Der Herzschlag des Herrn Beckstein

Eben gehört, Dr. Beckstein im Schweizer Fernsehen:

“Mein Herz schlägt für ganz Bayern, für alle Gegenden, für alle Stämme!”

Hä? STÄMME? Dachte, die gibt’s nur im Irak. Man lernt nie aus.

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20 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Bernie, 09.10.2007 19:57
 
jo@chim, 09.10.2007 19:59

Jo Manfred! Wir sind dreieinhalb Stämme hier: (Alt)Bayern,Franken, Schwaben plus die Sudetendeutschen. Wir hätten auch gute Schweizer sein können. Aber es hat nicht sein sollen – das Schicksal hat uns ans Preussische Verhängnis gekettet. Und uns einen Franken als Ministerpräsident in spe beschert.

 
M.M., 09.10.2007 21:18

Das ist ja toll. Also dann besteht die Schweiz aus mindestens 26 Stämmen (plus die paar eingewanderten Deutschen). Bin gespannt, wann Herr Blocher seinen Gruss an die Stämme entrichtet, also an die Appenzeller, Urner, Walliser usw. Wir in Basel zählen ja zum Stamm der Alemannen. Unser Stammesgebiet reicht doch tatsächlich bis zu demjenigen der Bayern.

 
skh, 09.10.2007 22:05

Bayerns 5. Stamm sind die Juden, sagt der Beckstein:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,426117,00.html

 
Epameroi, 09.10.2007 22:14

Man muss Gott für alles danken…
sogar für Ober- Mittel- Unterfranken.

 
Bodo Wünsch, 09.10.2007 22:39

Fichtenstämme, mit Borkenkäfer.

 
Steeevyo, 09.10.2007 23:16

Herr Beckstein ist ja,wie man das so schoen in Historikerkreisen formuliert,ein Beutebayer.

 
Jan, 10.10.2007 09:16 Subscribed to comments via email

Kurios ist es schon, neu aber ja nicht. Stoiber hat doch auch ständig von Stämmen geredet. Als Niedersachse, der sich rein geographisch auch irgendwie Hamburg zugehörig fühlt und derzeit längere Zeit im Baden-Würtembergischen weilt, wirkt dieses archaische Stammesgetue auch auf mich eher lächerlich und irrelevant aber da das wie gesagt Tradition hat, scheint es ja in Bayern anzukommen, beziehungsweise einfach dazuzugehören.

FG, 10.10.2007 13:07

Wir sind die Niedersachsen,
Sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukind Stamm!

!?

;-)

Im übrigen aus der Bayernhymne, zwote Strophe:


dass mit Deutschlands Bruderstämmen
einig uns ein jeder schau

Jan, 10.10.2007 13:18 Subscribed to comments via email

Joa, okay…aber mal abgesehen davon, dass der Durchschnittsniedersachse allenfalls den zitierten kleinen Teil des Liedes kennt, spielt diese Stammeszugehörigkeit meiner Empfindung nach wirklich keine Rolle. Ich bin allerdings, wie gesagt, sehr von der Region Hamburg geprägt und will mal nicht ausschließen, dass es Gegenden gibt wo man sich auch bei uns im Norden in dieser Hinsicht etwas mehr “bayernlike” gibt. Trotzdem habe ich Wulff noch nie seine Stammesbrüder grüßen hören – würde mich vermutlich aber auch nicht direkt angesprochen fühlen.

jo@chim, 10.10.2007 13:34

Wir Franken haben mit dem Lied der Franken übrigens unsere eigene Hymne:

Der Wald steht grün, die Jagd geht gut,
Schwer ist das Korn geraten;
Sie können auf des Maines Flut
Die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an,
Die Kelter harrt des Weines;
Der Winzer Schutzherr Kilian
Beschert uns etwas Feines.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Beschert uns etwas Feines.

Wallfahrer ziehen durch das Tal
Mit fliegenden Standarten,
Hell grüßt ihr doppelter Choral
Den weiten Sonnengarten.
Wie gerne wär ich mitgewallt,
Ihr Pfarr’ wollt mich nicht haben.
So muß ich seitwärts durch den Wald
Als räudig Schäflein traben.
Valleri, vallera, valleri, vallera
Als räudig Schäflein traben.

Zum heilgen Veit vom Staffelstein
Komm ich emporgestiegen
Und seh die Lande um den Main
Zu meinen Füßen liegen:
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
Umrahmen Berg und Hügel
Die breite, stromdurchglänzte Au.
Ich wollt, mir wüchsen Flügel!
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Ich wollt, mir wüchsen Flügel!

