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Herr Mehdorn muss zur Kur

15.11.2007 18:40 - Eidgenössisch Eigensinniges by M.M.

Gut, ich habe mich geirrt. Soll ja vorkommen. Das habe ich Mitte Oktober geschrieben:

Kaum zu glauben, jetzt toppt der Chef der Lokomotivführer-Gewerkschaft diese Flops: Der Herr fährt zur Kur. Mitten im Arbeitskampf. Weil er sich halt auch mal erholen möchte/muss. Damit ist der Streik im Eimer.

Und jetzt - der Herr kommt ausgeruht aus seinem Erholungsurlaub zurück und orchestriert den grössten Streik in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Sagen sie im Schweizer Radio. Das umschreibt man mit Chuzpe - oder?

Also: Herr Mehdorn wird den Arbeitskampf nur überleben, wenn er auch zur Kur fährt. Am besten schon morgen.

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16 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Matthias, 15.11.2007 20:20

Ja, ich frage mich wo der Katastrophen-Kapitalismus bleibt, wenn man ihn mal braucht, wäre jetzt nicht ein guter Zeitpunkt um ein bisschen was in Sachen Privatisierung voran zu treiben? Oder werden die Leute in Folge der Streiks eher noch mehr Staat fordern? — denn Beamte dürfen ja nicht streiken…..

 
Spruance, 15.11.2007 20:57

Heh, der Mann ist Beamter! Dem gilt die besondere Fürsorge seiner Vorgesetzten, und wenn das Kur heißt, dann muß der Ärmste!

 
R.A., 16.11.2007 11:16

Man sollte nicht vergessen (gerade bei Diskussionen mit Linken): Die GDL streikt NICHT gegen die Bahnführung. Die Lohnforderungen sind zweitrangig.

Denn es gibt ja bereits einen ausgehandelten Tarifvertrag mit Lohnerhöhungen auch für die Lokführer.

Die GDL streikt in erster Linie gegen die eigenen Kollegen, sie möchte eine klare Privilegierung ihrer Leute gegenüber dem Rest der Belegschaft.

Und es gibt natürlich überhaupt keinen Grund für die übrige Belegschaft, sich das gefallen zu lassen.

Die Stimme aus dem Off, 16.11.2007 11:18

Uups. Ein Liberaler, der Menschen in ein Kollektiv drängen will?

R.A., 16.11.2007 12:49

Nö, das Tarif- und Streikrecht drängt die Menschen in Kollektive.
Ich persönliche könnte gut mit individuellen Verträgen leben - und die müssen dann auch eingehalten werden.

Aber selbst für Anhänger der Gewerkschaftslehre müßte doch klar sein, daß es nicht funktionieren kann, wenn eine Gruppe in einem Unternehmen eine Regelung der Art “x% mehr als die Kollegen” herausholt. Wenn doch ziemlich alle anderen Gruppen genauso auf die Idee kommen könnten, nachzuziehen.

Z. B. haben die Stellwerker mindestens so viel Verantwortung wie die Lokführer, und wenn die im Anschluß ebenso eifrig streiken, und dann die nächste Gruppe - dann können sie sich auch gleich beim AA melden.

Die Stimme aus dem Off, 16.11.2007 13:55

Und bitte vorher nimmt man die Vergleichsgruppe? Mit welchem Recht soll den Lokführern - in Zeiten des Outsourcings - eigentlich vorgeschrieben werden sich nach den Löhnen der “Kollegen” zu richten?

Es ist übrigens auch niemand gezwungen einer Gewerkschaft beizutreten, der Beitritt erfolgt in Deutschland freiwillig. Das Kollektivarbeitsrecht macht nämlich das Gegenteil in Deutschland: Es überlässt den Arbeitnehmern einfach die Wahl.

R.A., 16.11.2007 16:21

> Mit welchem Recht soll den
> Lokführern - … - eigentlich
> vorgeschrieben werden sich
> nach den Löhnen der “Kollegen”
> zu richten?
Die müssen sich halt entscheiden.
Entweder wollen sie individuelle Löhne und richten sich nach dem Markt.
Oder sie wollen kollektive Löhne und richten sich nach der Branche/Belegschaft.

Aber sozialistische Gesetzesprivilegien nutzen, um auf Kosten der Kollegen Profitmaximierung zu betreiben - das geht nicht.

DDH, 16.11.2007 16:36

Aber sozialistische Gesetzesprivilegien nutzen, um auf Kosten der Kollegen Profitmaximierung zu betreiben - das geht nicht.

Sag das bitte auch mal Herrn Mehdorn und seinen VEB-Kombinats-Spitzenverdienern (+ 76 Prozent!!!)

Die Neoliberalen wären wesentlich glaubwürdiger, wenn sie den Ruf nach Abschaffung des etatismus-induzierten Privilegienrittertums nicht immer nur an die unteren Chargen der Gesellschaft richteten!

R.A., 16.11.2007 17:30

Ich weiß nicht, was die übrigen “Neoliberalen” alles so sagen.
Aber für mich ist die Cliquen-Wirtschaft in den Manageretagen genauso ein Problem.
Da wird letztlich mit dem Eigentum der Aktionäre Schindluder getrieben, weil die Aufsichtsräte ihrer Pflicht nicht nachkommen.

