Kult, Teil 2
Auch Richard Herzinger kontrastiert den populären Heldenmythos mit dem historischen Ernesto Guevara, dem todessüchtigen Stalinisten:
In Guevaras Forderung, die Revolution müsse selbst um den Preis von Millionen Opfern in einem Atomkrieg unbeirrt voranschreiten, offenbart sich eine apokalyptische Sehnsucht nach der totalen Auslöschung jener verhassten modernen Zivilisation, in der er nicht leben konnte und wollte.
Guevara, der von antiautoritären Studenten und Jugendlichen als libertäre Alternative zum grauen Starrsinn kommunistischer Funktionäre vergöttert wurde, bekannte sich in Wahrheit nicht nur zu einem orthodoxen Marxismus-Leninismus und betrieb von Anfang an die Errichtung einer kommunistischen Einparteiendiktaur in Kuba, in der abweichenden Stimmen rücksichtslos zum Schweigen gebracht wurden. Er hielt auch stets an seiner Verehrung für Josef Stalin fest. Bei seinem ersten Besuch in Moskau 1960 legte Guevara Blumen am Grab des massenmörderischen Diktators nieder - zum Missfallen seiner sowjetischen Gastgeber, die seit Chruschtschows Enthüllungen über die Verbrechen des Stalinismus im Jahr 1956 nicht mehr an ihren blutrünstigen Vorfahren erinnert werden wollten. 1953, im Todesjahr des Despoten, berichtete Guevara in einem Brief, er habe vor dem Bild „unseres alten, so sehr betrauerten Genossen Stalin“ geschworen, „nicht zu ruhen, bis diese kapitalistischen Kraken vernichtet sind.“
Mehr hier. Unbedingt hörenswert ist auch Alan Posener im Deutschlandradio zum gleichen Thema (danke an Thomas Wolf für den Hinweis).




Die Geschichte hat manchmal einen seltsamen Humor. Der Mann, der Che erschossen hat, verdankt die Wiedererlangung seines Augenlichts kubanischen Ärzten, die ihn kostenlosin Bolivien operierten. Diese Ärzte entsendet Castro nach halb Südamerika als Propagandamittel.
Che was not available for comment
… wobei die “Renaissance des Sozialismus in Lateinamerika” nicht in einen großen Eintopf geworfen werden kann. Lula da Silva, die argentinischen Kirchners und die chilenischen Sozialisten haben nach äußerst schmerzhaften historischen Erfahrungen zum Glück nichts mehr mit diesem Romantiker zu tun.
Anders wäre die inzwischen wohl als nachhaltig zu bezeichnende Re-Demokratisierung des Cono Sur auch wohl nicht möglich gewesen.
Für weite Teile der Medien sind vermutlich Latinos mit Ché Logo deutlich attraktiver als langwierige Aktivitäten von verantwortungsbewussten und intelligenten Politikern.