Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel

03.12.2007 20:30 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim

Papa, wenn ich nicht an das Jesuskind glaube wie du, komme ich dann in die Hölle? Hat die Kindergärtnerin gesagt. Und ist es da wirklich so heiss? Aber du musst dann da auf mich aufpassen Papa. Das machst du doch. Oder?

Allen Vätern (ob Agnostiker wie ich, Atheist oder Christ dürfte doch wohl gleichgültig sein, oder?) die mit derartigen Aussagen ihres Kindes konfrontiert werden, als Alternative zur hilflosen Wut über die widerwärtige Indokrination unserer Kinder durch ein staatliches Bildungssystem, das keine Wahl zur “in unserer Verantwortung vor Gott”-Anmassung der bayrischen Verfassung lässt, mein persönlicher Geschenktipp zum Julfest: Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke.

Hier noch die FAQ zum Ferkelbuch.

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63 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

dagny, 03.12.2007 21:44

Danke für den Hinweis.

 

[...] Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel [...]

 
grummel04, 04.12.2007 02:25

Eine interessante Rezension darüber gibt es bei Nichtidentisches.

 
FG, 04.12.2007 09:08

Kleine Klugscheißerei: Die “Verantwortung vor Gott” steht nicht in der Bayrischen Verfassung sondern im Grundgesetz. Die Bayern bringen zwar auch Gott ins Spiel, sie sind da deutlich wortgewaltiger und am Ende auch deutlich konkreter:

“Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des zweiten Weltkrieges geführt hat, in dem festen Entschlusse, den kommenden deutschen Geschlechtern die Segnungen des Friedens, der Menschlichkeit und des Rechtes dauernd zu sichern, gibt sich das Bayerische Volk, eingedenk seiner mehr als tausendjährigen Geschichte, nachstehende demokratische Verfassung.”

 
jo@chim, 04.12.2007 09:31

Danke für den Hinweis! btw:

… eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott…

…auch hier, wie so oft, die unverschämte Behauptung, die Ursache des Faschismus sei “Gottlosigkeit” gewesen. Als wenn die Pfaffen nicht die Waffen gesegnet hätten. Als wenn die Schergen in ihrer überwiegenden Mehrzahl keine “guten Christenmenschen” gewesen wären.

Rayson, 04.12.2007 09:47

Du verwechselst Gott- mit Konfessionslosigkeit. Macht ja nichts, davon kannst du ja nichts wissen.

Die “guten Christenmenschen” sind im KZ gestorben.

stefanolix, 04.12.2007 10:00 Subscribed to comments via email

Ich würde eher sagen: er verwechselt Konfessionszugehörigkeit mit dem Bekenntnis zum Christentum.

PS: Sei froh, dass Joachim nicht noch eine Diskussion über die Theodizee vom Zaun bricht ;-)

 
 
FAB., 04.12.2007 09:57

Nun, die Koinzidenz zwischen dem “Verdunsten” des europäischen Christentums im 19. Jhdt. und der Hinwendung vieler Menschen zu Ideologien wie dem Kommunismus oder dem Nationalsozialismus als Surrogate und vermeintliche Quelle “innerweltlicher Erlösung” scheint mir zu deutlich, um einen Zusammenhang so völlig zu verneinen. Von Ursächlichkeit sprechen, gar Zwangsläufigkeit implizieren sollte man nicht; schließlich gab und gibt es genug Menschen, die sich von der Religion verabschieden, ohne sich solch einem Ersatz zuzuwenden. Aber das wird ja so auch in dem zitierten Verfassungstext nicht behauptet. Da wird nur konstatiert, daß der Nationalsozialismus eine “gottlose” Gesellschaftsordnung war - was ohne Zweifel zutrifft. Der Pfaffenhaß Hitlers, sein fester Wille, die Kirchen zu zerschlagen, sind hinlänglich bekannt; von Bibellesekreisen in der SS ist auch nichts bekannt.

stefanolix, 04.12.2007 10:06 Subscribed to comments via email

Ist das Segnen von Waffen eigentlich eine Privatangelegenheit des Geistlichen oder muss das in jedem Fall mit der Kirche abgestimmt sein? Ich habe bisher nur gelesen, dass Geistliche die Waffen der Wehrmacht gesegnet haben, von Segnungen der SS ist mir nichts bekannt.

Es haben wohl auch Geistliche ernsthaft daran geglaubt, dass die Bedrohung durch die gänzlich gottlose Sowjetunion größer sei als die Bedrohung durch den Nationalsozialismus. Ich will weder diese Fehleinschätzung noch das Segnen von Waffen für eine Aggression rechtfertigen. Aber im Rückblick aus einer friedlichen Zeit heraus sieht vieles leichter aus.

