02.10.2007 23:23

> Könnte reichen IMHO (ich bin mir nicht
> ganz sicher). Sagen Sie mir einen
> realistischen Weg da hin

Tja, Joachim, den ersten Teil des Weges kann ich Ihnen nennen: Wir machen keinen Unterschied mehr zwischen ererbtem und erarbeitetem Einkommen. Beide werden mit gleichen Steuern und Abgaben gelegt.

Dafür führen wir einen generellen “Dekadenfreibetrag ein”. Für diesen übernehmen wir das System der Freibeträge für ererbtes bzw. geschenktes Einkommen, und orientieren uns an dem Fall “Erbnehmer/Beschenkter ist ein Sohn/eine Tochter”. Den Reset alle zehn Jahre nicht vergessen.

Bedeutet dann nach heutiger Sachlage, dass man in einem 40 Jahre währendem Erwerbsleben 820’000 Euro komplett abzugsfrei verdienen dürfte, 205’000 Euro pro Dekade. Steuer- und Abgabenfrei. Wenn das nicht geht, weil es angeblich die Staatsfinanzen zum bersten bringt, muss man halt das darüber liegende Einkommen vorerst entsprechend versteuern, um dann die Belastungen zurückzufahren. Und wenn wir gut sind, landen wir irgendwann bei 5%.

.
> und ich berücksichtige Sie in meinem
> Testament (erbschaftssteuerfrei dann,
> selbstredend).

Richtig, ich würde allenfalls Einkommenssteuern zahlen, und wenn Sie erst nach meinem Eintritt ins Rentenleben sterben, wäre dies gewissermaßen der perfekte Zeitpunkt. (Keine Angst, bis dahin dauert es noch sehr lange, sollte für drei bis vier Dekadenfreibeträge reichen).

 
 
 
 
 
 
ChristianS, 02.10.2007 19:27

> So richtig Fettlebe haben bei uns die professionellen
> Sinnvermittler, die parasitären Existenzen im
> medial-gouvernemental-edukativen Komplex. Habe nicht
> den Eindruck, daß Du daran was ändern willst. Deine
> revolutionäre Pose ist schlecht verhüllter
> strukturkonservativer Systemkonformismus!

Öhm, nein. Erstmal, was ist denn bitte bei mir die revolutionäre Pose? Und was es den Rest betrifft, geht es konkreter? Ich meine, hey, “parasitären Existenzen im medial-gouvernemental-edukativen Komplex.”, das ist jetzt nicht gerade ein Meisterwerk der präzisen Ausdrucksweise. Es gibt eine ganze Menge Zöpfe, die ich gerne fallen sehen würde.

 
 
 
 
jopa, 01.10.2007 20:37

Wieso eigentlich “nur 5%”? Der Steuersatz steigt lt. § 19 ErbStG je nach Verwandschaftsgrad auf bis zu 50% an, das ist kein großer Abstand mehr zu den US-55%…

ChristianS, 01.10.2007 20:53

> Wieso eigentlich “nur 5%”?

Die 5% sind ungefähr der reale Satz, was insgesamt am vererbten Vermögen wirklich versteuert wird. D.h. wenn Bundesweit jährlich 20 Milliarden vererbt/verschenkt werden, kriegt der Staat derzeit davon eine Milliarde. Kann auch weniger als 5% sein, mehr war’s aber ziemlich sicher nicht.

Bei Arbeitseinkommen sieht es da deutlich anders aus, hier dürften von den etlichen Milliarden Einkommen wirklich um die Hälfte als Steuern oder Abgaben an den Staat zurückfließen.

“Lustig” wird die Sache, wenn man sich die Bundesschulden ansieht. Ein Blick auf diese Schulden dürfte klar machen, dass die Generationen vor uns den Staat deutlich mehr belastet haben, als sie für ihn zahlen wollten. Zugleich wurde aber in der Generation 55+ ein etwas höheres Vermögen aufgebaut, als es die Schuldlasten der öffentlichen Haushalte sind.

Tja, ich persönlich bedaure jene, die zwar die öffentlichen Schulden erben “dürfen”, die in den letzten 40 Jahren verantwortungslos von den heutigen Erblassergenerationen angehäuft wurden, jedoch auf der anderen Seite nicht in den Genuss eines privaten Erbes gleicher Höhe kommen. Die werden es richtig schwer haben. Gerecht finde ich das eigentlich nicht wirklich.

jopa, 01.10.2007 23:05

Die 5% sind vielleicht (ich habe das jetzt nicht kontrolliert) ein Durchschnittssatz über alle Erbfälle hinweg. Das mag durchaus sein, aber daß liegt dann nicht an den zu niedrigen Steuersätzen (siehe ErbStG), sondern an den zahlreichen Erbfällen, die aufgrund der Freibeträge (erbschafts-)steuerfrei bleiben. Die Forderung nach höheren Erbschaftsteuereinnahmen ist also eine nach Abschaffung der Freibeträge und der Besteuerung auch kleinerer Erbschaften? Ich weiß, daß Du das wahrscheinlich nicht gemeint hast, aber das ist die Situation, die wir auch in den von Dir als Beispiel herangezogenen USA finden.

