Köhler sagt: Bodenlose Managereinkünfte
Bodo Wünsch, 28.11.2007
Ich sage: Der “Herr Bundespräsident” hat da nur was verwechselt. Nicht nur “ohne Bodenhaftung”, sondern geradezu verbrecherisch sind:
- die nachhaltige Verschuldung der inzwischen privaten Veranstaltung ”Bundesrepublik Deutschland”
- Art und Umfang der nicht vernunft- sondern interessegeleiteten Umverteilung des Bruttosozialproduktes
- die von einem sog. “Bundesrechnungshof” “gegeißelten” staatlichen “Verschwendungen”,
- einer folgenlosen Alibi-Veranstaltung, die wieder das Geld Anderer kostet
- verhandlungslos bestimmte Parlamentarier-Einkünfte (Grußadresse an die Lokführer!)
Und schließlich beängstigend, ja in der Tat ”horrend”:
- der stumme Gehorsam des uniformierten, dressierten und sprachlosen, weil bezwungenen Bürgers. Er ist es, dem man den Boden unter den Füßen entrissen hat.
antibuerokratieteam.net





Ich liebe es ja, wenn der Staat “haltet des Dieb” ruft. In einer durch und durch korporatistischen Gesellschaft, in der Grosskonzerne einen Gutteil ihrer Einkünfte auf staatliche Privilegien zurückführen können, ist doch das Managergehalt nicht mehr das Ergebnis eines Marktprozesses. Wenn Köhler wirklich wollte, dass sich das Gehaltsniveau in der Wirtschaft normalisiert, dann sollten er und seine Cronies ihre gierigen Finger aus dem Markt zurückziehen. Aber Probleme lösen wollen Politiker ja bekanntlich nicht, sie wollen sie nur für ihre Zwecke ausnutzen. Ist also nur eine Frage der Zeit, bis die staatliche Reglementierung der Managerentlohnung auf der politischen Agenda steht.
Sicher. Bleibt nur (noch) die Frage, lieber Christian, was Du unter “normalisiertem Gehaltsniveau” verstehst…
Im Prinzip, lieber Bodo, ist das ja ein ziemlich billiger rhetorischer Trick, die Kritik an einem Missstand damit erledigen zu wollen, dass man andere Missstände aufzählt. Ich gebe aber zu, dass er im konkreten Fall auch seine Berechtigung beanspruchen kann, da der Herr Köhler ja ebenfalls ablenkt, die rhetorische Figur der Kritik also auf die des Kritiserten passt.
Aber ich muss auch Christian Hoffmann widersprechen, da ich fürchte, dass die Selbstbedienungsmentalität bei den Vorständen auch ganz ohne Staatseinfluss so wäre, wie sie ist. Die Frage ist nur, wen das eigentlich stören sollte, wenn Anteilseigner ihr Vermögen freiwillig bestimmten Angestellten in den Rachen werfen? Die Anteilseigner, ok, aber die beschweren sich anscheinend nicht.
Aber was sagt Köhler eigentlich? Da es mittlerweile nach 23 Uhr ist, kann ich aus dem Interview zitieren und das Gesagte kommentieren:
Eine erstaunliche Aussage eigentlich. Oder? Als Liberaler fände man einen solchen Zustand jeweils zunächst mal als normal.
Da ist sie, die Gesellschaft. Rhetorisch Legion, aber realiter praktisch inexistent. Ich ertappe mich oft selbst dabei, wie ich mit ihr argumentiere, aber eigentlich ist das doch nur ein Platzhalter. An seiner Stelle müsste man sagen, was und wen man eigentlich meint. Interessant finde ich allerdings, dass Köhler die Verantwortung für eine Reflektion auf deren Ausgangspunkt verlagert. Der Reflektor selbst kann anscheinend nicht fehlen und steht auch in keiner Verantwortung.
