Lokführer
Na ja, ich bin ja nicht unbedingt ein Anhänger der Gewerkschaften und ich steh mit meinen politischen Ansichten halt schon rechts von den Sozialdemokraten.
Aber die Löhne der Lokführer in Deutschland sind doch einfach hundsmies. Da verdient also so ein Mann, dessen Job wohl ebenso verantwortungsvoll ist, wie jener eines Jetpiloten, unterdurchschnittliche 3.590 Franken (die haben das halt im Schweizer Fernsehen so umgerechnet). Das entspricht in der Schweiz dem Einkommen einer dieser Frauen an der Kasse bei der Migros (Grossverteiler).
Ein Lokführer in der Schweiz verdient für seinen Job 7.660 Franken. Nun versteht man, weshalb a) die Lokführer in Deutschland mehr Lohn möchten und b) sehr viele von ihnen zu den Schweizerischen Bundesbahnen wechseln wollen.
Wie soll eigentlich jemand mit einem Einkommen von 3.590 Franken eine Familie durchbringen oder sich darüber hinaus mal was leisten können? Ich halte die 31% Plus im Endergebnis für keine Übertreibung, ausser die 31% selbst.







Nun M.M., der deutsche Lokführer muß mit seinem Einkommen ja nicht in der Schweiz leben. Bei euren Wahnsinnspreisen für dies und das bin ich nicht sicher, ob bei näherer Untersuchung der Kaufkraftparität der Einkommensvorsprung des Schweizers wirklich so groß ist. Daß die Bezahlung der deutschen Lokführer ein Witz ist, steht auf einem anderen Blatt.
Ich hab geahnt, dass diese Feststellung kommen wird. Das wurde im Bericht auch angesprochen. Die Preisdifferenz ist zwar vorhanden, aber sie ist, beispielsweise bei den Mieten in Ballungsräumen, längst nicht mehr so gross. Der Schweizer fährt unter dem Strich einiges besser.
Die reale pro-Kopf Kaufkraft der Schweizer ist um ca. 23% höher als die der Deutschen.
Quelle: http://www.mb-research.de/content/view/38/2/
Ich erlaube mir zu widersprechen.
Entgegen romantischer Vorstellungen à la “Lukas der Lokomotivführer” ist ein moderner Lokführer eine nur sehr mäßig spannende Tätigkeit und nun wirklich in keiner Weise mit einem Piloten vergleichbar.
Nur mal zur Erinnerung: Der kann nur geradeaus fahren, rechts oder links wird im Stellwerk entschieden, ansonsten wird das Fahren von den Signalen und anderen Automatiken überwacht, die im Zweifelsfall den Zug zum Stillstand bringen.
Jeder Brummi-Fahrer hat da mehr Verantwortung – und deren Bezahlung ist schlechter.
Und wenn die GdL noch weiter den großen Max markiert, weil der scheidende Vorsitzende nach Jahrzehnten unwichtiger und erfolgloser Lebenstätigkeit noch einmal ordentlich auf die Pauke hauen möchte, bevor er in Rente geht – dann wird man bei der Bahn schnell feststellen, daß die komplette Automatisierung dieses Berufs möglich und sinnvoll ist.
Das gilt insbesondere für die Hochgeschwindigkeitszüge: Da ist der Lokführer längst nur Staffage, bis ein Hindernis in Sichtweite kommt, ist es zum Bremsen ohnehin zu spät. Nachts ist “Lokführen” ohnehin nur Blindflug.
Zustimmung. Allerdings kann ich ihre Forderungen schon nachvollziehen. Von dem bisschen Geld möchte ich auch nicht leben müssen, also warum sollten sie dann ihre jetzt vorhandene Macht nicht ausnutzen?
Die Automatisierung kommt so oder so.
> Allerdings kann ich ihre Forderungen schon
> nachvollziehen.
Nachvollziehen kann ich die auch.
Ich würde auch 31% Steigerung nehmen.
> Von dem bisschen Geld möchte ich auch
> nicht leben müssen, …
So “bißchen” ist das für diese Ausbildung nicht. Es gibt viele Familien, die leben von so einem Einkommen oder weniger.