Es mag zwar sein, daß man im Bereich der AN stellenweise einen Grenz(!)abgabensatz von rd. 70% erreicht, der mir auch nicht gefällt, aber die Gesamtabgabenquote (also inkl. USt) am BIP liegt niedriger, irgendwo bei 45%. Der Bereich der hohen Grenzabgabenquote ist auch eher klein, nach unten hin fällt der ESt-Satz, nach oben hin greifen die BBmG der SozVers.

Die öffentliche Verschuldung gefällt hier in diesem Blog wohl niemandem, da rennst Du hier offene Türen ein, mit der Erkenntnis, daß sie auch soziale Probleme bedeutet, ebenfalls.

Die Frage ist: Was will man ändern? Das ESt-Aufkommen ist meilenweit höher als das ErbSt-Aufkommen, eine deutliche Absenkung der (Grenz-)Belastung des ESt durch eine Erhöhung der ErbSt zu finanzieren, dürfte nicht möglich sein, wenn überhaupt muß man dazu ohnehin an die Massenerbschaften heran, und das dürfte nicht mal in der Linkspartei mehrheitsfähig sein. Kleine Problematik am Rande: die ESt geht mehrheitlich an den Bund, die ErbSt komplett an die Länder. Der Tausch würde also nicht einfach, zumal das ErbSt-Aufkommen zwischen den Bundesländern erheblich variiiert. Eine Senkung der öffentlichen Verschuldung durch eine höhere ErbSt bedeutet die gleichen Probleme, es besteht einfach ein erhebliches Mißverhältnis zwischen den potenziellen Steuereinnahmen und der öffentlichen Verschuldung, mit der lustigen Komponente, daß z.B. der relativ gering verschuldete Freistaat Bayern hohe Steuereinnahmen hätte, ein beliebiges ostdeutsches Bundesland hingegen hohe Schulden, aber kaum Steuereinnahmen! Ich persönlich sehe insofern in den Rufen nach einer ErbSt-Erhöhung keinen wirklichen Vorteil.

ChristianS, 02.10.2007 20:59

> Die 5% sind vielleicht (ich habe das jetzt nicht kontrolliert)
> ein Durchschnittssatz über alle Erbfälle hinweg.

Sind sie.

> Das mag durchaus sein, aber daß liegt dann nicht an
> den zu niedrigen Steuersätzen (siehe ErbStG),

Selbst in der Spitzenlast höher als die Abgaben und Steuern der Arbeitnehmer.

> sondern an den zahlreichen Erbfällen, die aufgrund der
> Freibeträge (erbschafts-)steuerfrei bleiben. Die Forderung
> nach höheren Erbschaftsteuereinnahmen ist also eine
> nach Abschaffung der Freibeträge und der Besteuerung
> auch kleinerer Erbschaften?

Formuliere es um. Ein Arbeitnehmer mit 50’000 Euro Jahresbrutto verdient nicht schlecht. Das Arbeitgeberbrutto beträgt sogar knapp 60’000 Euro. Nun, dieser Arbeitnehmer muss knapp 7,5 Jahre arbeiten, um ein Nettovermögen von 205’000 Euro zu erwirtschaften, was genau der Freibetrag eines erbenden Sohnes ist. In der gleichen Zeit hat er knapp 240’000 Euro an den Staat gezahlt, also sogar mehr, als er bekommen hat.
Der erbende Sohn zahlt bis ca. 500’000 Euro Erbschaft knapp 9% Steuern auf die Gesamtsumme, und wenn er denn richtig viel erbt, bis 5 Millionen ungefähr 19%. Ab dann kommen wir bis zu maximal 30% Grenzbelastung.

Diese Sätze gelten nicht nur fürs Erben, sie gelten auch für Schenkungen und werden alle 10 Jahre “resettet”. Ja, ich denke, dass sowohl bei der Höhe der Freibeträge, als auch den Abgaben auf das Einkommen was schief läuft.

Was aus diesen Zahlen folgt, ist eigentlich offensichtlich: selbst für sehr solide verdienende Arbeitnehmer ist ein Vermögensaufbau mittlerweile fast komplett unmöglich. Ist hingegen erst einmal ein gewisser Wohlstand in der Familie, ist es nahezu unschaffbar, diesen einzubüßen.

Zum Vergleich, würden für Erbschaften schlicht und einfach die gleichen Abzüge wie für Arbeitseinkommen gelten, könnten wir von den Einnahmen beispielsweise das untere Viertel aller Arbeitnehmer (also da, wo es wirklich lichterloh brennt!) komplett von den Sozialabgaben befreien. Die Folgen für den Arbeitsmarkt brauche ich wohl nicht zu erläutern.

jopa, 03.10.2007 01:13

Vielen Dank für die späte Reaktion. Ich nehme an, daß es nicht ganz einfach ist, mit geschätzten 5 Leuten gleichzeitig zu diskutieren, meinen Respekt dafür.

