Heuschrecken für die Bundesliga
Oliver Luksic, 15.11.2007
Nicht erst seit den schwachen Auftritten von Schalke, Stuttgart und Bremen dieses Jahr in der Champions League merkt jeder Fußballfan, dass dieBundesliga international nicht konkurrenzfähig ist. Deutsche Clubs können mit spanischen, italienischen und englischen Vereinen nur noch in Ausnahmefällen mithalten. Selbst Vereine aus schwachen Ligen in Süd- und Osteuropa bereiten deutschen Clubs Probleme, was allerdings auch an den gelegentlich lustlosen Auftritten deutscher Vereine liegt.
Die strukturelle Schwäche der Bundesligavereine im internationalen Vergleich hat einen einfachen Grund: sie haben zu wenig Geld. Trotz großer Zuschauerzahlen dank moderner Stadien und guter Vermarktung verlieren deutsche Vereine finanziell den Anschluss.
Es gibt nämlich 2 strukturelle Nachteile. Erstens ist in Deutschland die Einzelvermarktung der Vereine verboten. Auch wegen der Präferenz für die Sportschau sind die TV Gelder im Vergleich zur Premier League lächerlich gering. Desweiteren dürfen Investoren keine Clubs kaufen, was externe Geldgeber wie beim AC Mailand oder bei Chelsea unnötig macht. Der Verein muss nämlich mindestens 51 Prozent an der als Kapitalgesellschaft ausgegliederten Fußballabteilung besitzen. Einige Proficlubs wollen dies jetzt aufweichen, allerdings wohl mit geringen Aussichten.
Auch beim Fußball will Deutschland sich den neuen Gegebenheiten beharrlich nicht anpassen. Wer wie Bayern den anderen Top-Vereinen in Europa Fesseln anlegen will wird keinen Erfolg haben. Die Bundesliga muss sich dem Wettbewerb stellen oder muss weiterhin Mittelmaß bleiben, kann sich aber dafür moralisch überlegen fühlen. Dies kann man so wollen. Dann darf man aber nicht gleichzeitig über die schlechten Ergebnisse im Europapokal meckern.
antibuerokratieteam.net





Ja, ja, ein bißchen mehr Kapitalismus täte der Bundesliga gut.
Der Bundesliga ist das ja bewusst, wenn sich der bekannteste Fussballer Deutschlands gegen das Staatliche Wettmonopol ausspricht.
Ich finde die Bundesliga gut so, wie sie ist.
Anders als in Engalnd gibt es hier noch Stehplätze, sind die Tickets auch für Ottonormalverbraucher erschwinglich. Selbst bei englischen Durchschnittsteams gibt es kaum noch Karten für weniger als 30 Pfund. Dies hat nicht zuletzt zur Folge, dass gerade junge Leute, also etwa Kinder mit ihren Vätern, kaum noch ins Stadion gehen, einfach weil es zu teuer ist. Die Stimmung in Englands Stadien hat in den letzten 10 Jahren deutlich darunter gelitten, dass immer weniger Leute aus dem klassischen britischen Fan-Millieu ins Stadion gehen. In den Champions League spielen, lassen sich die Briten in den letzten Jahren fast immer vom Auswärtsanhang an die Wand singen.
Nur in der Bundesliag scheint es momentan noch möglich, dass überhaupt mal eine Überraschungsmannschaft den Sprung unter die Top 4 schafft oder wie im letzten Jahr der VFB Stuttgart Deutscher Meister wird. In England sind diese Plätze wohl auf Jahre für Man U, Liverpool, Chelsea und Arsenal reserviert. In Spanien und Italien sieht es nicht anders aus Auch das kann irgendwann langweilig werden.
Ich will nicht bestreiten, dass die Bundesliga-Teams Nachteile haben, weil die Clubs hier nicht von Investoren übernommen werden dürfen. Doch was passiert, wenn der spleenige Milliardär aus Russland oder Thailand irgendwann die Spaß an seinem Spielzeug verliert oder zur Überzeugung kommt den FC Bayern künftig lieber in Düsseldorf spielen zu lassen weil es hier keinen Profi-Fußball gibt? Oder wenn der Eigentümer meint die traditionellen Vereiensfarben ändern zu müssen und noch besser den Sponsorennamen künftig in den Vereinesnamen einfließen zu lassen? Beides ist den Anhängern des FC Wimbledon bzw. Austrai Salzburgs passiert.
Im Übrigen ist die internationale Erfolgslosigkeit der deutschen Vereinsmannschaften nicht nur auf die fehlende finazielle Konkurrenzfähigkeit zurückzuführen. Mannschaften wie der FC Porto oder aktuell Rosenborg trondheim zeigen, dass es auch mit weniger Geld geht.
“…allerdings wohl mit geringen Aussichten.”
Wie kommst Du darauf, dass die Aussichten nur gering sind? Beziehst Du Dich auf den verlinkten Artikel oder ist das eine Einschätzung?