> also warum sollten sie dann ihre jetzt
> vorhandene Macht nicht ausnutzen?
Weil hier ein abtretender Alt-Funktionäre den Bogen überspannt, um sich ein Denkmal zu setzen.
Der haut jetzt richtig rein, und danach geht er in Rente.
Und dabei zerschlägt er so viel Porzellan, daß die Lokführer mittelfristig große Probleme bekommen können.
Es ist weder sicher, daß der Gesetzgeber das Streikprivileg weiter so großzügig jeder Kleingruppe überläßt, wenn das zunehmend ausgenutzt wird.
Und die Automatisierung wird im Zweifelsfall wesentlich schneller und umfassender kommen, wenn man sich so aufführt.
Nur kurz zu diesem andauernd gelesenen Argument des “verantwortungsvollen” Jobs. Sicherlich tragen sie schlussendlich viel Verantwortung für das Wohl der Fahrgäste. Nichtsdestotrotz sollte man mal bedenken, wieviel Technik heute in den Zügen steckt und wiewenig menschliches Können.
Der Mensch wird eigentlich nur noch relevant, wenn er versagt – Signale übersieht z.B.
Außerdem muss man sich mal von dieser ganzen Verantwortungsdiskussion lösen. Wir bezahlen in diesem Land gott sei Dank nicht allein nach “Verantwortung”. Dann kommen als nächstes (berechtigterweise) die Not-Schicht im Krankenhaus-OP oder die Müllarbeiter – Stichwort Druckmittel. Wir bezahlen hauptsächlich nach Bildung. Und wenn die DB ernsthaft großflächige Anzeigen schaltet, in denen ein Hauptschulabschluss (!) als Voraussetzung für eine Ausbildung genannt wird..
Da verschlägt es mir nicht nur die Sprache, sondern die Bezahlung erscheint angesichts des Bildungsniveaus durchaus in einem angemessenen Licht.
ansonsten wird das Fahren von den Signalen und anderen Automatiken überwacht, die im Zweifelsfall den Zug zum Stillstand bringen.
1. Außer bei Langsamfahrstrecken
2. Setzt voraus, daß die Überwachung immer funktioniert. Eines Morgens war das in der Weddeler Schleife nicht der Fall. So von 04.00 bis 11.00. War ein feuchtfröhliches Durcheinander. Neualtmetall ist halt richtig Geld wert und es war niemand da, der das Betriebsvermögen bewachte. Doch, eine wirksame Fernüberwachung.
3. Die Automatisierung ist weit vorangeschritten. Die Pünktlichkeit ist es nicht.
Manche sind ja der Meinung, Lokführer kann man ohnehin bald durch die Automatisierung ersetzen. Ähnlich wie man bei vielen Bahnhöfen das Aufsichtspersonal durch Fernüberwachung ersetzt hat. Das hat Nachteile, die man erst dann merkt, wenn man die Automatisierung abgeschlossen hat.
> Das hat Nachteile, die man erst dann
> merkt, wenn man die Automatisierung
> abgeschlossen hat.
Selbstverständlich hat so eine Automatisierung auch Nachteile.
Ist halt immer ein Abwägungsprozeß, welche Nachteile man wegen welcher Vorteile in Kauf nimmt.
Und da ist es natürlich maximal doof von der GdL, die Abwägungskriterien so massiv in Richtung eigene Abschaffung zu verschieben.
Das setzt voraus, das man während des Abwägungsprozesses die Nachteile erkennt und nicht von den Nachteilen überrascht wird.
@R.A. Haben Sie eine Ahnung was so ein Schweizer Lokführer für einen schwierigen Job hat. Zum Beispiel sind in der Schweiz die Signale immer auf Grün. Zu was das führt, kann man hier nachlesen. Und das ist kein Scherz: Nein, die sind nicht bekifft
> Haben Sie eine Ahnung was so ein
> Schweizer Lokführer für einen schwierigen
> Job hat.
Nein – ich rede nur von Deutschland.
> Zum Beispiel sind in der Schweiz die
> Signale immer auf Grün.
