In Deutschland gehen die Lichter aus – für fünf Minuten
M.M., 27.11.2007
Am Samstag, 8. Dezember 2007 von 20.00 Uhr bis 20.05 Uhr gehen in Deutschland die Lichter aus. Weil das Greenpeace so will und BILD und BUND und der WWF und ProSieben und – Google.
Die Lichtausaktion soll eindringliche Mahnung sein, “die national und international zu mehr Klimaschutz aufruft”, schreiben sie auf ihrer Website.
Mit der Aktion „Licht aus! Für unser Klima.“ fordern die Kooperationspartner von „Rettet unsere Erde“, Google und ProSieben jeden Einzelnen zum Handeln auf. Zudem senden sie ein Zeichen an den zeitgleich stattfindenden Weltklimagipfel auf Bali, sich konsequent für bessere Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen.
Wer nicht mitmacht, wird an den medialen Pranger gestellt und wer mitmacht bekommt Gratiswerbeminuten und eine gute Presse?
Erste Zusagen für die Teilnahme an der „Licht aus!“-Aktion liegen bereits vor. So werden am 8. Dezember der Kölner Dom, das Schloss Neuschwanstein, das Heidelberger Schloß, die Alte Oper sowie die „Zeil“ in Frankfurt ihre Außenbeleuchtung für fünf Minuten abschalten. ProSieben wird am 8. Dezember live über die Aktion berichten.
Ich habe mich in der Schweiz bereits kritisch mit dieser Aktion auseinander gesetzt, besonders, was die Rolle von Google betrifft. Als stramme Liberale sollte man beispielsweise diesen Beitrag in der SonntagsZeitung über den Umgang von Google mit Nutzerdaten lesen: “Wenn es gerichtliche Verfügungen zur Herausgabe von Nutzerdaten gibt, kommen wir diesen als verantwortungsbewusstes Unternehmen natürlich nach“.
Aber das ist nicht mein Punkt. Es geht vielmehr um die politische Hygiene aus der Sicht eines mit direktdemokratischen Spielregeln vertrauten Schweizers.
In der Schweiz wäre es undenkbar, dass eine internationaler US-Grosskonzern wie Google, dass dominante Medienhäuser wie Springer oder ProSieben sich eine derartige Führungsrolle in einer Art plebiszitären politischen Kampagne anmassen würden. Das würde “das Volk” nicht goutieren.
Dass sich bis jetzt kein Widerstand regt, respektive in den Chefetagen von Google dieses Engagement des Datensammlerunternehmen nicht hinterfragt wird, kann ich nur mit dem Fehlen direktdemokratischer Instrumente und dem Mangel an einschlägiger Erfahrung erklären.
Überlegt mal: Es kann doch nicht angehen, dass sich Unternehmen dergestalt in die Politik einmischen, in dem sie mit ihrer geballten kommunikativer Marktmacht das Volk (gegen die Regierung) mobilisieren.
Nebenbei: Vielleicht gehen am 8. Dezember grossflächiger als gewünscht in Deutschland die Lichter aus. Denn wenn sich diesem Protest ein paar hundertausend Lichtab-Gutmenschen anschliessen, könnte es örtlich zum Zusammenbruch der Stromversorgung kommen.
antibuerokratieteam.net





Wobei eine Liveberichterstattung ohne Licht insgesamt eine recht sinnleere Veranstaltung sein dürfte – und damit ganz in der Tradition von ProSieben bleibt.
Wobei eine Liveberichterstattung ohne Licht eine recht sinnentleerte Veranstaltung sein dürfte – und damit ganz in der Tradition von ProSieben steht.
Mein Sohn sagt, dass Google einmal die Welt beherrschen wird. Er findet das nicht schlecht – wenn alles in einer Hand ist.
Wenn ich ihm jetzt noch sage, dass es in Zukunft global auch unser Klima macht, und dafür auch mal kurz das Licht ausknipst, dann wird er auch das noch einsehen. Obwohl…? Es hängt auch der PC dran, muss ich ihm noch sagen.
(Nein, nein, ich kläre ihn schon noch auf, keine Sorge!;-))
Ich vermute eigentlich nicht, dass sich eine nennenswerte Zahl von Privatpersonen an dieser Spielerei beteiligen wird. Und wenn, dann wird es sich nur um eine vorübergehende Unanehmlichkeit für einige Stromkonzerne handeln, die ihre Netzspannung im Griff behalten müssen. Was natürlich ein enormer Gewinn für “die Umwelt” ist ;-)
Anlaß genug, um zu jenem Zeitpunkt sämtliche Lichtquellen im und am Hause bei hochgezogenen Rolläden anzuknipsen, und der Umgebung die eigene persönliche Freiheit zu demonstrieren. Möglichst dann noch alle Geräte (Kaffeemaschine, Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner und was sonst noch) in Betrieb zu setzen.
