Qualitätskontrolle von Lehrern
Am Dienstag hat das OLG Köln entschieden, dass das Internetportal Spickmich.de weiter online bleiben darf. Auf Spickmich können Schüler anonym ihre Lehrer in unterschiedlichen Kategorien mit Schulnoten bewerten, insbesondere über die fachliche Kompetenz und die Qualität des Unterrichts soll ein Urteil gefällt werden. Dagegen geklagt hatte eine Gymnasiallehrerin, die auf Spickmich “nicht ganz so gut” weggekommen war und die eine Löschung ihrer Daten gefordert hatte. Im Kern hatte das Gericht nun zu entscheiden, ob es sich bei der Benotung um Schmähkritik handelt, oder ob die Wertungen der Schüler als Meinungen durch die im Grundgesetz verankerte Meinungsfreiheit abgedeckt sind.
Letztendlich sah das Gericht alle Wertungskategorien, in denen die Schüler ihre Lehrer benoten können, als von Art. 5 I GG gedeckt an und hat deshalb die Berufung der Lehrerin zurückgewiesen (die Pädagogin war bereits in der ersten Instanz unterlegen, hatte aber Berufung eingelegt). Die einzige wirklich problematische Kategorie, in der die Schüler über das Aussehen des Lehrers urteilen konnten, hatte Spickmich (schlauerweise) schon vor Prozessbeginn zurückgezogen.
Auch wenn die anonyme Form der Bewertung sicherlich ihre Probleme hat, eine durchaus begrüßenswerte Entscheidung, die das OLG Köln hier getroffen hat, denn gerade Lehrern mangelt es im Normalfall an jeder Form von Selbstreflexion, da sie, etwas überhöht formuliert, ab dem Tag ihrer Verbeamtung im Klassenzimmer eigentlich machen können, wozu sie auch immer Lust haben. Eine echte Kontrolle der Qualität des Unterrichts findet jedenfalls nicht statt.
Durch Zufall hatte ich gerade noch an diesem Wochenende eine längere Diskussion zu diesem Thema mit einem alten Schulfreund. Dieser war schon kurz nach dem Abitur (etwas überraschend) Vater geworden, hat dann aber schnell Gefallen an der neuen Situation gefunden und ist nun stolzes Oberhaupt einer kleinen Großfamilie. Wie die Zeit vergeht - da sein ältester Sohn im nächsten Jahr nun von der Grundschule auf das Gymnasium wechselt, klappert er zur Zeit an den Wochenenden die Schulen der Stadt ab, um sich ein Bild zu machen und zu entscheiden, wo sein Sprößling die nächsten Jahre die Schulbank drücken soll. Dabei stand am letzten Wochenende auch ein Besuch des Gymnasiums an, auf dem er zusammen mit dem Kollegen Statler und mir immerhin 9 Jahre verweilen musste / durfte, nur um mit der schlimmen Feststellung nach Hause zu fahren, dass sich auch knapp 15 Jahre nach unserem Abitur noch immer nichts an unserer schulischen Alma Mater geändert hat.
So wird wieder einmal die Frage aufgeworfen: Wie kann man die Qualität des Unterrichts verbessern? Brauchen wir für Lehrer mehr Kontrollmechanismen? Und wenn ja, wie sollen diese aussehen?
Ich will ehrlich sein, ich halte den Beruf des Lehrers nicht für besonderes anstrebenswert. Er ist ordentlich, aber auch nicht herausragend gut bezahlt. Man hat sicher viel Freizeit und Urlaub, dafür muss man sich aber mit immer größeren Klassen und immer schlechter erzogenen Blagen herumschlagen. Wer und warum will deshalb überhaupt noch Lehrer werden?