 
 
 
FAB., 04.12.2007 09:37

Einerseits würde es mich ebenfalls zu einem eindringlichen Gespräch mit der Kindergärtnerin veranlassen, wenn diese Anstalten machte, Kinder mit Höllengeschichten in Angst und Schrecken zu versetzen. Ich war aber bisher davon ausgegangen, daß es sich dabei um ein bereits seit Jahrzehnten allgemein überwundenes religionspädagogisches “Konzept” handelt. Ist mir jedenfalls selbst noch nirgends begegnet.
Und zum anderen - Kommunion als “Kannibalismus”, wie peinlich platt ist das denn bitte? Da kann der Autor es noch so sehr bestreiten, solche Dummheiten zeichnen doch eher den fanatischen Atheisten aus denn den kritischen Agnostiker.

Sehr skurril bei Amazon: Wir garantieren die rechtzeitige Lieferung zu Weihnachten … ?!

 
nichtidentisches, 04.12.2007 15:35

grummel04 hats ja schon angemerkt: Eine umfassende Rezension gibts hier http://nichtidentisches.myblog.de/nichtidentisches/art/226959716/

Und die ist nicht gerade wohlwollend… Als kritischer Geist würde ich meinen Kindern eher eine Kinderbibel zumuten und dann darüber diskutieren, als so etwas.

jo@chim, 04.12.2007 16:03

Die Antisemitismus-Keule gegen (zugegeben: aggressiven) Atheismus ist auf “nichtidentisches” genauso albern und deplatziert wie auf politically incorrect.
Und, mit Verlaub: der Gott des Alten Testaments ist ein Arschloch.

David, 05.12.2007 03:02

Ob es Sinn ergibt, die Keule zu schwingen, sei dahingestellt. Interessant finde ich aber schon, daß der Autor gerade im Falle des Judentums nicht einen Vertreter der liberalen oder säkularen Juden, die er doch offenbar ganz knuddelig und dufte findet, auftreten läßt, sondern gerade einen Vertreter der für ihn ja schlimmen Orthodoxen, der sich ‘nen Ast über tote Kinder lacht, während die der anderen beiden Religionen wohl doch eher der moderaten Schiene zuzugehören scheinen (wenn ni das richtig dargestellt hat). Das ist vielleicht nicht antisemitisch, aber “sehr fadenscheinig” (mit Helge-Schneider-Tonfall gesprochen).

Das aber nur nach Lektüre der Rezension bei ni. Für ein ‘endgültiges Ergebnis’ müßte ich mir das Buch schon mal ansehen.

 
Schmock, 05.12.2007 14:46

Warum nimmst Du das einfache Opfer PI und nicht einen interessanteren und klügeren Blogger wie Daniel Fallenstein von FDOG (die Ihr ja verlinkt)
Was er hier sagt
http://fdog.org/2007/10/11/ann-coulter-ist-schlimmer-als-eva-herman/
ist doch ebenso mit der Antisemitismuskeule geschwungen wie Christine Dietrich bei PI, oder irre ich mich etwa? Das müßtest Du mir aber erklären.

Wäre es im übrigen nicht sinnvoller der inhaltlichen Kritik bei “nichtidentisches” mit einer sich auf den Inhalt des Buches beziehenden Argumentation, anstatt mit der Antisemitismus-Keule-Keule zu begegnen?

jo@chim, 05.12.2007 15:35

Ich habe deshalb auf den PI-Artikel verwiesen, weil die exakt den selben - IMHO saudummen - Antisemitismus-Vorwurf an jene richten, denen wie Dawkins, Schmidt-Salomon oder mir der Gott des Alten Testaments als ziemlich widerwärtige Figur erscheint. In der Konsequenz würde das heissen: Atheismus (sofern er sich äussert und nicht still im Kämmerlein schweigt) ist antisemitisch. Welch ein Bullshit!

Aus dem Beitrag von Daniel, den Du verlinkt hast, lese ich das so nicht heraus - aber wenn er das ebenso wie PI oder NI sehen würde, hätte ich auch keine Probleme damit, das in aller Freundschaft wie oben zu kategorisieren.

P.S.: Die sonstige Rezension auf NI haben die Jungs ja zweimal hier verlinkt, reicht das nicht? … vielleicht schreib ich wirklich noch was dazu (aber sicher nicht auf Zupfiff).

