Wer spricht eigentlich derzeit für die Palästinenser?
Aus einer aktuellen Hamas-Verlautbarung:
“Palästina ist arabisches islamisches Land, vom Fluss bis zum Meer, Jerusalem eingeschlossen. Es gibt dort keinen Platz für die Juden.” (via)
Es ist halt doch ein universelles Phänomen, zu beobachten in so ziemlich jedem Konflikt weltweit: Wann immer es eine kleine Chance gibt, daß man sich mit den halbwegs Moderaten an eine friedliche Lösung zumindest annähert, versuchen die richtig Irren, für eine Radikalisierung zu sorgen. Aber welche Fraktion spricht denn nun eigentlich gerade wirklich für die Palästinenser?
Siehe auch: Henryk M. Broder bei Spiegel Online.







[...] Aktuelle Stellungnahme der Hamas. Via. [...]
Schwer zu sagen, wer denn für die Palästinenser spricht. Wer wie sie “Staat spielt”, wie Broder es nennt, vergibt zwar Rollen innerhalb des “en suite” gespielten Stücks, aber die Hauptrolle kann aus schwerwiegenden Konkurrenzgründen derzeit nicht besetzt werden.
Ob es an der Gage liegt? Wohl kaum. Wir zahlen doch nicht schlecht, und das sogar nach dem Giesskannenprinzip; wir wollen ja nicht unmenschlich sein. Aber solange sie es nicht unter sich ausmachen können, was sie eigentlich wollen, und ob sie ihn überhaupt haben wollen, den zu gründenden Staat, sehe ich auch schwarz für ein gemeinsames Sprachrohr.
Mit der Teilung in “Hamastan” und “Fatahstan” haben sie jedenfalls den Grundstein für weitere Erschwernisse gelegt; oder sollte man sagen: gesucht und gefunden? Nein, Verstand war da nicht im Spiel, nur Gefühl. Und darauf lässt sich schwerlich ein Staat bauen; also gibt es eben keinen.
Die Teilung in “Hamastan” und “Fatahstan” könnte auch eine Chance bieten – wenn auch eine sehr kleine. Denn mit Hamas wäre ein Arrangement mit Israel absolut ausgeschlossen, während dies mit einer pragmatischen Mehrheit im Westjordanland (falls es diese gibt) zumindest theoretisch möglich wäre. Es ist zumindest den Versuch wert, mit der derzeitigen Strategie, Hamas zu isolieren, und Abbas politisch aufzuwerten, fortzufahren. Abbas hat sich bisher noch nicht so heuchlerisch wie Arafat gezeigt. Und wenn in Gaza auch weiter die Irren regieren – dort lassen sie sich wenigstens besser unter Kontrolle halten.
Wer von Euch spricht eigentlich wirklich für das Antibürokratieteam?
SCNR
SCNR: Wie meinen Sie das eigentlich, David?
Wenn Sie das so meinen, dass der Autor selbst sowie die einzelnen Blogger des Antibüroktatieteams – aber auch jeder! – auch mal ihre Stimme erheben und jeweils etwas zu den Einträgen aller sagen sollten, dann schliesse ich mich Ihrer Aufforderung begeistert an!.
Wenn Sie aber hier Vorschläge zum Abbau palästinensischer Bürokratie bei der Gelderverwaltung erwarten – da ist bestimmt nichts zu machen, weil undurchsichtig bis zum Exzess ;-).
Das wäre zuviel verlangt, David!
Liebe Lina, an sowas hatte ich gar nicht gedacht. Weder noch. Ich wollte eigentlich nur antikollektivistisch motzen, da Christian Hoffmann anscheinend verhindert ist.
Wer spricht für die Baden-Württemberger (also auch mich, der ich politisch einer bin): Die Landes oder die Bundesregierung? Antwort meinerseits: Weder noch. Sie sollen sich, was mich betrifft, auch hüten.
Das war übrigens nicht als echte Analogie gedacht. Der erste Kommentar auch nicht. Sollte sich aber eigentlich von selbst verstehen.
Broder hat einen schönen Abschluss für seinen Artikel gefunden. Der Absatz trifft eigentlich auch auf viele Politikfelder in Deutschland zu:
Für welche “Palästinenser” eigentlich?
Man sollte sich allmählich von der politischen Fiktion eines “palästinensischen Volkes” verabschieden.
Da ein Frieden ohnehin nur möglich sein wird, wenn die Araber endlich das völlig realitätsferne “Rückkehrrecht” aufgeben und die Nachbarstaaten die Flüchtlinge ganz normal integrieren und mit Bürgerrechten versehen, gibt es dann einen großen Teil der “Palästinenser” ohnehin nicht mehr.
Und wenn sich Israel und seine Nachbarstaaten Ägypen und Jordanien über eine Grenze geeinigt haben, können diese dann auch Gaza und die Westbank wieder verwalten.
Vielen Dank an R.A. für den ersten brauchbaren Kommentar zu Statler’s Beitrag.
Um das Ganze noch ein bißchen zu vertiefen; ich finde es sehr erstaunlich, daß so viele Leser dieses Blogs noch an irgendwelche Mythen von den moderaten Palästinensern und den radikalen glauben. Es wird mit gleich welcher palästinensischen Führung keine Lösung des Problems geben, da genau diese Führung das Problem, und zwar das einzige Problem ist. Völlig egal ob Hamas oder Fatah, beide haben das Ziel, Israel zu vernichten und zwar vollständig. Es kann mit diesen Parteien keinen sinnvollen Dialog geben, da diese daran nicht interessiert sind.