Inhatlich gehe ich mit Dir allerdings nicht d’accord:

An Deinem Rechenbeispiel stört mich zunächst, daß Du Sozialabgaben pauschal als Steuern betrachtest. Zwar mag in diesen Abgaben eine gewisse Umverteilung stattfinden, man erhält aber immer noch eine Gegenleistung, also Krankenbehandlung, Rentenansprüche, etc. Man mag über den Wert dieser Leistungen streiten und behandelt die Abgaben daher gern als Steuern, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, da der Erbende ja durch die Zahlung der ErbSt nicht krankenversichert, etc., ist. Direkt vergleichbar sind also nur die eigentlichen Steuerzahlungen, die betragen bei einem Jahresbrutto von 50.000 EUR rd. 13.000 EUR, also ~26%. Dies gilt aber nur für regelmäßige Einkünfte. Bei einmaligen Zahlungen, die unter das EStG fallen, wie Abfindungen, Kapitallebensversicherungen, etc. (und nur diese sind, wenn überhaupt, wegen ihres einmaligen Charakters mit Erbschaften direkt vergleichbar) kennt das EStG diverse Ausnahmeregelungen, z.B. die §§ 16 IV, 34 für Betriebsaufgaben (sind schlicht die erstbesten, die mir einfallen, es gibt weitaus mehr, etwa die alte Fünftelungsregelung bei den Kapitallebensversicherungen). Insofern sehe ich den Unterschied in der Belastung eigentlich nicht, eine Abschaffung der Freibeträge dürfte politisch ohnehin nicht durchsetzbar sein. Der direkte Vergleich der Grenzabgabenquote bei der Ertragsbesteuerung mit der Durchschnittsbelastung bei der ErbSt ist in meinen Augen eine ziemliche Äpfel-Birnen-Angelegenheit; genau genommen müsste man die Besteuerung von identischen Lebenseinkünften unterschiedlicher Quelle vergleichen. Zwar mag die Belastung mit ErbSt zunächst etwas geringer ausfallen, ob dies aber auch für die Steuerbarwerte gilt, ist zumindest zweifelhaft (die ErbSt fällt sofort auf einen Schlag an, die ESt über die Lebensdauer verteilt). Da das aber eine Heidenrechnerei ist, möchte ich mir dies hier ersparen…

Das es vielen AN nicht wirklich leicht fällt, Vermögen aufzubauen, bedauere ich auch, jedoch vermag ich nicht zu sehen, wie dieser Mangel durch eine höhere Erbschaftsteuer zu beheben wäre. Das Aufkommen an Sozialversicherungsabgaben in DE beträgt meines Wissens derzeit ca. 420 Mrd. EUR p.a. Um da eine nennenswerte Entlastung zu finanzieren, müsste man die Erbschaftsteuereinnahmen um ein Vielfaches des jetzigen Aufkommens erhöhen. Das Ergebnis ist, das ein Großteil der bisherigen Freibeträge wegfallen müsste, was das Ganze aus Sicht der AN zu einem ziemlichen Linke-Tasche-Rechte-Tasche-Spielchen macht: Zwar spart die erste Generation mehr als bisher, bei der Übertragung auf die Kinder jedoch geht wieder ein erheblicher Teil verloren, so daß sich die zweite Generation wahrscheinlich kaum besser stellt. Unterm Strich nichts gewonnen, und dazu kommt noch das Problem der Steuerzerlegung/-verteilung zwischen Bund (ESt) und Ländern (ErbSt) und den SozVers-Trägern (ewiges Gezerre und “Verschiebebahnhöfe”)!

Insgesamt kann ich die von Dir beschriebene Problematik daher nicht nachvollziehen. Ich sehe weder den enormen Belastungsunterschied zwischen ESt und ErbSt, noch denke ich, daß Deine Lösungsvorschläge tatsächlich nennenswerte positive Effekte bringen, vom Problem der politischen Umsetzbarkeit mal ganz zu schweigen.

ChristianS, 04.10.2007 00:08

Also zunächst einmal können wir das gerne so halten, dass aus den Erbschaftssteuern- und abgaben dann auch Rechte erwachsen würden. Was diese “Rechte” wert sind, dürfte klar sein. Faktisch sind unsere Abgabensysteme eben doch eine absolute Ausplünderung der Arbeitnehmer-Mittelschicht. Hier dürfen dann Dinge finanziert werden, für die es niemals eine Gegenleistung geben wird. Beispielsweise die Tatsache, dass die AOK jeden tuberkulosekranken Penner nehmen muss, die dort faktisch entstehenden Mehrkosten aber ausschließlich von den Arbeitnehmern (Marke Facharbeiter) finanziert werden. Und die nette TAZ-Redakteurin, mit 2 Kindern, die nur noch halbtags arbeitet, weil sie das Haus der Eltern steuer- und abgabenfrei geerbt hat zahlt währenddessen 50 Euro Krankenversicherungsbeitrag pro Monat. Sie muss ja keine Miete mehr bezahlen. Dafür wird dann dem Single, der noch richtig ranklotzen muss, und der sich gerne eine kleine Wohnung kaufen würde das Geld mit bis zu 60% abgezogen.

Ich finde es aus humanitären Erwägungen gut, wenn unsere Gesellschaft Gesundheitsfürsorge für jeden bietet, und ich finde es sogar fair, unsere Rentner nicht verkommen zu lassen, obwohl dieses System mich später mal betrügen wird, aber dass diese gesellschaftliche Lasten einseitig verteilt sind, und faktische Zusatzsteuern darstellen, ist eine Schweinerei.

