Wie man kognitive Dissonanzen bewältigt

04.12.2007 18:28 - Statler & Waldorf by Statler - 16 Kommentare

Man kann es sich lebhaft vorstellen, wie es heute so etwa zur Mittagszeit kurz durch die Köpfe der Gewerkschafter und SPD-Granden geschossen sein muß: “Was, PIN entläßt 1.000 Mitarbeiter? Mist, sind etwa wir mit unserem Mindestlohn dafür verantwortlich?

Und nun? Wie umgehen mit der Schuld? Am besten redet man sich selbst und allen anderen schnell ein, daß das Gegenteil der Fall sei:

Auch die stellvertretende SPD-Chefin Andrea Nahles nannte die Abbau-Pläne bei Pin unverständlich. Ab dem 1. Januar verbessere sich die Wettbewerbssituation für die Konkurrenten der Post deutlich, sagte sie dem Berliner “Tagesspiegel” (Mittwochsausgabe).

Die Sache hat nur einen Haken. Wenn Frau Nahles und ihre Kollegen mit dem Mindestlohn die Wettbewerbssituation der Post-Konkurrenz deutlich verbessert haben, wenn diese aber dennoch massenhaft Arbeitsplätze abbauen, dann ist Frau Nahles’ Statement nur plausibel, wenn eine Annahme gilt: Bei PIN sind sie alle verrückt geworden und verzichten freiwillig aufs Geldverdienen. Nennt mich von mir aus einen altmodischen Rationalisten, aber ich glaube nicht, daß ich das glaube.

[Post to Twitter]  [Post to Delicious]  [Post to Digg]  [Post to Ping.fm] 

RSS Kommentar-Feed Trackback-URI Druckansicht Tags: ,

16 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

dagny, 04.12.2007 18:44

Da heisst es auch:
Besonders bedauerlich sei, dass dies vor allem Geringqualifizierte und frühere Langzeitarbeitlose treffe. Sie würden nun zu Lasten der Staatskassen wieder in die Arbeitslosigkeit und eine ungewisse Zukunft geschickt. “Und das aus unserer Sicht nur, damit die Deutsche Post, als einer der größten deutschen Konzerne mit staatlicher Beteiligung, auch künftig wettbewerbslos bleibt

Womit die Frage gestellt ist, ob SPD und DGB ein Interesse daran haben, Menschen aus der staatlichen verwalteten Langzeitarbeitslosigkeit zu entlassen.

 
jo@chim, 04.12.2007 18:55

Glaubnich, dass die “Mist” gedacht haben, Statler. Eher “das ist ein guter Ausgangspunkt, um gegen den Manchester-Kapitalismus zu mobilisieren”…

dagny, 04.12.2007 19:07

Dass ein bestehendes Unternehmen anders kalkuliert als eines, das sich erst etablieren muss, scheint den Sozen nicht vermittelbar zu sein.

Witzig -oder tragisch- dass jetzt nicht mehr gegen Neoliberale, sondern schon gegen Manchester-Liberale gehetzt wird.

Der uebliche Politische Reflex, die Schuld niemals* bei sich selber zu suchen, ist auch zu sehen.

*zumindest solange man noch fuer etwas kandidiert und nicht im Ruhestand ist – dann werden die eigenen Fehler in der Autobiographie zugegeben.

 
Statler, 04.12.2007 19:17

Mooooooment, Du unterstellst, daß Frau Nahles strategisch drei oder vier Spielzüge vorausdenkt und nicht nur um die Schlagzeilen des Tages kämpft?

jo@chim, 04.12.2007 19:37

Genau Statler. Ich halte die nicht für so blöd, wie sie wirkt…

Statler, 04.12.2007 20:01

Ich auch nicht. Ich halte sie für noch blöder. ;-)

Sven, 05.12.2007 11:38

Allerdings. Andrea Nahles ist eine voellig hohle Nuss.

 
 
 
 
 
Marco, 04.12.2007 19:02

Womit die Frage gestellt ist, ob SPD und DGB ein Interesse daran haben, Menschen aus der staatlichen verwalteten Langzeitarbeitslosigkeit zu entlassen.

Die SPD nicht. Mehr Menschen in sozialstaatlicher Abhängigkeit, das heißt auch mehr Menschen, denen man sozialstaatliche Beglückung versprechen kann, um dann gewählt zu werden.

Der DGB nicht. Wie festzustellen ist, neigen besonders hohe Einkommen und besonders geringe Einkommen dazu, sich nicht gewerkschaftlich zu organisieren. Drängt man die vielen Geringverdiener aus dem Markt, wächst der relative Anteil an gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten und damit die Macht der Gewerkschaft.

 
dagny, 04.12.2007 20:38

SPON hilft der Nahles auf die Spruenge: Das Briefgeschaeft lohnt sich ja eh nicht und so kann man wenigestens den Schwarzen Peter den anderen zuschieben

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,521380,00.html

Wozu ueberhaupt den Wettbewerb? Hauptsache die Post darf weltweit Logistig betreiben und munter andere aufkaufen – die Heimatfront steht.

 
nstehlik, 04.12.2007 20:54

Habt ihr auch das gelesen?
http://www.handelsblatt.com/News/Unternehmen/Handel-Dienstleistungen/_pv/_p/200040/_t/ft/_b/1361455/default.aspx/post-chef-zumwinkel-nimmt-millionen-ein.html
“Post-Chef Zumwinkel heimst Millionen ein
Post-Chef Klaus Zumwinkel hat die Gunst der Stunde nach der Entscheidung über den Post-Mindestlohn genutzt und durch Aktienverkäufe seines eigenen Unternehmens Millionen verdient. Die Aktie der Post war nach der Einigung der Politik stark angestiegen.”

dagny, 04.12.2007 21:47

…Weil er spekuliert, dass der Mindestlohn von der EU Wettbewerbsbehoerde wieder kassiert wird, wenn die anderen klagen?

Eine staerkere Stellung scheint die Post -seiner Meinung nach- wohl so schnell nicht zu bekommen.

Jedenfalls wuerde ich das ohne weitere Kenntnis vermuten.

 
 
 
PS, 05.12.2007 00:22

Ich unterstütze lieber nach dem bestechlichem Hartz benannte Empfänger mit meinen Steuern als Springer mit meinen Steuern zu unterstützen, indem ich deren Mitarbeiter dafür subventioniere, damit Springer ihnen weniger bezahlen darf, als sie zum Leben brauchen.

Rayson, 05.12.2007 00:27

Das finden die Nichteingestellten bestimmt klasse. Du bist ihr Held!

 
 

[...] Art und Weise reagiert hat (indem sie 1000 mies bezahlte Arbeitsplätze abgebaut hat), freuen sich die Propheten natürlich sehr. Bleibt nun aber die Frage, was ansonsten geschehen wäre: Wären nicht [...]

 
Eloman, 05.12.2007 19:27

Besonders schrill ist in diesem Zusammenhang wenn man liest daß die SPD über Ihre Pressebeteiligungen auch Anteile an der PIN Group hält.

 

Beitrag kommentieren

Name (erforderlich)
E-Mail-Adresse (notwendig - wird nicht angezeigt)
URI