Ganz ehrlich gesagt, ich habe oft das Gefühl, dabei handelt es sich vor allem um Mitmenschen, die nach dem Abitur einen kleinen Schritt in die echte Welt gemacht haben, ganz furchtbar erschrocken sind - und deshalb ganz schnell wieder in bekannte Gewässer, also den Schulbetrieb, zurückzurudern. Das ist zunächst die Universität, kurze Zeit später dann aber auch schon wieder das so bekannte Umfeld: die Schule. Im Normalfall hat ein Lehrer so bis zur Rente gerade mal sechs Jahre lang nicht im Schulbetrieb gesteckt - nämlich in der Zeit von Geburt bis zur Einschulung.
Dazu kommt, und ich möchte wirklich Niemanden zu Nahe treten, dass sich nicht immer die größten Leuchten für den Lehramtsberuf entscheiden. Sehe ich mir beispielsweise an, wer aus unserer Abiturklasse nun unterrichten darf, wird mir doch ein wenig Angst und Bange um die nächste Generation. Pauschal möchte ich mal behaupten, knapp 50 Prozent der Pädagogen an unseren Schulen sind eigentlich nicht dazu geeignet die Leistungen zu erbringen, die sie als wesentlicher Schlüssel in der Entwicklung eines Kindes spielen sollten.
Aber wie soll man das Problem lösen? Mir würde dazu nur einfallen, die Lehrer aus der Verbeamtung herauszunehmen und sie echter Konkurrenz zueinander auszusetzen. Gerne auch bei besserer Bezahlung, dann aber auch mit der Pflicht sich immer wieder Fortzubilden und sich auch testen zu lassen. Das wäre sicherlich hart, würde aber zumindest dazu führen, dass gerade diejenigen, die Kinder zum Lernen motivieren sollen, nicht mehr selbst mit 30 jeden Willen zur eigenen Fortbildung einstellen können.













Ich habe das Glück, jeden Morgen neben einem wunderbaren Exemplar dieser myteriösen Gattung “Lehrer” aufzuwachen und habe es mir abgewöhnt, mich über solche z.T wirklich dumme Pauschalurteile aufzuregen. Zum Thema Urlaub oder Ferien sei z.B. angemerkt, dass das letzte Wochenende außerhalb der Ferien, das wir komplett gemeinsam verplanen konnten geschlagene eineinhalb Jahre zurückliegt und dass die faktischen Ferien sich maximal auf etwa sieben bis acht Wochen summieren. Die normale Wochenarbeitszeit liegt lockerst deutlich über den 42 vorgeschreibenen Stunden. Bei dieser Frage sollte man zumindest zwischen Lehrern unterschiedlicher Fächerkombinationen differenzieren und keine Pauschalurteile abgeben.
Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist bei Lehrern genauso ungleich verteilt wie bei anderen Berufsgruppen, meine Erfahrungen als Sparingspartner für derartige Übungen sind jedenfalls gewaltig. .
Eine Pflicht zur Fortbildung existiert und ihr wird zumindest bei den Lehrern in meinem Bekanntenkreis auch eifrig nachgekommen (selbstredend in der Regel auf eigene Kosten und grade bei Sprachenlehrern überwiegend in der Ferienzeit).
Ob die Aberkennung des Beamtenstatus der Anreiz ist, mehr qualifizierte junge Leute dazu zu bringen, Lehrer zu werden, wage ich auch zu bezweifeln, die Bruttoentlohnung müsste massiv steigen, um den Nettolohnverlust aufzufangen. Den Lehrermangel damit zu bekämpfen, dass man eines der letzten Bonbons nimmt halte ich kaum für zielführend.
(Die grundsätzliche Problematik des Beamtentums lasse ich mal außen vor. Der Status ist nach meinem Dafürhalten grundsätzlich nur schwer zu rechtfertigen)
Vielleicht ist es hilfreich, sich einmal persönlich mit dieser Gattung Mensch auseinanderzusetzen. Es gibt davon sehr viele und unter ihnen auch sehr viele sehr umgängliche Exemplare, mit denen man sich mal auf ein Bier zusammensetzen kann um ein wenig die Innenansicht kennenzulernen.
