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Rückzug der Schweizer

22.11.2007 11:03 - Eidgenössisch Eigensinniges by M.M.

Schwerer Schlag für die Koalitionstruppen in Afghanistan: Die Schweiz zieht ihr Kontingent ab.

Man muss auch zum Rückzug bereit sein.

Sagt Verteidigungsminister Samuel Schmid. Die Begründung des Bundesrates, der auch noch für den Sport zuständig ist, ist denn auch simpel: Afghanistan ist ein zu heisses Pflaster geworden.

Die Taliban sind auf dem Vormarsch und die ISAF-Truppen dagegen teils machtlos, und sie können kaum mehr nach Kunduz hinein, weil es dort zu gefährlich ist.

Der Rückzug erfolgt Ende Februar des nächsten Jahres und nicht einmal in Etappen. Die beiden mit Sturmgewehr und Ordonnanzpistole bewaffneten Offiziere setzen sich einfach ins nächste Flugzeug und fliegen nach Hause.

Was die beiden Schweizer unter deutschem Kommando in Afghanistan genau taten, ist bis heute nicht klar. Gerüchte, sie hätten lediglich Kaffee gekocht, werden energisch dementiert.

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13 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Die Stimme aus dem Off, 22.11.2007 12:34

Zwei Offiziere? Vielen, vielen Dank! Endlich konnte ich mal wieder lachen.

 
M.M., 22.11.2007 13:03

Zwei Offiziere, genau. Ursprünglich wollten sie mal vier schicken. Und nein, der eine heisst nicht Darling!

 
Medea, 23.11.2007 17:57 Subscribed to comments via email

Die Schweiz hat wirklich Humor. Was sollten eigentlich die beiden Offiziere dort? Mal gucken, was da so los ist? Eine Schweizer Bank eröffnen? :-)

 
M.M., 23.11.2007 23:02

Sind eigentlich alle in die Ferien verreist oder feiert das A-Team irgendwo ein Party ohne mich eingeladen zu haben?

Na schön @medea: Die Sache ist die, dass seit 1989 der Schweiz der Feind abhanden gekommen ist. Früher wusste man, er kommt aus dem Osten. Und wenn in so einem Wiederholungskurs die einen den Feind markieren musste, waren das immer die Roten.

Aber jetzt, so mitten in einem vereinten Europa, gegen wen will man da kämpfen? Gut, zwischendurch passiert es mal, dass die Artillerie einen Wald in Lichtenstein in Brand schiessen, aber sonst?

Sollen wir Österreich erobern oder Italien? Also versuchten sie es mal in Afghanistan. Nun ist die Sache die, dass der Verteidigungsminister zwar der Partei angehört, welche die Wahlen gewonnen hat, nämlich der SVP. Aber sein Sitz ist ihm nicht unbedingt auf sicher. In der Schweiz wählt das Parlament und nicht das Volk die Regierung, aber das ist nun schon ein anderes Thema.

Nun hat er also die beiden nach Hause geholt, was im Stimmen bei der Linken bringen wird - Stichwort Antiamerikanismus und auch in seinem eigenen Lager - Stichworte Neutralität und wir bleiben unter uns.

Während also Berlusconi oder Zapatero ganze Regimenter nach Hause beordern mussten, um innenpolitisch zu punkten, reicht es in der Schweiz, zwei Offizieren das Rückflug-Ticket zu schicken. Die Schweizer lieben eben den Diminutiv.
Oi, das war jetzt wieder sowas von Nestbeschmutzung hier.

Medea, 26.11.2007 10:31 Subscribed to comments via email

Also von “Österreich erobern” sollte die Schweiz absehen. Vor Jahren gab es mal einen Zuhälterkrieg in Frankfurt zwischen Afrikanern und Österreichern. Die Ösis haben gewonnen. Man sollte sie nicht unterschätzen ;-) Und was den “schwarzen Humor” angeht, sind Ösis unbesiegt.

Warst du denn in der Schweizer Armee, Wehrdienst? Oder ist die Teilnahme freiwillig?

Mir gefällt vor allen Dingen dein Humor, wie du über die Schweiz schreibst. Einfach herrlich.

M.M., 26.11.2007 14:13

Ich war bei einer sogenannten Hilfstruppe (HD), hatte einen guten Arzt, der mir anlässlich der Musterung doch erhebliche Probleme mit dem Rücken bescheinigte.

Alle zwei, später alle vier Jahre für zwei Wochen als Sanitätssoldat zum Schutz der Schweiz vor Sowjetunion in einem dieser übers Land verstreuten Basisspitälern im Einsatz. Das war echt hart.

Weil sie rechtzeitig die Spielregeln geändert haben, wurde ich schon mit 42 entlassen, also nach zwanzig Jahren. Bis dahin hätte man bis 48 oder als Offizier noch länger dabei bleiben dürfen.

Anschliessend geht es dann für etwa zehn Jahre in den Zivilschutz. Da wollten sie mich dann aber auch nicht mehr haben. Mein Rücken bereitete mir, nach langen Jahren des Wohlbefindens, just zu der Zeit wieder erhebliche Probleme.

Wer keinen Wehrdienst leistet, zahlt Militärsteuer. Und die kann recht happig ausfallen, weil das nach Einkommen geht. Das Schöne dabei, die Schweizer Armee ist einer der wenigen frauenfreien Lebensbereiche, als nichts da mit Gleichberechtigung. Die Frauen müssen weder ins Militär noch müssen sie Militärsteuern bezahlen.