Einsiedelmann ist nicht zu Haus,
Dieweil es Zeit zu mähen;
Ich seh ihn an der Halde drauß’
Bei einer Schnitt’rin stehen.
Verfahrener Schüler Stoßgebet
Heißt: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnitt’rin steht,
Dem mag man lange winken
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Dem mag man lange winken.

Einsiedel, das war mißgetan,
Daß du dich hubst von hinnen!
Es liegt, ich seh’s dem Keller an,
Ein guter Jahrgang drinnen.
Hohio! die Pforten brech ich ein
Und trinke, was ich finde.
Du heilger Veit vom Staffelstein
Verzeih mir Durst und Sünde!
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Verzeih mir Durst und Sünde!

Moderner Nachtrag: Bitte der Franken

O heil’ger Veit von Staffelstein,
beschütze deine Franken
und jag’ die Bayern aus dem Land!
Wir wollen’s ewig danken.
Wir wollen freie Franken sein
und nicht der Bayern Knechte.
O heil’ger Veit von Staffelstein,
wir fordern uns’re Rechte!

Napoleon gab als Judaslohn
- ohne selbst es zu besitzen -
unser Franken und eine Königskron’
seinen bayrischen Komplizen.
Die haben fröhlich dann geraubt
uns Kunst, Kultur und Steuern,
und damit München aufgebaut.
Wir müssen sie bald feuern!

Drum, heil’ger Veit von Staffelstein,
Du Retter aller Franken:
Bewahre uns vor Not und Pein,
weis’ Bayern in die Schranken!
Wir woll’n nicht mehr geduldig sein,
denn nach zweihundert Jahren,
woll’n wir – es muß doch möglich sein -
durch’s f r e i e Franken fahren!

FG, 10.10.2007 14:19

“Hell grüßt ihr doppelter Choral
Den weiten Sonnengarten.” ???

Ich hab das ja mal mit “Gottesgarten” gelernt…

Immerhin wurde das Stück ja gestern vor der Staatskanzlei gespielt und vom neuen MP stimmkräftig geschmettert.

jo@chim, 10.10.2007 14:39

Aber doch wohl ohne den von mir dokumentierten Zusatz?!?
8}

 
 
 
 
 
 
Boris Eichler, 10.10.2007 10:20

Das mit den Stämmen lernt in Bayern jedes Schulkind.

 
Florian, 10.10.2007 16:45

Der Begriff “Stamm” ist durchaus korrekt.

Jetzt mal etwas Geschichte:

Nach den karolingischen Reichsteilungen gab es im Ostfränkischen Reich 5 Stammesherzogtümer:
Franken, Sachsen, Schwaben, Baiern, Lothringen

Jedes dieser Herzogtümer basierte auf einem eigenen Stamm.
Diese Stämme hatten durchaus so etwas ähnliches wie ein eigenes Nationalbewusstsein (“Deutschland” gab es damals natürlich noch nicht).

Über die Jahrhunderte hat es hier natürlich viele Verwerfungen gegeben.
Aber noch bis heute kann man diese Stämme in Resten nachvollziehen.

Die heutigen Bewohner des einstigen Stammesgebiets der Schwaben haben z.B. bis heute eine verwandte Mundart (Schwäbisch, Allemannisch incl. die schweizer Dialekte).

Ebenso die Bewohner des bairischen Stammesgebiets:
Der österreichische Dialekt ist dem altbairischen wesentlich näher als das Fränkische.

Das besondere am modernen Bayern ist nun, dass sein Staatsgebiet Teile von 3 alten Stammesgebieten umfasst: nämlich Schwaben, Baiern und Franken.

Thomas Wolf, 10.10.2007 17:32

Der österreichische Dialekt ist dem altbairischen wesentlich näher als das Fränkische.

Dem Sprachwissenschaftler gilt beides einfach als “Bairisch”, unterteilt in Nord-, Mittel- und Südbairisch, wobei das Mittelbairische den jeweils größeren Teil Altbayerns *und* Österreichs umfasst.

 
 
M.M., 10.10.2007 17:48

Lese das alles mit grösstem Interesse. Ist für mich alles ziemlich neu. Der reinste Weiterbildungskurs. Und auch die Erkenntnis, dass die Probleme unter den “Stämmen” sich in etwa immer gleich darstellen. Ich meine die Sache mit den unterdrückten Franken – das ist doch geradezu der Running Gag der Geschichte oder etwa nicht?

PS: Falls mal Detailfragen zu der recht komplizierten Situation des Zusammenlebens in der Schweiz gefragt wären – da sind es Talschaften, die sich auf den Höhenlinien voneinander abgrenzen – nur zu. So als Deal für den Nachhilfeunterricht hier.