@ FG: Ich nehme nicht für mich in Anspruch, auf dieser Plattform ein solches Thema umfassend beleuchten zu können. Aus diesem Grund musste ich natürlich ein wenig pauschalieren - und mir ist auch durchaus bewusst, dass es wesentliche Unterschiede gibt. Dass ein Lehrer mit Geschichte / Englisch mehr zu arbeiten hat als ein Kollege mit Mathe und Sport steht wohl außer Frage.
Und trotzdem ist es so, dass wohl in kaum einem Beruf ein Unwillen zur Arbeit bzw. Fortbildung so einfach hingenommen wird, wie es bei den Lehrern der Fall ist. Solange ein Pädagoge nicht auf seine Kinder einschlägt oder ähnliche “Kracher” verbockt, ist er relativ unangreifbar, mit der Folge, dass manch einer seine Zeit einfach nur absitzt, mit katastrophalen Folgen für die Kinder.
Im Übrigen sind Lehrer für mich keinenfalls unbekannte Wesen, in meinem Freundeskreis gibt es einige dieser “Gattung”, das Spektrum würde ich von motiviert und hoch qualifiziert bis zu faul und Fehlbesetzung bewerten. Übrigens bewerten die motivierten Pädagogen die staatlich vermittelten Fortbildungen als unverschämte Zeitverschwendung. Das aber nur am Rande bemerkt.
Was mir allerdings an Deinem Kommentar direkt mal wieder aufstößt, ist die Tatsache, dass man Fortbildung auf eigene Kosten als negativ eingestuft wird. Genau hier sitzt das Problem, so lange keine Konkurrenz besteht, besteht keine Erfordernis besser und qualifizierter zu werden. Nehme ich beispielsweise meinen Berufszweig der Juristen, so ist es fast selbstverständlich für eine Fachanwaltsausbildung, einen LLM oder eine andere Qualifizierung tief in die eigene Tasche zu greifen. Viele Lehrer empfinden es anscheinend dagegen als unverschämt, selbst für die eigene Weiterbildung sorgen zu müssen. Aber man ist es ja auch nicht anders gewohnt als vorgeschrieben zu bekommen, was man zu lernen hat.
Zum Thema der selbstfinanzierten Fortbildung erlaube ich mir den Hinweis, dass es m.E. einen Unterschied gibt zwischen Freiberuflern (zu denen ich die Anwälte rechne) und abhängig Beschäftigten (was Lehrer nun mal sind). Dass ein Anwalt für seine Fortbildung selbst aufkommt, erscheint mir nicht sonderlich abwegig - hängt sein Einkommen und berufliches Fortkommen unmittelbar von seiner Qualifikation ab. Wenigstens im derzeitigen System ist es für das Gehalt des Lehrers vollkommen irrelevant, ob und wie sehr er sich fortbildet - während der Dienstherr ein fundamentales Interesse daran hat, dass der Lehrer fachlich und pädagogisch auf der Höhe der Zeit bleibt.
Es käme niemand auf die Idee, von dem Beamten im Einwohnermeldeamt (oder dem Ministerialrat …) zu verlangen, er solle die Fortbildung zur Nutzung der neuen Software (…) selbst organisieren, in seiner Freizeit absolvieren und aus seinem eigenen Geldbeutel bezahlen. Gleiches gilt für die freie Wirtschaft: Die vom Arbeitgeber verlangte Fortbildung für den - sagen wir - Bankangestellten, damit dieser das neue Abrechnungssystem beherrscht, zahlt auch nicht der Angestellte, sondern organisiert und bezahlt die Bank.
Insofern erscheint mir die Annahme nicht völlig abwegig, dass die vom Dienstherrn verlangten Fortbildungen zur Erhaltung und Steigerung der Professionalität auch von diesem bezahlt werden sollten.