*gasp* “Deutschland”, “moralische Führung”, “redliche Unternehmer” – im passenden Bullshit-Bingo wären das sichere Punkte. Ich weiß nicht, wer oder was “Deutschland” anderes sein soll als dieser Staat, in dem ich lebe. Dieser Staat, also die Gesamtheit seiner Bürger, braucht ganz sicher viele Dinge. “Moralische Führung” aber ist nicht darunter. “Führung” eigentlich generell nicht. Wir, die Bürger, wollen eigentlich nicht mehr, als dass die Einmischung von selbsternannten “Führern” ein Ende hat. Und ob Unternehmer redlich sind oder nicht, ist mir prima facie wurscht. Wichtig fände ich, ob sie innovativ sind. Und an das Recht sollten sie sich auch halten. Wer braucht mehr?
Renditeziele allein machen noch keine gute Unternehmensführung. Sozialer Frieden ist allemal ein wichtiger Standortvorteil Deutschlands.
Wer ist der “man”, der da “muss”?
Und wer ist dieses “wir”? Ich brauche das jedenfalls nicht.
Ups, da habe ich mich in der HTML-Umgebung verheddert.
Die zwei Sätze nach “Renditeziehle” sollten im Quote stehen, und nicht der mit “Ach” beginnende Kommentar.
Und das “Falls die Aufsichtsräte” gehört ebenfalls in “Quotes”.
Nun, ich bin kein Wahrsager, also kann ich das nicht vorhersehen. Ich bin mir aber relativ sicher, dass die Gehaltsdifferenzen innerhalb eines Unternehmens in einem freien Markt deutlich geringer wären. Im mittelständischen Bereich sieht man ja etwa gesündere Verhältnisse.
Letztlich hat sich das Gehaltssystem für (vermeintliche) Spitzenkräfte im Bereich der börsennotierten Grosskonzerne verselbständigt. Eigentum und Kontrolle haben sich hier entkoppelt. Eine Kontrolle findet paradoxerweise schon alleine deshalb nicht mehr statt, weil die Konzerne so gross sind, dass kein Mensch an ihnen eine Mehrheit erlangen kann. Letztlich kann bestenfalls ein Konzern den anderen kontrollieren – und eine Krähe hackt der anderen nunmal kein Auge aus. Man muss sich nur mal anschauen, wer bei den DAX-Konzernen in den Ausschüssen sitzt, die über die Entlohnung entscheiden – das sind meist Vorstände von anderen DAX-Konzernen.
Stellt sich die Frage, wie eine solche Situation entstehen konnte. Es gibt interessante Analysen, die darauf hinweisen, dass ohne den starken Arm des Staates die unternehmerische Megalomanie nicht möglich wäre (im Grunde verweisen darauf ja schon Klassiker wie R. Coase).
Schaue man sich doch mal die Spitzenverdiener in D an: Da sind die Banken, die an der Zitze unseres Papiergeldsystems hängen, Siemens, Daimler, Post, RWE, E.on, ThyssenKrupp, etc – halbe Staatskonzerne. Die staatlich gepamperte Pharma-Branche… I don’t know. Ich werde das Gefühl nicht los, dass das alles mit freiem Markt nicht wirklich viel zu tun hat.
Hat es Sinn zu argumentieren, dass es so etwas wie eine Gemeinschaft (auch oder gerade auch national) sehr wohl gibt? Das man sich ihr nicht entziehen kann, weil gegenseitige Determinierung nun einmal latent vorhanden ist?
Es macht wohl keinen Sinn. Die libertären Ideologen leben in ihrer ganz eigenen Welt, mangels gemeinsamen Nenners macht eine Bruchrechnung über gesellschaftliche oder politische Bruchteile daher keinen Sinn.
Um es kurz zu machen: Es muss nicht nur Fremdbestimmung oder Selbstbestimmung geben. Man könnte ja auch daran denken die Vorschriften für die Aufsichtsräte zu modifizieren, damit eine effizientere Kontrolle dabei herauskommt. Übrigens zum Schutz der Kapitalanleger, nicht zur Fremdbestimmung. Wenn man als Kapitalanleger sein Geld in eine AG steckt, dann möchte man schließlich zumindest einen rudimentären Vermögensschutz haben. Wenn der dadurch umgangen wird, dass die Vorstände sich wegen unwilliger Aufsichtsräte selbst bedienen dürfen (und damit mein Vermögen als Anleger schmählern dürfen), dann finde ich das nicht mehr lustig.