 
 
 
Schmock, 05.12.2007 14:49

Die Bibel ist auch ein in vielerlei Hinsicht wertvolles Buch, Pädagogen-Propaganda hingegen vielleicht nicht.

 
 
Lina, 04.12.2007 18:03

..auch mit Verlaub: mich einer so kühnen Behauptung anzuschliessen, reizt mich enorm, und am allerwenigsten so etwas wie Gottesfurcht kann mich davon abhalten, dir zuzustimmen, Ja, er ist ein Arschloch - so, wie er im Buche steht.

 
Rayson, 04.12.2007 19:37

@jo@chim

Du meinst, die Juden glauben an ein Arschloch?

jo@chim, 04.12.2007 23:06

Ach Rayson, Du kennst Dich da ja besser aus als ich (wie Du nicht müde wirst zu betonen): ist das archaische Monster des Alten Testaments nicht ebenso der Gott bibelgläubiger Christen und Muslime wie der orthodoxer Juden?

Übrigens macht ja auch Schmidt-Salomon genauso wie ich (aber ganz im Gegensatz zu Dawkins) die - IMHO wichtige - Unterscheidung zwischen fundamentalistisch Religiösen und “moderaten” (sollte man sagen: zivilisierten?) Gläubigen.

Der für mich entscheidende Punkt ist aber, ob die Religion missionierend ist oder nicht: solange jemand mich und meine Kinder mit seinen Projektionen in Ruhe lässt, kann er meinetwegen glauben, an was er will. Diesbezüglich ist mir das Judentum wesentlich weniger unsympathisch als das Christentum oder gar der Islam. Aber auch liberale Juden in Israel haben ja das Problem, dass ihnen Orthodoxe vorschreiben wollen, was sie am Sabbat zu tun (bzw. nicht zu tun) haben. Welch eine Anmassung! Die mich auch hierzulande aufregt, wenn irgendein Pfaffe meint, sich zu meiner Freizeitgestaltung an christlichen Feiertagen oder zur Ladenöffnung am Sonntag äussern zu müssen.

btw: Ob ich jemand für ein Arschloch halte, entscheide ich immer im Einzefall, falls Du das mit Deiner Frage intendiert haben solltest.

Rayson, 04.12.2007 23:23

Mal übersetzt: Der Gott des Alten Testaments ist auch der Gott der Christen. Nicht nur der bibelgläubigen.

Allerdings ist er auch der Gott der Juden. Und nicht nur der orthodoxen.

Die Unterscheidung zwischen fundamentalistischen und zivilisierten Gläubigen lasse ich übrigens nicht gelten. Ich nehme für mich z.B. christlichen Fundamentalismus in Anspruch, obwohl mir bislang noch niemand das Zivilisierte abgesprochen hat.

Missionieren finde ich in einer freien Gesellschaft übrigens auch ok. Ein Problem sähe ich dann, wenn die Missionierung zur Indoktrinierung wird, und das kann sie nach meinem Menschenbild nach eigentlich nur für Minderjährige werden. Also besagte Kindergärtnerin, wenn sie denn wirklich existiert hat, hätte gleich mehrere Fehler begangen und wäre für ihren Job ungeeignet.

Dass du den Titel “Arschloch” selektiv vergibst, hätte ich dir von vornherein zugestanden. Aber den Gott des Alten Testaments nennst du so. Meine Frage war also eher eine logisch überflüssige und hatte natürlich mehr den Zweck, Anlass zum Nachdenken über Tragweiten zu geben.

jo@chim, 04.12.2007 23:45

Was ist denn die sogenannte Religions”pädagogik” anderes als der gezielte Versuch, Kinder religiös zu indoktrinieren?

Rayson, 05.12.2007 00:08

Keine Ahnung. Der Begriff als solcher sagt mir nichts.

Vorstellen darunter könnte ich mir eine Methode, jungen Menschen die Grundlagen einer Religion zu vermitteln.

P.S.: Heiße Höllen sind out. “Hölle” ist nach allgemein anerkannter christlicher Definition die Abwesenheit von Gott, also etwas, das Atheisten geradezu anstreben.

jo@chim, 05.12.2007 01:08

Wie würdest Du es denn nennen, wenn “jungen Menschen” im schulischen Umfeld oder im Kindergarten die Grundlagen des Atheismus vermittelt würde? Atheistische Pädagogik?

Zur Hölle als Abstraktum steht in der Wikipedia, dass “manche Theologen” dieser Auffassung seien. Aber ok. Du kannst das ja ändern, wenn es nicht stimmt.

