Tempo 130 auf Autobahnen
Ich fahre ein ziemlich schnelles Auto. Und deshalb ist für uns Schweizer so eine deutsche Autobahn (ich meine nur die nach dem Krieg gebauten Abschnitte) das reinste Vergnügen. Denn was in der Schweiz unter die Kategorie “Raser” fällt, also alles ab Tempo 120 aufwärts, läuft in Deutschland unter “sportliches Fahren”.
Ich bin also von und nach Gummersbach mit dem Auto gefahren. 500 und ein paar zerquetschte Kilometer von und nach Basel. Und was zeigt mein Bordcomputer nach der Tausendkilometerstrecke für eine Durchschnittsgeschwindigkeit? Schlappe 92,5 Km/h.
Die Wirklichkeit auf der deutschen Autobahn ist eine völlig andere als jene in der Fantasie der Schweizer. Wo nicht Tempo 120 oder gar nur Tempo 100(!) (z.B. 6-spuriger Abschnitt bei Köln) angezeigt ist, signalisiert eine Baustelle 60. Zwischendurch fährt man auch mal im Schritttempo, weil da einer weiter vorne auf einen anderen draufgeknallt ist. Und dann steht man und hört Musik.
Statt sieben Stunden hatte ich dann am Sonntag auf dem Rückweg nur noch knapp fünf. Und, ja, zwischendurch reichte es sogar mal für Tempo 180 - für höchstens zehn Kilometer. Dann fuhren wir in der linken Kolonne wieder 110 oder 120, weil einer weiter vorne mit seinem Zuckerwassermotor nicht schneller konnte. Oder weil das kurze Abbremsen eines anderen zu “zäh fliessendem Verkehr” führte.
Also liebe Leute. Das Fahren auf einer deutschen Autobahn (Nachkriegsmodell) ist alles andere als ein Vergnügen. Das ist Hektik pur. Deshalb plädiere ich für Tempo 130. Dann fährt es sich auch in Deutschland dank Tempomat entspannter.









Kulturlos…
Das ist ja eben die Frage, ob man den anderen vorschreiben soll, entspannt zu fahren…
Ich bin Freitag auf einer 670-km-Strecke von Nord nach Süd auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 km/h gekommen, und das war auch gut so, denn ich hatte keine Lust, weitere 90 Minuten auf der Autobahn zu verbringen.
Deinen Beobachtungen kann ich zwar generell zustimmen, es ist aber sehr frustbeseitigend, wenn man nach endlosem Geschleiche z.B. in den Kasseler Bergen endlich mal Vollgas geben kann….
Ich bezweifle aber, dass eine Tempolimit besonders viel zur Entspannung beitragen würde. Die Parameter, die zukünftig die Zustände auf unseren Straßen beschreiben werden, kommen vom enormen Wachstum des Güterverkehrs. Und wenn, wie erlebt, von drei Spuren zwei für Elefantenrennen reserviert sind, drängelt sich der Rest eben auf einer, egal bei welchem Tempolimit.
Der weitaus bessere Weg wäre eine Maut für alle. Wobei die für Lkws gerne verdoppelt werden dürfte…
Einspruch:http://fdog.org/2007/10/27/geistiges-tempolimit-und-demokratischer-sozialismus/
Eben, Herr Messmer, eben. Die Sozialdemokraten versprechen den Autofahrern, die Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen um über 30 km/h zu erhöhen - und alle regen sich auf. Ich verstehe das auch nicht.
Klar, ich will mit 130 km/h durch den Stau
Geschwindigkeitsbegrenzung ist doch unlogisch, bringt ja nichts, da man eh selten schnell fahren kann. 10 km von 500 km mit 180 machen doch auch mal Spass. ;-)
Ausserdem fahren sie besser mit dem Zug, da hat man manchmal mehr Unterhaltung.
Hatte gestern das Vergnügen, im Zug ab Köln ausgerechnet eine ausgesprochen hübsche FDP Funktionärin kennenzulernen und konnte gleich mein neu hinzugewonnenes Wissen über die Liberale Bloggerscene weiterzureichen.
War ausgesprochen amüsant.
Ich fahre zur Zeit etwa alle vier Wochen gut 1400km über Deutschlands Autobahnen und mache jedes Mal die selben Erfahrungen, was das Durchschnittstempo angeht.