So mancher Managervertrag müsste eigentlich eine strafbare Untreue darstellen.
Ohne jetzt Christians Antwort vorgreifen zu wollen, habe ich seine Antwort so verstanden, daß unter einem normalisierten Gehaltsniveau Gehälter zu verstehen hat, das sich in Marktprozessen herausbilden.
Das Gehalt kann dabei, von Fall zu Fall, höher oder niedriger sein als derzeit. Vielleicht würden in Marktprozessen auch ganz andere Unternehmen und Führungskräfte agieren.
Wer weiß?!
Viele Grüße
Michael
[...] Verfasst von momorulez am November 29, 2007 Lustig, wenn in einem Blog, in dem ansonsten das programmatische Verfolgen des Eigeninteresses und Begriffe wie “Präferenz” und “Anreiz” alles dominieren auf einmal sowas steht: “Art und Umfang der nicht vernunft- sondern interessegeleiteten Umverteilung des Bruttosozialp… [...]
> Man könnte ja auch daran denken die
> Vorschriften für die Aufsichtsräte zu
> modifizieren, damit eine effizientere Kontrolle
> dabei herauskommt. Übrigens zum Schutz
> der Kapitalanleger, nicht zur Fremdbestimmung.
Völlig richtig.
Christian hat ja völlig recht, daß es bei den AG-Managern keinen funktionierenden Markt gibt, sondern ein System der gegenseitigen Vorteilsgewährung.
Daran ist aber ausnahmsweise nicht der Staat schuld, sondern die unzureichende Kontrolle.
In diesem Sinne habe ich es sehr bedauert, daß Ackermann für seine Veruntreuung bei Mannesmann nicht deutlich bestraft worden ist.
Wenn man als Kapitalanleger sein Geld in eine AG steckt, dann möchte man schließlich zumindest einen rudimentären Vermögensschutz haben. Wenn der dadurch umgangen wird, dass die Vorstände sich wegen unwilliger Aufsichtsräte selbst bedienen dürfen (und damit mein Vermögen als Anleger schmählern dürfen), dann finde ich das nicht mehr lustig.
Das ist auch nicht lustig, aber was geht das Herrn Köhler an? Repräsentiert er, als Präsident, ganz speziell die Kapitalanleger?
Nein, “es macht wohl keinen Sinn”, leider.
Hier spricht die “Stimme aus dem Off”, die aus dem Off kommt und genau meine Mitte trifft. Selten habe ich eine besseres, leicht resignatives, aber wohlmeinendes Statement dazu gelesen, warum libertäre Ideologien, wie sie sind und bleiben, in einem Staatswesen so wenig fruchten können. Es ist ein Jammer.
Ihre Anregungen, wie der leidige Status quo im Lande zu verbessern wäre, nehme ich dabei sehr gern in meinen Wunschkatalog auf – wenn sie da nicht schon sind :-). Danke!
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Mein geistiges Abseits in Bezug auf die deutsche Sprache sei mit um 06:45 Uhr bitte verziehen, auch wenn es unverzeihlich ist.
Er repräsentiert auch die Kapitalanleger.
Die Repräsentationsfunktion dient dazu einen Menschen zu haben, der sagen kann was er will ohne Rücksicht auf Abhängigkeiten nehmen zu müssen und trotzdem eine quasi-staatliche Gewalt/ Position dabei inne zu haben.
Selbst wenn ich mich in eine extremistisch libertäre Position versetze kann ich daran eigentlich nur etwas positives sehen. Schließlich ist das eine Stimme gegen die Fremdbestimmung innerhalb eines Systems der Fremdbestimmung. Sie hat keine Gesetzgebungskompetenz (von der Unterschrift abgesehen) und kann daher nicht viel Manipulation ausüben. Gegen die ganzen Lobbyisten kommt der Präsident in diesem System jedenfalls regelmäßig nicht an. Darum äußert er sich ja auch nur unregelmäßig und sehr selten.
