Der Herr fährt zur Kur
Es sind Nebensächlichkeiten, welche zum Fall führen. Erinnern Sie sich noch an den Herrn Schneider, Immobilienhändler? Nicht? Aber wenn ich sage: Peanuts, dann klingelt’s.
Und dann der Herr Ackermann (übrigens einer der besten Banker Deutschlands) mit seinem V-Zeichen - der totale Kommunikationsgau.
Kaum zu glauben, jetzt toppt der Chef der Lokomotivführer-Gewerkschaft diese Flops: Der Herr fährt zur Kur. Mitten im Arbeitskampf. Weil er sich halt auch mal erholen möchte/muss. Damit ist der Streik im Eimer.
Liebe Lokiführer (schweizerisch), macht euch wieder an die Arbeit. Die Sache ist verloren.













Mich erinnert das eher an die gute alte Sowjetunion.
Der Herr Generalsekretär ist erkrankt…
Einen kleinen Unterschied gibt es doch:
Ackermann und Kopper sind vertreter des Kapitalismus. Ein “Kommunikationsfehler” wird von den Linken bis zum Exzess durchs Dorf getrieben.
Gibts zum Erholungsurlaub des Herrn Schell schon entsprechende Kommentare ?
Mal ganz abgesehen vom schlechten Timing, auch die Begründung ist ein Skandal:
“Ich habe keine ernsthafte Erkrankung. Aber nach 50 Jahren im Berufsleben, ohne einen Tag gefehlt zu haben, habe ich gedacht: Jetzt ist es auch mal Zeit für eine Kur, quasi zum Abschied aus dem Berufsleben”
Mit anderen Worten: Es gibt keine seriöse Begründung für diese Kur. Sondern der Herr meint, er dürfe sich einfach mal auf Kosten der Beitragszahler und seines Arbeitgebers einen Urlaub gönnen.
Und er hält das für so normal (offenbar bei seinen Kollegen üblich), daß er es ungeniert der Zeitung erzählt.
Man sieht: Es gibt im Gesundheitswesen noch ordentlich Sparpotential, und im Arbeitsrecht noch viel Änderungsbedarf.
Der Herr Gewerkschaftschef will sich noch mal kurz vor der Rente erholen, deswegen geht er in Kur - denn jetzt bezahlt das ja noch der Staat, nicht war?
Das ist in meinen Augen schlicht Schmarotzertum, beweist aber, was diese Lokführer wirklich wollen: einen Beamtenstatus, aber mit Höchstgehalt.
Wenn es wirklich stimmt, dass es die erste Kur in seinem Leben ist und dass die Kur sonst »verfallen« würde, soll man ihn halt fahren lassen. Gesund sah er wirklich nicht aus. Er wird von den drei Wochen im aktuellen Stress wahrscheinlich kaum einen Effekt spüren: erstens ist es zu kurz und zweitens hat er keine Ruhe für eine Kur.
Die Linken dürften in dieser Sache recht differenzierte Meinungen haben und tendenziell eher auf der Seite der offiziellen Transnet-Gewerkschaft stehen. Aber wir wollen ja die Linken nicht verkollektivieren, so wie wir nicht verkollektiviert werden wollen ;-)
> Wenn es wirklich stimmt, dass es die
> erste Kur in seinem Leben ist …
… dann hatte er bisher das Glück, von größeren Gesundheitsproblemen verschont zu bleiben.
Daraus ergibt sich überhaupt kein Anspruch auf irgendetwas - er tritt mit solchen Ideen das Solidarprinzip mit Füßen.
Oder soll ich nächstens mal ein Jahr Steuerfreiheit fordern, weil ich schon so viele Jahre brav bezahlt habe?
> und dass die Kur sonst »verfallen« würde, Das ist doch völlig irrelevant.
Entweder ist eine Kur medizinisch notwendig oder sie ist es nicht.
Im ersten Fall kann sie nicht “verfallen”, im zweiten Fall ist sie Betrug an den Beitragszahlern.
> Gesund sah er wirklich nicht aus.
Das ist selbstverschuldeter Streß, den er durch Rücktritt sofort beenden könnte. Also auch kein Grund, bei der Krankenkasse zu schmarotzen.
Im übrigen geht er in wenigen Monaten in Rente, da hat er dann alle Zeit und Ruhe der Welt.
Ich schrieb ja unten schon, dass ich dieses Zitat aus dem zweiten SPON-Artikel nicht gelesen hatte. Wenn er das so gesagt hat, ist ihm einfach nicht zu helfen. Wenn er nur ein wenig Wellness haben wollte, dann sieht meine Bewertung auch anders aus.
Soweit ich das aus der eigenen Verwandschaft weiß, kann man eine einmal genehmigte Kur wirklich nur in einem bestimmten Zeitrahmen antreten, die Kur kann also scheinbar verfallen. Aber das weiß ich auch nur von Hörensagen.
Ein Jahr Steuerfreiheit wäre trotzdem mal keine schlechte Idee ;-)
[...] Beim Antibürokratieteam ist M.M. der Ansicht, dass durch den Kur-Urlaub von Manfred Schell die Reihen der Lokführer im Streik schwanken …. [...]
