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Das pure, ungefilterte, totalitäre Denken

09.10.2007 13:18 - Statler & Waldorf by Statler

Ernesto Guevara, in seinen eigenen Worten:

In dieser Periode des Aufbaus des Sozialismus können wir miterleben, wie der neue Mensch entsteht. Sein Bild ist noch nicht ganz vollendet, kann es gar nicht sein, weil der Prozeß parallel läuft zur Entwicklung neuer ökonomischer Formen. Abgesehen von denen, deren mangelnde Erziehung sie auf den Weg des Einzelgängers treibt, zur Selbstbefriedigung ihrer Ambitionen, gibt es solche, die auch in diesem neuen Rahmen gemeinsamen Voranschreitens dazu neigen, isoliert von der Masse zu gehen, welche sie begleitet. Entscheidend ist, daß die Menschen jeden Tag mehr Bewußtsein erlangen von der Notwendigkeit ihrer Eingliederung in die Gesellschaft und zugleich von ihrer eigenen Bedeutung als Triebkräfte derselben.

Sie gehen nicht mehr völlig allein auf Irrpfaden fernen Sehnsüchten entgegen. Sie folgen ihrer Avantgarde, die aus der Partei besteht, aus den fortschrittlichen Arbeitern, aus den fortschrittlichen Menschen, die den Massen verbunden und in enger Gemeinschaft mit ihnen vorwärts marschieren. Die Avantgarden haben ihren Blick auf die Zukunft gerichtet und auf ihrer Lohn, doch dieser wird nicht als etwas Individuelles erhofft. Der erstrebte Preis ist die neue Gesellschaft, in der die Menschen andere Züge tragen: die Gesellschaft des kommunistischen Menschen.

[...]

Die Avantgarde-Gruppe ist ideologisch fortgeschrittener als die Masse; diese kennt zwar die neuen Werte, aber nur unzulänglich. Während sich bei den zuerst genannten eine qualitative Veränderung vollzieht, die es ihnen ermöglicht, sich in ihrer Funktion als Vorhut aufzuopfern, kommen die zweiten nur mittelbar voran und müssen Ansporn und Druck von gewisser Intensität erfahren. Das ist die Diktatur des Proletariats, die nicht nur über die besiegte Klasse, sondern auch individuell über die siegreiche Klasse ausgeübt wird.

[...]

Zum Bild der Volksmengen, die der Zukunft entgegen marschieren, gehört die Idee von der Institutionalisierung zu einem harmonischen Ganzen von Kanälen, Stufen, Staudämmen, gut geölten Apparaten, die diesen Vormarsch ermöglichen, die eine natürliche Auslese derer gestatten, die dazu bestimmt sind, in der Avantgarde zu schreiten, und Belohnung oder Bestrafung erteilen an jene, die der Gesellschaft im Aufbau dienen oder sich an ihr vergehen.

[...]

Die Männer der Partei müssen diese Aufgabe in die Hand nehmen und das Hauptziel zu erreichen suchen: die Erziehung des Volkes.

[...]

In unserer Gesellschaft spielen die Jugend und die Partei eine große Rolle. Besonders wichtig ist die erste, denn sie ist der formbare Ton, mit dem sich der neue Mensch ohne alle früheren Mängel aufbauen läßt. Sie empfängt die Behandlung, welche unseren Bestrebungen entspricht. Ihre Erziehung wird von Mal zu Mal vollkommener, und wir vergessen nicht, sie vom ersten Augenblick an in die Arbeit einzuweisen.

aus: Ernesto Guevara, Der Sozialismus und der Mensch auf Kuba, 1965.

Es scheint, als entspräche die kubanische Diktatur genau dem, was ihr Posterboy wollte.

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4 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

dagny, 09.10.2007 13:41

Da gibt es bessere Zitate des ‘Popstars’.

Etwa dass er Cuba dem Atomtod opfern wollte, die russischen Raketen gegen die USA gerne eingesetzt haette, ihm nach Blut duerstete, er reihenweise Todesurteile gegen Gegner (und auch Homosexuelle) unterschrieb und dass es ihm egal war, ob die Loehne in Cuba fuer Luxusgueter reichten.

 
Boche, 09.10.2007 15:19

Das wirklich Schöne und Lustige ist, dass sich die Zuversicht dieses Typen, die Jugend wäre nach seinem Gusto formbar, als Illusion erwiesen hat. Der bärtige Volkserzieher bekam und bekommt mit jedem an Ideologie uninteressierten jungen Chinesen, mit jedem Jugendlichen, der in der DDR einen Sch… auf die “sozialistische Persönlichkeit” gegeben hat, einen Tritt in den Allerwertesten.

 
Uwe Biermann, 09.10.2007 16:28 Subscribed to comments via email

Naja, ähnliches ist auch schon bei Lenin in “Was tun” zu lesen. Und Hitler hat derlei auch von sich gegeben. Speziell letztere Überschneidung ist nun alles andere als zufällig.

 
Alrik, 09.10.2007 17:40

Das höhrt sich doch alles sehr zivil an.
N’ bisschen Belohnung für die Advantgarde, ein bisschen Strafe für die bösen Egoisten.

Natürlich hat el Che mehr Anhänger unter der Advantgarde als unter den bösen Egoisten…

 

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