Überbewertet
Okay, in der Liste der Friedensnobelpreisträger finden wir nun also Namen wie Al Gore, Yassir Arafat, Kofi Annan und Henry Kissinger. Bei den Literaturnobelpreisträgern solche Talente wie Dario Fo, Elfriede Jelinek und nun auch noch Doris Lessing.
Was soll man dazu sagen? Die nicht-wissenschaftlichen Nobelpreise sind überbewertet. Oder auch entwertet, vor allem durch einige Preisträger der letzten Jahre. Aber glücklicherweise sind davon eben nur die nicht-wissenschaftlichen Nobelpreise betroffen. Gerüchten, daß nun der Ökonomie-Nobelpreis für Rudolf Hickel und Herbert Schui nur logisch folgerichtig wäre, würde ich daher keinen Glauben schenken.
Krugman dagegen… hmmm, gut möglich.







Hey! Den Hickel-Witz wollte ich doch bringen. Mist.
Bei den “Friedens”-Leuten finden sich noch mehr erstaunliche Leute.
Die friedliche Erdnuß Jimmy Carter zum Beispiel, oder der erfolgloseste Waffenkontrolleur aller Zeiten, Baradei.
Dazu noch diverse Aktivisten, deren Namen sich keiner merken kann.
Und nächstes Jahr wird dann Schröder gekürt …
Hmmmm. Jetzt mal eine – ganz unpolemisch gemeinte – Frage:
Als Laie meint man ja, die Gesetze der Ökonomie seien eigentlich schon hinreichend erforscht, bzw. bekannt. Was kann man in der Ökonomie “entdecken”, dass einen Nobelpreis rechtfertigen würde?
Das müssen ja schon ganz außergewöhnliche Zusammenhänge sein, auf die die Masse der Ökonomen nicht so schnell kommen würde.
In mathematischen Fragen kann ich das ja noch nachvollziehen, aber in welchen wissenschaftlichen Bereichen spielt sich nobelpreiswürdige Forschung in der Ökonomie so ab?
Kann man das für einen Laien verständlich erklären?
Da gibt es schon noch einiges. Eine neuere Forschungsrichtung ist die Neuroökonomik, die versucht, die physiologischen Grundlagen ökonomischer Entscheidungen zu erklären. Da arbeiten oft Ökonomen und Ärzte gemeinsam, und dann wird z.B. im CT geschaut, welche Hirnareale für welche Arten von Entscheidungen verantwortlich sind. Oder man findet heraus, ob bestimmte Botenstoffe im Hirn kooperatives Verhalten begünstigen.
Es gibt die aus meiner Sicht immer noch ziemlich vielversprechende evolutorische Ökonomik, die sich z.B. mit der Frage beschäftigt, wie man Störungen von Marktgleichgewichten (durch Innovationen beispielsweise) wirklich modellendogen erklären kann.
Und auch in den Kernbereichen tut sich noch einiges. An Konjunkturtheorien gibt es noch einiges zu tun. In der Politischen Ökonomie wird gerade sehr stark empirisch daran geforscht, ob bestimmte kulturelle Ausgangsbedingungen die wirtschaftliche Entwicklung wirklich begünstigen. Oder ob politische Freiheit eine Bedingung für langfristige wirtschaftliche Entwicklung ist, oder eine Folge dieser.
Außerdem werden unsere Methoden immer besser. Mit neueren mikroökonometrischen Methoden kann man z.B. aus Arbeitsmarktdaten wesentlich mehr Informationen herausholen als das noch vor ein paar Jahren möglich war, und sehr viel genauer untersuchen, welche arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen unter welchen Bedingungen etwas bringen.
Was auch ziemlich vielversprechend ist, sind sogenannte Agent-Based-Modelle, in denen man mehr oder weniger aufhört, explizite mathematische Lösungen zu suchen und stattdessen das Zusammenspiel heterogener Individuen in einer Population simuliert.
Da ist also noch einiges los, das wird uns zumindest die nächsten 100 Jahre noch beschäftigen. ;-)
Dario Fo hatte sich den Preis verdient 97, mehr als manch einer aus dem “etablierten” Kulturbetrieb. Doris Lessing ist ebenfalls eine hervorragende Schriftstellerin. Elfriede ist Österreicherin und hat auch sonst eins an der Waffel, von daher würde ich die Verleihung schon aus Gründen der ausgleichenden Gerechtigkeit und der Resozalisierung nicht im Nachhinein in Frage stellen wollen.
Wofür hat Dario Fo sich den Preis verdient? Literatur ja wohl jedenfalls nicht. Ich mein, dann können wir, wenn demnächst mal wieder der Preis an jemanden vergeben werden soll, der nicht aus dem etablierten Kulturbetrieb kommt, ja auch mal Hugo-Egon Balder oder Hermann Schwaderlappen in Betracht ziehen, oder?
