Ein Beispiel das Schule machen könnte (sollte)
jo@chim, 10.10.2007
Weil wir es heute schon von Selbstorganisation zu gemeinsamem Nutzen hatten: A-Team-Leser Dagny hat uns auf eine interessante Initiative – Methodos – hingewiesen, mit der zehn Freiburger Jugendliche der staatlichen Bildungsbürokratie zu entfliehen versuchen. Die Schüler nutzen die Möglichkeit, das Abitur als Externe abzulegen. Sie organisieren sich ihre Vorbereitung selbst, und haben eigene Lehrer engagiert. Das 50.000 € teure Projekt wird aus Spenden, Krediten und einem Kostenbeitrag der Eltern finanziert, schreibt SPON.
Elterninitiativen und Gruppen, die wie die im Netzwerk Bildungsfreiheit zusammen geschlossenen für eine Umwandlung des staatlichen Schulzwanges in eine Bildungspflicht eintreten, haben es aber nach wie vor schwer in Deutschland. Die Repressionen gegen Eltern, die z.B. Homeschooling als Alternative zur Staatsschule praktizieren, reichen bis hin zur amtlich angeordneten Psychatrisierung der Kinder, wie eine Erlanger Familie Anfang des Jahres erfahren musste. Eine sehr spezielle Auffassung von Kindeswohl, die die Jugendamts-Bureaucrazies da zutage legen.
antibuerokratieteam.net





1. Handlungsfreiheit für Schulen unabhängig vom Träger ist wünschenswert. Auch der Ersatz der Schulpflicht durch eine Bildungs-Pflicht(?).
2. Aber ob Homeschooling immer eine Garantie für Freiheit der Heranwachsenden ist, bezweifele ich. Dazu sind mir zu viele strengreligiöse Eltern unter den Befürwortern des Homeschoolings. Diese Eltern sind alles, nur nicht liberal.
3. Der Fall des Mädchens in Erlangen ist anders gelagert. Da geht es im Grunde nicht um eine passende Schule, sondern um das individuelle Aufholen eines Lernrückstandes, um in der Klasse verbleiben zu können. Das erforderte Unterricht im Elternhaus. Der Bildungspflicht war erfüllt. Das Verhalten der Jugendamtes war unangemessen.
@Jo@chim: Sehr guter Hinweis! Siehe auch diesen Link auf ein Privatschulprojekt für Arme:
http://www.catholiceducation.org/articles/education/ed0319.htm
@Libero: Lies mal diesen Diskussionsbeitrag von Stefan Blankertz:
http://www.galt.de/files/bildung-tha.pdf
@DDH
Das Thema Bildungsreform interessiert mich schon etwas länger.
John Templeton? Hmmm. Ich denke gerade darüber nach, wie sich einige Liberale schwer tun würden mit der Verschmelzung von Spritualität und Wissenschaft.
Die Frage nach dem Homeschooling und den streng religioesen Eltern ist in wirklichkeit die Frage nach dem Verhältnis Eltern-Kinder.
Wie lange und in welchem Umfang haben Eltern ein Erziehungsrecht -Pflicht und ab wann kann der Junior eigene Wege gehen?
Die Libertären sind sich in dieser Frage keineswegs einig.
,
hinsichtlich der Familie in Erlangen empfehle ich dir, diesen thread
Fünfzehnjähriges Mädchen zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen
auf dem Forum von Liberty.li vollständig zu lesen. Die Rolle des Herrn B. aus Feuchtwangen? Das ist mir nicht koscher.
Die Hausschulszene vereinigt Eltern mit sehr heterogenen Motiven und Weltanschauungen. Liberale sind da eher selten. Das sind nicht alles von Freiheit beseelte Menschen.
Von was diese Eltern im einzelnen “beseelt” sind, weiss ich nicht, das erscheint mir auch nicht so wichtig in dem Zusammenhang.
