Herzlichen Glückwunsch, SPD!
Zu 50 Jahren Opposition in Bayern. Am 8.Oktober 1957 trat der letzte sozialdemokratische Ministerpräsident Wilhelm Högner zurück.
Und begründete damit eine langanhaltende Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Prosperität in Bayern, ist man fast versucht zu sagen.
Oder, auf gut Bairisch: g’schod hat’s neda!













Na endlich mal eine gute Meldung. Könnte man das nicht auf ganz Deutschland…..? Nein? Trotzdem Danke, Joachim.
scipio,
Könnte man das nicht auf ganz Deutschland…..?
Ich weiß nicht, was Du hast. Die SPD tut doch momentan nun wirklich alles in ihrer Macht Stehende, um das auch auf ganz Deutschland…
Du meinst, die haben vor, 50 Jahre in die Opposition zu gehen. Mach mir bloß keine falschen Hoffnungen.
Wirtschaftlich neda, aber gschadt hat’s scho - insofern, als Bayern damals sein letztes halbwegs anarchisches Element verloren hat, wie es die Sozis traditionell verkörpert haben.
Jetzt hat es “die Pauli” in die CSU hineinbrigen wollen, indem sie sich in die Bayernfahne gewickelt hat, worauf sich alle gleich gefragt haben, ob die da nix drunter anhat. Anarchischerweise.
Soviel zum medial heruntergekommenen Begriff der Anarchie und was in Bayern trotzdem fehlt.
“neda” - kommst du aus dem Chiemgau?
Naaa, aus Franggn (Bairisch war meine erste Fremdsprache). Hierzulande in Oberfranken würde man sagen “des had ned geschod”.
Vor 50 Jahren gab es den spektakulären Auftakt der Staatspartei CSU. Das Sprengen der Viererkoalition und das spätere Abservieren der Bayernpartei war ein frühes inrigantes Meisterstück. Ein späterer Bundesinnenminister musste sich schon verminderte geistige Leistungsfähigkeit attestieren lassen, um wegen dieser Geschichte nicht in den Knast zu wandern.
Das Staatsverständnis, in dem Staat und Partei als Einheit betrachtet werden, blühte auf und setzte sich bis heute bis zu jungen OB-Kandidaten fort. Von den vergangenen 50 Jahren hat sich der Freistaat dann noch 35 Jahre über den Länderfinanzausgleich durchfüttern lassen, der wirtschaftliche Aufschwung hat also offenbar tatsächlich recht lang gedauert. Das schiere Glück, kaum Altindustrien und damit wenig Strukturwandel bewältigen zu müssen und dass es Siemens halt nach Bayern verschlagen hat, ist kaum der CSU zuzuschreiben. Wie es auch auf bayrischem Boden aussieht, wo man sich mit alten Industriestrukturen rumschlagen muss, kann man ja am anderen Ende von Oberfranken gut beobachten.
Nein, ich möchte wirklich nicht Franz Maget oder gar Ludwig Stiegler als Ministerpräsidenten. Aber von einem FDP-Mitglied hätte ich eine so undifferenzierte Staatsparteipropaganda dann doch nicht erwartet.
Kleine Ergänzung:
Wilhelm Hoegner war wahrscheinlich zusammen mit seinem Nachfolger der integerste Ministerpräsident, den Bayern je hatte. Dass
Gebe FG recht. Niemand hat Grund zum Jubeln! Bayern ist der letzte Ostblockstaat! Und die CSU-Nomenklatura barg und birgt eine Reihe politkrimogener Erscheinungen, die ihresgleichen in Mitteleuropa suchen. Genausogut könnte man hier Loblieder auf Lukaschenka anstimmen!
Schönhuber (Friede seiner Asche) hat mir mal im persönlichen Gespräch erzählt, wie er von Josef Ertl (FDP) vor den Killerinstinkten der Schwarzen gewarnt wurde. “Paß auf, Franz!”
Und von einem Franken erwarte ich ohnehin, daß er nicht nachplappert, wie toll angeblich im Lande des gußeisernen Münchener Zentralismus sich alle Regionen entwickelten. Von den Sünden des Korporatismus und der “strategischen Industriepolitik” (selbst gestandenen Neoliberalen ein Graus) ganz zu schweigen.