Atheisten “streben” übrigens die Abwesenheit von Gott oder Göttern nicht an - sie sehen das als gegeben an. Ein Freund hat mir mal auf meine Frage, was ihn denn von seinem Atheismus “kurieren” könnte, geantwortet “lass uns nach unserem Tod darüber diskutieren”.
Das bringt es sehr gut auf den Punkt, denke ich. Vielleicht liegen wir beide da gar nicht so weit auseinander lieber Rayson: wenn Religiosität in einer Glaubensentscheidung begründet liegt, kann auch Atheismus nur in Glauben begründet sein (nämlich in der Unfähigkeit zu glauben). Glauben kann so gesehen nicht “wissenschaftlich widerlegt” werden - und Atheismus nicht wissenschaftlich begründet. Es sind verschiedene Ebenen. Hierin liegt übrigens auch der Grund, warum ich mich im Allgemeinen als Agnostiker bezeichne, nicht als Atheisten.

Davon unberührt bleibt allerdings meine Ablehnung organisierter Religion(en) als IMHO potenziell aggressiver, wenn nicht totalitärer Systeme. Und richtig ekelhaft wird’s, wenn kreationistische Buchstabengläubige oder Islamisten ihre jeweiligen Wahnsysteme (sorry, in dem Zusammenhang erlaube auch ich mir diese Bezeichnung) zur objektiven Realität und Wertegrundlage aller erklären. Dann ist der Jihad (oder Kreuzzug) nicht mehr weit.

Boche, 05.12.2007 10:34

Mal was Versöhnliches für die frankophile Gemeinde:

Adieu Curé je t’aimais bien
Adieu Curé je t’aimais bien tu sais
On n’était pas du même bord
On n’était pas du même chemin
Mais on cherchait le même port

Der ganze schöne Rest findet sich hier.

jo@chim, 05.12.2007 13:03

Merci bien Boche - Brel ist immer wieder schön :-)

On a chanté les mêmes filles

Dieser Satz hat mir besonders gut gefallen: zeigt er doch, wie menschlich Gläubige trotz aller unmenschlichen religiösen Forderungen sind…

 
 
 
Lina, 05.12.2007 07:14

Heisse Höllen sind also out? Warum werden sie dann immer noch “vermittelt”?

Pädagogik ist eine Erziehungswissenschaft. Dort wird also nicht nur “vermittelt”, sondern erzogen. Daraus darf gefolgert werden, dass die Hölle, heiss oder nicht, zur Drohung benutzt wird.

(btw.: Einem Rächer und autoritären Popanz, als den ich den Gott des Alten Testaments unter anderem bezeichne, würde ich keinen jungen Menschen zur Erziehung anvertrauen wollen, ebensowenig seinen “Vermittlern”.)

jo@chim, 05.12.2007 12:49

Zur Frage, ob die Hölle heiss oder kalt ist, hab ich noch was im Netz gefunden, Lina :-)

Björn, 05.12.2007 13:11

Laut Buch 2 von Miltons Paradise Lost ist die Hölle doch in verschiedene Klimazonen unterteilt. Um das Leiden zu erhöhen, werden die Gestürzten von irgendwelchen Harpien von der Hitze in die Kälte und zurück getragen werden:

Beyond this flood a frozen continent
Lies dark and wild, beat with perpetual storms
Of whirlwind and dire hail, which on firm land
Thaws not, but gathers heap, and ruin seems
Of ancient pile; all else deep snow and ice,
A gulf profound as that Serbonian bog
Betwixt Damiata and Mount Casius old,
Where armies whole have sunk: the parching air
Burns frore, and cold performs th’ effect of fire.
Thither, by harpy-footed Furies haled,
At certain revolutions all the damned
Are brought; and feel by turns the bitter change
Of fierce extremes, extremes by change more fierce,
From beds of raging fire to starve in ice
Their soft ethereal warmth, and there to pine
Immovable, infixed, and frozen round
Periods of time,—thence hurried back to fire.

 
Lina, 05.12.2007 15:26

Merssi, , es war mir ein Genuss! :-)

Hatte heute Mittag übrigens (tiefgefrorenen) Hecht aus der Hölle des Grills; war auch nicht schlecht.