Ein Signal, das immer auf Grün steht, ist überflüssig.
Das ist die Krux bei einem voll durchorganisierten Bahnbetrieb: Entweder ist die Technik überflüssig oder das Personal.
Die Schweiz will offenbar in die erste Richtung, die GdL in die zweite.
Ist das der Netto- oder Bruttobetrag? Falls netto, so hält sich mein Mitleid sehr in Grenzen.
So wie ich das sehe, ist das brutto. Der Schweizer zahlt etwa 25% Steuern.
Hier kann man die Gehälter nachlesen Monatsgeldtabelle Aber ich gestehe, das ist nun wirklich nicht mein Fachgebiet. Ich erinnere mich an einen früheren Bericht, wonach so ein Lokführer 1.500 Euro netto im Monat verdient. Macht das Spass?
Nö. Aber mancher mir bekannte Rechtsanwalt verdient auch nicht mehr. Und hat dabei keine tarifliche Arbeitszeit. Oder Kündigungsschutz. Oder …
Ich wolle es gerade schreiben.
Noch schlimmer sieht es bei den Architekten aus.
Neulich habe ich eine Zahnärztin kennen gelernt. Eine ganz sympathische Frau, hatte auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur gemacht und dann Zahnmedizin studiert.
Sie sagte, sie hätte mit einer 48 Stunden-Woche 1300 Euro netto im Monat. Das sei weniger als eine Verkäuferin im Aldi bekomme. Der Grund dafür sei übrigens, dass ihr Arbeitgeber keine Hälfte zur Altersversorgung leiste.
Ich habe nichts mehr geantwortet, aber das alleine kann bei einem solchen Nettobetrag wohl nicht der Grund sein.
Die Situation der Akademiker ist schlechthin eine Katastrophe.
Auf dem Niveau gibt es über Details doch gar nichts mehr zu diskutieren.
Hört sich schlimm an. Trotzdem muß die Frage erlaubt sein, warum es einem Akademiker besser gehen sollte, als einem Nichtakademiker. Ein bekannter Personalberater erklärte mir letztens, daß viele Akademiker einfach unqualifiziert sind, und daß zwar andauernd über Quantität, aber kaum über Qualität der Ausbildung geredet wird.
Das sind meiner Meinung nach strukturelle Probleme.
1. Es gibt viel zu wenig Juristen in den Unternehmen, dafür aber viel zu viele Kaufleute.
Ich kann leider nicht näher darauf eingehen. Es gibt aber bekannte Unternehmen, die sind mit Vermögensbetreuung beauftragt und sind nicht einmal in der Lage ihre Akten chronologisch zu führen.
nicht zugeordnet werden, Fristen sind unbekannt. Schriftverkehr zu einem Fall findet sich dann zufällig in einer ganz anderen Akte. Sachbearbeiter wechseln häufig und verlieren den Überblick über die Aktenlage.
Eine totale Katastrophe. Den Unternehmensführern ist der Wert eines Juristen einfach noch nicht klar geworden.
Viele Rechtsanwälte haben von der Situation in den Unternehmen kaum eine Ahnung, weil sonst nämlich viel mehr geklagt werden würde.
Das wird sich mit der Zeit aber noch ändern, ganz sicher.
Ich habe jedenfalls keinen Respekt mehr vor großen Namen. Ganz im Gegenteil.
2. Es gibt in einigen Branchen einfach zu viele Leute. Architekten und Juristen gehören dazu. Mit steigender Anzahl sinkt nun einmal das Lohnniveau.
Jetzt wurde sogar schon ein Jura-Professor wegen des Verkaufs von Doktortiteln angeklagt. In Oldenburg läuft gerade ein Verfahren gegen einen Richter vom OLG, wegen des Verkaufs eines Urteils.
Dabei sind gerade die beamteten Juristen in der besseren Position.
3. Die Akademiker sind zu blöde Gewerkschaften zu bilden. Gerade aber sie könnten mit Gewerkschaften viel erreichen. Der Standesdünkel hindert sie aus unerfindlichen Gründen daran. Dabei hätten es gerade die angstellten Juristen nötig eine Gewerkschaft zu haben.
