antibuerokratieteam.net

Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Die Vertrauensperson (in KdöR*)

Bodo Wünsch, 24.11.2007

Wozu gibt es eigentlich die Institution der Vertrauensperson (wichtig nicht nur bei der Bundeswehr)?

Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil der Staat seinen eigenen Leuten nicht traut und umgekehrt? Weil der “mündige Staatsbürger” zwar “wählen” und sogar schießen darf (und ‘auf Befehl’ sogar soll), nicht jedoch für die eigene Sache selbst beim (Zwangs-)Adressaten (vor-)sprechen? Ist die Vertrauensperson gar eine Alibi-Funktion, sich gerade nicht mit den “Schutzbefohlenen” (Soldaten, Krankenversicherte, Rentenbeantrager, usw.) auseiandersetzen zu müssen?

Ombudsmann, lass’ nach. Gebt mir Recht!

* = Körperschaften des öffentlichen Rechts



9 Kommentare zu “Die Vertrauensperson (in KdöR*)”

  1. Lina

    Wir könnten es uns einfach machen: Ohne “Eckpfeiler”, wie die Vertrauensleute intern genannt werden, stürzt ein Gebäude ein. Wollen wir sie wegnehmen, diese Pfeiler? Die Decke begräbt dann – um im Bild zu bleiben – zugleich die ganze Bundeswehr unter sich.

    Wär’ Ihnen das Recht, wenn Sie schon Recht bekommen wollen;-)?

    Im Ernst: Dass einer nicht direkt vorsprechen kann, ist verdächtig.

  2. dagny

    Wer hat den ‘Klassensprecher’ in deutschen Schulen eingeführt? Das waren NICHT die Basisdemokraten von 68.

  3. Bodo Wünsch

    Den Verdacht hege ich auch – zumal und insofern ‘VPs’ institutionalisiert und damit funktionalisiert sind.
    Wie sagte schon Shakespeare (Hamlet): Though this be madness, yet there’s madness in it.

    Nachtrag übrigens zu meinem Eintrag: “Gebt mir Recht” ist Blödsinn – und illiberal. Ich _habe_ Recht, und kämpfe dafür, dass es mir nicht genommen werde…

  4. dagny

    Gibt es zu dieser Einrrichtung denn organisationstheoretische Untersuchungen?

    Hat die Vertrauensperson, der Klassensprecher, der Vertretersprecher eine Funktion im Sinne ‘Teile und Herrsche’? Eine Person aus der untergeordneten, groesseren Gruppe wird herausgehoben, darf mit der uebergeordneten Gruppe am Tisch sitzen und muss dann die Entscheidungen dieser nach unten kommunizieren?

    OG d.R. Dagny wundert sich ja noch heute ueber die Machtstruktur innerhalb ihrer Kompanie.

  5. Bodo Wünsch

    Eine VP ist also im wesentlichen ein institutionalisierter Interessendurchsetzungskanal ‘nach oben’.

    Die ‘Sonderrechte’ gerade bei der Bw sind allerdings marginal. Andersherum: VP zu sein hat für den/die Betreffende/n Vorteile, da er/sie sich öfter mal vom regulären Dienst ‘abseilen’ kann. Personalratsversammlungen und dgl. sind de facto Abwesenheiten vom Arbeitsplatz und bringen – nichts (außer ‘Anhörungen’). Entscheidungen der übergeordneten Gruppe tangiert das nicht – sonst wäre sie keine übergerodnete Gruppe (mehr) ;-)

  6. dagny

    Jetzt weiss ich nicht, welcher Laufbahngruppe Du angehoehrt hast, Bodo, aber als OG kennt man jede Menge Tricks um sich abzuseilen. Da braucht es keine VP.

    Nach der Grundausbildung hab ich die VP auch nie in Aktion erlebt, ausser dass der Kamerad zum offiziellen Dinner bei der Kommandouebergabe der Kompanie geladen war.

    Etwas aehnliches ist ja der Studentenvertreter in den Gremien einer Uni. Man wird da hineingewaehlt, darf ‘mitbestimmen’ und das bedeutet, dass Zustimmung zu woanders getroffenen Entscheidungen erwartet wird, eventuell auch Ablehnung, die dann mit einem ‘wir koennen Sie gut verstehen, aber es ist dennoch notwendig” kommentiert wird.

    Sinnvoll kann eine Vertrauensperson sein, wenn man sich nicht selber zum Ueberbringer schlechter Nachrichten machen will (‘Ihre Versetzung ist abgelehnt, die VP kann ihnen bestaetigen, dass die Entscheidung des Personalplaners korrekt abgelaufen ist”).

    Ob die VP in Disziplinardingen eher auf Seiten der unteren oder der oberen Gruppe steht, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ist es nicht so schlecht, einen Fuehrsprecher der eigenen Gruppe zu haben, wenn etwa ein 20-jaehirger Gefreiter sein Verhalten einem Gremium aus Berufssoldaten darlegen soll – allerdings musst Du dann beurteilen, wie die VP dort gesehen wird?

  7. Lina

    Shakespeare (Hamlet): The readiness is all.

    War gut, dass Sie schnell noch das illiberale Element, den Imperativ, getilgt haben! Hätte mir sonst Gedanken um Sie gemacht;-)

  8. Bodo Wünsch

    Für die Gedanken hätte ich Ihnen aber gedankt, Lina! ;-)

  9. dagny

    ..dort geachtet. muss es heissen.

    Ist die VP sowas wie die Frauenbeauftragte? u.U viel persönliche Macht, aber auch diese wird ggf. überstimmt. Die Transaktionskosten steigen dabei selbstredend.

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2012 by: antibuerokratieteam.net • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.