Aber selbst wenn Du mit Deiner Einschätzung richtig liegen würdest. Es geht hier nicht darum, wie “koscher” man jemand findet, sondern um die Freiheit vom Schulzwang. Natürlich werden das auch viele in Anspruch nehmen, die meine liberalen, progressiven, Werte nicht teilen. So what?
findest du nicht, daß wir mit moslemischen Parallelgesellschaften schon genügend Probleme haben? Ich bin gegen die Schulpflicht und für die Handlungsfreiheit. Das würde schon einen erheblichen Fortschritt für die Handlungsfähigkeit der Schulen bringen. Handlungsfreiheit heißt für mich weitgehende Auflösung der Schulämter, Festlegung eines Bildungskanons und staatliche Trägerschaft nur dann, wenn kein privater Träger sich für eine Schule findet.
Das homeschooling ist dann vielleicht sinnvoll, wenn sich mehrere Eltern und ihre Kinder zusammenschließen. Aber erkläre mir mal bitte, wie diese Eltern das Lernen über das Niveau der 6. Klasse sicherstellen wollen. Könntest du deinem Kind den Lehrstoff bis zur 12. Klasse beibringen? In jedem Fach?
Dann gibt es einige Eltern, die das auch gar nicht wollen. Aber nicht der Wille dieser Eltern ist dann maßgeblich, sondern der ihrer Kinder.
5.000 Euro/Nase? Und wie sollen sich das jene leisten können, die zu den GeringverdienerInnen zählen – und denen das bisschen, das sie vielleicht auf die Seite legen könnten, noch vom Staat abgezogen wird? Eigentlich zahlen die Betreffenden doppelt, denn über Steuern wurden ja schon LehrerInnen zwangsfinanziert. Die Möglichkeit, nebenbei nochmals LehrerInnen zu engagieren, steht mMn nur wenigen offen.
Ich glaube nicht, dass das mehrheitsfähig ist, im Sinne von: jetzt folgen bald massenhaft SchülerInnen diesem Beispiel. Und ob die Spenden auch dann noch fließen, wenn es sich nicht mehr um ein beispielhaftes Projekt handelt, wage ich auch zu bezweifeln.
Ich glaube das Problem vieler Liberaler ist, dass sie von sich auf andere schließen. Da aber genau dieser Personenkreis meistens über eine ganz überdurchschnittliche Bildung verfügt, haben diese Leute auch ein Weltbild, welches in dieser Form von vielen Leuten eben nicht geteilt wird.
Der Heimunterricht ist da ein ganz gutes Beispiel. Natürlich könnte Achim oder jeder andere Schreiber hier seine Kinder auch ganz gut zu Hause erziehen. Aber kann das auch die Mehrheit der Leute?
Ist es nicht unerheblich, ob sie es _können_? Es _kann_ auch nicht jeder bis zum Nobelpreis gelangen – sollten auch dafür Zwangsveranstaltungen stattfinden auf Kosten anderer?
Aber eines steckt in Ihrem Posting, Herr Oliver: Die ‘Mehrheit’ wird vielleicht nicht ihre Kinder selbst bilden können (oder wollen), aber was sie _kann_, ist, die Partei zu wählen, die ihnen genau das vom Himmel verspricht.
So ist es denn auch geschehen…
Einen guten Teil davon haben die Schüler ja über Spenden finanziert, Laura. Da relativieren sich dann die Kosten für den Einzelnen doch.
Dass die Eltern der Schüler die Staatsschulen mitbezahlen, also doppelt belastet werden, ist aber richtig und auch sozial ungerecht*: Bildungsgutscheine, wie sie Milton Friedman vorgeschlagen hat, wären hier ein eleganter Lösungsansatz.
(*mea culpa FAH)
Bildungsgutscheine der Eltern plus Handlungs- und Entscheidungsfreiheit der Schulen, möglichst in privater Trägerschaft. Das kann ein Elternverein, ein Lehrerkollegium oder eine private Institution sein. Staatliche Trägerschaft nur dann, wenn sich kein privater Träger findet. Mir wäre es auch noch am liebsten, wenn die Mindeststandards privat organisiert wären.
Gleiches gilt natürlich für die Weiterbildung.
