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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Drachentöter “health and safety”

Oliver M.H., 18.11.2007

Der kleine Drache Grisu war seiner Zeit weit voraus. Wir erinnern uns: Grisu wollte Feuerwehrmann werden, auch wenn er zwischendurch immer mal wieder seine Umgebung durch unbedachtes Feuerspeien in Brand steckte. Aber er bemühte sich zumindest, ein ungefährlicher, harmloser Drache zu werden.

Solch vorbildliche Drachen braucht England, dachten sich nun die Verleger von Kinderbüchern. Nachdem in Entwürfen für das neue Bilderbuch Buch “Who Wants A Dragon?” feuerspeiende Exemplare gesichtet wurden, bat man die Autorin und Illustratorin, diese Szenen abzuändern. Offenes Feuer ist eben viel zu gefährlich, “health and safety” lautet die Parole.

Drachen, die keine Feuerwehrleute werden wollen und nicht mal einen ordentlichen Verbandskasten mit sich führen, haben in englischen Kinderzimmern also nichts zu suchen – zu gefährlich, denken sich die Verlage. Und wer weiß schon, welche Schadenersatzforderungen auf die Verleger zukämen, wenn die jungen Leser das mit dem Feuerspeien und Durch-die-Luft-Fliegen den Drachen nachzumachen versuchten.

Man kann es mit dem Schutz der Kinder vor möglichen Gefahren aber auch übertreiben, worauf inzwischen sogar die Königliche Unfallvermeidungsgesellschaft (Royal Society for the Prevention of Accidents, RoSPA) hinweist. Deren Vorsitzender erklärte jüngst:

“Rather than adopt the extremist protectionism of ‘cotton wool kids’ our argument is that a skinned knee or a twisted ankle in a challenging and exciting play environment is not just acceptable, it is a positive necessity in order to educate our children and to prepare them for a complex, dangerous world, in which healthy, robust activity is more a national need than ever before.”

Vielleicht sollte sich die RoSPA demnächst einmal mit der Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals zusammentun, um gemeinsam für die artgerechte Haltung von Drachen in Kinderbüchern zu sorgen. Es sind ja nicht alle Drachen so pyrophob wie der kleine Grisu.



6 Kommentare zu “Drachentöter “health and safety””

  1. Lina

    …weil’s zu gefährlich ist, wenn Papierdrachen Feuer speien?

    Wenn das so weitergeht, heben wir noch jeden Gegensatz der Schöpfung bis hin zu “gut” und “böse” auf und “designen” sie eigenhändig neu – in bester Absicht, versteht sich…

    Und was kommt dabei heraus? Ungesunde, chronische Irrtümer.

  2. Hugo

    Wenn die Drachen kein Feuer mehr speien dürfen, dann sollten die Menschen auch nichts mehr schreiben dürfen.
    Freihaeit für alle oder keinen!

  3. Christian

    Nun, ein Drachen, der kein Feuer speien darf, ist nichts weiter als ein gewöhnlicher Feld-, Wald- und Wiesensaurier, vulgo Dino.

    Ein weiterer Beleg für das Artensterben. Al Gore, übernehmen Sie!

  4. Alrik

    hm, soll ich jetzt “Puff the magic dragon” oder “fight the dragon” auflegen ?

  5. Marius

    Jaja, das gute alte EHS. Ich habe jahrelang in der Aluminiumbranche gearbeitet. Da stehen halt mal Kessel mit flüssigem Metall in den Werken rum und da sind strenge EHS Vorschriften nicht verkehrt. Allerdings wird das, wie so ziemlich alles, auch so gesteigert, daß es in die Lächerlichkeit abgleitet. Beispiel? Gerne
    In den Werkshallen muss man sich an den Treppengeländern festhalten. Ist ja auch verständlich, wenn man vom Kran runtersegelt, ist der Ofen aus. Und am besten noch kopüber in den o.g. Kessel. Allerdings kam das Management auf die Idee, daß es den Arbeitern gegenüber unfair wäre, wenn man nur sie das Geländer benutzen läßt. So hat man kurzerhand überall auch in der Verwaltung große Schilder an jeder Treppe angebracht. Unter anderem auch am 3-Stufen Vorsprung vor einem Sitzungsraum. Also musste ab da jeder, der zur Sitzung wollte, dieses Geländer anfassen und die drei Stufen (vielleicht waren es auch 4) so erklimmen.
    Seltsam, war aber so…

  6. patrick

    ja die drachen werden auch shcon ohne feuer ihren spaß haben

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