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Uran anreichern

08.12.2007 14:16 - Statler & Waldorf by Statler

Um es nochmal ganz klar zu sagen: Das amerikanische Geheimdienstgutachten spricht davon, daß Iran 2003 sein Nuklearwaffenprogramm eingestellt habe. Daß Iran weiterhin daran arbeitet, Uran anzureichern, bezweifelt dagegen niemand. Nun ist angereichertes Uran natürlich die wichtigste Voraussetzung, um die Bombe zu bauen. Der Rest ist simples Handwerk.

Auf den Punkt bringt das alles Dan Schueftan:

Der wichtigste, schwierigste und langwierigste Prozess beim Bau von Nuklearwaffen ist die Urananreicherung. Alles andere kann in relativ kurzer Zeit fertiggestellt werden. Selbst wenn es so wäre, dass alle anderen Vorbereitungen eingestellt worden sind, was ich nicht glaube, wäre es für das Endziel, den Besitz von Atomwaffen, zunächst einmal nicht weiter bedeutend. Warum? Wenn man den Plan hat, Nuklearwaffen herzustellen und dabei nicht von einem Militärschlag unterbrochen werden will, ist es logisch, mit den Dingen fortzufahren, die am schwierigsten sind und die am längsten dauern. Alles andere lässt sich verstecken oder auch verschieben. In dem Fall wäre der Plan, eines Tages Nuklearwaffen zu besitzen, nicht gefährdet. Gleichzeitig würde es auch keinen merklichen Negativeffekt auf den Zeitplan haben.

Mehr dazu bei der ZEIT ONLINE (danke an TPR für den Link).

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14 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Epameroi, 08.12.2007 16:42

Der Atomwaffensperrvertrag verbietet nunmal nicht die Urananreicherung. Man könnte auch sagen, das Knowhow, eine Bombe herzustellen, ist nicht zu verhindern.

Der Iran bricht den Vertrag (momentan) nur insofern, als er offenbar adäquate Kontrollen verhindert. Im Prinzip nicht mal das, weil die Kontrollen angemeldet werden müssen und nur Anlagen inspiziert werden dürfen, die freiwillig dafür geöffnet werden.

Im Prinzip ist der Vertrag eine Farce. Überspitzt formuliert brechen ihn alle Atommächte ebenfalls. Es wird sich nie völkerrechtlich einen Präventivkrieg gegen den Iran aus dem Vertrag herleiten lassen.

Wohlgemerkt, aus dem Vertrag.

 
Chripa, 08.12.2007 16:53

Es fällt ja auch auf, dass das Bombenprogramm ausgerechnet
2003 ausgesetzt worden sein soll. Das könnte daran gelegen
haben, dass das iranische Regime nicht so enden wollte wie die
Kollegen in Bagdad. Danach wäre es doch plausibel, dass sie
wieder angefangen haben, als die USA in dem Guerilla-Krieg
in Schwierigkeiten geraten sind, weil sie dann wussten, dass
ein Krieg der amerikanischen Bevölkerung nur noch schwer
zu vermitteln gewesen wäre.

 
Epameroi, 08.12.2007 17:04

Ich fürchte John Bolton hat recht.
Aber die Policy dürfte inzwischen sein, dass man das Atomprogramm nicht verhindern kann, jedenfalls nicht mit akzeptablem Risiko.
Also gibts keins.

Andreas, 08.12.2007 18:52

Womit hat Bolton eigentlich recht? Ausschliesslich SPON (zumindest nach Google News) zitiert einen einzelnen Satz und leitet dann daraus eine Meuterei der Geheimdienste her.

Epameroi, 08.12.2007 19:29

First, the headline finding — that Iran halted its nuclear weapons program in 2003 — is written in a way that guarantees the totality of the conclusions will be misread. In fact, there is little substantive difference between the conclusions of the 2005 NIE on Iran’s nuclear capabilities and the 2007 NIE. Moreover, the distinction between “military” and “civilian” programs is highly artificial, since the enrichment of uranium, which all agree Iran is continuing, is critical to civilian and military uses. Indeed, it has always been Iran’s “civilian” program that posed the main risk of a nuclear “breakout.”