Wie kann es sein, dass ich hier anderer Meinung bin als Sie, Herr Wünsch? Ich erwarte vom Staat, der meine Steuern und Abgaben kassiert, vielmehr ein differenzierteres (!) und auch bezahltes Angebot, meinen Kindern Grund- und darüber hinaus gehende Kenntnisse zu vermitteln. Was macht es für einen Sinn, dies auf eigene Rechnung (wer kann das?) und in Eigenregie (wer kann das leisten?) privat zu organisieren, um sie am Ende doch dem Staat zur Prüfung vorführen zu müssen? Hier erst findet eine Zwangsveranstaltung statt, weil sich staatliche Kontrolle angemasst wird.
Denken lernen läuft ohnehin anders. Ich will nicht wieder von der Biologie, von männlich und weiblich oder den Genen anfangen, aber das Experiment erscheint mir doch zu elitär statt mehrheitlich gedacht. Wir können zwar unsere Ideen fliegen lassen, leben aber nicht mehr in der luftigen griechischen Antike, um unser Fladenbrot zu verdienen, sondern mit einem hochkomplexen Wirtschaftssystem, in dem mehr verlangt wird als die Verfeinerung der Backkunst und das Philosophieren. Mein Urteil also: Sehr liberal gedacht, aber utopisch.
(Was verspricht eigentlich die Liberale Utopisten-Partei (LUP), die Sie zur Wahl empfehlen – damit sie vom Himmel herunter holt, was dort nicht ist? Der Himmel hängt schon voller vergeigter Ideen.)
Liberale schliessen gerade nicht von sich auf andere.
Wir wissen, dass es keine Patentlösung gibt, sondern dass Eltern und Kinder möglichst viele Freiheiten haben muessen, die Wahl der Bildung nach eigenen Gesichtspunkten zu treffen.
Letztlich wäre die Vorgabe von Qualitätsstandards (wozu auch eine flächendeckende Grundversorgung gehören würde, imho) für mich die einzig legitime Rolle des Staates in diesem Bereich. Die Umsetzung der Standards kann sinnvollerweise nur von den Marktteilnehmern selbst organisiert werden.
Aber so weit sind wir ja noch lange nicht. Es geht nicht mal in die Richtung aktuell.
Umsomehr ist die Initiative der Freiburger erwähnenswert. Sie ist wohl im Kern “libertärer” als manche erbittert geführte Diskussion in libertären Medien um die besten Grillrezepte für den Leviathan.
Der Gedankenfehler liegt im zweiten Satz:
Sie erwarten etwas vom Staat, weil sie STeuern zahlen.
Die Zahlung von Steuern verschafft ihnen aber keinen Rechtsanspruch auf eine bestimmte Leistung (wie es in einem Privatschulumfeld der Fall wäre), sondern nur den Anspruch, bei Wahlen mitzumachen.
Oder wie es mein Lehrer einmal ausdrückte: Du bist nicht der Massstab.
Ich falle in Ohnmacht. So eng habe ich das noch nie gesehen – das mit mir und dem Staat, meine ich!
Ich habe also keinen Rechtsanspruch? Ich bin kein Massstab? Wie konnte ich das hinnehmen? Ich hatte immer ein doch etwas anderes – Gefühl.
Gut, dass es Sie gibt – and I mean it!
Es ist in dieser Form von vornherein kein beispielhaftes Projekt, weil es (im übertragenen Sinne) nur die Symptome behandelt. Die materielle Grundlage aller Konzepte für eine bessere Bildung muss in einer Entlastung der Eltern über höhere Freibeträge bzw. über eine zweckgebundene negative Einkommenssteuer liegen. Damit müssen die Eltern in die Lage versetzt werden, ergänzende oder komplette Bildung für ihre Kinder bezahlen zu können.
Der Sozial- und Bildungsstatus der Eltern wird immer eine Rolle spielen. Mit Bildungsgutscheinen oder Steuerfreibeträgen würden aber mehr Eltern in die Lage versetzt, ihren Kindern bessere Bildung ermöglichen zu können — vor allem die Angehörigen der Mittelschicht, die der Bildung einen hohen Stellenwert einräumen, aber selbst aufgrund hoher Steuern nicht genügend dafür ausgeben können.
Die Qualitätsstandards müssen aber wirklich durchgesetzt und kontrolliert werden. Zu den Folgen einer mangelnden Kontrolle lese man George Orwells Roman “Eine Pfarrerstochter” (dort den Abschnitt, in dem die Hauptperson an einer privaten Schule als Hilfslehrerin arbeitet).
