Abschreckende Studiengebühren
Das Hauptargument gegen Studiengebühren lautet dass die Studentenzahlen einbrechen – in der Realität wird diese Theorie aber nicht belegt. Trotz eines massiven Anstiegs der Studiengebühren um bis zu 50 Prozent hoffen in diesem Jahr nämlich so viele Schulabgänger wie selten zuvor auf einen Studienplatz an einer der 13 Londoner Universitäten, wie die ZEIT berichtet. Auch in den deutschen Ländern kommt es nicht zum Einbruch bei den Studentenzahlen. Wie erklären sich dass die Gegner der Studiengebühren?








Es ist noch zu viel Geld vorhanden. Die Studiengebühren werden sich daher erst in ein paar Jahren negativ auf die Studierendenzahlen bemerkbar machen. Vor allem dann erst, wenn sie noch weiter gestiegen sind.
Es gibt in Deutschland – noch – eine starke Mittelschicht.
Die Unterschicht merkt die Studiengebühren natürlich heute schon, beisst wohl aber im Moment noch die Zähne zusammen.
@Markus:
> Es ist noch zu viel Geld vorhanden.
Wieso noch?
Wieso sollte es in fünf oder zehn Jahren weniger Geld geben?
Gut, Steuererhöhungen sind immer zu befürchten, aber die betreffen Studenten meist nur marginal.
Die Gesamtgeldmenge wird natürlich eher größer sein, hehe.
Nur werden viele Leute eben weniger Geld haben, weil Deutschland wohl noch viel zu viel ineffiziente Strukturen hat.
Negativ Sir – die Erfahrungen in Österreich, wo 2001 Studiengebühren eingeführt wurden, belegen genau das Gegenteil Deiner Behauptung: nach einem kurzen Einbruch sind die Studierendenzahlen heute so hoch wie nie. Auch an der “sozialen Schichtung” hat sich nichts verändert.
Um die Hälfte zurückgegangen ist allerdings der Anteil der Studenten, die keine einzige Prüfung absolviert haben. Quelle
Österreich ist nicht mit Deutschland vergleichbar. Sie bilden keine vergleichbare homogene Masse.
Sie erklären es, indem sie dereinst jammern werden, wieder einmal etwas “geschluckt” zu haben.
Wenn sie aber fertig sind mit dem Studium, werden sie für die Gebühren sein.
Zustimmung.
Nun, Sie mögen Recht haben. Dennoch müssten Sie die Kohortenstärke berücksichtigen. Vielleicht machen dieses Jahr vielmehr Schüler ihren Abschluss und strömen deshalb an die Universitäten, so dass trotz absolutem Anstieg der Studentenzahlen die Quote derer, die an die Uni geht, zurückgegangen ist.
Beste Grüße
Erwin
Da diese Gebühren leider nichts mit Marktwirtschaft zu tun haben, sondern für alle Unis und Fakultäten more or less vom Ministerium festgelegt sind, kann ich sie nicht so einfach gutheissen.
Allerdings gehe ich davon aus, dass die Entscheidungen zum Studium VIEL bewusster getroffen werden.
(Darüberhinaus hat Bodo natürlich recht. a posteriori sind die Absolventen dafür, es ist ja immer die Jugend von heute, mit der nichts anzufangen ist und der man erzieherisch begegnen muss!)
Bildung komplett privatisieren, sag ich nur. Warum soll die alleinerziehende Mutter von 3 Kindern, die jeden Tag hart bei ALDI schufftet dem linken Wohlstandskind aus einem Akademikerhaushalt dessen 30-Semester-Langzeitstudium finanzieren, während ihre Kinder selbst viel schlechtere Chancen haben, jemals zu studieren? Pervers.
Zustimmung. Dann aber bitte Konsequent, d.h. Abschaffung der verbeamtete Professoren.
Privatisierung macht im Bildungsbereich nämlich nur dann Sinn, wenn in der Bildungsindustrie auch ein personaler Kostendruck entstehen kann. Schlechte Leute müssen weg, Gute Leute müssen billiger werden können.