Und was sagt Dir das? Ein Hecht hält alles aus.

jo@chim, 05.12.2007 15:57

Versuch mal Gefillte Hecht Lina, daran hab ich mich schon als kleiner Raubfisch delektiert - kann man auch sehr gut kalt essen, falls sich das mit dem Höllengrill tatsächlich als Fake herausstellen sollte… :D

Lina, 05.12.2007 16:40

Hmmm, klingt sehr gut,

Ich zögere zwar - weil wir so aberwitzig weit vom Thema abkommen;-) - aber schmeckt der Hecht unter Verzicht auf Tomatensaft den älteren Raubfischen nicht besser? Soll nämlich dann zu Weihnachten kalt auf den Tisch kommen! Was meinst Du?

(Die Kleinen kriegen doch schon das Ferkel…)

jo@chim, 05.12.2007 23:31

Äh: das ist mein Blog hier, Lina, also bin ich soviel OT, wie ich will :}
Also zurück zum Thema: Ein helle Dillsosse mit gekochten Eierstücken drin (oder eine Remoulade, für die die Aufbaukost benötigen) schmeckt genauso gut dazu. Mit dem Gefillte Fisch ist das ebenso wie mit dem Borschtsch: es gibt unendlich viele variiierende Familienrezepte
(vielleicht mach ich doch mal irgendwann ein Rezepte-Blog auf…).
P.S.: zum Thema Spanferkel hätte ich auch einiges zu sagen, aber nicht jetzt in diesem Thread hier, das wäre dann doch zu “On Topic” :-)

Lina, 06.12.2007 19:18

Danke für das operative Macht-Wort von Deiner Seite, Auch die P.S.-Fussnote hat mir gut gefallen;-).

Um aber jetzt doch einen Deckel drauf zu machen: ich nehme die helle Dillsosse (ohne Eierstückchen drin), damit Du Bescheid weisst. - Frohes Fest!

jo@chim, 06.12.2007 21:52

Dir auch liebe Lina - und allen anderen, die hier mitlesen ebenfalls! Meine Kids sind schon jetzt vollstens von all dem Brimborium erfasst… welch eine Freude, die Begeisterung zu sehen, mit der sie die komplette Wohnung in ein Disneyland umgestalten :-)

 
 
 
 
 
 
 
stefanolix, 06.12.2007 13:37 Subscribed to comments via email

@Lina: Das stimmt so nicht ganz: Die Pädagogik deckt Bildung und Erziehung ab, es geht also um die Methoden zum Vermitteln von Wissen und von Werten. In einem Religionsunterricht, der diesen Namen verdient, müssen Wissen und Werte enthalten sein und beide müssen methodisch richtig vermittelt werden. Das Anwenden der Methoden der Pädagogik unterscheidet den Religionsunterricht ja gerade von der Indoktrination. [Disclaimer: Ich habe wirklich beides zur Genüge kennengelernt.]

Lina, 06.12.2007 14:28

[Disclaimer: Ich habe wirklich beides zur Genüge kennengelernt.] - Erzähl mal ;-), stefanolix!

Ich weiss nicht ganz, worauf Du hinauswillst. Wenn ein Kind im Religionsunterricht vom Umstand einer vermeintlichen Hölle (oder von einem beliebigen biblischen Ereignis) erfährt, entsteht zugleich ein Bild und eine Wertung, aktiv und passiv, vom Pädagogen zum Kind. Auch wenn Pfarrer, Pastor oder profaner Vermittler eine “Wahrscheinlichkeit” betonen - was sie kaum tun werden, so wie ich sie kenne - kommt es zur Prägung.

Das Beste wird es deshalb sein - IMHO - ein Kind, statt es mit Religionen zu behelligen, erst in Ethik unterrichten zu lassen; dann bleibt es garantiert “open minded” (finde kein deutsches Wort dafür…) und kann sich später entscheiden, ob es in einer Hölle braten oder lieber ins Nirwana eingehen will.

stefanolix, 06.12.2007 22:42 Subscribed to comments via email

Oben wurde eine Kindergartenerzieherin zitiert, die den Kindern Angst vor der Hölle gemacht haben soll. In meinen Augen wäre das ein Grund für eine Abmahnung. Aber man darf hoffentlich davon ausgehen, dass diese Methoden heute am Aussterben sind, genauso wie das systematische Schlagen oder Ausgrenzen von Kindern.

Im Kindergartenalter kann es überhaupt nur darum gehen, den Kindern positive Botschaften zu vermitteln (das Wort Evangelium steht ja schließlich nicht für »Drohbotschaft«, oder?).