Orwell leider nicht vorrätig, aber was ich wissen zunächst will ist: Wer kontrolliert diese Qualitätsstandards bei Ihrem beachtlichen Konzept (von weiter oben)?
(1) Das Abitur sollte zumindest in den Kernfächern bundeseinheitlich abgelegt werden, eine öffentliche Stelle muss die Hochschulreife bestätigen. Ähnlich sollte es für den Abschluss der 10. Klasse gehandhabt werden.
(2) [mantra] Die Eltern müssen Kontrolle ausüben! [/mantra]
(3) Die formelle Anwendung von Managementsystemen führt im Bildungsbereich nicht zum Erfolg: noch der hinterletzte Arbeitsamt-Bildungsträger hat heute ein »Zertifikat« über den Einsatz eines QM-Systems nach DIN-ISO-fragmichnicht im A1-Format an der Wand hängen. Das kann kein Maßstab sein.
(4) Es müsste eine »Stiftung Bildungstest« geben, die wirklich detailliert Didaktik, Bücher, Software und alles weitere Material bewertet. Diese Stiftung sollte eine Positivliste für Bildungsmedien herausgeben.
(5) Es muss endlich ins öffentliche Bewusstsein, dass Bildung wichtig, cool, schick und gesund ist.
(6) Lehrer sollten in regelmäßigen Abständen ein Praxisjahr in ihrem Fach einlegen müssen, qualifizierte Quereinsteiger aus der Wirtschaft sollten als Gastlehrer auftreten.
(7) Hospitationen und Inspektionen sollten sowohl in den Schulen als auch in ergänzenden »Nachhilfe«-Instituten selbstverständlich sein, wobei hier natürlich die persönlichen Rechte aller Beteiligten respektiert werden müssen.
Zu Orwell: eine Zusammenfassung der Zustände mit Parallelen zur heutigen Zeit kann ich frühestens am Wochenende liefern.
Niemand _zahlt_ Steuern.
“Steuer” ist ein Euphemismus, von “zahlen” spricht die Kauffrau nur, wenn sie Entscheidungshoheit über _ihr_ Eigentum hat.
Wenn Sie jedoch in Folge an “den Staat” Ihren (durchaus entschuldbaren!) Anspruch an Gegenleistung richten, sind Sie auf die Dressur längst reingefallen.
(1) ist die staatlich durchzusetzende Vorgabe – alles Folgende sind wünschenswerte Ziele, wie es sicher noch viel mehr gibt.
Deine Rezension :-) interessiert mich auch, das Buch war mir bisher ebenfalls unbekannt. Ich hab Dir schon mal ein Lesetischchen in unserer Bibliothek vorbereitet…
Lina fragte ja »Wer soll kontrollieren?« und da sehe ich einerseits das Prüfen durch den Staat und andererseits das Kontrollieren der Lehrmittel bzw. der Bildungsinstitute. Wenn wir so viel wie möglich davon privatwirtschaftlich regeln wollen, käme für mich eben eine Art »Bildungs-TÜV« oder eine Art »Stiftung Bildungstest« in Frage, die weitgehend unabhängig agieren sollten. Ich sehe aber auch das Korruptionspotential …
Obwohl Liberale beim Begriff »Kontrolle« immer misstrauisch werden müssen: Im Bildungswesen kannst du nicht auf die Prüfung warten, da muss schon vorher kontrolliert werden ;-)
Ein Reinfall also? Als Kauffrau bin ich tatsächlich darauf dressiert, den quartalsmässig eintreffenden Bescheid als quasi Rechnung zu “bezahlen” dafür, dass ich mittels staatlich geschaffener Infrastruktur etc.pp. Umsatz machen kann, von dem der Mafioso Provision kassiert. Es ist also wie bei den italienischen Pizzabäckern?
Da werde ich nur noch ergründen müssen, wo das Geld für das zweifelllos hohe Gut individualisierter Bildung, um das es hier geht, herkommen soll – wenn nicht, indem wir doch wieder alle zusammenlegen – aber den Mafioso gegen den Makler tauschen.
(Das Experiment gefällt mir trotzdem!)