Dazu ist man sich aber zu fein. Gewerkschaft riecht wohl nach sozialem Abstieg und den kann man sich nicht eingestehen.
Für viele Akademiker bricht angesichts der Arbeitsmarktlage eine Welt zusammen.
Da soll eigentlich stehen, dass Schriftverkehr nicht zugeordnet werden kann.
@Markus Oliver,
müssen wir jetzt sammeln für die armen bedauernswerten Akademiker? ;-)
Interessant, wie man von Lokführern zu “jammernden” Akademikern kommt. ;-)
Nein, sammeln nicht. Aber die Lokführer jammern ihrerseits auf hohem Niveau. 1500€ netto (wenn die Zahl stimmt) sind im Vergleich zu anderen Tätigkeiten, die deutlich längere Arbeitszeiten und durchaus auch mehr Streß wegen Verantwortung mit sich bringen, einfach nicht so wenig, wie manchmal getan wird.
Wer zB als Anwalt dutzende Verfahren gleichzeitig zu betreuen hat, auf Grundlage unsicherer Fakten- und Rechtslage, der sitzt locker 60-70 Stunden im Büro, hat permanent den Gedanken im Hinterkopf: Was übersehe ich gerade? Welches aktuelle Urteil kenne ich noch nicht, das ich aber kennen müßte? Welche Fristen laufen heute ab? Hat der Mandant die nötigen Infos geliefert? Warum ist der wieder nicht erreichbar? ….. Vor allem läßt man das auch nicht hinter sich, wenn man gegen 20 oder 21 Uhr nach Hause geht; da schreckt man schon mal morgens um drei hoch, weil einem noch was eingefallen ist, was eigentlich gestern schon hätte … Meine Frau (Anwältin) ist phasenweise absolut ungenießbar deswegen – und die hat mir neulich vorgerechnet, daß sie auf den Nettostundenlohn einer tariflich bezahlten Friseurin kommt.
Nein, jemand der 40 Stunden arbeitet, bei Dienstschluß auch wirklich frei hat, dem nicht ständig die Haftung im Nacken sitzt, weil er irgendeine Kleinigkeit übersehen hat – mit dem habe ich wenig Mitleid, wenn er “nur” 1500 netto bekommt.
PS: Ja sicher, Angebot und Nachfrage – zuviele Absolventen, niedrige Gehälter. Schon klar – halt den falschen Beruf gewählt, Pech gehabt. Aber die ganze Lokführerdebatte dreht sich ja auch um “gefühlte” Gerechtigkeit, also die subjektive “Angemessenheit” des Verhältnisses von Arbeitsbelastung und Vergütung. Und da hätten nun mal andere mehr zu jammern. (Wenn sie jammern wollten. Und Zeit dafür hätten.)
@medea
Darf ich eine seriöse Brücke schlagen vom unterbezahlten Lokführer zum unterbezahlten Akademiker?
Haben wir nicht eine Akademikerschwemme? Und drückt nicht der Markt die Preise, indem er billige Praktikanten aus ihnen macht? Das ist ungerecht.
Ist das nicht ebenso faul wie bei den Lokführern, die von Mehdorn monopolistischerweise erpresst werden wollen, weil sie überhaupt keinen Marktwert haben? Das ist ungerecht.
(Ansonsten gilt: Jeder ist sich selbst der Nächste.)
Also wenn die Vergütung für Arbeitsleistung an die Verantwortung (bzw. den “Schwierigkeitsgrad”) dieser Arbeitsleistung gekoppelt wäre (was natürlich auf einem Markt nicht der Fall ist), dann sähe das entsprechende Lohngefälle m.E. so aus:
Piloten – Busfahrer – Lokführer
Warum?
Ich gehe mal davon aus, dass der Schwierigkeitsgrad jeder Fahrzeugsteuerungstätigkeit mit den physikalischen Dimensionen zunimmt: Ein Pilot muss in 3 Dimensionen steuern, ein Busfahrer in 2 Dimensionen und ein Lokführer muss nur Gas geben und bremsen
Ich kann die Meinung von R.A. nur unterstützen: Eigentlich müsste ein Busfahrer mehr verdienen als ein Lokführer.