Auf der gleichen Ebene liegt, dass in allen anderen Berufen der Arbeitgeber den Arbeitsplatz (während der Lehrer das Arbeitszimmer für locker die Hälfte seiner Arbeitszeit selbst finanziert und noch nicht mal mehr von der Steuer absetzen kann) und auch das zur Arbeit unbedingt und zwingend erforderliche Material stellt (als da wären für den Unterricht notwendige Bücher pro Jahr im bei mir vierstelligen Bereich; da wären Zeitschriftenabos; OHP-Folien noch und nöcher; der nur für den Unterricht angeschaffte Laptop; Tonerkartuschen und so weiter und so fort). Der Beamte bei der Stadtverwaltung in gleicher Einkommensstufe kauft sich seine Tonerkartuschen und so weiter nicht selbst. - Dies nicht als Lehrerjammerei, sondern nur mal leidlich unemotional als Beitrag zu einer Situationsbeschreibung eines ansonsten hochmotivierten Lehrers mit einer Woche von derzeit nie unter 55 Stunden / Woche.
Ich zitiere:
Das Alimentationsprinzip verpflichtet als hergebrachter Grundsatz den Dienstherrn, dem Beamten (auch dem Ruhestandsbeamten) und dessen Familie amtsangemessenen Unterhalt zu leisten. Der vom Dienstherrn zu leistende Lebensunterhalt richtet sich daher nach der Höhe des Amtes im statusrechtlichen Sinne, nach dem Familienstand und den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen, aber auch nach der Bedeutung des Berufsbeamtentums für die Allgemeinheit. Dabei bildet die Alimentation nicht die Gegenleistung für tatsächlich geleistete Dienste, sondern ist Ausgleich dafür, dass sich der Beamte mit seiner vollen Arbeitskraft, ja mit seiner gesamten Persönlichkeit dem Dienstherrn zu widmen hat, wenn auch grundsätzlich unter Begrenzung auf die Arbeitszeit.
An diesem Kriterium zeigt sich noch einmal das antiquierte Verständnis von der Legitimation des Berufsbeamtentums. Das Prinzip der leistungsunabhängigen Besoldung hat in einer modernen Demokratie nichts zu suchen und kommt einer Veruntreuung von Steuergeldern gleich. Auch mit der genannten Legitimation, dass sich die Alimentation dadurch rechtfertige, dass sich der Beamte mit voller Arbeitskraft, ja mit seiner ganzen Persönlichkeit dem Dienstherrn zu widmen habe, ist es nicht weit her. Das zeigen die zahlreichen Nebentätigkeiten vieler Beamte, die wohl kaum ausgeübt werden könnten, wenn sich der betreffende Beamte mit „voller Arbeitskraft“ dem Dienstherrn widmete.
Aus: Rolf Schmidt, Besonderes Verwaltungsrecht I, 9. Auflage, S. 276
Der erste Absatz beinhaltet natürlich Fußnoten, der zweite ist eingerückt abgedruckt und stellt die Auffassung des Autors dar.
Spätestens an der Stelle war mir klar, warum der Schmidt im Studium als nicht zitierfähig gilt.
Ich finde ziemlich amüsant zu sehen, wie Rolf Schmidt inzwischen auch durch Veränderung des Layouts immer mehr versucht wie ein Lehrbuch zu erscheinen. Musste vor einiger Zeit nochmal etwas nachschlagen und bin mehrfach an den Büchern vorbeigerannt, weil ich nur das alte Layout kannte :-)
Aber gut sind die Dinger. Ich habe noch nie einen Fehler oder ein Blindzitat in einem Schmidt-Buch gefunden. Das ging mir bei den “Leerbüchern” oft anders. Erst letzte Woche habe ich zwei solche Prachtexemplare weggeworfen. Und das waren Fehler, nicht lediglich versteckte eigene Ansichten.
Verglichen zu dem Schrott den man von habilitieren Leuten sieht sind die Schmidt Bücher oft ein Ausbund an Seriösität. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ganz zu schweigen. Die Investition lohnt sich ja schon nur wegen der ganzen Fußnoten.
Es ist übrigens schön mal wieder von Dir einen Artikel zu lesen.
Ich erwische mich auch sehr häufig dabei, eher in RS Büchern etwas nachzuschlagen, als in irgendwelchen Lehrbüchern oder Skripten, da man dort eigentlich immer sicher sein kann, nicht in irgendeine Mindermeinung “hereingelockt” zu werden, sondern einen Gesamtüberblick zu erhalten.