Mal abgesehen vom miesen Timing - es ist schon krass, was sich Schell gegenüber der Zeitung zu sagen traut:
“Ich habe keine ernsthafte Erkrankung. Aber nach 50 Jahren im Berufsleben, ohne einen Tag gefehlt zu haben, habe ich gedacht: Jetzt ist es auch mal Zeit für eine Kur, quasi zum Abschied aus dem Berufsleben”
Er gibt also offen zu, daß es keine echte medizinische Begründung dafür gibt, hier Leistungen abzugreifen und blau zu machen.
Er will sich einfach noch einen schönen Extra-Urlaub gönnen - und findet das völlig normal. Scheint bei seinen Kollegen also durchaus üblich zu sein.
Es gibt also offensichtlich noch ein interessantes Sparpotential im deutschen Krankenkassenwesen, und das Arbeitsrecht hat auch noch Änderungsbedarf.
Ich kannte bereits diesen Artikel und hatte nicht auf den Link im Artikel geklickt. Falls die Aussagen wirklich wörtlich so stimmen, kann man nur hoffen, dass Markus’ Annahme richtig ist (ein Streithammel macht Platz für einen sachlicheren Verhandler). Ansonsten ist es wirklich der größte anzunehmende Kommunikationsfehler, vor allem auch gegenüber den eigenen Leuten.
Ich denke die Kur ist nur ein Weg eine Verständigung zu finden, ohne das Gesicht zu verlieren.
Der Vertreter wird es schon richten.
1.) Sorry für den Doppelartikel, der erste ist irgendwo hängengeblieben.
2.) Der Vertreter von Schell soll der eigentliche Hardliner sein, die Gespräche werden bestimmt nicht leichter.
wenn ich das richtig lese, ist die Kur schon dreimal verschoben wurden. So aus Jux und Tollerei werden kaum noch Kuren genehmigt.
@
R.A.
Glauben Sie allen Ernstes, Schell würde zugeben, wenn er ernste Probleme mit der Gesundheit hat. Wo er so stolz darauf ist, nie auch nur einen Tag gefehlt zu haben? Der ist so gestrickt, daß er allen bis zum Schluß erzählt, er ist gesund. Leicht aufbrausende Menschen gefährden vor allem die Gesundheit eines Menschen, die eigene.
Mag sein, daß der Vertreter von Schell der Hardliner ist, aber Schell ist ähnlich wie Mehdorn auch aufbrausend. Wenn zwei solche Hähne aufeinandertreffen, kann man sie nur aus der Schußlinie nehmen.
@Libero:
> wenn ich das richtig lese, ist die Kur
> schon dreimal verschoben wurden.
Was eher dafür spricht, daß sie medizinisch nicht sehr dringend ist.
> So aus Jux und Tollerei werden kaum
> noch Kuren genehmigt.
Wir reden hier über das spezielle Versicherungswerk der Bahn.
Da sind die Maßstäbe vielleicht noch etwas großzügiger - insbesondere bei Privilegierten.
> Glauben Sie allen Ernstes, Schell würde
> zugeben, wenn er ernste Probleme mit
> der Gesundheit hat.
Wenn er öffentlich lügt, ist das auch sein Problem.
Ach komm schon: Der Arzt hält es für notwendig, die Kasse auch, da gibt es doch schon gar nichts mehr zu zanken.
> Der Arzt hält es für notwendig, …
Für eine Kur findet man immer einen netten Arzt, der sie für nötig hält. Der muß sie ja nicht zahlen.
> die Kasse auch
Das ist halt keine normale Krankenkasse, sondern eine vom Steuerzahler subventionierte Sondereinrichtung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Krankenversorgung_der_Bundesbahnbeamten
Ja, Hilfe! Wie kann man sich nur solange und so kleinlich dabei aufhalten, ob und wann und zu welchen Bedingungen dem Mann diese Kur zusteht oder nicht.
Entscheidend ist, was sein Vertreter in dessen Abwesenheit im Tarifstreit für die GDL und die Kundschaft herausholt. Darauf bin ich gespannt.
Wenn die ganze Kurgeschichte mal nicht eine Ente ist… Das mit der Einigung war ja auch eine.
Gestern Abend hatte die FAZ die Meldung von der Kur als erste. Etwas später war sie wieder weg. Auch in den folgenden Meldungen kein Hinweis auf die Kur.
Auch bei der Heiligendamm- Geschichte hat die dpa eine Falschmeldung herausgegeben, die sie erst 22 Stunden nach vorliegen der Richtigstellung berichtigt hat. Das war zwei Tage nach Herausgabe der Meldung. Inzwischen hatten alle abgeschrieben und nach weiteren drei Tagen geisterte die Meldung noch immer durch die Kommentare. Soviel zum Thema Qualitätsjournalismus.
Ich habe eher das Gefühl, dieser Streit wird die Bahnkunden noch eine Weile begleiten… Die GDL wollte das Angebot der Bahn sowieso als unzureichend ablehnen und daher nicht in Verhandlungen eintreten. Demnach kann “der Herr” ruhig in die Kur.
Kommunikationsgau triffts gut.
Da sollte wohl jemand aus der Schußlinie gebracht werden und wurde dabei in ein Minenfeld geschoben.
Tarifstreit bei der Bahn: GDL-Chef Schell verschiebt Kur
http://www.spiegel.de/spam/0,1518,512114,00.html
Ha,ha, der ist nicht schlecht. Weil, mir ging schon beim Schreiben meines Kommentars durch den Kopf, dass der Herr Gewerkschaftschef ausgerechnet zu dem Zeitpunkt zur Kur fuhr: Logo, der wollte noch den letzten Zug erwischen.