Die tyrannophilen Intellektuellen
Die utopisch geneigten tyrannophilen Intellektuellen haben viel Unheil angerichtet und viel Beifall an die falsche Seite verteilt – und sie werden das auch weiter tun: Sand im Getriebe . . . Aber den Verfall und Niedergang westlicher Gesellschaften werden sie kaum mehr zustande bringen. Beschwören freilich sollte man das nicht. Der kontinuierliche Versuch einer objektiven, kritischen Selbstwahrnehmung gehört zu den Spezifika und Stärken moderner westlicher Gesellschaften. Sowenig die Sinn-Intellektuellen mit ihrer unbestimmt-vagen Fundamentalopposition dazu unmittelbar Wesentliches beigetragen haben, zwingen sie uns doch immer wieder, eine präzise, realistische Verteidigung und Kritik unserer Gesellschaften zu formulieren. Und so schafft dieser Geist, der den Westen stets verneint, doch mittelbar auch etwas Gutes. Aber man sollte schon ein Auge auf sie, auf uns haben . . .
Siegfried Kohlhammer beschreibt und zerpflückt einen Denkertypus, den es seit mindestens 500 Jahren in westlichen Gesellschaften gibt. Sehr lesenswert, der vollständige Artikel ist im Merkur, Heft 700.








Ohne Sinn geht gar nichts; deshalb “sollte man schon ein Auge auf sie, auf uns haben”, wie Kohlhammer sehr richtig sagt.
Auch auf den alten Montaigne, der hier ein Lob auf die zivilisierte Blogosphäre schreibt:
“Die ergiebigste und natürlichste Übung unseres Geistes ist meines Bedünkens das Gespräch. Ich sehe in seiner Pflege das Schönste, was wir im Leben tun können.(…) Wenn man mir widerspricht, weckt man meine Aufmerksamkeit, nicht meinen Unwillen, ich nähere mich dem, der widerspricht, der mich unterrichtet. Die Sache der Wahrheit sollte die gemeinsame Sache sein (…); sie ist mir willkommen und lieb, in welcher Hand ich sie auch finde, fröhlich unterwerfe ich mich ihr und strecke die Waffen, sowie ich sie auch nur von weitem kommen sehe. Und solange man dabei nicht zu grossmächtig magistral auftritt, macht es mir Vergnügen, widerlegt zu werden, und oft füge ich mich den Gegnern mehr aus Höflichkeit als aus Überzeugung, weil ich die Freiheit, mich zu belehren, gern durch bereitwilliges Nachgeben belohne und nähre (…).
Und weil ich abgeschweift bin: Ich unterstütze die These vom Dekadenzphänomen, vom Überdruss, von der Langeweile des Saturierten, die zum intellektuellen Widerspruchs gegen das Diktat des Kapitals reizt. Materieller Fortschritt allein macht eben nicht glücklich, weshalb ich unbedingt für weitere Sinnsuche bin.
[...] beschrieben und analysiert. Der Politologe Siegfried Kohlhammer hat in einem lesenswerten Aufsatz (via) die Thematik noch einmal aufgegriffen und neu beleuchtet. Wie sehr sich der als Unangepasstheit [...]