Sie sagen: Liberale schliessen gerade nicht von sich auf andere.
Ja, weil sie dank Bildung plus Veranlagung offenbar besser ausgerüstet sind zu wissen, was es bringt, wenn Eltern und Kinder auf diesem Feld die freie Wahl haben. So haben sie sich (gar auf Staatskosten?) auch den Anspruch erwerben können, über das hinauszudenken, was für Andere kaum machbar erscheint. Das ist Ihr liberales Kapital, das Sie bitte gerne weiter in Umlauf bringen!
(Oder muss ich Ihr Zitat doch ganz und gar dem Eigennutz (statt Gemeinnutz) unterstellen?)
Lieber Bodo,
ob es unerheblich ist, ob die Menschen ihre Kinder bilden können, hängt davon ab was für ein Menschenbild man hat und was für einen, bzw. ob man einen Staat haben möchte.
Ich bin ein strikter Anhänger der Schulpflicht, weil ich aus Erfahrung weiß dass die meisten Menschen ausgesprochene Idioten sind. Leider geben mir die Statistiken heutzutage nicht unbedingt Recht, nimmt der Zahl der Abiturienten doch ständig zu.
Würde man diese Abiturienten allerdings an den Maßstäben aus vergangenen Zeiten messen, würden mir die Statistiken Recht geben.
Gestern Abend auf ARD: Ein Bericht über die Davidswache.
Was ich da sehen durfte, war erschreckend. Keiner einzigen dort vorgestellten Person (exklusive der Beamten) würde ich zutrauen ein Kind zu erziehen. Und schon gar nicht würde ich denen zutrauen einem Kind Bildung zu vermitteln.
Man darf diese Leute nicht sich selbst überlassen, weil wir dann in die Barbarei abdriften. Die in der Presse bekanntgewordenen Misshandlungen von Kindern sind doch nur die Spitze des Eisberges. Die Masse der Taten kommt wegen der Unverletzlichkeit der Wohnung nämlich gar nicht ans Tageslicht.
Ich wage auch zu bezweifeln, dass eine dermaßen verantwortungslose Gesellschaft wirklich liberal wäre. Der Teil der Menschen, die ohne die Chance auf Bildung aufgewachsen wären, hätten von Liberalität nämlich nicht die geringste Ahnung. Sie wären gefangen in familiären Zwängen, in Armut und in ihrer anerzogenen Verblödung.
Das heutige Schulsystem ist übrigens nicht Schuld daran, dass es so viele Deppen gibt.
Schuld daran ist eine Politik der Ignoranz, die Strafen und Disziplinierung von Schülern praktisch unmöglich macht, die Einwanderung von Millionen von Menschen ohne Kenntnisse der deutschen Sprache, die einen pädagogischen Umgang mit ihnen unmöglich macht und die Ignoranz und das Totschweigen der Jugendgewalt insbesondere jugendliche Ausländer. Eine Kuschelpädagogik, die keine Pädagogik ist sondern Verantwortungslosigkeit und Bequemlichkeit.
Hätte man vor 15 Jahren die Zügel straffer gefasst, hätten wir diese Probleme heute nicht.
Entschuldbar hatte ich geschreiben, entschuldbar :-)
Es wäre mal ein interessanter Gegenstand einer soziopolitologischen Untersuchung, ob und in welchem Ausmaß viele als “kriminell” bezeichnete Phänomene nicht trotz, sondern wegen staatsmonopolistischem Handelns entstanden sind bzw. existieren.
Zum obigen Thema: Man kann ‘Bildung’ zum Gut erklären, muss es aber nicht (was Menschen ja täglich beweisen ;-)) … was man aber nicht kann, ist, Bildung zu einem ‘Kollektivgut’ zu erklären oder gar einen Rechtsanspruch auf Bildung zu erfinden.
Bildung halte ich eher für eine Art von Interesse, nicht so sehr ein “Gut”. Bildung ist – wie der Begriff schon sagt – kein Gut, sondern ein (interessegeleiteter) Prozess; Gebildetheit ist ein mögliches Gut (am Markt), etwa, um als aus-ge-bildeter Jurist Anwalt zu werden und damit seine Semmeln zu verdienen.