…und ob die Löhne der Lokführer zu hoch oder zu niedrig sind, ist eine Frage; wenn allerdings 30% mehr Lohn bei weniger Arbeitszeit verlangt wird, ist eine gewisse Realitätsferne allerdings nicht mehr abzustreiten.
Jeder (nicht in einer Monopolgewerkschaft organisierte) Arbeitnehmer, egal ob in Deutschland oder in der Schweiz, der seinem Chef so einen Vorschlag unterbreitet, wird doch ausgelacht, und das zurecht…
Wisst ihr was – ihr verdient doch alle viel zu wenig ;-). Zum Glück ist derzeit der EURO so hoch bewertet, jetzt kann man in der Schweiz billig einkaufen und auch Ferien machen.
Das soll ein ziemliches Gedränge geben, in diesem Winter auf der Skipiste. Ob da dann allerdings auch Lokführer darunter sind – es wäre ihnen zu gönnen.
Aber wenn ich es mir jetzt so mal überschlagsmässig durch den Kopf gehen lasse – ich glaube, ich verdiene auch nicht genug. Muss mal mit mir selbst reden ;-))
Mache es doch wie Mehdorn und die anderen Vorstände der Deutschen Bahn AG: Erhöhe Dir einfach Deine Bezüge um 300%.
hm, ich lese ja in der regel nur interessiert mit und kommentiere nicht, aber diese entlohnungstheorien hier erfordern einfach eine einmischung. ;)
die vergütung für eine arbeitsleistung erfolgt weder nach bildungsgrad, noch verantwortung oder im verhältnis zu anderen berufsgruppen, sondern danach was diese leistung dem leistungsempfänger wert ist. allerdings beschreibt dies nur die obergrenze einer vergütung. die untergrenze wird von der wertvorstellung des leistungserbringers determiniert und hier spielen mit sicherheit bildungsgrad, verantwortung und verhältnis zu anderen berufsgruppen eine rolle. aber nur dort.
herzlichen gruß
puster
Was dem Nachfrager die Leistung “wert” ist, hängt aber seinerseits davon ab, welche Verhandlungsmacht der Anbieter hat. Hat er keine, tendiert der “Wert” gegen Null, unabhängig davon, was der Nachfrager seinerseits mit der Leistung erwirtschaftet.
Kurz: die Vergütung richtet sich nach dem Erpressungspotential.
Und c) weshalb die SBB bis vor Kurzem in den roten Zahlen war… ;-)
Mein Gott, diese Jammerdiskussion geht mir auf’n Sack. Die GDL-Terroristen sollten für ihren Streik allesamt rausgeworfen werden. Was soll das eigentlich, dass die einfach Bahnfahrer wie mich in Geiselhaft nehmen, weil ihnen ein de facto staatsmonopolistisches Unternehmen nicht das Geld zahlt, dass sie gerne bekommen würden?
Und mit “unterbezahlten” Akademikern habe ich noch weniger Mitleid. Es gibt meines Erachtens noch viel zu wenig arbeitslose bzw. schlecht bezahlte Soziologen, Politologen, Historiker, Philosophen usw. Im Präkariat ist noch Platz für akademische Sozialisten. :-)
Das mit der Anzeigenkampagne ist wirklich ein interessanter Schachzug. Weiß jemand, wie das zu interpretieren ist?
Ich kann das nur als Schachzum im derzeitigen Tarifkonflikt mit den Lokführern an sinnvoll erordnen. Warum sonst wirbt die Deutsche Bahn um gute Hauptschulabsolventen in der FAZ? Ihre Zielgruppe wird sie dort kaum finden. Vielmehr scheint mir, die Bahn wolle um Unterstützung für ihre Position der geringen Lokführerlohne damit werben, dass sie in aller Öffenltichkeit unterstreicht, wie vergleichweise wenig qualifiziert ihre Arbeitnehmer (guter Hauptschulabschluss reicht) sind. Irgendwie zynisch.