Wie gesagt komplett privatisieren. ;-)
Kann man dich auch privatisieren? Vielleicht werden dann deine Beiträge besser.
Siegfried Bär
Forschen auf Deutsch
ISBN 3817114143
Das schrieb ein Biochemiker vor 14 Jahren. Bei den meisten deutschen Physik- Chemie- und Ingenieurinstituten ist es nicht anders und immer noch so.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ein amerikanischer Gastprofessor nach dem Lab unseres Prof fragte und gar nicht verstehen konnte, daß unsere Professoren seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten vor allem Helden der papierenen Wissenschaft waren und gar kein eigenes Lab besitzen, geschweige denn in ihm forschen. Einen experimentierenden Prof sah ich erst im MPI Mülheim, aber da kam ich mir sowieso vor wie im Märchen vom Gestiefelten Kater. Kein Vorzimmer, keine Sekretärin, keine richtige Tür und einen Professor mitten unter seinen Leuten.
Darf ich daran erinnern, daß Universitäten ausbilden und forschen. Kostendruck fördert nicht unbedingt die Trennschärfe. Es wird nicht unbedingt in Richtung Qualität optimiert.
Das amerikanische System hat in der Forschung auch Nachteile. Die bekannten Vorteile muß man übernehmen, aber warum auch die Nachteile?
1. Studiengebühren im Bereich der Naturwissenschaften, der Ingenieurwissenschaften und der Medizin können nicht einmal einen Bruchteil der Studienkosten abdecken
2. Wenn die Wirtschaft Naturwissenschaftler und Ingenieure braucht, wird ihr nichts weiter übrig bleiben, als die Studiengebühren bei vielen Studenten dieser Fächer zu übernehmen. Einige Unternehmen schicken bereits jetzt geeignete Kandidaten zum MBA-Studium zum Beispiel an die Perdue University
3. Bei den genannten Fächern liegen die Durchfallquoten im Grundstudium bei etwa 50 %. Unter anderem deshalb, weil das amerikanische System, zum Beispiel mit Tutoren nicht übernommen wird
4. Bei den amerikanischen ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten gibt es generell mehr Möglichkeiten, bezahlte Jobs, die dem Studium dienen, zu erhalten. Entweder in der Uni oder in einem start-up
5. Die Anmeldungen pro Fach sind aussagekräftiger
6. Konservativen mißfällt es, das Berufsleben mit privaten Schulden zu beginnen
7. Ingenieurstudenten sind selten links und sie mögen es noch weniger als links tituliert zu werden.
“1. Studiengebühren im Bereich der Naturwissenschaften, der Ingenieurwissenschaften und der Medizin können nicht einmal einen Bruchteil der Studienkosten abdecken”
Richtig.
“2. Wenn die Wirtschaft Naturwissenschaftler und Ingenieure braucht, wird ihr nichts weiter übrig bleiben, als die Studiengebühren bei vielen Studenten dieser Fächer zu übernehmen. Einige Unternehmen schicken bereits jetzt geeignete Kandidaten zum MBA-Studium zum Beispiel an die Perdue University”
Sie können natürlich auch Ausländer einstellen. Warum sollte die Wirtschaft Geld für eine Ausbildung investieren, die andere schon mitbringen?
“3. Bei den genannten Fächern liegen die Durchfallquoten im Grundstudium bei etwa 50 %. Unter anderem deshalb, weil das amerikanische System, zum Beispiel mit Tutoren nicht übernommen wird”
Mein Schwiegervater schwört darauf die Leute möglichst im Grundstudium auszusieben. In den Naturwissenschaften merkt man nämlich schon recht früh, wer das Zeug mitbringt und wer nicht. Das ist übrigens auch sehr viel humaner als einen Juristen durch das zweite Examen auszusieben.
Das hat man mittlerweile aber bei denen auch erkannt.
Mit 4 – 7 bin ich auch einverstanden.
@Markus Oliver
Warum sollte die Wirtschaft Geld für eine Ausbildung investieren, die andere schon mitbringen?