Über die Qualität anderer Werke, insbesondere auch von Skripten, muss man teilweise den Mantel des Schweigens hüllen. Ich werde nie meine erste Begegnung mit der der Skriptenreihe eines großen Reps vergessen (und es war nicht AS), wo ich wirklich alle 5 Seiten den Rotstift zücken durfte. Eine Unverschämtheit.
Was die Frequenz meiner Beiträge angeht: ich muss mich mal bemühen, wieder mehr zu machen. Aber bis Anfang Oktober war ich in den USA, danach haben einfach zu viele Veränderungen meine Zeit in Anspruch genommen, glücklicherweise nur positiver Natur.
Hmmm, nix gegen die Bewertung von Lehrern, aber das kann man auch in der Schule machen, anonyme Bewertungszettel (von mir aus auch am Computer, damit kein Lehrer die Handschrift erkennt) kann man auch dort unter überschaubaren Bedingungen ausfüllen lassen.
Im Internet hat sowas für meinen Geschmack zu sehr etwas von einem Pranger, und das muß nicht sein. Zumal man als Lehrer auf dort geäußerte Kritik wohl auch eher beleidigt reagieren und sie nicht unbedingt konstruktiv verstehen wird.
Passend zum Thema Qualitaetsvergleich im internet
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,520485,00.html
Die Bewertung von Lehrern im Internet ist in meinen Augen nur fair, problematisch allenfalls die Frage des Datenschutzes der Lehrerdaten - die Schulen koennten stattdessen aber auch ein eigenes Lehrerbewertungsszstem einfuehren, aehnlich wie ich es aus der Universitaet zur Evaluation von Forschung und Lehre kenne.
(Bayern, Naturwissenschaftliche Studiengaenge) -
Selbstredend sollten die Schulen in Konkurrenz um Schueler, und in Konkurrenz um Lehrer stehen, das duerfte in der Stadt weit einfacher sein als auf dem Land.
Ob so die Qualitaet derjenigen, die Lehramt studieren erhoeht wird, ist fraglich, aber der Druck zur Fortbildung oder zumindest zur Reflexion der eigenen Didaktik bleibt.
Die eigene Schuelerzeit beurteilend, wuerde ich einem Schueler auch durchaus zutrauen, einen Lehrer nach Kompetenz, Unterrichtsstil, Vorbereitung etc. differentiert zu bewerten und so eine Evaluation nicht als Rachemittel zu verwenden. (Dafuer gibt es Abistreich und andere Ventile)
Da meine Liebste den, wie sie meint, wunderschönen Beruf einer Hauptschullehrerin ausübt, kann ich FGs Kommentar im Tenor bestätigen. Sie malt aber für einen deutlich höheren Prozentsatz als 50% auch das Bild vom Lehrer, der den Job ergriffen hat, weil der Verbleib in der geschützten Umgebung Schule erstrebenswert erschien.
Bei Hauptschullehrern kommt übrigens noch eine Leistungskomponente dazu, für die sie aber weder ausgebildet noch eigentlich bezahlt werden: die Erziehung der Eltern.
Es ist aber nicht so, dass ein Lehrer im Unterricht abziehen kann, was er will. Es findet sich immer mindestens ein Elternpaar oder - teil, das mit Argusaugen über die Notenvergabe wacht, und die einen oder anderen davon kriegen auch mit, ob es mit ihren Sprösslingen voran geht oder nicht.
Die Schulleitung hat meist ein großes Interesse daran, weder von Eltern noch von übergeordneten Behören überproportional behelligt zu werden und ist schon bestrebt, schlechte Lehrer durch gute zu ersetzen. Es liegt allerdings nicht in ihrer Macht.
Konkurrenz ist ja ganz nett, aber das bekommt man (aufgemerkt Ihr Fundamentalisten!) auch hin bzw. bedeutend verbessert, ohne den Beamtenstatus zu verändern.