Nun, man könnte ja aus der 3 jährigen Lehre zum Triebwagenführer ein Studium zum Bachelor of Traindriving machen.
6 Semester, nur Abiturienten.
Dann wäre auch ein höheres Gehalt angemessen, oder ?
Das Studium erfolgt dann natürlich auf Staatskosten auf eine Universität, was per se eine bessere Qualifikation als eine nur dreijährige Ausbildung im dualen System garantiert.
Natürlich müssten sich die Universitäten noch ein paar Triebwagen zulegen, aber in Zuge der Qualitätsoffensive der deutschen Hochschulen sollte das ja kein Problem sein.
Angesichts der eh schon hohen Studienzahlen in technischen Fächern dürfte das Studium zum Bachelor of Traindriving der Renner werden.
Vor allem der berufliche Alltag dürfte die jungen Akademiker erfreuen.
Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst. Jeden Tag in einem anderen Bahnhof im Bereitschaftsraum übernachten, die Freundin / Frau nur alle 5 Tage sehen, unbezahlte Wartezeiten…
Da kann man das Leben in vollen Zügen genießen…
Leider hat ja inzwischen in Deutschland der Neoliberalismus um sich gegriffen, und man wird nicht mehr nach Bildung bezahlt, sondern nach Angebot und Nachfrage.
Wer eine Drecksarbeit macht kann erstaunlich viel Geld dafür verlangen, solange sich kein anderer findet der’s billiger macht.
Da aber der Neoliberalismus in Deutschland ja auf den Rückzug ist, besteht ja die Hoffnung das bald wieder standesgemäß bezahlt wird, und ein studierter Germanist mehr verdient (oder mehr Hartz Iv bekommt) als ein Lokführer der nur Hauptschulabschluß hat.
Gibt es einen Link, über den ich mich über die konkreten Arbeitsbedingungen der Lokführer informieren kann? Und darüber, für welchen Teil der GDL-Mitglieder die angedeuteten Bedingungen gelten? Bei ICE-Piloten, die quer durch Deutschland und ggf angrenzendes Ausland chauffieren, kann ich mir das ja vorstellen. Beim örtlichen S-Bahn- oder Rangierlokführer eher nicht. Die dürften die Mehrheit ausmachen.
Außerdem nützlich wären Informationen über die Vergütungsstruktur. Sind die oben mal erwähnten 1500 netto das Grundgehalt, und wenn ja, wie sieht es mit (ggf steuerfreien) Zuschlägen für die genannten Erschwernisse (Nachtarbeit, Bereitschaftsdienste) aus? Bei Quasi-Behörden neige ich dazu, anzunehmen, daß sowas extra vergütet wird.
@Alrik
“Nun, man könnte ja aus der 3 jährigen Lehre zum Triebwagenführer ein Studium zum Bachelor of Traindriving machen.”
*lach* Bei der “Qualitätsoffensive” der Hochschulen würde mich nichts mehr wundern.
Ich habe nun wirklich sehr begrenztes Mitleid mit den Lokführern. Erstens werden sie nicht gezwungen, zweitens ist die Informationslage vor der Berufswahl gut. Die wissen, wieviel sie verdienen werden. Sollte es nicht ausreichend erscheinen, kann man sich ja durchaus für etwas anderes entscheiden.
Ich pendel jeden Tag von Düsseldorf nach Frankfurt (ok, manche werden sagen, daß ich daran selber schuld bin, warum ziehe ich nicht nach FFM?) und zahle der Bahn dafür 3.400Euro im Jahr. Mit mir im Zug sitzen mehrere Dutzend andere Pendler, für die ein verläßliches Bahnsystem zwingend notwendig ist. Eine solche Show, in diesem Ausmaß und in dieser Länge, habe ich selten erlebt. Das geht ja nicht erst seit vergangener Woche so.
Die barsche Zurückweisung des neuen Angebots der Bahn und der direkte Verzicht auf Verhandlungen werfen nicht gerade ein positives Bild auf Schell und seine Schreihälse.