Aber für mich ist das eigentlich nur der beste Beweis, dass ein Tempolimit eine gesetzliche Regel wäre, die überflüssig ist und keine praktische Auswirkung hätte, mal abgesehen davon, dass man dann auch darauf noch achten müsste…
Höhere Bußgelder für LKW im Elefantenrennen wären sicher hilfreich. Ist mir neulich erst wieder auf der A7 zwischen Ulm und Würzburg passiert: zwei Spuren, und irgend so ein Witzbold im Tanklaster meint, bei hügeligem Streckenprofil einen anderen LKW überholen zu müssen. Das dauerte dann etwa 10 Minuten und hat einen anderen Irren (ich war’s nicht, ehrlich!) dazu bewegt, beide LKW auf dem Standstreifen zu überholen.
Und das ist es dann auch: Was solche Leute an Genervtheit und Aggression externalisieren, die dann wieder bei anderen Fahrern zu sehr unbedachten Fahrmanövern führen, ist schon enorm. Und gefährlich.
Was ein Tempolimit angeht: WENN man eines einführt, dann dürfte es sicher nicht bei 130 liegen. Man ist mit modernen Autos heutzutage bei 180 so sicher unterwegs wie vor zwanzig Jahren bei 120. Wenn man also ein 180er-Limit einführen will, um exzessive Geschwindigkeiten von 250 und mehr zu verhindern, dann täte mir das zwar leid, aber na gut, als Kompromiß könnte ich damit leben. Aber 130? Da wird man die Anzahl der narkoleptischen Anfälle am Steuer drastisch erhöhen.
Ich bin ja eher der Ansicht, diejenigen die auf der 2. Spur 120 fahren, obwohl neben ihnen zwei Spuren frei sind, standrechtlich zu erschießen.
Wenn das Rechtsfahrgeboten mit drakonischer Härte kontrolliert würde und nicht derjenige bestraft wird, der mal kurz den Sicherheitsabstand unterschreitet, weil irgend so ein Arschloch mal wieder den rückwärtigen Verkehr nicht im Blick hat, sondern die Schlafnase vor ihm, dann ginge es endlich mal wirklich flüssig auf ’schlands Straßen.
Post Scriptum: Ich fahre übrigens keinen BMW, sondern einen Golf II Diesel mit 55 PS. Bis der mal auf 160 oben ist - da ist jeder Ausbremser nur noch lästig.
Kann mich dam nur anschließen, Golf IV mit 55 kW und es ist selbst für mich nervig, wenn vor mir ein moderner Volvo mit 130 den Mazda mit 120 auf der Mittelspur versucht zu überholen…
Autobahn privatisieren und eine Maut einführen, die je nach Verkehrsbelastung angepasst wird. Was meint ihr wie schnell man dann wieder fahren könnte. Und ich als Radfahrer muss den Quatsch dann nur noch in Form von Frachtkosten für die Waren meines täglichen Bedarfs mitfinanzieren. So stelle ich mir eine heile Welt vor.
Man merkt wirklich, dass wir Deutsche sind (sorry Schweizer). Kein anderes Thema hätte so viele Kommentare in so kurzer Zeit provoziert wie dieses. Unsere heiligen Autobahnen sind der letzte Ort wo wir unsere Freiheit mit Zähnen und Klauen verteidigen.
Blödsinn!!! Ich bin unlängst von Passau nach Amsterdam gefahren und konnte auf der A3 praktisch die ganze Zeit 180 mit Tempomat fahren!!!
130 km/h wären OK, aber bitte für ALLE, also auch die 40-Tonner!
Dann hätten wir entspanntes und zügiges Autofahren.
Und im übrigen gibt es noch Landesteile in Deutschland, auf denen man wunderbar einen 148 km/h Schnitt fahren kann.
Die Wirklichkeit sieht eben nur im Süden ein wenig mager aus, hehe.
Anscheinend hast Du noch nie was von Physik gehört. So ein 40-Tonner hat bei 130 eine gigantische kinetische Energie. Unfälle, Baustellen und Pannen sind unvermeidlich.
Das weiß ich. Darum ja auch mein Vorschlag.
In Australien fahren LKW so um die 120 km/h. Die haben damit ganz gute Erfahrungen gemacht.
Jetzt möchte ich Deutschland und Australien nicht vergleichen (keine homogenen Massen), aber gravierende Unfälle nur auf Grund der höheren Geschwindigkeit, sind dort nicht bekannt.
