Nachts sind alle Katzen grau
Es gibt einen alten Witz über den Unterschied zwischen Religion und Philosophie, wonach ein Philosoph und ein Pfarrer sich darum streiten sich, welcher der beiden der Weisere sei. Der Pfarrer behauptet: “Philosophie ist, als ob jemand in einem dunklen Raum mit verbundenen Augen eine schwarze Katze sucht, die es gar nicht gibt,” woraufhin der Philosoph erwidert: “Und Theologie ist, als ob jemand in einem dunklen Raum ebenfalls mit verbundenen Augen eine schwarze Katze sucht, die gar nicht da ist und plötzlich ruft: “Ich hab sie!”.
Seit gestern können die Hörer von BBC Radio 2 diesen Witz für britische Verhältnisse abwandeln, denn BBC-Moderatoren dürfen nicht mehr in der Öffentlichkeit behaupten, dass Menschen dunkler Hautfarbe, die dunkel bekleidet sind, nachts schlecht zu sehen sind. Das hatte nämlich eine Radiomoderatorin in ihrer Sendung gesagt, als es darum ging, auf die Bedeutung reflektierender Kleidung in der dunklen Jahreszeit hinzuweisen. Aber obwohl es wohl faktisch zutreffend ist, dass man Dunkles im Dunklen schlecht sehen kann, brach ein Sturm der Entrüstung los. Die BBC sah sich genötigt, die Moderatorin zurechtzuweisen und sich in aller Form für diesen schlimmen Fall offenen Rassismus’ zu entschuldigen.
Was ist der also der Unterschied zwischen BBC-Moderatoren und normalen Menschen? Normale Menschen können Dunkles im Dunkel nicht sehen und müssen das auch nicht behaupten. BBC-Moderatoren können sich solche Bemerkungen hingegen nicht mehr erlauben, sehen davon aber auch nicht klarer.







(Dein Witz bringt womöglich Zoff, Oliver, und nicht nur von Seiten der Gläubigen, sondern auch und gerade der Philosophen unter uns… )
Aber eine Glanzleistung aus der Multikulti-Verwaltung ist doch der (nicht) feine englische Unterschied bei der Betrachtung von Dunklem durch Normalsterbliche und BBC-Mitarbeiter.
“Land of Hope an Glory” – worauf darf noch gehofft werden? Wo ist der alte Glanz?
Oliver,
den Kontext sollte man hier aber auch berücksichtigen:
Der Fall erinnert mich an Don Imus. Bei dem hieß es auch: “Och, der hat doch nur einen harmlosen Scherz gemacht. Man wird doch wohl noch ein paar dahergelaufene College-Sportlerinnen als nappy-headed hos bezeichnen dürfen. Das kann doch kein Fall für die PC-Polizei sein.”
Der Unterschied zwischen den beiden Fällen ist nur, dass Don Imus bei einem privaten Sender beschäftigt war und gefeuert wurde, weil dieser die wirtschaftlichen Folgen einer Weiterbeschäftigung nicht mehr zu tragen bereit war, während die reizende Frau Kennedy bei einem öffentlich-rechtlichen Sender beschäftigt ist und ihren Job behalten darf.
Wenn ich schon gezwungen werde, Rundfunkgebühren zu entrichten, dann möchte ich einen solchen Umgangston wie den von Frau Kennedy sicher nicht mitbezahlen, sorry.
Für Frau Kennedy müsste sich doch ein Plätzchen bei einem Privatsender finden lassen?! Dort können ihr dann alle zuhören, die ihre Eskapaden nicht stören oder sogar begeistern.
Im übrigen käme es noch auf einen Versuch an, ob die gute Frau wirklich einen schwarz gekleideten Schwarzen im Dunkeln schlechter sehen könnte als einen schwarz gekleideten Weißen. Ab einer gewissen Geschwindigkeit dürfte die Reaktionszeit auf jeden Fall zu kurz sein. Insofern hätte sie sicher auch ein weniger provozierendes Beispiel verwenden können, um sich um die Sicherheit im Straßenverkehr verdient zu machen.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde die Bemerkung der Moderatorin zwar vielleicht nicht besonders witzig oder intelligent, aber ich kann auch keinen Anstoß daran nehmen. Dass die BBC besser privatisiert würde, steht auf einem anderen Blatt.
Bedenklich, sicher. Ich würde in so einem Fall – weder intern noch öffentlich – “reflektierende Kleidung” empfehlen, das lässt sich für mich weder denken noch sagen, aber genau dasselbe – ich sage es ungern – ist mir kürzlich unterwegs passiert, und ich kann sogar Mrs. Kennedy’s Worte dazu verwenden: “…It was this black guy. It’s lucky he opened his mouth to yawn or do something and I saw him. He was wearing a black hat, black clothes and he was just invisible.” Er war nicht nur unsichtbar, sondern beängstigend unsichtbar, indem er mir entgegenkam. Etwa auf gleicher Höhe erst konnte ich sehen – dass es ein Nachbar war…
Mich stört an diesem Fall viel mehr und wieder die politisch überkorrekte englische Empfindlichkeits-Demo im medialen Umgang damit, die nicht zum ersten Mal in einer öffentlichen Entschuldigung gipfeln muss. Das ist moderner Pranger und geht zu weit, finde ich. Jede Übertreibung enthält im Übrigen auch Kontraproduktives.