 
Florian, 10.10.2007 18:26

“Ich meine die Sache mit den unterdrückten Franken – das ist doch geradezu der Running Gag der Geschichte oder etwa nicht? ”

Nein, warum?

Also GANZ weit ausgeholt ist es doch umgekehrt:
Die Franken haben die ostdeutschen Stämme unterdrückt und in das Frankenreich eingegliedert (die Sachsen mit brutaler Gewalt, die Baiern indem man den letzten bairischen König Tassilo ins Kloster schickte).
Im ostfränkischen Reich (also der Wurzel des heutigen Deutschlands) spielten sie auch anfangs die erste Geige. Es ist absolut kein Zufall, dass die Königswürde im Ostreich zuerst an den Herzog von Franken ging. Über ein Jahrhundert lang, war jeder deutsche König ein Franke (was beachtlich ist – immerhin war das ja keine Erbmonarchie sondern eine Wahlmonarchie).
Und es wurde damals als eine ungeheure Zäsur empfunden, als 919 mit Heinrich I. erstmals ein Sachse Deutscher König wurde.

Danach war es mit der Herrlichkeit des fränkischen Stammesherzogtums aber tatsächlich vorbei.

Im modernen Bayern ist es übrigens nicht ganz so, wie man oft meint.
Es ist zwar richtig, dass Bayern recht zentralistisch verfasst ist und Franken natürlich von München aus regiert wird.
Aber die handelnden Personen sind verblüffend oft Franken. Speziell in den frühen Jahrzehnten des Königreichs Bayern kam ein großer Teil der Regierungs- und Verwaltungsmitglieder aus Franken (dass damals einfach moderner war als das agrarische und katholische Altbaiern).
Altbaiern wurde damals von den fränkischen Modernisierern geradezu überrollt.
Und bis heute würde ich sagen, dass der Anteil der Franken in der bayerischen Ministerialbürokratie recht hoch geblieben ist.

 
M.M., 10.10.2007 21:28

Noch so eine wohl etwas blöde Frage: Es heisst ja “Bayern”. Weshalb schreibt man dann – Zitat – “Bairisch” und “Altbaiern” nicht Bayrisch und Altbayern?

 
alex, 02.04.2008 06:03 Subscribed to comments via email

da sieht man mal was die leute hier fürn mist erzählen also erstens das damalige fränkische gebiet da wo du davon redest das die irgendwelche leute unterworfen haben das ist nicht gleichzusetzen mit dem gebiet von heute damals war dieses franken über das heutige franken über ganz hessen über die ganze pfalz über ganz nord baden württemberg verlaufen (und der könig von denen kam auch nicht aus nürnberg oder bamberg oder woher sondern aus Worms am Rhein)

und dann dein 2ter ganz großer fehler zu behaupten das er die sächsischen leute unterworfen hat das stimmt natürlich aber der hat die Niedersachsen und Westfalen das war das damalige Königreich sachsen nicht das was du heute unter sachsen kennst, das heißt nur so, weil es irgendwann mal verliehen wurde das es sich öbersächsiche mark oder so öhnlich nennen durfte und die leute haben aber immer nur von sächsisch nie von obersächsich geredet
(die heutigen sachsen sind übrigens sowieso ein hauptsächlich slawisches volk das von den franken und von den thüringern kolonialisiert und germanisiert wurde

das eigentliche preussen wo später bekannt wurde unter Ost-Preussen wo aber eigentlich das einzige preussen überhaupt war vorher pruzzen ist auch nicht germanisch sondern ist ein baltisches volk also wie letten oder litauer und wurde auch erst vom deutschen orden irgendwann germanisiert

also mal dazu zu sagen in deutschland ist rassismus wirklich sehr lächerlich weil ich schätze man müsste bestimmt 30 bis 40 % prozent der bevölkerung rausshmeißen oder was weiß ich weil so viele von “slawen” also von den nazis ya als untermenschen tituliert

diese leute sollten endlich aufwachen das rassismus völliger quatsch ist

übrigens mir würde auch kein anderes land auf der welt einfallen wo so viele leute “durchgekommen sind” weil du musstest so gut wie immer durch Deutschland bzw deutsches gebiet wenn du wo anders hin wolltest wenn du ne reise von schweden nach spanien machen wolltest musstest du durch deutschland wenn du ne reise von england nach russland machen wolltest musstest du durch deutschland und natürlich ist da der ein oder andere auch irgendwo stecken geblieben weil das mädchen einfach so hübsch war und er sich nicht mehr losreisen konnte,

also in diesem sinne machts gut

 

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