Leider wimmelt es auch in der FDP vor Beamten…
Die Antworten, die der Artikel bereithält, halte ich im großen für richtig, wenn auch nicht für ausreichend.
Das Problem ist, dass es praktisch keine Kontrollmechanismen in nur irgendeiner Form oder gar Konsequenz bei festgestellter Unzureichenheit der Qualität gibt.
Unterrichts-Qualitätskontrollen sollten:
(1.) objektiv sein, d.h. weitgehend standardierte Tests bzw. Korrekturverfahren
(2.) regelmässig stattfinden, d.h. mind. 1-2 mal pro Jahr
(3.) Anreize setzen, d.h. ein Teil des Gehaltes als variablen Anteil auszahlen, der u.a. sich aus den Testergebnissen (absolut und den Veränderungen) ergibt.
Darüber hinaus könnten erzieherische und menschliche Fähigkeiten bei Lehrern über Evalutationen bei Eltern und Schülern gewürdigt werden und ebenfalls in den variablen Gehaltsteil mit einfliessen.
Bei entsprechend attraktiver Vergütung für besonders fähige Leute würde der Beruf auch für Leute attraktiv, die eher leistungsorientiert sind und davon auf die Schüler abstrahlen könnten.
Der typische Lehramtskandidat von heute ist wohl eher an der als viel eingeschätzten Freizeit und dem sicheren Job interessiert.
Schliesslich müssen die Schulen selber viel mehr Autonomie erhalten. Die Schulleiter könnten sowohl über das Lehrangebot als auch das Kollegium ohne Einmischung durch Ministerien entscheiden. Durch freie Schulwahl würden Schulen untereinander in Wettbewerb treten und könnten ggf. auch geschlossen werden.
Als Fernziel wäre sogar eine Privatisierung der Schulen und eine Bezahlung nach Bildungsgutschein a la Friedman denkbar.
Die Qualität von Unterricht ist immer ein Thema über das sich trefflich streiten lässt. Jeder war schließlich selbst mal in der Schule und meint deshalb, gut mitreden zu können. Dabei ist die Beurteilung von Unterricht extrem schwierig. Weder die Beliebtheit eines Lehrers noch die Noten seiner Schüler sind hier hinreichend. Häufigere Unterrichtsbeurteilungen durch den Direktor sind auch nicht geeignet, die Qualität von Unterricht zu verbessern.
Überhaupt weiß niemand so genau, nach welchen Kriterien eine solche Beurteilung eigentlich stattfinden sollte. Sicher müsste man das abfragbare Wissen der Schüler heranziehen, aber auch deren Fähigkeit, dieses anzuwenden, sich auf neue Situationen einzustellen, kreativ mit ihrem Wissen umzugehen. Auch das Lernklima in der Klasse müsste man erfassen und den sozialen Umgang der Schüler untereinander.
All dies ist schon schwer zu definieren, noch schwerer in nachprüfbare Kriterien zu fassen und fast unmöglich objektiv zu kontrollieren. Mit anderen Worten: Es gibt keine sinnvollen Kontrollmechanismen!
Bei diesen Schwierigkeiten, die Qualität überhaupt zu erfassen, ist es daher nicht sinnvoll, eine Konkurrenzsituation zu erzeugen. Die Konkurrenz würde sich auf nebensächliche oder vortäuschbare Merkmale konzentrieren.
Um die Qualität von Unterricht zu steigern, gibt es kein Patentrezept. Es sind die vielen kleinen, manchmal unscheinbaren Maßnahmen, die dieses erreichen können.
Wie Ihr Freund schon bemerkt hat, ändern sich die schulischen Bedingungen nur sehr langsam. Das ist vielleicht gar nicht ganz so schlecht, denn so können sich die in der Pädagogik immer wieder vorkommenden Modeströmungen nicht durchsetzen, die meist nur ideologisch aber nicht praktisch begründet sind.
Wenn Ihr Freund eine Schule für seine Kinder sucht, so kann man ihm nur den Rat geben, auf die in Frage kommenden Lehrer zu achten. Solange die noch Freude an ihrem Beruf haben, ist der Rest nicht ganz so wichtig.