So ganz spontan komme ich nämlich zu einer ganz anderen Meinung.
Das wären alles wirklich Überlegungen, die mich nachdenklich machen würden, wenn ich selber relevante Beträge in einen Fußballverein investiert hätte oder wenn der wirtschaftliche Erfolg des deutschen Fußballs relevanten Einfluss auf die deutsche Wirtschaft, den Arbeitsmarkt oder sonstwas hätte. Beides ist nicht der Fall.
Statt dessen hat die Bundesliga den höchsten Zuschauerschnitt der Welt. Offenbar finden in Deutschland mehr Menschen Zerstreuung, Freude, Begeisterung oder was da sonst noch so mitschwingt am Fußball als irgendwo auf der Welt. Und das ist für die schönste Nebensache der Welt ne ganz Menge.
Mein Verein ist und bleibt mein Verein, unabhängig vom wirtschaftlichen oder sportlichen Erfolg. So einfach ist das. (Frag mal Statler…)
Nur ein kjleiner Einwurf: Der AC Milan ist kein ideales Beispiel für einen Verein der seinen Erfolg nur durch freie Marktwirtschaft und externe Geldgeber erlangt hat. Der externe Hauptgeldgeber dürfte aber der Hauptgrund dafür sein, dass man Milan (und das gilt auch für den Hauptgeldgeber von Juve) in den Betrugsverfahren mit solchen Samthandschuhen angefasst hat.
Es fällt einem Liberalen schwer, Monopolisten Tipps für ihre Geschäftspolitik zu geben. Das Grundproblem fängt ja schon mal damit an, dass es nur eine Profi-Liga pro Land geben darf. So lange diese Bedingung nicht aufgehoben ist, lohnt sich weiteres liberales Engagement in dieser Frage nicht.
Aber das ist doch eine Beschränkung, denen sich die Vereine selbst unterwerfen. Niemand könnte es einer Anzahl von Clubs verbieten, einen eigenen Spielbetrieb einzurichten. Das würde dann zwar nicht mehr im DFB stattfinden, aber wer sollte verhindern, einen Gegenverband zu gründen?
Es existieren doch Freizeitligen außerhalb des DFB. Und ich kann mit nicht vorstellen, dass es irgendeine staatliche Reglementierung gibt, die verbieten würde, in diesen Ligen auch Geld zu bezahlen.
m.E. verfolgt der DFB klar erkenntlich einen sozialpolitischen Auftrag durch die Breitensportförderung, die ich durchaus begrüßenswert finde. Der Profifußball muss sich m.E. allerdings nicht an diese Regeln halten, will er sich qualitativ mit den besten messen. Gleichwohl bedienen sich die Profiligen dem Reservoir an Spielern die der DFB ausbildet. Der Deal ist da wohl, dass man die Spiele der Profis irgendwie noch im TV zu sehen kriegt.
Bis du dir da so sicher? Von außen betrachtet mag das alles eine DFB-Organisation sein, aber in Wirklichkeit ist es auch eine halbstaatliche. Ich bezweifle, dass Gegenorganisationen eine Chance hätten, von den Städten gleichermaßen mit Stadien ausgestattet zu werden (bzw. mit Bauland dafür) oder vom Land im gleichen Umfang Polizeikräfte zur Verfügung gestellt zu bekommen.
Hinzu kommt die Exklusivität des DFB bei den prestigeträchtigen internationalen Wettbewerben.
> Ich bezweifle, dass Gegenorganisationen
> eine Chance hätten, …
Ob sie generell gegenüber dem “Marktführer” DFB Chancen hätten, kann man bezweifeln.
Aber WENN sie ähnlichen oder besseren Zuspruch erreichen, dann würden sie m. E. sehr wohl von den Städten etc. ähnliches Entgegenkommen erwarten können – weil sie den entscheidenden Politikern ja ähnlich nützlich sind.
Sieht man doch, wenn sich neue Sportarten etablieren: Sobald die eine gewisse Anzahl von Mitgliedern/Zuschauern haben, rutschen die auch in die staatliche Förderung.
Es gilt aber immer die Gleichung: eine Sportart, ein Verband.
Ist das offiziell?
Oder nicht einfach nur Praxis, weil es aus anderen Gründen keine konkurrierenden Verbände gibt?
Ich bin mir doch recht sicher, wenn bei uns im Ort ein nicht-DFB-Fußballverein aufmachen würde, mit entsprechend viel Mitgliedern (d.h. Wählern), dann wäre den Kommunalpolitikern die Verbandsraison völlig egal.
Die Stimmung in England ist super!
Nur gute Stimmung in D würde übrigens auch wenoig bringen.
In bösen kapitalistischen Ländern wie England werden die sozialen Funktionen des Fußballs genau so erfüllt- wir müssen nicht immer denken wir wären anderen moralisch überlegen.
Auch hier wird das gute EG-Recht übrigens Abhilfe schaffen!