„Glaubt keiner Zeitung!“ ist meine erste und letzte Parole (in Anlehnung an HRK).

Es ist schon erstaunlich, wie Nachrichten entstehen und sich verbreiten, ohne dass deren Wahrheitsgehalt einmal überprüft würde. Heute Morgen entdeckte ich eher zufällig per Google News einen Beitrag über den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Fred Thompson in einem Blog der Washington Post:

Hollywood has been good to Fred Thompson. So says the financial disclosure report he sent to the Federal Election Commission [FEC], which showed he holds assets worth as much as $8.58 million, and continues to collect millions of dollars more in residuals for the roles he’s played on film and television. … He took in more than $100,000 for a speech at Policy Exchange, a conservative think tank in London.

Bekanntlich arbeite ich bei besagtem Think Tank in London, der Thompsons Wahlkampfkasse aufgefüllt haben soll. Richtig ist, dass Mr Thompson bei uns vor einiger Zeit gesprochen hat. Aber es wäre mir neu, dass wir jemals einem unserer Redner ein Honorar gezahlt hätten. Reise- und Übernachtungskosten vielleicht, aber eben kein Honorar, erst recht keine 100.000 Dollar. Meine Kollegen, die Thompsons Besuch bei uns organisiert hatten, bestätigten mir dies. Nicht einen einzigen Penny habe Mr Thompson von uns erhalten, und das ginge auch gar nicht, da uns dies als „charity“ überhaupt nicht erlaubt wäre.

Bliebe die Frage, wie die FEC darauf kommt, solche Behauptungen zu verbreiten. Am wahrscheinlichsten erscheint uns ein Missverständnis. Vielleicht gibt es Sponsoren, die sowohl uns als auch Thompson unterstützen? Vielleicht hatte Mr Thompson diese Sponsoren in London besucht, bei der Gelegenheit auch eine Rede bei uns gehalten und das der FEC gemeldet? Wir wissen es nicht. Wir wissen eben nur, dass wir ihn nicht bezahlt haben.

Aber die Geschichte lässt sich wohl nicht mehr aus der Welt schaffen, nur die im Netz kursierenden Zahlen werden immer größer. Ein mir bis dato unbekannter Nachrichtendienst meldete:

Thompson also earned between $400,000 and $4 million last year from four companies for which he worked:

– The Policy Exchange, a London-based think tank.

Nicht nur, dass er niemals Geld von uns erhalten hat, er hat auch niemals für uns gearbeitet. Er war an einem einzigen Mittag zu einer kurzen Ansprache bei uns zu Gast. Das Treffen war öffentlich und für Medienvertreter zugänglich, es war nichts Geheimes und erst recht nichts Illegales dabei. Es war die Art von Vorträgen, die bei uns eigentlich mindestens wöchentlich stattfinden. Wir hatten schon Politiker aus Pakistan, Bangladesch, Australien und Deutschland zu Vorträgen bei uns – und eben auch Mr Thompson. Keiner von ihnen ist von uns bezahlt worden, keiner hat für uns gearbeitet.

Wahrscheinlich ist es zu spät, die Sache klarzustellen. Thompson ist offenbar als geldgieriger Politiker und wir als Parteispendenwaschanlage überführt. Der Haken an der Sache ist nur: Nichts davon ist wahr. Es steht nur in der (elektronischen) Zeitung.