Nebenbei bemerkt: Im Grunde nimmt Köhler damit ein Thema auf, das – auf fette, mit billigem Sozialneid angereicherte Schlagzeilen gestützt – seit zwei Jahren im öffentlichen Raum steht. Ist ihm die Bedeutung der Sache für das Sozialgefüge erst jetzt aufgefallen?
Gab es zuvor keine passende Gelegenheit, und warum passt es gerade jetzt? Hat er ein Geltungs- und Bedeutungsdefizit – und macht er es gerade dadurch (als zu Unrecht bestehend) geltend? Was für eine Rolle füllt er aus und welche lässt er leer?
Als Aufpasser und Mahner im Auftrag der Gesamtheit aller Bürger gegenüber der Politik würde ich ihn (oder besser doch einen Anderen ;-)) gerne öfter hören, bevor dem “bezwungenen” Bürger weiterhin “der Boden unter den Füssen entrissen wird”.
Er repräsentiert auch die Kapitalanleger.
Ja, schon, aber die Wirkung ist eine völlig andere – nämlich quasi allumfassend. Er spricht ja nicht explizit die Kapitalanleger an, sondern alle Bürger, und die nehmen das auch so auf, q.e.d. in einigen Kommentaren hier. Und genau so ist es auch von Köhler beabsichtigt. Er tut so, als ob er für das ganze Boot spräche, in dem wir alle zusammen säßen. Ich z.B. habe aber keine Aktien, und daher geht mir sein “wie”-Gequatsche auf den Wecker. Das tut mir übrigens insofern besonders leid, weil ich anfangs gedacht hatte, der Köhler wär endlich mal ein nüchterner Präsident, mit dem ich mich … ähem … sowas wie identifizieren könnte.
Nur weil Du keine Aktien hast, heisst das doch nicht das Du nicht davon betroffen bist.
Wenn sich die Investitionsbedingungen dermaßen gestalten, wirkt sich das mittelbar doch auf alle Bürger aus.
Ich für meinen Teil sehe keine andere Möglichkeit mein Geld zu investieren. Immobilien sind im derzeitigen Umfeld hochriskant und Festgeld wirft nicht genug ab.
Es bleiben mir also Aktien (Optionsscheine lasse ich mal außen vor).
Ich z.B. habe aber keine Aktien, und daher geht mir sein “wie”-Gequatsche auf den Wecker.
Ich meine natürlich nicht “wie”, sondern “wir”.
Wenn sich die Investitionsbedingungen dermaßen gestalten, wirkt sich das mittelbar doch auf alle Bürger aus.
Welchen Anteil der (schlechten) Investitionsbedingungen machen tatsächlich Managergehälter aus, und kannst Du da eine Korrelation – wie z.B. “besonders hohe Managergehälter -> besonders schlechter Aktienkurs” ausmachen?
Eine direkte Verbindung besteht sicher nicht, dafür sind die Vermögensdispositionen in dieser Hinsicht nicht bedeutend genug.
Die Gefahr ist aber, dass irgendwann mal eine Manager durchdreht und etwas macht, was der BGH nicht mehr tolerieren wird.
In Deutschland gab es noch keine ganz großen Skandale an den Märkten, wie z.B. in den USA.
Wenn man den Managern bei den Gehältern freie Hand lässt und sie vor Gericht damit durchkommen bei Vermögensdispositionen über fremdes Vermögen im Grunde machen zu können was sie wollen, dann wirkt sich das auch auf ihre anderen unternehmerischen Entscheidungen aus. M.a.W.: Wenn es schon nicht gelingt so etwas einfaches wie die Gehaltsfrage sinnvoll (in Bezug auf das betroffene Vermögen der Anleger, nicht wegen Neides) zu regeln, dann heisst es wohl gute Nacht Aktienmarkt.
Ein großer Skandal ist unter dieser Bedingung nur noch eine Frage der Zeit.
Und wenn ich dann daran denke, dass bei diesem Riester-Blödsinn viele Menschen fondsgebundene Verträge haben, dann kommen mir doch gewisse Bedenken.