Zunächst einmal würde ich behaupten, dass es bei diesem Portal nicht um “Qualitätsverbesserungen” geht, sondern um Voyeurismus. Davon abgesehen glaube ich nicht, dass die Lehrer im allgemeinen so schlecht sind. Insbesondere sind sie ganz überwiegend auch ausreichend fachlich qualifiziert. Wenn man zB Germanistik auf Lehramt studiert, lernt man schon im ersten Semester schwerere Sachen, als man jemals in irgendeinem Deutsch-LK unter die Leute bringen darf. Das Problem an den Schulen sind vielmehr oft asoziale Eltern und Schüler mit einer miserablen Lerneinstellung.
Das ist wohl nicht pauschalisierend? Asoziale Eltern und miserable Lerneinstellung. Ok, dann sind die Lehrer fein raus.
Natürlich ist es sinnlos, Lehrer im Internet zu benoten. Zumindest, wenn man erwartet, daß die Antworten unverzerrt sind. Dennoch finde ich es durchaus berechtigt, solange gewisse Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben. Bashing aufgrund von Äußerlichkeiten muss sich keiner gefallen lassen.
An Universitäten ist das auch nicht anders. Da gibt es genügend Profs, die sich nach dem C4 Abgriff nur noch begrenzt engagieren und Forschungsfreisemester nehmen, um ihren Abschlag oder ihr Putting Game zu verbessern. Und es gibt welche, die sind mit 70 noch so aktiv wie eh und jeh.
Nur noch ein Faktor, der bisher nicht genannt worden ist betreffs der Idee der verstandartisierten Test:
Es kann selbst für einen guten und bemühten Lehrer problematisch sein einer Klasse gute bis sehr gute Leistungen zu entlocken, wenn sie zuvor von einem der schlechten Exemplare der Gattung Lehrer unterrichtet wurde. Dann kann es nämlich sein, dass man die eigentlich im Lehrplan vorgesehenen Einheiten zurückstellen oder verkürzen muss, nur um Basiswissen nachzuarbeiten, das eigentlich schon vorhanden sein sollte.
Weiterhin habe ich kein Problem damit, wenn die Anforderungen oder Aufgaben der Klassenqualität angepasst werden. Sprich: Wenn einer Klasse mit einer größeren Anzahl schwächerer Schüler eben nicht etwas von den Brontës liest, sondern etwas Simpleres, dass zumindest die Klasse im Gesamten nicht überfordert oder frustriert. Auch das fällt natürlich bei einer Standartisierung des Unterrichts weg.
Ich wollte damit natürlich nicht sagen, dass alle Eltern in Deutschland asozial sind und alle Schüler eine schlechte Motivation haben. Ich glaube aber, dass die Probleme -insgesamt gesehen- eher darauf zurückzuführen sind als auf Unzulänglichkeiten der Lehrer.
Das haben wir schon verstanden - und ich kann Dir in der Sache auch nur voll zustimmen. Da meine Mutter Lehrerin an einer Grundschule war (seit diesem Jahr im Urlaub) und meine zukünftige Schwägerin Erzieherin in einem Kindergarten, bekomme ich relativ nah mit, dass heute eine Großzahl von Kindern nicht mehr von ihren Eltern erzogen werden, sondern diese Pflicht auf das Bildungssystem abgeschoben wird.
Und die Verrohung bei Kindern ist auch nicht zu verleugnen. Sicher, als ich auf der Grundschule war, da haben wir auch mal gerauft. Aber das ein am Boden liegendes Kind noch ein Dutzend Tritte ins Gesicht bekommt, hat es bei uns nicht gegeben.
Die Validität einer Lehrer-Beurteilung durch Schüler würde ich ohnehin einmal in Frage stellen. Speziell um daraus einen Vergleich einzelner Schulen abzuleiten.
Erstens einmal wird ein Schüler für die Qualität eines Lehrers vielleicht andere Maßstäbe anlegen als seine Eltern.