Angenommen, es wäre so, dass diese Belastungen eigentlich in etwa gleich wären, wo würde dann das Problem bestehen, einen einheitlichen Dekadenfreibetrag einzuführen, gemessen an dem Fall im Erbschaftssteuerecht, wo Eltern ihren Kindern was vererben oder schenken? 205’000 Euro jede Dekade, steuer- und abgabenfrei für jeden. Sollte dann ja kein Problem sein.

Nebenbei, die Gesamtbelastung auf allem vererbten Einkommen liegt bei ca. 5%, bei erarbeitetem sind es ungefähr 50%. Damit meine ich nicht die Grenzbelastung, um das nochmal deutlich zu sagen.

>
> Zwar spart die erste Generation mehr als bisher,
> bei der Übertragung auf die Kinder jedoch geht
> wieder ein erheblicher Teil verloren, so daß sich
> die zweite Generation wahrscheinlich kaum
> besser stellt.

Hier ist ein Punkt, wo ich dir ganz deutlich widersprechen muss. Ich wäre bereit, dieses Ergebnis voll und ganz zu akzeptieren, und ich kann dir auch genau sagen, warum. Weil die Erblassergeneration die Schulden angehäuft hat. Die Leute im Alter 60+ haben seit mindestens 40 Jahren ihre Vertreter gewählt, die diese Schulden gemacht haben. Dafür müssten sie strenggenommen gerade stehen. Eigentlich müsste man diese Generation klipp und klar auffordern, diese Schulden zu begleichen. Tut man aber nicht. Man kippt es auf die heute jungen Generationen. Die aus der verantwortungslosen Schuldenpolitik gewonnenen Erträge allerdings werden größtenteils ohne Steuern und Abgaben an vereinzelte Kinder weitergereicht.

Das was du als schlimm beschreibst wäre mein Idealszenario. Ich würde mir außerordentlich wünschen, dass man der Generation 60+ eine Bilanz aufmacht, mit den sichtbaren und den unsichtbaren Schulden, die sie angehäuft haben (Pyramidensystem Rente!), und sie diese begleichen lässt. Wenn dafür dann unsere Staatsschulden getilgt werden, und in meiner Generation jeder zu ungefähr gleichen finanziellen Konditionen sich seinen Wohlstand erarbeiten muss, in einem dann unverschuldetem Staat, dann fände ich das sogar außerordentlich erstrebenswert.

Was es die politische Umsetzbarkeit des ganzen betrifft, stimme ich dir voll und ganz zu. Das ist einer der Gründe, warum in meinen Augen Leute wie ich sonnenklar zu den ganz großen Verlierern gehören, während halt die Leute mit Chance auf Dynastienbildung die Champagnerkorken im Sekundenrhythmus knallen lassen könnten.

jopa, 04.10.2007 11:58

Guten Morgen,

bei den Problemen in der gesetzlichen Sozialversicherung stimme ich Dir zu, wie wahrscheinlich weite Teile der hiesigen Besucher. Daß viel von dem, was uns da als “solidarisch” verkauft wird, in der Praxis das genaue Gegenteil ist und weithin faktisch eine Ausplünderung der Mittelschichten darstellt – d’accord. Da stehst Du übrigend den hiesigen “Neoliberalen” ziemlich nahe…

Übrigens, zum TAZ-Redateurinnen-Beispiel: Bis Mitte der 70er Jahre waren auch private Schuldzinsen (etwa beim Hauskauf) u.U. steuerlich absetzbar, beseitigt hat diese nette Regelung (über deren Systemkonformität man sicherlich streiten kann) die damalige sozialliberale Koalition. Eine solche Reglung würde dem heutigen Single tatsächlich helfen.

Ich werde aber den Eindruck nicht los, daß man die von Dir beschriebenen Probleme vor allem durch eine Reform der Sozialversicherung löst, denn dort liegen sie meist begründet. Auch wenn man als Steuer- und Beitragszahler nicht immer den Eindruck hat, gilt, daß die Haushalte der öffentlichen Hand und der Sozialversicherung recht sauber voneinander getrennt sind. Es gibt zwar einige “Verschiebebahnhöfe”, aber im Großen und Ganzen ist es nicht dasselbe!

Deine Bemerkungen zur Erblasser-Generation sind zwar ganz amüsant, verdecken aber, daß es “die” Generation gar nicht gibt, die hier Schulden hinterlassen hat. Die Schulden, die BRD nebst Gliedern heute hat, sind nicht das Ergebnis einer einzigen Generation, sondern das Ergebnis des Regierungshandelns über 50 Jahre hinweg, durch unterschiedliche Regierungen, die stets jeweils nur unterschiedliche Teile der Bevölkerung repräsentierten. Ein Großteil der öffentlichen Schulden ist bekanntermaßen gar nicht mal so alt, sondern erst in Folge der Wederverinigung entstanden!