Dario Fo? Für propagierte Anarchie. Auch was Schönes, oder besser gesagt: “Eine mutige Entscheidung”…
Und was ist mit Harold Pinter? Er fehlt erstaunlicherweise auf Ihrer Liste der zuletzt verschleuderten Literaturnobelpreise. Unter den Literaten ist er 05 derjenige gewesen, der im “richtigen” Moment die “richtige” politische Aussage getroffen hat, um den von politischen (statt strikt literarischen) Vergabemotiven unterwanderten Preis zu kassieren – ganz egal, wie man zu dessen vehement ablehnender Haltung zum Irakkrieg steht. Literarisch gesehen ist er ein Wurm etwa gegen einen Updike, der seit Jahren in der Warteschleife hängt.
Nicht auszudenken, wenn man mit den wissenschaftlichen Preisen genauso verfahren würde!
Pinter. Oh je, den hatte ich schon wieder verdrängt.
Ja, aber es stimmt schon — Updike, Roth, Vargas Llosa, Ian McEwan, das sind alles Kandidaten, an die man nach literarischen Maßstäben eher denken könnte.
Ian McEwan? Der Mann gerade mal zwei lesbare Buecher geschrieben (On Chesil Beach und Cement Garden), der Rest ist glorifizierte Hausfrauenliteratur! Habe mich unlaengst durch Atonement gequaelt, das vielversprechend anfing und in einem Fiasko, inhaltlich wie vor allem sprachlich, endete. Also in bester Tradition hoffnungslos ueberbewerteter britischer Autoren. Nee, Statler, dann schon lieber die Jelinek, die hat wenigstens Unterhaltunsgwert. Und wer unbedingt die Briten lesen moechte, sollte sich mal an Trollope’s The Way We Live Now wagen – grossartig!
[...] Preis einiges an Ansehen zu verlieren bereit ist. Das sehen auch die bissigen Liberalen so, und Statler weist darauf hin, dass diese Entwertung der Nobelpreise auf die nicht-wissenschaftlichen Kategorien des Nobelpreises [...]
Solange es nicht Helmut Kohl geworden ist, ist die Welt doch in Ordnung.
“Als Laie meint man ja, die Gesetze der Ökonomie seien eigentlich schon hinreichend erforscht, bzw. bekannt.”
Schoen waer’s. Das glaub ich erst wenn mal jemand ein Makro-Modell entwickelt, das Wirtschaftskrisen auch im vorraus vorhersagen kann und nicht erst im nachhinein.
Der Kommentator unseres lokalen Käseblatts überschlägt sich mit Begeisterung für Gore und weist explizit darauf hin, daß dieser Millionen aus seinem Privatvermögen für den Klimaschutz ausgegeben hätte.
Bisher hatte ich immer den umgekehrten Eindruck – daß Gore mit seinem Fonds und seinem Film gut Kasse mit dem Klimathema gemacht hätte.
Weiß jemand hier, was der Job “nicht gewählter US-Präsident” finanziell so bringt?
Bisher hatte ich immer den umgekehrten Eindruck – daß Gore mit seinem Fonds und seinem Film gut Kasse mit dem Klimathema gemacht hätte.
Gore empfiehlt in seinem Film jedenfalls nicht, dass wir alle in Sack und Asche gehen sollten, um den Klimawandel zu verhindern.
Ich wusste garnicht, dass Neid auf den Reichtum anderer ausgerechnet unter Wirtschaftsliberalen zu finden ist ;-P
Weiß jemand hier, was der Job “nicht gewählter US-Präsident”
finanziell so bringt?
797 Fantastilliarden.
Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, dass der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften kein richtiger Nobelpreis ist, da er bekannterweise nicht von Nobel gestiftet wurde. Eigentlich handelt es sich hierbei um den Missbrauch eines Namens.
Genau wie “alternativer Nobelpreis”, also.
@Statler
Harold Pinter ist ein großartiger Autor, das sehen auch z.B. Marcel Reich-Ranicki und Vaclav Havel so. Das Problem bei ihm ist nicht, dass er den Nobelpreis nicht verdient hätte, sondern dass er ihn viel zu spät (vielleicht 40 Jahre) bekommen hat. Seine politische Gesinnung sollte dabei keine Rolle spielen, ich lasse mir auch Gabriel Garcia Marquez, trotz seiner Affinität zu Fidel Castro, nicht madig machen; er ist unter den lebenden Schriftstellern der beste, finde ich.
Das Komitee macht sicherlich viele Fehler wie eben Elfriede Jelinek auf der einen und Mario Vargas LLosa oder Philipp Roth auf der anderen Seite, aber alles macht es nicht falsch.
Friedensnobelpreis an Al Gore: “Celebrity-Kult”…
Lesenswerter Kommentar in der Neuen Zürcher Zeitung zur Verleihung des Friendensnobelpreise an Al Gore.
Nach dem Oscar, einer Emmy nun der Friedensnobelpreis – kann man überhaupt noch mehr ausgezeichnet werden als Al Gore? Alle drei Ehrun…