Wenn du dann deine Uniform und den Rest wieder zurück gibst, du hast nicht nur dein Gewehr sondern auch den ganzen Rest deiner persönlichen Ausrüstung immer bei dir zuhause, kannst du behalten, was dir lieb geworden ist. Die Schuhe sowieso, aber zum Beispiel deine Dienstwaffe.

Ich habe seither eine SIG (Endziffer 006, ich wollte die nächste haben, aber der Mann bei der Ausgabe verstand keinen Spass). Die wird mit einem “P” gestempelt, P für Privat. Ich habe während der langen Jahre des treuen Dienstes ein einziges Mal damit geschossen und - ich schwör es - die Scheibe kein einziges Mal getroffen.

Medea, 26.11.2007 14:57 Subscribed to comments via email

Mein Freund wollte damals überhaupt nicht zum österreichischen Bundesheer. Er hatte nämlich gehört, dass man da solche Arbeiten machen muss, wie die Sonntage im Kalender rot anstreichen. Das stimmt auch tatsächlich. Jedenfalls haben sie ihn wegen Rückenbeschwerden erst gar nicht genommen.

Du hast es aber doch lange dort ausgehalten, zwanzig Jahre. Das habe ich schon mal gehört, dass man in der Schweiz die Waffe mit nach Hause nehmen darf. Interessant, man weiß ja nie, wann man sie dort mal gebrauchen kann ;-)

Militärsteuer zu zahlen, wenn man nicht dahin geht, finde ich aber schon frech. Das kann man sich nur leisten, wenn man gar kein Geld hat. Aber was hast du gegen Frauen beim Militär? Ich persönlich wäre nie auf die Idee gekommen, zur Bundeswehr zu gehen. Da kann ich mir Angenehmeres vorstellen. Ich würde zwar gern schießen lernen, aber ganz sicher nicht durch irgendwelchen Dreck robben müssen.

Was ist denn ein Basisspital? Ich kenne nur allgemeine Krankenhäuser. Gibt es da bei euch Unterschiede?

 
 
 
 
Lina, 24.11.2007 12:19

@ M.M.

Ich nehme an, man ist trotz unübersehbarer Komik und dem anschliessenden Gelächter darüber - einfach nur sprachlos über die Absurdität der Vorgänge - daher das Schweigen im Walde. Wie gesagt, eine Vermutung.

(Ob hier nebenher eine Party abgeht, kann ich nicht sagen, bin jedenfalls wie Sie nicht dazu eingeladen. Wird Sie das trösten können?;-) Ich hoffe es.)

Schönes Wochenende!

 
M.M., 26.11.2007 15:19

Ich muss jetzt aufpassen, dass ich da keine militärischen Geheimnisse ausplaudere. Deshalb zunächst zu den Frauen - das war eher als Scherz gedacht.

Dann zu den Geheimnissen: Die Schweiz als Kampfzone wurde in Militärspitalregionen eingeteilt. Zentrale Punkte des Rettungsdienstes waren übers Land verstreute unterirdische, mehrere Stockwerke umfassende, komplett ausgerüstete Spitäler, meistens unter Schulhäusern eingerichtet. Es gab oder gibt auch oberirdische Anlagen in den Bergen.

Also mehr sag ich jetzt nicht mehr über die Schweiz und ihre Armee. Ich sage nur noch eins: Die Russen rüsten ja wieder auf.

R.A., 26.11.2007 16:05

@M.M.:
> Ich muss jetzt aufpassen, dass ich da keine
> militärischen Geheimnisse ausplaudere.
So geheim ist das ja nun alles nicht.
Vorher war es schon inoffiziell bekannt, inzwischen zum größten Teil auch offiziell.
Gibt ja für viele ehemalige Militäreinrichtungen inzwischen öffentliche Führungen, andere werden auf dem freien Immobilienmarkt verhökert.

Wenn ich etwas Geld übrig hätte, würde ich mir vielleicht eine Almhütte mit Bunker untendrunter zulegen ;-)

Medea, 26.11.2007 16:47 Subscribed to comments via email

Vielleicht gibt es mal ein Preisausschreiben und du gewinnst die Almhütte mit Bunker. Darf ich dann auch mal in deinen Bunker? ;-)

 
 
Medea, 26.11.2007 16:45 Subscribed to comments via email

Wie du es “als Glück” geschrieben hast, war mir schon klar, dass es ein Scherz war mit den Frauen. Nur, gibt es tatsächlich keine Frauen in der Schweizer Armee?
Die Sache mit den unterirdischen Spitälern gefällt mir.

Gut, die Russen rüsten auf, aber was wollen die in der Schweiz? Die gute Schweizer Küche genießen?

M.M., 26.11.2007 17:18

Ja, es gibt Frauen. Jetzt überall. Die machen es aber freiwillig. Aus Spass an der Sache.

Inzwischen gibt es auch nicht mehr so viele Männer. Kürzlich wurde die Schweizer Armee 200′000 Angehörige reduziert. Davon sind 120′000 in aktive Verbände und 80′000 in Reserve-Einheiten eingeteilt (7,6 Mio. Einwohner), 87 Jets. Bundeswehr derzeit 250′000 (82 Mio. Einwohner). Österreich 55′000 Mann, 41 Jets, davon 12 von der Schweiz geleast.

Als ich noch dabei war, waren es noch 625′000 Mann gewesen (bei damals gut 6 Mio. Einwohnern.

 
 
 

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