Unfälle passieren eben auch bei 80 km/h.
Ganz abgesehen sind die häufigste Ursache von Verkehrsunfällen nicht Geschwindigkeitsüberschreitungen, sondern Abstandsunterschreitungen.
Die Verkehrsunfallaufnahmesysteme drängen die Polizeibeamten aber dazu überhöhte Geschwindigkeit als Ursache aufzunehmen.
Die meisten Erfassungen sind falsch. Das Datenmaterial ist Müll.
Wie sieht das jetzt nochmal mit dem Verkehrsaufkommen aus?
Die Sache ist aber, dass Unfälle unbedeutend schwerwiegender sind aufgrund der höheren Geschwindigkeit, wie uns die Physik nunmal -selbst für Liberale und Libertäre unzweifelhaft- sagt.
Stimmt. Allerdings ist die Strecke um einen 40 Tonner von Tempo 80 abzubremsen ist -unbedeutend- geringer als ihn von Tempo 120 abzubremsen. Was natürlich heißt, das diverse Unfälle überhaupt nicht passieren und andere -unbedeutend- harmloser ausfallen. Unzweifelhaft.
Stimmt. Man sieht -gerade in der Schweiz- relativ viele davon. Allerdings wäre diese Unfälle unbedeutend schwerwiegender, wenn schneller gefahren würde.
Ist das den so falsch? Wenn geringer Abstand, dann bitte entsprechend verringertes Tempo. Wenn genügend Abstand (d.h. entsprechend niedriges Verkehrsaufkommen) dann ist dieses Tempolimit auch nicht unbedingt nötig.
Nicht nur da.
Um wieviel Uhr war das? 3 Uhr nachts ist man nämlich tendenziell recht schnell unterwegs :)
Naja, da es in Deutschland ja nur noch wenige Orte der Freiheit gibt, muss man halt um die wenigen um so zäher ringen, was ist daran denn falsch?
Allerdings denke ich, dass die Privatisierer hier eine vollständige Privatisierung wirklich unterschätzen, denn dann würde aus Sicherheitsgründen wirklich bald nur noch 120 gefahren :)
Ich betrachte die (ohnehin nur noch auf wenigen Streckenabschnitten gültige) Geschwindigkeitsfreigabe auf den deutschen Autobahnen als eine Art Nucleus der in Deutschland vom Aussterben bedrohten bürgerlichen Freiheiten. Ich habe auch den Eindruck, dass der einzige Grund für den Ruf nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung ein tief sitzendes Misstrauen gegen das Prinzip der Eigenverantwortung ist. Wirklich rationale oder sachliche Argumente fehlen ja weitestgehend - es darf einfach nicht sein, dass dieser Bereich nicht staatlich reguliert wird.
Grundsätzlich stimme ich aber SteffenH zu: Nach einer Privatisierung würde sich die ganze Diskussion erübrigen - Angebot und Nachfrage würden schon die passende Regel entdecken. Insofern sind die deutschen Autobahnen ein typisches Beispiel für jene Art des Konflikts, die es ohne staatliche Kompetenzanmassung gar nicht erst geben würde.
Och Christian, man kann aber auch alles, wirklich alles auf den bösen, bösen “Staat” schieben …. ;-)
Ich gebe mir alle Mühe ;-) Aber ernsthaft - wer regt sich bspw. darüber auf, dass Migros keinen Alkohol verkauft? (Ja, ein schweizerisches Beispiel.) Gibt es hierzu aufgeregte öffentliche Debatten und Parteitagsbeschlüsse? Natürlich nicht. Migros orientiert sich an den Wünschen seiner Kunden, ist aber darüber hinaus ein Privatunternehmen, das selbstverständlich frei über das eigene Sortiment bestimmen darf. Jede dem Staat überantwortete Aufgabe wird politisiert, “verzwangt”, erzeugt Fraktionen, Missgunst und Streit.
Der Markt funktioniert nunmal nach dem Prinzip “Vertrag”, der Staat nach dem Prinzip “Befehl”.
Gabs nicht in der Bloggosphaere mal nen Text der meinte, auf dem Standstreifen oder rechts zu ueberholen waere WEIT billiger als die Strafe fuer zu schnell fahren oder draengeln?