Also , hör auf mit dem Blockflötenspiel!
Du sagst sicher manches Richtige, FG. Dass die CSU eines Staatspartei ist, mit einer alles durchziehenden Vetterleswirtschaft? Dass Bayern eine stärkere Opposition verdienen würde? Geschenkt. Högner war ein “integrer” Mann? Ich weiss es nicht. Will es aber nicht bezweifeln, wenn Du das sagst. Unter den königlich-bayrischen Sozialdemokraten gibt es sicher viele hochwohlintegere, grundgute, Menschen. Schön, dass Du auch das kleine “Bonbon” bemerkt hast: die bayrische FDP, die hierzulande lange Zeit als “linksliberaler” Wurmfortsatz der SPD agiert hat, befindet sich in einem ebenso traurigen (wie leider auch wohl verdienten) Zustand am Rande der Marginalität.
Aber darum geht es doch überhaupt nicht: Fakt ist, dass der Strukturwandel von den Konservativen, da wo sie wie im Süden und Südwesten längerfristig die Gelegenheit dazu hatten, doch offensichtlich vorausschauender angegangen wurde, als da wo die Genossen an den Schalthebeln sassen.
Und die Entbürokratisierungs- und Schuldenabbaupolitik Erwin Hubers als Chef der bayerischen Staatskanzlei ist IMHO, in all ihrer Inkonsequenz, kein schlechtes Beispiel in der real existierenden BRD.
Btw: wir haben hier in Bayern ein Wahlrecht und (per Volksentscheiden auf allen Ebenen) demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten, die ihresgleichen in Deutschland suchen.
Ja jetzt kommts mir ja erst! Heute ist die FDP seit 50 Jahren in bayern in der Opposition! Ähh, Glückwunsch oder so…
@Jo@chim: Fängst Du jetzt an herumzusödern?
> Schuldenabbaupolitik
Gutes Stichwort: Wie viele Schulden hat der Freistaat Bayern in den letzten Jahren abgebaut?
2006 waren es genau 50 Mio. Euro. Sachsen hat im selben Jahr beispielsweise 500 Mio. Euro netto getilgt. Und selbst MeckPom war mit 40 Mio. Euro nicht viel schlechter als Bayern.
Der Schuldenstand Bayerns hat sich hat sich nach Edmunds Schweiß-und-Tränen-Rede nach der Wahl 2003 von 20,3 auf 23,1 Mrd. Euro erhöht. (alle Zahlen: statistisches Bundesamt, Fachserie 14/5).
Was wirklich herausragend funktioniert bei der Staatsregierung ist die Öffentlichkeitsarbeit.
Richtig ist natürlich auch: am Ende entscheidet der Wähler und wenn der das so will, dann bekommt er es auch. Dass das mitunter Blüten treibt, die rational nicht mehr erklärbar sind, da dürften wir uns aber wohl einig sein.
Und noch kurz zu Hoegner (auch wenn es tatsächlich nur ein Randthema ist): Er hat 33 im Reichstag gegen die Ermächtigungsgesetze gestimmt und konnte dann in die Schweiz auswandern. 1945 wurde er von den Amerikanern zum Ministerpräsidenten berufen. Nicht die schlechtesten Referenzen.
Ja FG, die Sachsen sind mir trotz ihres Sprachfehlers auch nicht unsympathisch, zumindest die, die nicht Anhänger der Nachfolgeparteien von SED oder NSDAP sind. Aber eine Frage in dem Zusammenhang (nur zum Verständnis): wieviel der 500 Mio Schuldenabbau in Sachsen waren denn aus Bayern und anderen Nettozahlerländern per Looser-Finanzausgleich finanziert?
Zu den “Schuldenständen” (und deren sukzessivem Auf- bzw. Abbau) würden mich im übrigens in der Tat mal vergleichende Übersichten interessieren… hast Du da was für Staatsfinanzen-DAU’s?
Also der Finanzausgleich wurde für den gemeinen Bayern ja erst zum Problem als man selber einzahlen musste, also so nennenswert erst ab 1994, die 45 Jahre zuvor hat man ganz gut als Looser auf Kosten der anderen damit leben können.
Umfangreiche Statistik zu den Schulden öffentlicher Haushalte gibts da: https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1020555
Die Länder findet man unter 1.4