@ Bodo Wünsch
Wollen Sie überhaupt Leute überzeugen, die nicht liberal oder zumindest nicht so wirtschaftsliberal sind wie Sie? Oder handelt es sich bei ihrem Beitrag nur um eine bloße öffentliche Selbstvergewisserung cholerischer Natur?
“Um gegen die Einkommensunterschiede vorzugehen, sprach sich Köhler dafür aus, Arbeitnehmer an Ertrag und Kapital von Unternehmen zu beteiligen.”
Ich glaube nicht, dass man so gegen Einkommensunterschiede vorgehen kann, zumindest nicht substanziell. Und ich hoffe es auch nicht.
Allerdings gehe ich davon aus, dass die Beteiligung von Arbeitnehmern an Ertrag und Kapital von Unternehmen bzw. die Ausweitung derselben ein geeignetes Instrument dafür ist, politisch die Akzeptanz hoher Einkommensunterschiede zu steigern, ökonomisch die Motivation von Arbeitnehmern (weiter) zu verbessern sowie ein breiteres Verständnis für ökonomische Prozesse zu schaffen.
Aber es handelt sich womöglich um ein Thema, dass hartgesottenen Liberalen zu sozialdemokratisch und Sozialdemokraten zu liberal ist.
“der stumme Gehorsam des uniformierten, dressierten und sprachlosen, weil bezwungenen Bürgers.”
Über das Ausmaß der Gehorsamkeit des Bürgers mag man streiten, aber das Dumme an diesem Bürger ist nicht zuletzt, dass er mithin eine dezidiert antikapitalistsche Partei wählt und zwei zumindest doch vergleichsweise wirtschaftsfreundliche Parteien jüngst damit begonnen haben, zu versuchen, Lafontaine und Co. mit bedenklichen Mitteln den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Die Managergehaelter werden nicht zuletzt vom Aufsichtsrat (Vertaege des Vorstandes) und von der Hauptversammlung (Praemienprogramme) beschlossen.
Im Aufsichtsrat haben die Gewerkschaften / Arbeitnehmer eine Mitbestimmung, insofern richtet sich Kritik an hohen Gehaeltern auch an diese Herren und Damen.
Die Rechte der Aktionaere in der Hauptversammlung koennten aus liberaler Sicht in der Tat groesser sein. Allerdings sollte auch klar sein, dass ein grosser Konzern zunehmend seine eigene Welt darstellt, in der die Eigentuemer laengst nicht mehr wissen, was genau passiert.
Bilden die Grossen Konzerne ein Kartell, das sich ueber Beteiligungen kreuzweise selbst gehoert? Alter Adel neu aufgegt etwa?
Dann ist es beruhigend, dass dieses Geflecht nicht aus meinem (Steuer-)Geld finanziert wird.
Nur mal auf die Schnelle ein Generaleinwurf vorab – es ist spät und möchte mir morgen Zeit nehmen, auf die einzelnen Kommentare einzugehen (was sich lohnt!):
Niemand wird oder ist in diesem Land oder sonstwo gezwungen, einen Porsche zu kaufen.
Das hätte ich als ‘libertärer Ideologe’ vielleicht noch ergänzen sollen (sprich: Köhler zurufen wollen)….
> Im Aufsichtsrat haben die
> Gewerkschaften / Arbeitnehmer
> eine Mitbestimmung, …
Nur auf dem Papier.
In der Praxis stehen die Abstimmungsfronten und die Arbeitnehmer haben Null Einfluß.
> Die Rechte der Aktionaere in der
> Hauptversammlung koennten aus
> liberaler Sicht in der Tat groesser sein.
In der Tat.
Die Aktionärsmitbestimmung wird in den meisten AGs zu einer Farce degradiert.
Da steht z. B. für die Besetzung des Aufsichtsrats EINE Liste mit exakt so vielen Kandidaten zur Wahl, wie überhaupt zu wählen sind.
Die Liste wurde vom alten AR-Vorsitzenden und dem Vorstand (!) ausgehandelt und kann nur komplett angenommen oder abgelehnt werden.