1. Es gibt natürlich auch Arbeitsplätze, die man nur mit Söldner besetzen kann. Nur stellen sich Söldner natürlich auch die Frage, warum soll ich bei diesem Unternehmen länger bleiben. Söldner gehen genauso schnell wie sie gekommen sind
2. Sehen sich an, was in den USA passiert. Chinesen und Inder müssen nicht mehr in die USA immigrieren, die immigrieren nach Indien oder China. Oder in andere Länder. Dann bleiben den USA nur noch die Osteuropäer, Latinos und Orientalen. Wie lange noch? Gut Ausgebildete sind keine Commodities, die jederzeit unbegrenzt zur Verfügung stehen.
Ich behaupte jetzt einfach mal, dass man gerade bei den Ingenieuren sehr leicht Ausländer einstellen kann. Nicht umsonst haben die großen Unternehmen weltweit Standorte, die Entwickeln nämlich mit der Erdumdrehung und dem Tageslicht 24 Stunden am Tag.
Die Wohnortverlagerung ist doch nur ein geringes Problem.
Letzten Endes werden die Leute in den USA wohl irgendwann anfangen wieder die gefragten Fächer zu studieren. Nur heißt das noch lange nicht, dass die Unternehmen so etwas finanzieren werden.
Die Realität sieht doch im Moment anders aus. Nur wirklich die besseren Studenten bekommen Fördermittel. Der Rest wird auch weiterhin seine Studienkosten selbst reinholen müssen.
Und am Ende wäre da natürlich noch der Kostenfaktor Bildung zu berücksichtigen. Die schiere Masse der zur Verfügung stehenden, leistungsbereiten Personen dürfte die Ausbildungskosten in Indien deutlich unter den Kosten in Europa liegen lassen. Es gibt dort nicht so verkrustete Strukturen. Die Unternehmen sind dort doch viel flexibler.
Bei den Chemikern sieht die Sache natürlich schon etwas anders aus. Chemische Labore lassen sich nicht mal eben am anderen Ende der Welt aufbauen. Aber wenn sie erst einmal dort sind, dann sind sie umso schwerer zurückzuholen.
Ingenieure wachsen nicht auf Bäumen, auch nicht in Indien oder China.
Ach, ich dachte die wachsen auf Bäumen. Danke für die Aufklärung!
Kann es nicht vielleicht sein, dass man die abwerben kann?
Die Wohnortverlagerung ist doch nur ein geringes Problem.
Ich meinte eigentlich, warum soll ein Inder oder ein Chinese noch für ein westliches Unternehmen arbeiten, wenn es einheimische Unternehmen gibt. Ich sah also nicht den Wohnort als Problem an
Natürlich kann Ingenieure abwerben. Wollen Sie so hohe Fluktuationsraten wie in China und in Indien? Das wird witzig, wenn ständig die Ansprechpartner wechseln.
Die Frage der Loyalität stellt sich für Sie nicht? Sie erhalten Söldner, solange sie bei Ihnen Wissen erhalten können. Wenn der Wissenzuwachs begrenzt ist, gehen sie. Wenn Sie ihr Unternehmen verlassen, verlieren sie ihren Rechner, ihren Ausweis und diverse Nichtigkeiten. Nicht aber das Know-How Ihres Unternehmens, jedenfalls nicht, solange Sie Gehirne nicht formatieren können.
Wo bitte soll der Ausschlussgrund für ein westliches Unternehmen liegen?
Das ist dem Arbeitnehmer doch vollkommen egal.
Zumal er ja wahrscheinlich nicht der einzige ausländische Arbeitnehmer sein wird.
8.) Für die meisten Studenten führt gar kein Weg am Studium vorbei. Was wäre denn die Alternative?
9.) Die meisten aus der sozial schwachen Schicht schaffen es noch nichtmal ans Gymnasium. Sie werden nach der Grundschule (oft unabhängig von ihren schulischen Leistungen) aussortiert. Der dünne Rest muss nach dem Gymnasium dringend Geld verdienen oder kann sich das Studium sowieso nicht leisten.
Zu 8.) Würde sich für die meisten Studenten nicht sogar dringend ein anderer Weg anbieten?