Heute früh saßen die GdLer mit ihren Leibchen in Frankfurt unten in der B-Ebene und tranken in aller Gemütsruhe Kaffee. Ich musste schon die Faust in der Tasche ballen.
Piloten spielen preislich natürlich in einer anderen Liga. Jeder, der sich mit dem Auswahlverfahren und den geforderten Qualifikationen/Talenten auseinandersetzt, wird feststellen, daß nicht jeder Kunz zum Piloten taugt. Das macht das Angebot auf natürliche Weise etwas knapper.
Selbst Maschinenführer bspw. in der Stahlindustrie haben ein höheres Qualitfikationsniveau, da diverse Parameter feinzusteuern sind und das Ergebnis eines Prozesses von vielen, winzigen Einstellungen und Erfahrungswerten abhängt. Lokfahren ist Hebel hoch, Hebel runter, Sicherheitsknopf drücken, Ende. Das kann auch ein Computer.
@Marius
“Ich habe nun wirklich sehr begrenztes Mitleid mit den Lokführern.”
Wie ich mal las, wurden in Japan Lokführer verhauen, weil sie nicht fahren wollten. Wäre das eine Option für dich? ;-)
In jedem Fall würde es den Lokführern helfen zu überdenken, ob sie sich nicht doch mal bald einigen wollen.
@Alrik:
> Leider hat ja inzwischen in Deutschland
> der Neoliberalismus um sich gegriffen
Wie? Wo?
In welchem Paralleluniversum sollte das sein?
Im hiesigen realen Deutschland ist von Liberalisierung leider weiterhin nichts zu sehen.
@R.A.
nun, wenn die Lokführer für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen streiken ( was ihnen als Nichtakademiker eigentlich gar nicht zusteht ) statt für wirklich wichtige Dinge wie “Weltfrieden” “globale Erwärmung” “Fairen Handel mit DritteWeltAusländerInnen” oder so zu streiken ist das wohl ein deutliches Anzeichen für ihre neoliberale Einstellung. ;-)
Gerechtigkeiten…
Ich will hier keine Debatte beginnen darüber, ob und inwiefern die Gehälter der Lokführer zu niedrig, angemessen oder zu hoch sind. Das könnte den Rahmen eines kleinen Blogs sprengen. Allerdings will ich auf eine andere Sache hinwei…
Hallo!
Wenn der Beruf des Lokführer so einfach ist.
Dann kann es ja jeder von euch machen.
Ein paar Knöpfe drücken können auch Babys.
Auch Bus fahren kann doch jeder .
Es sind ja bloß ein paar Leute drin.
Ihr seid sehr von euch eingenohmen.
Ein Lokführer hat Wechseldienst. (Nacht / Wochenende / Feiertage)
Sehr unterschiedliche Arbeitszeiten.
Sein Beruf ist mit vielen Risken (zB:Selbmörder) verbunden.
Jeder Beruf hat seine Wichtigkeit.
Denkt mal darüber nach.
Der beruf des Selbstmörders ist mit Risken verbunden, ich bin dann doch was anderes geworden, obwohl mir der hier diskutierte Beruf als kindtypischer Berufswunsch nahegelegt worden ist.
Ich selbst habe grossen Respekt vor, äh, Lokführern. Alleine schon die Verantwortung. Wie sagte doch Rambo: In Vietnam war ich für Ausrüstung im Wert von vielen hundert tausend Dollar verantwortlich, hier, zu Hause, spucken mir die Hippies ins Essen.
Bist Du Eisenbahner-Witwe, die immer noch auf Genugtuung wartet? Der Streik ist vorbei, sie kriegen ihr Geld, und ihr Beruf war noch nie schlecht angesehen; auch hier nicht wirklich.
Na gut, es gab schon spendablere Zeiten bei der Bahn; ich weiss zum Beispiel vom Fall einer Lokführerwitwe, die nach frühem Tod des Gatten (genau: wegen eines dieser lebensmüden Sich-unbedacht-vor-Züge-Werfenden) auf Lebenszeit freie Fahrt durch Deutschland hatte; dieses zu den Beamtenvergünstigungen zählende DB-Angebot ist leider ausgelaufen…