Wobei Nein-Stimmen nur gelten, wenn sie explizit in die eine Wahlurne vor dem Präsidium eingeworfen werden (das macht den Mitarbeiter-Aktionären aber Spaß, sich so vor dem Vorstand als Nein-Sager zu outen),.
Wer draußen am Buffett steht oder sonstwie nicht teilnimmt, gilt automatisch als Ja-Stimme.
Der Unterschied zur Volkskammerwahl ist marginal …
Freier Markt… wohl (und leider) eine Illusion angesichts der “Verhältnisse”. Gerade deswegen möchte ich der vollkommen unzulänglichen Köhler-Einlassungen energisch die Auswüchse steter Marktverhinderung und -vernichtung entgegenhalten. Was deutsche Manager absolut verdienen, ist nicht nur marginal (s.o.), es ist auch volkswirtschaftlich irrelevant. Ich würde jedoch zustimmen, wenn jemand beklagt, was deutsche Angestellte und Arbeiter _nicht_ verdienen aufgrund nicht statthabender, weil wegregulierter Chancen.
Wir sind uns ansonsten sicher einig, dass es “normalisierte” Gehälter im umgangsprachlichen Sinne nicht gibt und nicht geben kann.
Hallo Rayson, weißt schon, dass Du gerade ein offenes Scheunentor eingerannt hast :-) – natürlich ist es Rhetorik, was ich geschrieben hatte. Zulässig oder nicht… kaum verweist man auf hinlänglich bekannte Fakten, für die man kein Abitur haben muss, schon wird man geschimpft dafür..
Was ist eigentlich “Repräsentanz”?
Man hört das ständig: Der BP repräsentiere alle Bürger.
Vergessen wird, dass das ein _Auftrag_ ist, keine Beschreibung eines Zustandes.
Trotz der Einleitung war der Kommentar auch eher unterstützend gedacht. Manchmal neige ich zur Dialektik ;-)
“Überzeugen” gibt es nicht. Ich schreibe, was ich denke, ohne Erwartung einhelliger Zustimmung. Und “wirtschaftsliberal” wäre ich gerne, allein, ich kann nicht. Mehr als die Hälfte meiner Arbeit, meines Handelns für mein Leben geht per Gesetz an andere. Gefragt werde ich nicht, es gibt nichts zu entscheiden.
Ich denke, dass es nicht nur nicht notwendig ist, sondern auch unmöglich, “die Menschen” zur irgendetwas zu bewegen, was sie nicht selbst wollen (z.B. zu akzeptieren, dass andere vielleicht höhere Preise für ihre Arbeit oder ihre Position erzielen). Ausnahme: Sie zwingen Sie per Gesetz dazu.
Ihrer Diagnose eines weiter voranschreitenden Antikapitalismus kann ich jedoch nur voll zustimmen, zumindest was Europa betrifft.
Herrn Wiedeking sein Gehalt vorzuwerfen ist sicher nicht angebracht. Auch Herr Kleinfeld, der zwar im Strudel der Affäre ertrank, aber wohl nicht daran beteiligt war, hat sich seinen golden handshake verdient.
Ich weiß nicht, in welche Richtung diese Debatte driften soll. Managergehälter werden von den Kapitalgebern gezahlt und nicht von der LinksPartei oder Herrn Köhler.
der stumme Gehorsam des uniformierten, dressierten und sprachlosen, weil bezwungenen Bürgers.
Vielleicht auch des sprachlosen, weil desinteressierten Bürgers? Man muss wahrscheinlich schon eine eher religiös-geldzentrierte Weltsicht haben, um aus der Höhe der Staatsverschuldung eine “verbrecherische” Veranstaltung zu machen. Wer eine persönlich befriedigende und ausfüllende Tätigkeit ausübt, dem ist wohl relativ egal, wieviele Steuern er zahlt, solange er von dem, was übrig bleibt, angemessen leben kann. Mich persönlich interessiert die Höhe der Staatsquote ungefähr so viel wie die Höhe von Managergehältern — nämlich überhaupt nicht. Ich glaube irgendwie auch nicht, dass hier Friede, Freude und Eierkuchen ausbrächen, wenn eine der beiden Zahlen wesentlich niedriger wären.