Irgendwann im Schulalter will das Kind dann vielleicht wissen, was die Hölle ist und bis zur Religionsmündigkeit muss es über den Begriff Bescheid wissen. Aber man kann doch heute nicht mehr von Schwefelkesseln und ähnlichem Brimborium reden. Prinzipiell geht es um die dauerhafte Trennung von Gott während der Zeit des Weiterlebens nach dem Tod. Das kann man ganz sachlich erklären.

Dann mag sich das Kind zu einem Jugendlichen und später zu einem Erwachsenen entwickeln. Vielleicht glaubt der erwachsene Mensch gar nicht mehr an ein Weiterleben nach dem Tod, aber dann wäre die »Hölle« wohl auch kein Problem. Vielleicht glaubt er nicht mehr an eine Hölle, sondern baut sich ein anderes Denkmodell auf. Vielleicht wechselt er zu den Anhängern des Dalai Lama.

Alle diese Möglichkeiten muss man dem Kind offenlassen. Wir können natürlich nicht vom Religionsunterricht in der Schule reden, ohne dass viele von uns an ihre eigenen Erlebnisse denken. Aber klammern wir die persönlichen Erlebnisse hier mal aus und überlegen uns, wie der Religionsunterricht aussehen könnte, den notfalls auch ein Liberaler akzeptieren könnte ;-)

jo@chim, 06.12.2007 22:54

Religionsunterricht … den notfalls auch ein Liberaler akzeptieren könnte

Privat organisierter.

stefanolix, 06.12.2007 23:18 Subscribed to comments via email

Oh, das wäre ganz gefährlich. Überleg mal, wer da alles als Nachfrager auftreten könnte ;-)

 
 
Rayson, 06.12.2007 22:58

Wenn ich mir anschaue, wie hasserfüllt manche Atheisten über Glauben rede, dann sollten wir uns vielleicht lieber darüber unterhalten, ob manch Religionsunterricht nicht eher kontraproduktiv wirkt ;-)

Jedenfalls gilt es m.E., Kinder in die Lage zu versetzen, mit 14 ihrer Religionsmündigkeit gerecht werden zu können. Und das nicht abgehoben mit irgendwelchen Konzepten vom Reißbrett, sondern schon basierend auf der Gesellschaft, in der sie leben.

Christlich getauften Kindern wären die Grundlagen des christlichen Glaubens zu vermitteln, Muslims die Grundlagen ihres Glaubens, und Atheisten würde man mit irgendwelchem Wertegelaber volldröhnen (SCNR).

Später, wenn auch sonst die Vermittlung kritischen Denkens anfängt bzw. bei jedem selbst das Infragestellen beginnt, wären den so “Gebildeten” auch die anderen Sichtweisen zu vermitteln.

Nebenbei: Mich hat eine katholische Erziehung vielleicht daran gehindert, je Evangele zu werden, aber zum Atheisten hatte ich es zwischenzeitlich trotz allen Religionsunterrichts schon gebracht. Das geht schon - überbewerten sollte man Schule eh nie. Mein Glaube heute jedenfalls hat mit dem Glauben vor meiner Atheismus-Phase kaum noch etwas zu tun. Und warum sollte ich annehmen, dass andere nicht auch in der Lage wären, sich vom ursprünglich Angelernten später zu verabschieden? Wobei vielleicht noch einzufügen wäre, dass mein Religionsunterricht der Grundschule keiner war, dem ich einen Christen wünschen würde…

stefanolix, 06.12.2007 23:31 Subscribed to comments via email

Ich habe »privat organisierten« Religionsunterricht genossen und so etwas mitgemacht zu haben wünsche ich nicht mal meinem ärgsten Feind …

Lina, 07.12.2007 07:26

…und ich wünsche mir, bei Gelegenheit auch mal zu hören, wie es da zugeht, lieber stefanolix!

(Muss ja nicht wg. persönlicher Neugier sein. Zur allgemeinen Abschreckung eher. Andeutungen genügen da nicht, weisst Du;-)

 
 
stefanolix, 06.12.2007 23:50 Subscribed to comments via email

PS @Rayson: Ich meine, man kann kritisches Denken bestenfalls fördern, aber nicht vermitteln. Und nach dem Erreichen der Religionsmündigkeit sollten Jugendliche sowieso das Recht haben, den Religionsunterricht komplett abzuwählen, dann können sie sich die anderen Sichtweisen bitteschön selbst vermitteln ;-)

 
Lina, 07.12.2007 06:50

SCNR, lieber Rayson: Zum Stichwort Ethik - als “Wertegelaber” - zitiere ich direkt aus meinem absoluten Lieblingsbuch (Emile Cioran/Die Lehre vom Zerfall), das langsam in seine Teile zerfällt:

“Wie ist mir Olympius teuer (…) der, als er im Serapeion das Halleluja singen hörte, sein Vaterland für immer verliess! Das war gegen Ende des vierten Jahrhunderts: die düstere Torheit des Kreuzes warf bereits ihre Schatten auf den Geist. (…) Wenn ich nach dem Datum forsche, das den Stolz des Geistes am tödlichsten traf, wenn ich die Reihe der Unduldsamkeiten verfolge, so finde ich nichts, was jenem Jahr 529 vergleichbar wäre, da auf eine Verfügung Justinians die Schule von Athen geschlossen wurde.(…) Es ist der schmerzlichste Augenblick in der Geschichte des Zweifels.”

Schade drum, wirklich! Als Grundlage mitwachsender Liberalität gehört der (ungelaberte) Wert des Zweifels wieder auf den Ethik-Lehrplan - IMHO jedenfalls.

 
 
Lina, 06.12.2007 23:19

Das überlege ich mir, wenn das ganze Brimborium;-), von dem weiter oben spricht, wieder in den Schachteln ist; es korrumpiert nämlich.

Privat organisiert meinetwegen, wenn es denn sein soll; Kindgerechte Ethik ab der ersten Klasse, wäre mir lieber. Allein die mögliche Aufbereitung des Stoffs unter Einbezug aller Religionen stelle ich mir geradezu “himmlisch” vor.

jo@chim, 06.12.2007 23:53

“Wertegelaber” (aka Ethikunterricht) für alle und privat organisierter Religionsunterricht schliessen sich doch überhaupt nicht gegenseitig aus.

Alternativ wäre vielleicht auch zu überlegen, den Religionsunterricht für die dem Staat durch Konkordat verbundenen Konfessionen beizubehalten und bei Bedarf auch kleineren religiösen Bekenntnissen (z.B. den Scientologen, Bibelforschern, Satanisten, der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, etc.) entsprechende finanzielle und räumliche Ressourcen im schulischen Umfeld bereitzustellen.

Hier etwas mehr Pluralismus gegen offensichtliche Monopolisierung zu wagen wäre der eher ordoliberale Ansatz im Vergleich zur deregulativ-marktradikalen Lösung oben (die ich als Libertärer selbstverständlich präferieren würde).

Atheisten könnten im Rahmen eines derartigen Konzepts dann eine “Antireligionspädagogik” entwickeln und den bisherigen Ethikunterricht gestalten.

Lina, 07.12.2007 07:10

Bestechende Vorschläge;-), lieber

Wo ist die Insel und wie heisst sie, auf der zur kurzfristigen Umsetzung zu Neujahr 08 schon mal ordoliberal eingeschult wird?

(Kann man sich sowas oder mehr auch zu Weihnachten wünschen?)

jo@chim, 07.12.2007 09:04

Lina, das war selbstversändlich nur ein Scherz, um die Absurdität des staatlich gesponsorten Religionsunterrichts zu zeigen. Wie die Diskussion um die Einführung eines schulischen Islam-Unterrichts zeigt, aber einer mit durchaus ernstem Hintergrund…

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Schmock, 05.12.2007 15:03

Ich verstehe hier so einiges nicht.
Wollen Eltern ihre Kinder nicht lieber selbst erziehen, insbesondere was solche sensiblen und wichtigen Fragen angeht, sondern sind genervt und lassen es von einem Pädagogen bekehren?
Stellt dieses Buch Religionen wie sie heute gelebt werden treffend dar? Das was ich von Schmidt-Salomon gelesen haben vermittelt mir den Eindruck als blickte er es nicht. Ich war zum Beispiel auf einer katholischen Schule und es war gut. Wir haben die Bibel als historisches Werk und als religiöses Buch von Gläubigen gelesen. Religionsunterricht war öfters langweilig, aber keine indoktrination.
Sind christliche Schulen in Deutschland nicht meist gute Schulen?
Ist es nicht problematisch und gefährlich schwierige Themen, wie Theodizee, verkürzt darzustellen? Zum Beispiel wenn man ein Kinderbuch über Feminismus an der Abtreibungsdiskussion aufhängen würde, könnte man ihn den Kindern ordentlich vermiesen.
Ist es nicht wertvoller wenn Leute über Religion schreiben deren Verhältnis dazu nicht problematisch ist? Ich könnte mir zum Beispiel gut ein Kinderbuch zum Islam von Stefan Herre vorstellen.
Und Achim, schlägst Du hier nicht vor die eine Indoktrination durch eine andere auszugleichen?

