Offene Fragen
Wieso glauben neuerdings Leute bedingungslos einem CIA-Gutachten, die sonst der CIA nicht weiter trauen, als sie Dick Cheney werfen könnten?
Es mag sein, daß man mehrere tausend Zentrifugen zur Urananreicherung auch dann installiert, wenn man derzeit kein Nuklearwaffenprogramm hat. Aber installiert man sie auch, wenn man nicht vorhat, das temporär stillgelegte Nuklearwaffenprogramm demnächst wieder zu reaktivieren?
Hätte es 1948 eine Gelegenheit gegeben, nicht eingeweihte sowjetische Offiziere bei einer Unterhaltung zu belauschen, die nahegelegt hätte, daß die Sowjetunion mit der Entwicklung der Atombombe noch nicht besonders weit ist?
Angenommen, ich arbeite bei der CIA, bin opportunistisch veranlagt und möchte dort noch Karriere machen. Orientiere ich mich dann nicht schon längst an den politischen Präferenzen der erwarteten Post-Bush-Administration?
Wie groß ist das Restrisiko, wenn jemand eine uneindeutige Datenlage interpretiert und “mit großer Überzeugung” einer Interpretation den Vorzug gibt?
Kennen Journalisten z.B. von der ZEIT, die in dieser Woche als sichere Tatsache berichten, daß der Iran kein Nuklearwaffenprogramm habe, den Unterschied zwischen gesicherten Erkenntnissen und der Deutung vieldeutiger Informationen?













Findet Ihr nicht, daß man das Motiv des Narrenschiffes wiederbeleben sollte? Es paßt doch perfekt, oder?
In Spon stand zu lesen, dass das Waffenprogramm aufgrund des “internationalen Drucks” aktuell nicht weitergeführt wird. Sollte also der Druck nicht erhöht werden, bis das Programm endgültig gestoppt wird und die Zentrifugen demontiert werden?
Ganz so einfach ist es nun nicht. Das National Intelligence Estimate (NIE) ist kein “CIA-Gutachten”, sondern die kollektive Bewertung von nicht weniger als 16 Intelligence Agencies in den USA (veblüffend wie viele es gibt).
Und es ist nun mal so, dass die Urananreicherung selbst nicht gegen den Atomwaffensperrvertrag verstößt.
Das Bedauerliche an der Diskussion ist, dass man sie nicht korrekt führt. Das Grundproblem ist, dass sich der Iran wirkungsvollen Kontrollen verweigert (die der Atomwaffensperrvertrag fordert aber nicht genügend präzisiert). Erst, wenn diese Kontrolle nicht gegeben ist, kann man weiterreichendes fordern.
Und das ist ja beim Iran durchaus der Fall. Die notwendigen Kontrollen finden nicht statt, und daraus ergibt sich der Anspruch der internationalen Gemeinschaft, das gesamte iranische Atomprogramm in Frage zu stellen (auch das, was eigentlich “legitim” ist), bis hin zu seiner aktiven Unterbindung. Dabei spielt natürlich die sonstige politische Haltung des Irans eine Rolle, die ja durchaus keine friedfertige ist, sondern z.B. Terror unterstützt.
Ob das NIE dann gerade zu der Erkenntnis kommt, dass der Iran wohl momentan keine Atomwaffen entwickelt, ist im Prinzip höchst irrelevant.
Der Iran MUSS die nötigen Kontrollen ermöglichen, damit sichergestellt ist, dass ein solches Programm nicht stattfindet.
Das ist nicht der Fall, insofern sind Geheimdiensterkenntnisse völkerrechtlich gesehen irrelevant.
Ohne ein Experte zu sein:
Soweit ich das verstanden habe, benoetigt man fuer den Bau von Atomwaffen wesentlich hoeher angereichertes Uran als fuer die Verwendung in Kernreaktoren. Um zu beurteilen, ob der Iran ein Atomwaffenprogramm aktiv verfolgt, muesste man also genaue Informationen ueber den Anreicherungsgrad haben.
Auf der anderen Seite scheint es mir vergleichsweise nutzlos zu wissen, ob der Iran ein Forschungszentrum mit Supercomputern und einem Haufen Kernphysiker unterhaelt oder nicht, denn wenigstens Gun-Design-Atomwaffen scheinen so einfach zu sein, dass sie selbst eine gutorganisierte Terrorbande zusammenschrauben koennte, genaue Plaene und ausreichend Kernsprengstoff vorausgesetzt. Die Konstruktion der Hiroshima-Bombe beispielsweise galt als so zuverlaessig, dass sie nicht einmal getestet wurde.
Weiterhin ist es auffaellig, dass 16 Geheimdienste ein einhelliges Urteil abgeben. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die ueberhaupt alle Informationen ueber das iranische Atomprogramm gesammelt haben, geschweige denn, dass sie unabhaengig voneinander 16 zuverlaessige Informanten an den richtigen Stellen haben.