Mein Problem mit der “Dynastiebildung” ist, daß ich diese Dynastien nicht sehe, und schon gar nicht, was unsere heutige öffentliche Verschuldung mit ihnen zu tun hat. Ein Großteil dieser Verschuldung (inkl. der impliziten) resultiert vor allem daraus, daß in diesem Land Politiker über Sozialpolitik gewählt werden, was permanent dazu führt, daß undifferenziert Schulden gemacht werden, damit die Wähler mehr aus dem Staat herausbekommen, als sie hineingesteckt haben (sonst würde sich das Ganze ja nicht lohnen). Profiteure diese Systems sind aber alle möglichen Leute, die sich gut darin eingerichtet haben, nicht nur Erblasser und Erben. Wenn man jetzt vor allem Erben für diese Versäumnisse geradestehen liesse (ich gehe ohnehin davon aus, daß das nicht funktioniert, siehe oben), dann würde das in meinen Augen erhebliche Ungerechtigkeiten provozieren, da Nutznießer der staatlichen Verschuldung und Finanziers völlig auseinanderfielen, d.h. die Erben würden für etwas bezahlen, was sie in diesem Maße gar nicht zu vertreten hätten. Das mag zwar vom Standpunkt der intergenerativen Verteilung passen, missachtet aber völlig die intragenerative Verteilgung!

Wie gesagt, ich sehe die von Dir beschrieben Probleme sehr wohl, kann mich aber mit Deiner Lösung nicht anfreunden. Insgesamt würde ich eher Änderungen im Bereich der Sozialversicherung in Betracht ziehen, vielleicht kombiniert mit einer Obergrenze im Bereich der direkten Besteuerung und einem stärkeren nicht nur formalen Gleichbehandlungsgebot im Steuerrecht. Das schließt auch Änderungen bei der ErbSt nicht aus, diese alleine werden aber das Problem nicht lösen.

 
 
 
 
 
ThomasK, 02.10.2007 09:01

Hallo ChristianS,

kann nicht ein Grund für die Ungleichbehandlung von
‘ererbtem’ und ‘erarbeitetem’ Vermögen darin liegen,
dass das erstere vom Erblasser schon einmal
versteuert wurde und sozusagen ‘nur’ den Rest
eines vom Erblasser erarbeiteten und versteuerten
Einkommens darstellt?

ChristianS, 02.10.2007 12:57

> Hallo ChristianS,
>
> kann nicht ein Grund für die Ungleichbehandlung von
> ‘ererbtem’ und ‘erarbeitetem’ Vermögen darin liegen,
> dass das erstere vom Erblasser schon einmal
> versteuert wurde und sozusagen ‘nur’ den Rest
> eines vom Erblasser erarbeiteten und versteuerten
> Einkommens darstellt?

Im Prinzip die Standardfrage in der Debatte, erstaunlich, dass sie so spät kommt. Zur Antwort: Für denjenigen, der das Erbe bekommt, wurde noch nichts versteuert. Ein Beispiel: Ungefähr 55% meines Reallohns (Arbeitgeberbrutto) gehen für Steuern und Abgaben drauf. Dennoch muss, wenn ich eine Putzfrau für meine Wohnung legal beschäftigen möchte, diese wieder auf Ihren von mir erhaltenen Lohn Steuern und Abgaben zahlen, weshalb ich real ungefähr 18 Euro hinblättern muss, wenn sie 10 Euro Netto kriegen soll. Da läuft es auch nicht so, dass ich sagen könnte “Aber das Geld wurde doch schon versteuert!” – es wurde zwar versteuert, aber eben noch nicht von der Putzfrau.

ThomasK, 02.10.2007 15:34

O.k., leuchtet ein.
Andererseits: Wenn Erbe besteuert würde und wir
das über mehrere Generationen so weiter treiben würden,
läuft das doch auf eine schleichende Enteignung hinaus.
Irgendwo ist da für mein Verständnis ein Haken; jedoch
bin ich im Steuerrecht auch alles andere als bewandert.
Triviales und zugegebenermaßen polemiches Beispiel:
zwei Facharbeiter mit gleichem Gehalt, gleicher
Familienstruktur und gleicher Besteuerung.
Der eine steckt sein nach Steuern verbleibendes
Einkommen in den Konsum, der andere in Immobilien
und vererbt diese dann.
Warum ist es gerecht(er), auf dieses Erbe dann nochmals
eine Steuer zu erheben?
Da wird so getan, als ob dem Erbe das Vermögen
sozusagen aus heiterem Himmel zufällt.
Das kann man doch nur unter einer Bedingung so sehen,
wenn man komplett gering schätzt und es durch Abgaben
‘bestrafen’ möchte, wenn Familien für ihren
Nachwuchs Vorsorge treffen.
Es müsste zwangsweise darauf hinauslaufen, dass alle
Werte, die jemand in seinem Leben schafft, erst einmal
dem Staat zufallen, der das dann irgendwie verteilt.
Sorry für das triviale Beispiel….

ChristianS, 02.10.2007 19:45

> Da wird so getan, als ob dem Erbe das Vermögen
> sozusagen aus heiterem Himmel zufällt.

Letztlich geschieht genau dies. Vorteil durch Geburt.

>
> Das kann man doch nur unter einer Bedingung so
> sehen, wenn man komplett gering schätzt und
> es durch Abgaben ‘bestrafen’ möchte, wenn
> Familien für ihren Nachwuchs Vorsorge treffen.