Vor allem aber:
Jeder Schüler kennt nur eine Handvoll Lehrer seiner eigenen Schule.
Für eine Beurteilung, wie gut diese sind, fehlt ihm schlicht der Vergleichsmaßstab.
Wenn (sagen wir) die Lehrer des A-Gymnasiums in München besser abschneiden als die des B-Gymnasiums in Hamburg, dann hat das keine Aussagekraft.
Vielleicht ist einfach das Anspruchsniveau der Münchner Schüler ein anderes als das ihrer Hamburger Kollegen.
Es soll ja auch nicht ein Maßstab ermittelt werden sondern vielleicht den Lehrern als Motivationsstütze dienen, wenn sie mal wieder keinen Bock haben, den Stoff dem 21. Jh. anzupassen.
Ich bin zugegebenermaßen schnell dabei, wenn es auf die Lehrer geht, aber wie einer der Vorredner schon sagte: Jeder meint, er könne mitsprechen, nur weil er selber einmal Schüler war.
Grundsätzlich: Ich kenne privat nicht einen einzigen Lehrer (weil mir dieser Menschenschlag einfach nicht liegt) und erachte deren Beamtenstatus für vollkommen kontraproduktiv. Dennoch mag ich eine Lanze für sie brechen: Wenn ich mich mit heutigen Abiturienten unterhalte, bin ich regelmäßig schwerst beeindruckt, was die alles in der Schule lernten. (Sogar die liberalen Klassiker haben anscheinend Eingang in den Lehrplan gefunden - außerhalb des Politik-LKs!) Auf mein ehemaliges Gymnasium würde ich sofort meine eigenen Kinder schicken, das ist in den zehn Jahren seitdem unendlich viel besser geworden; es gibt dort einen “Sprachenzug” und einen “Kunstzug” und lauter Zeug, das ich geliebt hätte. (Italienisch ab Klasse 7!) Will sagen: Trotz verbesserungswürdiger Anreizsysteme gibt es offenbar genug Leute in dem System, die es merklich und effektiv fortentwickeln.
weil mir dieser Menschenschlag einfach nicht liegt
Darf ich mal fragen, was das Kollektiv Lehrer, bzw. den Lehrer an sich, so auszeichnet?
Im Idealfall ein umfangreiches Wissen.
Die Wahl eines Berufs, in dem man sich mit nervigen Kids rumärgern muss, erbärmliche Aufstiegsmöglichkeiten, maximale Sicherheit und minimale Berührung mit der wirklichen Welt (=Freie Wirtschaft) hat. Muss ich alles nicht haben.
Das erklärt, warum du selbst nicht Lehrer geworden bist, aber nicht, warum da erstens ein Menschenschlag ausgemacht werden kann, der dir zweitens nicht liegt…
Weil ich Leute, die so diametral anders ticken als ich nicht um mich rum haben muss. Ich geh ja auch nicht zum JuSo-Stammtisch um Freundschaften zu schließen.
Außer Frage, dass es Leute gibt, die den Lehrerberuf wählen, weil er maximale Sicherheit bietet. Ich nehme für mich in Anspruch, den Beruf gewählt zu haben, obwohl man sich (auch schon mal) mit nervigen Kindern herumärgern muss und obwohl es nur wenige Aufstiegschancen gibt - aber weil ich überzeugt bin, dass Kinder heute mehr denn je gute Lehrer brauchen und dass ich den Kindern etwas Sinnvolles beibringen kann (und um das Feld nicht allein den erstgenannten Vertretern der Spezies zu überlassen). Und was Berührung mit der wirklichen Welt angeht: Freie Wirtschaft ist auch nicht alles. In der Schule wird man mehr als genug mit (sehr traurigen Seiten) der wirklichen Welt konfrontiert.
@Björn
“Weiblich, verkopft, durchsetzungsschwach, unflexibel, realitätsfern, sensibel, steile Kurve vom Idealismus in den vorruhestandsinduzierenden Frust.”
Sagt meine Liebste, die sich auch in ihrer Freizeit möglichst nicht mit Kollegen trifft.