Wer sich der Bevormundung beugt, demonstriert seine Fähigkeit zum Sklaventum.
Und wenn man dann noch den ev. vorhandenen Kamin (trotz sog. Feinstaub) anschmeißt, ist die Unabhängigkeitsdemonstration perfekt.
[...] sumpfnoodle, Rainbownet, Geniali’s Blog, knowLED, Ökologismus, Gonorrea, Karma Konsum, Antibürokratieteam, … [Liste wird [...]
Das wurde hier doch schon ausführlich diskutiert, ich spare mir die Wiederholung meiner dortigen Beiträge:
http://www.bissige-liberale.com/2007/11/26/dunkel-wirds/#comments
Titanic hat alles dazu gesagt:
http://titanic-magazin.de/40.html?&tx_ttnewspointer=1&tx_ttnewstt_news=1879&tx_ttnewsbackPid=3&cHash=b2bf9790d0
Warum nur kommt mir diese Kampagne so bekannt vor? Vielleicht deshalb: http://tinyurl.com/yru93v ? Oder ist es wegen des Ausspruchs Sir Edward Greys vom 4. August 1914: „The lights are going out in Europe; we shall not see them being lit again in our lifetime”? Oder wegen der FDJ-Streifen, die Jagd auf Fernsehantennen mit Westausrichtung machten?
Ich will die Antwort gar nicht wissen, aber dieses déjà vu ist sicherlich keines des „siècle des lumières”. — Hierzu passende Leseempfehlung: Thomas Manns Novelle „Gladius Dei”, deren erste Worte lauten: „München leuchtete,” in der ein düsterer Eiferer genau diesem Leuchten jedoch ein Ende zu setzen sucht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gladius_Dei
(mit Link zum Volltext)
Irgendwo hab ich mal gelesen, dass so ne Aktion eigentlich genau den gegenteiligen Effekt hat, weil bei stark abfallendem Stromverbrauch Kraftwerke runtergefahren und anschließen wieder hochgefahren werden müssen, und dadurch mehr Energie verbraucht wird. Jemand ne Ahnung ob das stimmt?
Logisch stimmt das, ist doch klar, dass die Gesamtleistung im Stromnetz angepasst werden muss. Das heisst jetzt nicht, dass Kohlekraftwerke runtergefahren werden müssen, aber z.B. Gaskraftwerke etc. werden im nichtoptimalen Bereich gefahren, der Wirkungsgrad verringert sich, die Umwelt wird prozentual mehr belastet im Verhältnis zur Energieausbeute.
Schuss ins Knie also.
Ich schließe mich an, fahre aber vorher noch mit dem Auto in den Baumarkt und kaufe mir nen Gartenstuhl aus Teak.
Ja, genau so ist es. Da man heute aber offenbar ein Abitur gewinnen kann, ohne auch nur ansatzweise naturwissenschaftliche Kenntnisse nachweisen zu müssen um dann Soziologie zu studieren oder “was mit Medien” zu machen nimmt derlei Schwachsinn nicht Wunder.
Wenn alle Teilnehmer dieser Aktion fünf Minuten später die ganzen Haushaltsgeräte wieder einschalten, gibt es eine richtige Verbrauchs-Spitze, die den Stromverbrauch so richtig in die Höhe schnellen lässt. Energie zu sparen ist zweifelsohne eine wichtige Aufgabe. Aber blinder Aktionismus hat nun mal oft das Gegenteil des erwünschten Ergbenisses zur Folge.
Es ist sinnvoller, wenn so eine Aktion mit den Netzbetriebern abgesprochen ist und dann auch von diesem durchgesetzt wird.
Titanic hat schon das Richtige dazu gesagt. Wobei mir am besten gefällt:
LaFee (Sängerin): „…, weil mir mein Agent gesagt hat, dass mein
Name dringend mal im Zusammenhang mit irgendeiner Charityscheiße genannt werden sollte. Als ich das hörte, war ich sofort ganz begeistert vom Klimawandel! Oder total dagegen halt, egal!”
Nina Ruge (TV-Altlast):……