Nun, der Nachwuchs soll bitte auf eigenen Füßen stehen, sich seinen Wohlstand selbst erarbeiten. Klar, hat das Vorsorgen für die Kinder was romantisches. Aber weißt du, was ich persönlich ganz und gar nicht romantisch finde? Wenn sich eine Generation tüchtig bereichert, während gleichzeitig der Staat in ungefähr gleichem Ausmaß Schulden macht. Und wenn dann das ungleich verteilte Privatvermögen auf die nächste Generation übergeht, während die Schulden von allen getragen werden müssen. Genau das passiert gerade. Wie geht es dann weiter? Die auch dank Erbschaft reicheren Familien schicken die Kinder dann auf die teuereren Privatschulen, während die öffentlichen Schulen leider, leider verkommen? (Man muss ja sparen, der Schulden wegen.)

Denke es ein paar Generationen so weiter, und du befindest dich in einem ziemlich üblen Erb-Privilegienstaat.

Cologne, 03.10.2007 00:15

@ Christians:

Du gehst in meinen Augen von ganz falschen Prämissen aus. Eine Entwicklung in Richtung einer Neo-Feudalen Aristokratie der Erben gibt es nämlich schlicht und einfach nicht. Ich empfehle dazu eines der Standardpapiere von Saez/Piketty (damals Harvard, heute Berkley) zu (einkommens-)Ungleichheit in den USA (die Ergebnisse gelten zu einem Großteil auch für Europa):

http://elsa.berkeley.edu/~saez/piketty-saezOUP04US.pdf

Auf Seite 51 ist dargestellt wie sich die Zusammensetzung des Einkommens der oberen Einkommensschichten verändert hat (1929 zu 1999). Der Anteil des Kapitaleinkommens ist ganz erheblich geschrumpft, was in erster Linie daran liegt, dass es heute weniger große Vermögen gibt als früher. Die “working rich” haben die “coupon clipping rentiers” abgelöst.

Es findet also genau DIE Entwicklung statt, welche Du gutheißt: Entscheidend dafür, wo man am Ende einkommenstechnisch steht, ist stärker eigene Leistung als die Herkunft/geerbtes Vermögen, das Kapitalerträge abwirft.

PS: Ein zunehmender Trend richtung (wohlgemerkt realtiver) Einkommens-Ungleichheit ist durchaus zu erkennen. Das muss man nicht gut heißen, aber Kapitalerträge/Vermögen spielen dabei eine untergeordnete Rolle, entscheidend ist Arbeitseinkommen!

 
 
 
Michael Kastner, 02.10.2007 18:01

Es ist fällt ins Auge, wie Du die ursprüngliche Fragestellung des Glücks in kalter Technokratenmanier im Handumdrehen ökonomisiert und auf die rein monetäre Schiene begrenzt hast.

Scheinst ja ziemlich geldfixiert zu sein.

ChristianS, 02.10.2007 19:33

Hmmm, kalte Technokratenmanier. Beeindruckend. Das ich in einem wirtschaftsliberalem Umfeld nicht anfange über Beziehungsplanung zu reden, sei mir verziehen.

Klar bin ich geldfixiert, wenn dies Auswirkungen auf die Lebensumstände der Menschen hat. Und das hat es nun mal. Eine Gesellschaft mit einigen mächtigen Erbdynastien, und ansonsten ziemlich vielen Leuten, deren Leistung sich kaum lohnt, und die kaum über die Runden kommen wäre halt mein persönlicher Alptraum. Wenn die Alternativen Friss oder Stirb lauten, ist es mit der persönlichen Freiheit nicht mehr weit her.

Michael Kastner, 02.10.2007 22:39

> Klar bin ich geldfixiert, wenn dies Auswirkungen auf
> die Lebensumstände der Menschen hat.

Holla, die Waldfee, so eine Position stinkt ja geradezu nach Neoliberalismus.

> Das ich in einem wirtschaftsliberalem Umfeld nicht
> anfange über Beziehungsplanung zu reden, sei mir
> verziehen.

Nö, das verzeihe ich schonmal garnicht.

Wenn es Dir schon nur um Kohle geht, und nicht um Menschen, dann gib’ es wenigstens zu.

Für Dich geht es um eine Gleichheit, die sich einzig und allein in Geldbeträgen manifestiert.

Für Dich wäre es sicherlich besser über Beziehungsplanung reden anstatt gesellschaftliches Ingenieurwesen zu betreiben.

Dann würdest Du vielleicht irgendwann begreifen, daß es wichtigeres gibt als Geld.

Vielleicht fehlt Dir regelmäßiger Umgang mit Mitmenschen, ein paar freundliche Worte, etwas Wärme oder einfach nur ein nettes “hallo”.

Ich bezweifle sehr, daß Dich Deine Umgebung liebevoller aufnimmt, nur weil Deine Brieftasche vor Euros überquillt.

> Wenn die Alternativen Friss oder Stirb lauten,
> ist es mit der persönlichen Freiheit nicht mehr
> weit her.

Zum fressen wird es nicht mehr kommen, wenn ich mir vorstellen, daß wegen ein paar nicht gezahlter Kröten Leute sterben müssen. Den genau das ist ja die Konsequenz aus der Kohleversessenheit, die Du propagierst.

Um Deine Art von Umverteilung durchzusetzen, mußt Du bereit sein, auf denjenigen zu schießen, der Dir keine Steuern zahlen möchte.

Das ist die letztendliche Konsequenz Deiner Gier.

Vielleicht solltest Du Dich wirklich lieber mit Beziehungsproblemen beschäftigen.