Viele sind doch gar nicht studierfähig. Ein Freund von mir jammert jeden Tag über die grottenschlechten Klausuren, die er korrigieren muss. Und leider geht man seitens der Professorenschaft dazu über, dass Niveau zu senken. Argument: Die Durchfallquoten werden sonst zu hoch.
zum Thema “kohorte” : Die Schülerzahlen gehen ja eher zurück.
Ich stimme Dagny zu, dass das jetzige System suboptimal ist. Die Unis sollten di Gebühren selber festlegen, d.h. es kann auch welche ohne Gebühren geben, andere jedoch mit höheren, auch nach Fächern differenziert.
kurze Anmerkung: In NRW ist es so, dass Bafög-Empfänger von Studiengebühren befreit sind. Daher kann es sich sowohl die “Unterschicht” als auch die “Oberschicht” leisten ein Studium aufzunehmen.
Stimmt nicht ganz. Die Gebühren kann man erstmal als Darlehen von der NRW-Bank zahlen lassen. Die Gesamtschulden aus Darlehen und BAFöG werden bei maximal 10.000 Euro gedeckelt. Einige BAFöG-Empfänger zahlen tatsächlich unter dem Strich keine Gebühren.
Aber es gibt eine Menge Studis, die trotz Bedürftigkeit kein BAFöG bekommen (zu alt, kein dt. Pass, …), oder nur geringe Sätze (die Sätze wurden dabei etwa 5 Jahre nicht angepasst).
Nicht umsonst gehen knapp 2 Drittel aller Studis nebenher arbeiten (siehe DSW-Studie).
8) Alternativen zum Studium
Berufsausbildung
Berufliche Praxis
Fortbildung
Fortbildung kann während der Praxis erfolgen, etwa in Form von Wochenend und Abendkursen.
Neben den Industrie und Handwerkskammern bieten die Innungen, Volkshochschulen und diverse Institute recht gute Bildungsangebote an die zu einer, per Prüfung anerkannten, Qualifikation führen.
Hat Vorteile, wie eine schnellere Karriere.
Hat aber auch Nachteile, wie den das man alles selber zahlen muß oder den das man seine Freizeit vergessen kann.
Wer natürlich als Mitglied der bildungsferne Schicht rechtzeitig aussortiert wurde hat gar keine andere Möglichkeit…
Sie wissen, daß heute über weitere deutsche Elite-Universitäten entschieden wird. Universitäten, die sich am Beispiel der führenden amerikanischen Elite-Universitäten orientieren, aber nicht annähernd an sie heranreichen.
Das Studium an diesen amerikanischen Universitäten ist finanziell kostspielig. Führt das nicht dazu, daß eher die Studenten akzeptiert werden, die zwar finanziell, aber nicht intellektuell die Hürden des Studiums an den Elite-Universitäten meistern?
Oder anders gefragt, studieren an den amerikanischen Elite-Universitäten auch die Studenten, die nach ihren Prüfungsleistungen vor der Universität zu den Besten zu rechnen sind. Reicht zum Beispiel die höchste überhaupt erreichbare Punktzahl aus, um von den Elite-Universitäten eine Zusage zu erhalten?
Als Trostpreis winkt ein weiteres Argument, daß man gegen Al Gore verwenden kann. Das sollte Ansporn genug sein, eine Antwort auf diese Frage zu finden.
Dieser ganze Eliteuni-Quatsch nervt doch nur noch. Als ob der Staat mit ein paar Födermitteln erreichen könnte, dass eine Uni zur Eliteuni wird. Zur Elite durch Verwaltungsakt.
Vor allem was bitte soll das für eine Elite sein? Oder will man lieber eine Uni für die Oberschicht, auf der man sich gemeinsam in Clubs zurückziehen kann und sich gegenseitig toll findet?
Will man eine Leistungselite? Dann hätte man das über die ZVS machen können, über den Verteilungsschlüssel.
Ich wage mal zu behaupten, dass das Internet auch noch bei dieser absurden Eliteuni-Diskussion für Überraschungen sorgen wird.
Wenn man wirklich an einer Anhebung des Leistungsniveaus interessiert gewesen wäre, hätte man die Anonymität der Arbeiten nicht immer weiter ausgehöhlt.