Ich kann mir zwar keinen richtigen Reim auf die Sache machen, aber ich denke, der Bericht ist eher politisch motiviert, als dass er auf nachrichtendienstlichen Erkenntnissen beruht. Schliesslich kommt das ganze kurz nach der Annapolis-Konferenz, bei der alle Laender, die sich vom Iran bedroht fuehlen, anwesend waren (und Syrien). Und moeglicherweise hat man sich dabei geeinigt, dass es nicht zielfuehrend ist, die gegenwaertige Drohkulisse aufrecht zu erhalten - vielleicht, weil sie sich in erster Linie gegen einen iranischen Angriff mit Atomraketen richtet, aber dieses Szenario gar nicht die Hauptsorge ist. Ein Indiz dafuer koennte auch der Rueckzug bei der Raketenabwehr in Polen und Tschechien sein. Und ausserdem ist da ja noch die Geschichte von dem mysterioesen israelischen Luftangriff in Syrien - wenn das Geruecht stimmt, dass das etwas mit Atomwaffen zu tun hatte, dann muesste man sich auch fragen, wo das Know-How und das Material hergekommen sind.
“mysterioesen israelischen Luftangriff in Syrien - wenn das Geruecht stimmt, dass das etwas mit Atomwaffen zu tun hatte, dann muesste man sich auch fragen, wo das Know-How und das Material hergekommen sind.”
kam aus Nordkorea. Sie bauten in Syrien. Israelis haben es gleich in der Entstehung bombardiert. Israel wollte sich nicht weiter dazu äußern, Syrien behauptet, es habe gar keinen Angriff gegeben. Raus kam es trotzdem in USA., wurde bestätigt von jemandem aus der Regierung.
Das Ganze ist schon länger her, da habe ich leider keinen Link mehr dazu.
Toll fand ich im SPON auch die Rede vom angeblich härtesten Ziel der Welt in Bezug auf die Spionage.
Ganz große Klasse.
Ja, das ist Megaunsinn. Man kann ohne Probleme im Iran einreisen und den USA stehen auch genügend Exiliraner zur Verfügung.
Nordkorea ist da schon ein anderes Kaliber
Wieso glauben neuerdings Leute bedingungslos einem CIA-Gutachten, die sonst der CIA nicht weiter trauen, als sie Dick Cheney werfen könnten?
Auch erstaunlich das einige die vor dem Irakkrieg dem CIA bedingungslos vertrauten, jetzt plötzlich eine exakte 180°-Wende vollzogen haben. Mag es nicht sein, dass dieses Spiel nur das zu sehen, was man sehen will, von beiden Seiten, Falken und Tauben, gleichermaßen gespielt wird?
Angenommen, ich arbeite bei der CIA, bin opportunistisch veranlagt und möchte dort noch Karriere machen. Orientiere ich mich dann nicht schon längst an den politischen Präferenzen der erwarteten Post-Bush-Administration?
Welche Administration erwartet man den Post-Bush? Unter den führenden demokratischen und republikanischen Kandidaten gibt es mit Giuliani, Clinton, Obama und Romney doch genug Kandidaten die die Möglichkeit eines Militärschlags gegen den Iran nicht vom Tisch nehmen.
Abgesehen davon: Die CIA hat Tritte bekommen für 9/11 und für den Irakkrieg. Ich halte es für ziemlich gewagt davon auszugehen, dass man jetzt freiwiliig alle Hinweise auf ein iranisches Atomwaffenprogramm unter den Teppich kehrt und riskiert wieder Tritte zu bekommen, wenn in ein paar Monaten ein Atompilz über Jerusalem aufsteigen sollte.
Belegen kann ich meine Vermutung aber natürlich auch nicht.
Ansonsten denke ich, dass etwas sehr wahres gesagt hat:
Sollte also der Druck nicht erhöht werden, bis das Programm endgültig gestoppt wird und die Zentrifugen demontiert werden?
wobei ich mich frage, wie denn dieser Druck aussieht, der auf Iran ausgeübt werden soll.
Papiertiger Europa? Weiterhin macht die europäische Wirtschaft im Iran Geschäfte. Alles andere sind nur Sonntagsreden. Und der Iran weiß sehr genau, dass ihm von Europa gar nichts droht.
Wie auch immer, letztlich liegt die Last bei Israel. Die können sich überlegen, ob sie warten wollen, bis Iran die Atombombe hat und sie dann bombardiert werden oder ob sie vorher angreifen.
Die Installation des Raketenabwehrsystems hat meiner Meinung nichts mit dem “bösen” Iran zu tun. Es dient wohl eher dem Zweck, Amerika dazu zu verhelfen einen millitärischen Vorteil gegenüber dem Erzrivalen Rußland zu erlangen. Es gibt hierzu einen sehr guten Film “Unter falscher Flagge”, der dieses sehr gut thematisiert.