ChristianS, 02.10.2007 23:30

Ui, du rastest ja richtig aus. Irgendwie hat deine Rede was von “Den Armen gehört das Himmelreich”, aber das hielt ich persönlich eigentlich für überwunden?

Dafür dass ich Leute wie dich politisch zu den absoluten Mega-Gewinnern der letzten Jahre zähle, bist du doch erstaunlich gereizt. Eigentlich müsstest du doch grinsen wie ein Honigkuchenpferd, aber egal, du bist ja nicht der Einzige auf dieser Tour.

Langsam glaube ich, die Studie hätte zwischen Links, Rechts und Wirtschaftsliberal unterscheiden sollen, denn bei letzterer Gruppe bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob die vielleicht noch unglücklicher ist, als die Linken. (Schwer zu sagen, steht “ausrasten und wütend sein” in einer Korrelation mit “sich unglücklich fühlen”?)

David, 02.10.2007 23:46

“Dafür dass ich Leute wie dich politisch zu den absoluten Mega-Gewinnern der letzten Jahre zähle”…

…tust Du überraschend dreist so, als ob Du die Leute hier und Ihre Ansichten tatsächlich kennst.

ChristianS, 03.10.2007 00:13

> …tust Du überraschend dreist so, als ob
> Du die Leute hier und Ihre Ansichten
> tatsächlich kennst.

Du meinst, ich bin in Wirklichkeit im Forum der Linkspartei gelandet, und habe es noch gar nicht gemerkt?

Also die bisherigen Reaktionen entsprechen größtenteils dann doch ziemlich deutlich dem Schema, welches ich von Wirtschaftsliberalen und Konservativen mittlerweile zur Genüge kenne.

Übrigens, mir wird doch auch allerlei unterstellt, jammer ich da jedesmal wegen der Dreistigkeit rum? Allein schon für die mir unterstellte Gewerkschaftsfreundlichkeit müsste ich eigentlich wegen Rufschädigung klagen. Also nicht, dass ich das Konzept grundsätzlich schlecht fände, aber die deutsche Ausprägung davon… mir da freundschaftliche Beziehungen zu unterstellen, DAS ist wahre Dreistigkeit.

David, 03.10.2007 11:17

Niemand jammert. Ich stelle nur fest, daß Du keine Ahnung hast, wovon Du redest.

ChristianS, 03.10.2007 23:12

Als generelle Feststellung wohl etwas übertrieben, was es meine Einschätzung der Leute betrifft kommt es eher hin. Gänzlich ahnungslos bin ich in dieser Sache allerdings nicht. Ich rede momentan darüber, wie ich die Leute einschätze, und das ganz offen, Normalerweise ist man halt höflich, bildet sich sein Vorurteil (das tut jeder), aber äußert es nicht. Ich mache das halt mal anders, betrachte meine Äußerungen zu euren Eigenschaften als ein “So kommt ihr rüber, wenn ihr redet”.

 
 
 
 
Michael Kastner, 03.10.2007 11:35

Da Deine Geldgier offensichtlich nur noch von Deiner extraordinären Menschenkenntnis übertroffen wird, will ich mich hier auch gleich mal als Millionärssöhnchen outen:

Ich bin nämlich der Alleinerbe der Deutschen Papp- und Schnarchnasenwerke. Und mit Leuten wie Dir haben ich mich in den letzten Jahrzehnten dumm und dusselig verdient.

Es ist nicht nur erstaunlich, sondern geradezu atemberaubend, wie schnell Du erkannt hast, über welche Unmengen an Reichtum ich verfüge.

So, und jetzt nehme ich erstmal ein Bad in Golddukaten. Danach werde ich einen Blick in die Fabrik werfen und heute Mittag fliege ich auf meine Privatinsel in der Karibik.

Deine Menschenkenntnis und Dein souveräner Umgang mit Geldfragen wird Dir in Deinem Leben sicherlich noch viele freudige Überraschungen bereiten.

ChristianS, 03.10.2007 23:35

Äußerst souveräne Reaktion, gratuliere. Du solltest hin und wieder vielleicht mal deinen Blutdruck messen lassen.

 
 
 
 
David, 02.10.2007 22:50

Wie werden die Erbschaften den Erben eigentlich ausgezahlt? In Bargeld oder in Gold?

ChristianS, 02.10.2007 23:35

> Wie werden die Erbschaften den Erben eigentlich
> ausgezahlt? In Bargeld oder in Gold?

Unterschiedlich, hängt vom Erbe ab, können auch ganz andere Güter sein. Deren Wert lässt sich glücklicherweise in einer freien Marktwirtschaft praktisch jederzeit bestimmen.

David, 02.10.2007 23:44

“können auch ganz andere Güter sein.”

Hmm. Zu ihren Gunsten hatte ich angenommen, Sie wüßten das nicht.

ChristianS, 03.10.2007 00:07

Wieso, wo soll das Problem sein?

David, 03.10.2007 00:17

Da für Sie ja ausschließlich bezifferbare Geldbeträge von Bedeutung sind, gibt es natürlich keins.

ChristianS, 03.10.2007 23:32

> Da für Sie ja ausschließlich bezifferbare
> Geldbeträge von Bedeutung sind, gibt
> es natürlich keins.