 
 
 
 
 
 
 
M.M., 16.11.2007 14:41

Was ich von meinem Hochsitz aus nicht ganz checke (umgsspr. für begreifen): Also die GDL ist eine Gewerkschaft, aber doch keine richtige. Sie ist quasi ein Verein der Lokiführer, ein Unterverband der richtigen Gewerkschaft, mit der die Bahn einen Tarifvertrag abgeschlossen hat.

Und die Bahn will mit diesem Lokiverein keinen eigenen Vertrag abschliessen. Also müsste sie eigentlich auch gar nicht mit diesem verhandeln, sondern die richtige Gewerkschaft zitieren und die beauftragen, dass sie in ihrem Unterverband Ordnung schafft - oder nicht?

Denn in dem Moment, wo sie mit dem Lokiverein über den Lohn redet, anerkennt sie doch diesen als eigenständigen Vertragspartner. Weil unter irgendein Papier mit dem Briefkopf der beiden Unterzeichner müsste ja so etwas festgehalten werden.

Aber wahrscheinlich ist das alles viel komplizierter als ich es von meinem Hochsitz am Rhein überblicken kann. Hat ja auch recht viel Nebel zu dieser Jahreszeit, den Rhein runter.

Hardy, 16.11.2007 16:04

Doch, die GDL ist eine richtige Gewerkschaft. Die der früher “Ost”-Deutschen Lokomotivführer. Jeder andere Lokomotivführer kann dort aber auch Mitglied werden. Und, sofern sie mit ihren Lohnforderungen und dem eigenen Tarifvertrag für Lokführer erfolgreich sind, gilt selbiger Tarif für alle.
Das was Du “richtige” Gewerkschaft nennst ist eine Großgewerkschaft welche einen einheitlichen Flächentarifvertrag will. Übrigens: Früher wollten alle Wirtschaftsführer solche nach Tätigkeitsart sortierten Gewerkschaften. Auch Mehdorn. Lediglich jetzt, wo er voll auf die Privatisierung setzt, scheint es ihm nicht willkommen zu sein.

 
R.A., 16.11.2007 16:29

> Sie ist quasi ein Verein der Lokiführer,
> ein Unterverband der richtigen
> Gewerkschaft, mit der die Bahn einen
> Tarifvertrag abgeschlossen hat.
Nein!

Die GDL ist “Unterverband” des deutschen Beamtenbunds - der ist Konkurrenz zu den DGB-Gewerkschaften Transnet und verdi, die den Hauptteil der Bahnbeschäftigten vertreten.

Es geht bei diesem Streik auch wesentlich darum, daß die diversen Bonzen ihre Claims sichern wollen.

 
 
MartinM, 16.11.2007 22:47

Im Prinzip fände ich es gar nicht mal schlecht, wenn auch andere Gewerkschaften sich mehr für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzen würden. Wenn auch die Stellwerker und die Wartungstechniker “mehr rausholen” ist das, im Sinne der “Marktwertes” ihrer Arbeitskraft völlig in Ordnung: das sind, wie der Lokführer, Tätigkeiten mit große Verantwortung, die viel Fachkenntnisse erfordern, außerdem bei nicht so angenehmen äußeren Arbeitsbedingungen (Nachtschichtarbeit). Nicht von ungefähr werden Lokführer im europäischen Ausland erheblich besser bezahlt, als bei uns.
(Ich habe - aus persönlicher Erfahrung - einen gewissen Rochus auf verbürokratisierte und zu sehr mit sich selbst und mit politischen Klügeleien beschäftigten Großgewerkschaften. Das dumme Gefühl, von “meiner” Gewerkschaft nicht vertreten, sondern verraten zu werden - weshalb ich seinerzeit austrat.)

 
M.M., 17.11.2007 09:38

Doch, die GDL ist eine richtige Gewerkschaft. Die der früheren “Ost”-Deutschen Lokomotivführer.

Könnte es demnach sein, dass der GDL-Streik eine weitere Aktion zur DDRisierung der BRD ist? Könnte es sein, dass da hinter den Kulissen Strippenzieher der KPD-SED-PDS-DIELINKE (das ist ja fast schon ein echter M.C. Escher) am Werk sind und dies auch ein Probelauf für den politischen Streik in Deutschland ist, wie ihn Herr Lafontaine heute in der NZZ fordert?

Wir sind die neue politische Kraft. Wir wollen auch das Instrument des politischen Streiks in Deutschland einsetzen, mit dem die Arbeitnehmerschaft ihre Rechte durchsetzen kann wie in vielen andern europäischen Ländern.

Hardy, 17.11.2007 15:38

Die der früher ostdeutschen Lokomotivführer bezog sich darauf, dass hauptsächlich selbige in ihr Mitglied sind, während hingegen in Westdeutschland die meisten in der Transnet bzw. Verdi organisiert sind. Eigentlich ist die GDL sogar die erste Gewerkschaft welche es in Deutschland gab(1867 als VDL gegründet). Nach Verbot durch die Nazis und späterer Eingliederung in den Beamtenbund wurde sie Anfang 1990 als erste freie Gewerkschaft in der DDR wiedergegründet, und es fand ein Jahr später der Zusammenschluss der GDL-Ost und West statt.

M.M., 17.11.2007 21:39

Bloggen bildet, wer sagt’s denn.

 
 
 

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