 
nichtidentisches, 06.12.2007 12:33

Wer den jüdischen Gott für ein Arschloch hält, kann das gerne in ein Kinderbuch pressen, es entsprechend begründen und dann dazu stehen. Wenn er es mit der Begründung der Sintflut macht, ist er für mich ein Idiot, der den entsprechenden Text nie gelesen hat, denn dort steht:
“Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten der Menschen ist böse von Jugend an. Ich will künftig nicht mehr alles Lebende vernichten, wie ich es getan habe.” (Gen. 8:21)
Was das Judentum schafft, ist einen allmächtigen, aber fehlbaren und reflexionsfähigen und somit menschlichen Gott zu denken. Dieser entwickelt sich vom Deus ex machina, der stets auftritt, wenn es etwas zu regeln gibt zum Deus otiosus, der nicht mehr in Erscheinung tritt und die Erde den Menschen überlässt und somit Vernunft einfordert. Das Judentum ist mehr als andere Geschichtsreligion, die in historischen Entsprechungen und Verhältnissen denkt und sehr wohl die Bücher Richter auf die Bücher Könige beziehen kann ohne daraus eine Scharia abzuleiten.
Mein Vorwurf ist nicht, dass etwa Kritik an der jüdischen Religion geübt wurde, sondern wie das getan wird und wie das illustriert wird. Die Sintflut als Wesenskern der jüdischen Religion darzustellen um zu sagen Hähä, der jüdische Gott ist böse, ist antisemitisch inspiriert.
Wer so denkt, kann nicht differenzieren.
Weiter zu fragen bleibt, warum Ferkel und Igel ein missionarisches Plakat sehen, und das erste, was sie besuchen ist eine Synagoge. Warum nicht einen hinduistischen Tempel? Oder eine Esoterikbude?

stefanolix, 06.12.2007 13:54 Subscribed to comments via email

Natürlich kann man Gott mit einiger Berechtigung schon dafür verurteilen, dass er eine Sintflut angerichtet hat (man wird das zwar nur dann tun, wenn man die Bibel wörtlich nimmt, aber das steht auf einem anderen Blatt). Aber die Aussage »Ich will nicht noch einmal (fast) alles Lebende vernichten« macht doch die erste Sintflut nicht ungeschehen.

Der Gott des Alten Testaments ist (auch) als Rachegott und sehr strenger (um nicht zu sagen: brutaler) Gott dargestellt, was ja nicht nicht nur in der Sintflut zum Ausdruck kommt. Das wirkt auch auf Menschen so, die das Alte Testament unvoreingenommen lesen.

Ich kann nicht nachvollziehen, warum Sie hier zwischen einem Gott des Judentums und einem Gott des Christentums unterscheiden. Bis zum Ende des Alten Testaments ist das doch im wesentlichen der gleiche Gott. Meinen Sie das Gottesbild, das sich diese beiden Religionen gegeben haben? Dann würde ich Ihnen zum einen entgegenhalten, dass es jeweils Millionen Gottesbilder in der Vorstellung von Juden und Christen gibt und dass kaum zwei davon gleich sein dürften. Und zum anderen finde ich die Unterschiede im »offiziellen« Gottesbild beider Religionen (jeweils bezogen auf die Zeit des Alten Testaments) nicht sehr gravierend.

Soweit ich das Buch aus den Rezensionen und der FAQ verstanden habe, wenden sich die Autoren gegen jede Vorstellung von Gott und kritisieren unterschiedslos alle drei monotheistischen Religionen.

 
 
jo@chim, 06.12.2007 12:54

das Trachten der Menschen ist böse von Jugend an

Welch eine perverse Weltsicht! Die das Christentum dann zu “Erbsünde” und autoritärer Triebunterdrückung mit all ihren bekannten Folgen ausgebaut hat…

Im Übrigen ist ein Bilderbuch, das als “Gegengift” zur religiösen Grütze die tagtäglich in Kinderköpfe gepumpt wird dienen soll, natürlich kein theoretisch-didaktisches Werk.

Und noch einmal: der Autor sagt nicht “der jüdische Gott (und nur er) ist böse”, sondern “Gott ist böse”. Diese Aussage ist aggressiv antireligiös - man mag den Furor mit der sie gefällt wird ja auch durchaus kritisieren -aber sie ist keineswegs antisemitisch.

 

[...] Schweinchenartikel hat’s allerdings in sich, die Frage nach dem “Warum?” ist damit geklärt [...]