Das Gegenteil ist natürlich der Fall. Nicht, dass da jemand auf dumme Gedanken kommt…
Lösung: Dempooolümmüd offf 250 anheben. Iss hald wie middem realen Ränd’neidriddsaldor. Machste 67 geh’nse real mit 60 in dö Rände. Machste Dembolimidd 250 fahr’n se alle 140 oder so im Durchschnidde unn nich mehr dö 100. Kuuuht, odä?
Gefahr aus den Bergen…
Da kann der Verkehrsminister Amok laufen und die Bahn kann streiken wie sie will - das ist alles ganz nett für eine noch bessere Verkehrspolitik, als wir sie zweifelsohne dank der erfolgreichen Politik der GROSSEN Koalition schon jetzt genieß…
[... Nun, ich selbst bin auch für ein solches Limit. Die Höhe ist mir dabei weniger wichtig als ein generelles Limit als solches - nicht aus pragmatischen, nicht aus sicherheitsrelevanten, nicht aus utilitaristischen und schon gar nicht etwa aus ökologischen Gründen... ]
Lasset alle Hoffnung fahren - mit maximal 130 km/h…
Feuchter Traum (nicht nur) von Ökonazis: Tempolimit, total und radikal. (Vorlage: Wikimedia Commons)Wenn irgendjemand wirklich noch einen Beweis dafür braucht, dass mit der Szene mehr als nur ein wenig im Argen liegt, dann ist der spätestens damit d…
Ist mir ja schon klar, dass das Tempolimit in Deutschland eine heilige Kuh ist. Und selbstverständlich ist es schön, mal mit Tempo 200 über die Autobahn (ihr wisst, was ich meine) zu brettern.
Die Realität entspricht halt nun mal nicht dem Willen und der Vorstellung der Autofahrer. Es hat einfach zu viele Autos auf zu wenig Fahrstreifen.
Aber sei’s drum. Tempolimits sind ja schon längst eingeführt. Auch unvernünftige. Zum Beispiel Tempo hundert in der Nähe von Offenburg aus Lärmschutzgründen oder bei Karlsruhe war’s glaube ich, 4 Spuren Tempo hundert plus ein Blitzgerät. Das auch blitzte nicht bei mir). Oder die Strecke kurz nach Basel bis fast auf Freiburg Tempo 120 - warum dort?
Es hat einfach zu viele Autos auf zu wenig Fahrstreifen.
Und wo das der Fall ist, tut ein Limit tatsächlich gut. Zum Beispiel war die Strecke auf der A7 zwischen Soltau und Fallingbastel mit zwei Spuren eine ständige Stauzone (komischerweise vor allem Richtung Süden). Mit zwei Maßnahmen hat man das in den Griff bekommen:
1. Überholverbot für Lkw.
2. Tempo 120
Ebenso wurden zur Expo-Zeit in Richtung Hannover aus zwei Fahrspuren pro Richtung drei gemacht, gleichzeitig aber das Tempo auf 100 begrenzt. Ich bin nie so schnell und locker durch den Harz gekommen wie damals.
Nur hat ein Tempolimit auf freien Strecken mit vielen Spuren eben den Charakter eines Gessler-Huts. (Um mal M.M. meine Referenz zu erweisen ;-)) Und dann raten wir alle mal, wo die Blitzgeräte stehen werden…
Tempolimits in dieser Situation sind das verkehrstechnische Äquivalent von Lebensmittelkarten. Ein weiteres Argument für eine Privatisierung des Straßenverkehrs, ich bin fest davon überzeugt dass McDonalds eine bessere Antwort auf eine erhöhte BigMac-Nachfrage fände als die Einführung eines Burgerlimits.
Pure Gängelei und der Versuch, sich in Straßenräubermanier zusätzliche Einnahmen zu verschaffen. Ein Schelm, wer glaubt das würde mit einem allgemeinen Limit besser…
Kompromißvorschlag: Tempo 130 - pro Achse
[...] und keine Annektion verfolgt, hätte vieleicht was aus dem deutschen Staate werden können. Beide Seiten hätten endlich mal was dazu lernen können. Es war DIE Chance für uns alle und [...]
[...] Auf dreispurigen Autobahnen ist die linke Spur bei hohem Letztlich bin ich mitten in der Nacht auf einer vierspurigen(!) Autobahn fast [...]
[...] Autobahn > faehre, geht das ganze sehr viel entspannter zu als hier. entspannter vielleicht - aber nicht unbedingt sicherer. Die Autobahn ist ja gerade sicher, weil es *nicht* entspannend ist [...]