Ich bin überrascht, wie Sie auf den schmalen Grat kommen. Ich rede genausowenig nur über Geldbeträge, wie das werte Finanzamt dies täte.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

[...] (via Anti-Bürokratieteam) [...]

 
scipio, 02.10.2007 23:38

Leute, könnt ihr dem Christian nicht irgendwie einen Erblasser besorgen. Das hätte zwei Vorteile. Er selbst würde sich deutlich besser fühlen, und hier wäre endlich Schluß mit dem Gequatsche.

ChristianS, 03.10.2007 00:07

> Leute, könnt ihr dem Christian nicht irgendwie einen Erblasser
> besorgen. Das hätte zwei Vorteile. Er selbst würde sich deutlich
> besser fühlen, und hier wäre endlich Schluß mit dem Gequatsche.

Warum das denn jetzt? Hast du nicht mitbekommen, dass die Verhandlungen mit im vollen Gange sind?

scipio, 03.10.2007 10:28

Unsinn Christian, Waldorf ist Dein Mann. Der hat seine $$$$ in den USA gebunkert und bessert die Erträge gern mal bei einem Besuch in Las Vegas auf. Das ist die richtige Einstellung , um nicht wie ein Sauertopf durchs Leben zu laufen, ein echtes Vorbild für Dich.

ChristianS, 03.10.2007 23:30

Im Gegensatz zu gibt es von dem aber nichtmal ein theoretisches Angebot, mich ins Testament aufzunehmen. Da sag ich doch “Lieber den Hecht in der Hand, als den Waldorf auf dem Dach”. Typisch linkspessimistische Defensivstrategie.

 
 
 
 
Cologne, 03.10.2007 00:16

@ Christians:

Du gehst in meinen Augen von ganz falschen Prämissen aus. Eine Entwicklung in Richtung einer Neo-Feudalen Aristokratie der Erben gibt es nämlich schlicht und einfach nicht. Ich empfehle dazu eines der Standardpapiere von Saez/Piketty (damals Harvard, heute Berkley) zu Ungleichheit in den USA (die Ergebnisse gelten zu einem Großteil auch für Europa):

http://elsa.berkeley.edu/~saez/piketty-saezOUP04US.pdf

Auf Seite 51 ist dargestellt wie sich die Zusammensetzung des Einkommens der oberen Einkommensschichten verändert hat (1929 zu 1999). Der Anteil des Kapitaleinkommens ist ganz erheblich geschrumpft, was in erster Linie daran liegt, dass es heute weniger große Vermögen gibt als früher. Die “working rich” haben die “coupon clipping rentiers” abgelöst.

Es findet also genau DIE Entwicklung statt, welche Du gutheißt: Entscheidend dafür, wo man am Ende einkommenstechnisch steht, ist stärker eigene Leistung als die Herkunft/geerbtes Vermögen, das Kapitalerträge abwirft.

ChristianS, 03.10.2007 23:27

Naja, das sind aber auch die Staaten mit ihren 77% Erbschaftssteuern bis in die 80er hinein. Die wirklich großen Übergänge kommen in Deutschland gerade erst. Um es mal ganz hart zu sagen: Eigentlich müsste man die Generationen, die uns diese Staatsschulden hinterlassen haben, dafür zur Kasse bitten – und das Geld würde auch reichen. Tut man aber nicht. Stattdessen werden die Schulden an alle zwangsvererbt, die auch mit deren Hilfe generierten Einkünfte aber höchst unterschiedlich. Wie es sich wirklcih entwickelt, wird man erst in ferner Zukunft für Deutschland sagen können, aber ich befürchte mit den Außenkonditionen eine vollkommen andere Entwicklung, als in den Staaten, wo es auch dank langer Zeit hoher Erbschaftssteuern eine hervorragende Stiftungskultur gibt.

 
 

[...] von momorulez am 3. Oktober 2007 Dumm fickt gut. Aber wahrscheinlich noch nicht mal das.  Wegen der Opportunitätskosten. Und weil man das ja [...]

 
Marco, 03.10.2007 15:23 Subscribed to comments via email

Alle mal die Fresse halten. Ich bin arm. Trotzdem verzweifle ich nicht am Leben. Warum? Weil ich libertär bin. Und? Schon haben sich etliche neue Optionen für mich entwickelt. Nicht dank des Staates, sondern trotz. Kommunismus ist menschenverachend. Im Kommunismus hätte ich diese Optionen nie bekommen, die ich sogar im BRD-Halbsozialismus noch habe, wenn ich bereit bin anzupacken. So, jetzt dürfen die linken und libertären/liberalen Wohlstandskinder weiter pseudointellektuell über’n “Neo-Feudalismus” schwafeln. ;-)

 
Alrik, 04.10.2007 18:17

Dabei ist der Feudalismus doch so was schönes.
Keiner wird ausgegrenzt, selbst der ärmste Bauer (im Neofeudalismus wohl der Hauptschüler aus den bildungsfernen Schichten) hat seinen adligen Schutzherrn der für ihn sorgt und ihn mit Arbeit und Einkommen versorgt.

Allerdings wird im Neofeudalismus wohl eher der nette Bürokrat vom Arbeitsamt den Schutzherrn spielen, und nicht Paris Hilton.

 

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