“Wenn ich schon gezwungen werde, Rundfunkgebühren zu entrichten, dann möchte ich einen solchen Umgangston wie den von Frau Kennedy sicher nicht mitbezahlen, sorry.”
Und was iss, wenn ich, der ich ebenfalls die Scheiß Rundfunkgebühren entrichten muss (oder zumindest soll), einen solchen Umgangston richtig geil finde? Hast Du etwa höherwertigere Ansprüche als ich an eine “Leistung”, die wir in gleichem Maße gezwungen werden zu bezahlen. Nee. Die Lösung kann aber nicht sein, dass wir uns nun wegen unserer differierenden Ansichten in die Haare bekommen und der Stärkere dem Schwächeren sein Weltbild bzw. Lifestyle aufzwingen darf, sondern dass wir uns des staatlichen Rundfunks entledigen und jeder für das zahlt, was er will und nicht mehr andere dafür zahlen lässt. Ferdisch.
Und was iss, wenn ich, der ich ebenfalls die Scheiß Rundfunkgebühren entrichten muss (oder zumindest soll), einen solchen Umgangston richtig geil finde?
Dann werden wir beide zu etwas gezwungen. Du bekommst dafür eine richtig geile Gegenleistung – und ich nicht.
Seltsame Frage.
sondern dass wir uns des staatlichen Rundfunks entledigen und jeder für das zahlt, was er will und nicht mehr andere dafür zahlen lässt.
Ähh… ja.
Habe ich irgendwas anderes behauptet?
Grmpf. Hätte ich mir ja denken können, dass mein Kommentar wegen des darin enthaltenen Don Imus – Zitats im Spam-Filter hängen bleibt.
Oliver hat doch extra geschrieben, dass es ein alter Witz ist. Heute sind die Pfarrer viel toleranter und die Philosophen viel klüger ;-)
Wollen wir’s hoffen …
Rassismus ist also, ……
… wenn einer feststellt, dass Dunkeles im Dunkeln in der Regel schlechter wahrnehmbar ist, als dies mit Hellem im Dunkeln der Fall ist. Schlimm! (via Gegenstimme , antibuerokratieteam.net )…
“Innere Pressefreiheit” wäre da ein guter Gedanke, der auch schon mal angedacht wurde. Was sagt denn die englische Jurisprudenz dazu, Oliver?
Keine Ahnung, Markus Oliver, was die Jurisprudenz zur “inneren Pressefreiheit” sagt.
Ich beantworte Deinen Kommentar aber dennoch, denn mir wurde doch tatsächlich in einer Email unterstellt, dass ich schizophren wäre und unter dem Pseudonym “Markus Oliver” meine unter “Oliver M.H.” geschriebenen Beiträge selbst kommentiere.
Ich stelle hiermit fest, dass ich nicht Markus Oliver bin ;-)
Eigentlich hat der Schreiber der E-Mail dir was ganz anderes unterstellt, nämlich die Blödheit, einen Aliasnamen zu wählen, der keinen Rückschluss auf dich zulässt…
Okay, den Aliasnamen würde ich natürlich geschickter wählen. OMH, Englandfreund, PolicyExchanger – irgend etwas nicht so Offensichtliches eben ;-)
Echt? Das ehrt mich ja direkt! Vielen Dank für die Blumen an den mir unbekannten Schreiber!
Vielleicht sollte ich mir einen neuen Nick zulegen, ich möchte auf jeden Fall vermeiden dass Du irgendwann einmal wegen einer von mir rücksichtslos und provokativ geführten Diskussion noch Stress bekommst.
Wer weiß wer hier so alles inkognito an der Diskussion teilnimmt.
;-)
Da ist übrigens noch so ein inkompetenter, sehr langer und provokativer Kommentar von mir im Filter.
Zur inneren Pressefreiheit: Habt Ihr da nicht zufällig jemanden bei Euch in der intellektuellen Kampfmaschine der darüber Auskunft geben könnte? Es wäre interessant zu wissen wie ihre Lordschaften darüber denken und ob es diesbezüglich schon Entscheidungen gab.
“keinen Aliasnamen” soll das natürlich heißen – sch… doppelte Verneinung ;-)
In Bayern hättest Du Dich nicht korrigieren müssen, Rayson; da wird grundsätzlich doppelt verneint.
Beispiel: Koa Freid hab i ned dabei. (Übers.: Ich habe keine Freude daran.)
Das soll den (hier: traurigen) Umstand unterstreichen, ihm Nachdruck verleihen – obwohl der Druck an sich schon hoch genug sein dürfte…
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