> Man darf diese Leute nicht sich selbst überlassen,
In dieser Rede unterscheiden sich Konservative von Sozialisten nicht; interessant, das.
Man “darf” nicht nur Dumme sich selbst überlassen, ich finde, es ist sogar Pflicht. Ich hätte auch nichts gegen Idioten in meinem Umfeld – umso besser nämlich für meine Marktposition.
Ja, ja, ja. Die Menscheit ist dumm, schlecht, faul und auch noch gefräßig.
Das Schöne (und der entscheidende Vorteil) am ‘politischen’ Liberalismus ist, dass er nicht von irgendeinem (guten oder schlechten) Menschenbild ausgeht, sondern allein von dessen Freiheit zur Selbstbestimmung. Und wenn viele meinen, sie müssten sich ins Grab saufen, rauchen oder spritzen: Bitte. Aber nicht auf meine Kosten…
Achso…. vor 15 Jahren “waren die Zügel straffer”? Warum nicht gleich so: “Vor 60 Jahren waren sie richtig straff!” (Achso. Ich weiß. Mit sowas landet man in Kerners Schauprozessen) ^^
Der Unterschied in unseren Bewertungen liegt darin, dass ich Kinder nicht als Eigentum ihrer Eltern ansehe.
Es sind Menschen mit eigenen Rechten. Sogar mit Abwehrrechten gegenüber ihren Eltern und mit einem Leistungsanspruch an die Gesellschaft.
Jeder erwachsene Steuerzahler hat die Pflicht sich um die Kinder in seiner Gesellschaft zu kümmern. Er kann sich diese Pflicht nicht aussuchen oder abwählen, er muss sogar eigene Interessen dieser Pflicht unterordnen. Und das sage ich, weil ich eine liberale Gesellschaft will, keine sozialistische.
Wir schreiben hier aber auch nicht über die Privatisierung der Bahn, sondern über die grundsätzliche Frage ob Kinder davon abhängig gemacht werden dürfen, über was für ein Vermögen oder eine Bildung ihre Eltern verfügen (in Bezug auf die Schule!). Wir schreiben hier über etwas, was unsere grundsätzlichen Eigenschaften als Menschen betrifft, nicht über Güterverteilung oder politische Mechanismen.
Wir könnten uns auch darüber auseinandersetzen, ob wir es gut finden atmen zu müssen oder nicht.
Woher diese Pflicht kommt? Aus unserer Eigenschaft als Menschen, aus der gegenseitigen Determinierung unser Psyche, aus dem Menschsein an sich. Menschen entwickeln sich eben nur in Gegenseitigkeit, eine völlige Individualisierung ist der menschlichen Natur fremd.
Und dass das Beispiel mit vor 60 Jahren billig ist, da stimmen Du (ich erlaube mir einfach mal das Du) doch freiwillig zu, oder nicht?
Man wird den konservativen Bildungspolitikern in England doch kaum vorwerfen können nationalsozialistische Tendenzen zu haben.
Schließlich werde ich mir den Gebrauch der Disziplin als Erziehungsmittel nicht verbieten lassen, nur weil die Nazis die Disziplin als Erziehungsmittel missbrauchten.
Ich weiß nicht, ist das nicht ein Versuch einen gesellschaftlichen Missstand politisch zu reparieren?
Das Problem ist sicher nicht, dass die Schulen staatlich sind, sondern, dass der Leistungswille nicht geehrt wird und dass Lehrer zu erziehern werden, wodurch die Lehre leidet. Trotzdem könnte ein bemühter Schüler in der heutigen staatlichen Schule sehr viel lernen, aber er will nicht, hat kein Bock. Zudem gibt es bei und Aberglauben wie:
Mathematik ist schwierig, muß man nicht können.
oder:
Vokabeln auswendig lernen ist stupide.
Eine gradlinigere Schule könnte das zwar verbessern, aber am Ende entscheidet der Schüler was er lernt und man kann ja auch ohne Lehrer sehr viel lernen, mit Büchern und der Hilfe anderer Schüler.
Interessant ist auch das Beispiel der Hochschulen in Polen, bei denen die staatlichen häufig schlechter sind als die privaten. Die staatlichen machen auch Zulassungstests, während die privaten Gebühren erheben und darauf achten müssen nicht zu wenige Studenten zu haben.