Genauso müssen die Israelis sich von dem Gedanken verabschieden, sie könnten besetzte Gebiete kontrollieren. Die einzige Möglichkeit, diese Gebiete vollständig zu kontrollieren, wäre, Ariel Sharon’s erfolgreiche Methoden aus den siebziger Jahren anzuwenden, was jedoch innerhalb Israels heutzutage nicht mehr durchsetzbar ist.
Daher müssen die Israelis einseitig Fakten schaffen, auch die Siedlungen in der Westbank komplett räumen und dann die Grenze schließen und sichern. Deutschland sollte sich bereiterklären, Experten der ehemaligen DDR-Grenzsicherung zur Verfügung zu stellen, dann hätten diese Leute wenigstens auch einmal etwas Sinnvolles in ihrem Leben getan. Grenzverkehr nach Israel hinein sollte auf ein Minimum beschränkt werden. Die dadurch nicht zur Verfügung stehenden palästinensischen Arbeitskräfte sollten durch afrikanische Einwanderer ersetzt werden; diese wurden wenigstens nicht in dem Glauben erzogen, daß Juden Affen und Schweine seien, die es zu töten gilt, am besten dadurch, daß man geistig Behinderten Sprengstoff an den Körper bindet und sie dann auf israelische Frauen und Kinder losschickt.
Das Problem wäre damit gelöst, die Israelis könnten das tun, was sie schon immer wollten, nämlich einfach ihr Leben leben und dann und wann an den Strand gehen. Und die Palästinenser können machen was immer sie wollen in ihrem Gebiet, das ist mir unglaublich egal.
“Daher müssen die Israelis einseitig Fakten schaffen, auch die Siedlungen in der Westbank komplett räumen und dann die Grenze schließen und sichern.”
Absolut vernünftig, der Vorschlag.
Aber: das wird Israel nie machen, allein schon wegen Jerusalem.
> Es wird mit gleich welcher
> palästinensischen Führung keine Lösung
> des Problems geben, da genau diese
> Führung das Problem, und zwar das
> einzige Problem ist.
Das ist so nicht ganz richtig.
Selbst wenn die Fatah nicht so eine korrupte Mafiabande wäre (von der Hamas ganz zu schweigen) – es wäre ihnen selbst bei bestem Willen kaum möglich, wirklich Frieden zu schließen, solange die arabischen Staaten sich weigern, sich um die Flüchtlinge zu kümmern.
> Daher müssen die Israelis einseitig
> Fakten schaffen, …
Was sie ja seit einiger Zeit tun, und damit Erfolg haben.
> auch die Siedlungen in der Westbank
> komplett räumen …
Nicht komplett.
Einige Siedlungen werden bei Israel bleiben, um eine strategische Absicherung zu erreichen. Und Jerusalem wird auch bei Israel bleiben.
Den größten Teil der Westbank dagegen wird Israel wohl räumen.
> Grenzverkehr nach Israel hinein sollte
> auf ein Minimum beschränkt werden.
Ärgerlich für den Tourismus – aber in der Tat ist das die beste Lösung.
> Die dadurch nicht zur Verfügung
> stehenden palästinensischen Arbeitskräfte
sind schon weitgehend ersetzt.
> Und die Palästinenser können machen
> was immer sie wollen in ihrem Gebiet,
> das ist mir unglaublich egal.
Nur, wenn die EU aufhört dort unsere Steuermillionen zu verschenken.
P.S. Und es wird dann auch lustig sein, zu sehen, wie sich die arabischen Ortschaften im Grenzgebiet darum reißen werden, Teil Israels zu sein, um auf gar keinen Fall mit den arabischen Brüdern vereint zu werden.
@R.A.
Glaubst Du, dass Jordanien oder Ägypten palästinensische Gebiete verwalten wollen?
> Glaubst Du, dass Jordanien oder Ägypten
> palästinensische Gebiete verwalten wollen?
Es sind Gebiete, die sie mal haben wollten.
Dann sollen sie auch zu ihrer Verantwortung stehen.
Ist aber letztlich nicht unser Problem, die von Sven skizzierte Lösung ist nicht nur die einzig mögliche, sondern sie läßt auch genügend Freiraum, daß die Araber sich nach Belieben sortieren können.
@Sven
“Daher müssen die Israelis einseitig Fakten schaffen,…”
So eine Strategie ist außerhalb Israels ziemlich unpopulär und kaum zu vermitteln, denkst Du nicht?
Da hast Du Recht, aber die Israelis sollten realisieren, dass ihnen das egal sein muss. Israel sollte vermeiden, bei seinem Handeln auf die Popularitaet im Ausland zu achten, nur um es vom zweitletzten auf den drittletzen Rang der weltweiten Beliebtheitsskala zu schaffen.
Vor allem sollte es den Israelis egal sein, was die groesstenteils antisemitischen Europaer von Ihnen halten. Tatsachen zu schaffen hat sich in der Geschichte meistens als erfolgreiche Strategie herausgestellt. Die Weltoeffentlichkeit wuerde sich ziemlich schnell an den neuen Zustand gewoehnen, vor allem wenn man sich mit Agypten und Jordanien einigen koennte und diese dann in den Palaestinensergebieten mit ihren eigenen Methoden fuer Ruhe sorgen wuerden.
Siehst Du es als realistisch an, die Palästinensergebiete an Ägypten und Jordanien loszuwerden? Die müßten doch verrückt sein, die zu nehmen, oder?