Wie gesagt, das Hauptproblem ist die Mentalität nicht das System.
Danke für für Ihre Definition von ‘Gut’ bezüglich Bildung, die in erster Linie – einverstanden – ein interessegeleiteter Prozess ist. Schlecht fände ich es dennoch, wenn sie der Allgemeinheit nicht per Anspruch zu Gute kommen könnte.
Ich persönlich habe nämlich nicht so gern Idioten um mich, selbst wenn sie – was ich nicht glaube – meine Marktposition verbessern würden (Ihre Anmerkung zu Markus Oliver); da bin ich eigen und nicht halbwegs so zielgerichtet wie Sie es sind. Bevor sie Ihren Geldbeutel öffnen, sollen sie besser ihren gebildeten Verstand einsetzen. Da habe ich mehr davon – als Mensch, nicht als Marktteilnehmer.
@Markus Oliver
Wer sich darüber freut, das Menschen aufgrund ihrer Bildung Idioten, also Unfreie bleiben, unterscheidet zwischen seiner Freiheit und dem Weiterbestehen der Unfreiheit der Anderen. Es gab zwar Liberale, die so gedacht haben, aber andere haben sehr wohl die Freiheit aller gemeint, die man eben nur durch Bildung erreicht. Das verschärft natürlich den Wettbewerb.
Nehmen wir mal an, ich investiere in Bildung und erwarte dafür eine Rendite. In welche Bildung würde ich investieren? Sie werden lachen, in die Bildung der Nachkommen dieser “Idioten”.
Wer hat gestern “Boston Legal” auf VOX gesehen? Da ging es auch um einen Fall von Homeschooling einer ganz und garnicht liberalen Familie (Anhänger einer kruden christlichen “White Pride”-Bewegung). Trotzdem war das Plädoyer von deren von James Spader gespielten Anwalt geil. Und erst recht seine Reaktion auf die Dankgesänge der blonden Töchter der Familie. ;)
Au weia, es sollte heißen:
Interessant ist auch das Beispiel der Hochschulen in Polen, bei denen die staatlichen häufig besser sind als die privaten.
Sonst macht der Abschnitt auch nicht viel Sinn.
Ist es nicht unerheblich, ob sie es _können_?
Nee, das ist nicht unerheblich.
Es _kann_ auch nicht jeder bis zum Nobelpreis gelangen – sollten auch dafür Zwangsveranstaltungen stattfinden auf Kosten anderer?
Der Vergleich sitzt leider im Rollstuhl. Es kann nicht jeder zum Nobelpreis gelangen, aber es kann jeder eine anständige Schulbildung bekommen. Wenn in Zukunft überall Eltern ihre Sprösslinge unterrichten würden, wären wir davon meilenweit entfernt.
Übrigens bezweifle ich, dass die Mehrzahl (oder auch nur irgendeiner) der Schreiber hier seine Kinder bis zum Abi angemessen selbst unterrichten könnte, es sei denn, wir lassen als einziges Leistungsfach Betriebswirtschaftslehre zu.
Jetzt mal ehrlich — gibt es keine wichtigeren Probleme als die Abschaffung der Schulpflicht? Immerhin sind Privatschulen ja erlaubt. Wer sich die nicht leisten kann oder will, muss seine Kinder halt auf eine staatliche Schule schicken, und die wird dann von (gasp) Steuergeldern finanziert, und trotzdem ist die Welt noch nicht untergegangen. Und das wollen wir nun durch “jeder macht, was er will, oder lässt es ganz” ersetzen?
@Schmock
mit der Achtung der Leistung oder dem Streben nach Leistung sprechen Sie einen entscheidenden Punkt an. Ich sehe das wie Sie, die Mentalität von Lernenden und Lehrenden bestimmt die Leistungsfähigkeit einer Bildungsinstitution. Allerdings ist es ein Irrtum zu glauben, daß das die Lehre des Lehrenden ausschlaggebend ist. Die erzieherische oder vorbildhafte Wirkung des Lehrenden nimmt auch die Schüler mit, denen es an Mentalität oder an der Einstellung zum spezifischen Fachthema mangelt