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/12/05/AR2007120502234.html?hpid=opinionsbox1

 
 
 
Epameroi, 08.12.2007 17:05

Der hier verwendete Spamfilter saugt definitiv.

Chripa, 08.12.2007 18:49

Und was ist, wenn die Iraner irgendwann einen erfolgreichen Test
melden (sollten)?

dwave, 08.12.2007 21:20

dann wird tanken wieder etwas teurer

 
jo@chim, 08.12.2007 23:18

Dann werden all die, die jetzt die US-Schlapphüte als Kronzeugen für eine Einstellung des Nuklearwaffenprogramms heranziehen, anmerken, dass die Iraner ja “eigentlich das Recht dazu” hätten, und man lernen müsse, “mit den neuen Realitäten” umzugehen…

 
 
 
Carsten, 09.12.2007 16:03

Der Verlust eines Feinbildes muss ja echt eine Identitätskrise bei einigen von Euch auslösen!

Epameroi, 09.12.2007 17:56

Nun nehmen wir mal an das NIE stimmt so.
Dann hatte der Iran bis 2003 tatsächlich ein militärisches Programm zum Bau einer Atombombe.
Man kann ja nichts einstellen, was man nicht hat.

Wenn das so ist, dann hat der Iran über viele Jahre hinweg den Atomwaffensperrvertrag gebrochen.

Und als die Amerikaner in den Irak einmarschierten dachte man wohl, dass das besser nicht rauskommen sollte, denn soweit wärs von Baghdad nach Teheran dann auch nicht mehr gewesen.

Aber klar, jetzt ist alles gut.

Lets hug a mullah now. Peace in our time

Statler, 09.12.2007 18:30

“Lets hug a mullah now. Peace in our time”

;-)

You made my day.

 
 
Statler, 09.12.2007 19:12

Meinst Du das ernst? Ehrlich gesagt: Ich stehe dem Uran anreichernden, Iraner folternden, Frauen steinigenden und Israel vernichten wollenden Mullah-Regime heute kein Bißchen weniger feindselig gegenüber als vor zwei Wochen.

Falls Dich ein keineswegs Gewißheiten, sondern nur Vermutungen formulierender Geheimdienstreport mit diesem Regime versöhnt, dann würde ich sagen: Du hast ein Problem.

 
Die Stimme aus dem Off, 10.12.2007 08:44

Carsten,

eine Identitätskrise geht wohl eher von den anderen aus. War die CIA bis eben noch der größte Feind und die Außenpolitik der USA von Dummheit geprägt, ist es jetzt grenzenlose Weisheit die ihre Handlungen leitet.

Wie man diese veröffentlichten „Geheimdienstberichte“ ernst nehmen kann, wo man doch aus der Vergangenheit genug Beispiele dafür hat, dass man das eigentlich nicht kann ist mir unbegreiflich. Ganz nebenbei kann ich auch nicht nachvollziehen wie man glauben kann in der Presse würden die wahren Einschätzungen der maßgeblichen Leute veröffentlicht.

Schon die Presseveröffentlichungen an sich waren hochnot peinlich, substanziell gaben die angeblich veröffentlichten „Informationen“ dann auch nicht besonders viel her. Ob es die albernen Powerpoint-Präsentationen waren oder jetzt der Unsinn vom härtesten Ziel der Welt. Manchmal kommt mir die versammelte Presse wie eine schlechte Kopie der Titanic vor.

Glaubt hier irgendjemand es sei schwer den Iran auszuspionieren? Im Jahr 2007?

Glaubt hier jemand die Iraner wären technisch in der Lage Atomforschung geheim zu halten? Ernsthaft?

Mir ist ein Fall bekannt geworden in dem man versucht hat einen Forscher durch die Zusendung von E-Mails zur Mitarbeit zu überreden. Als er diese konsequent missachtete schickte man ihm ein Einschreiben mit Rückschein zu.

Soviel zu den konspirativen Fähigkeiten dieser Leute.

Die Identitätskrise scheinen doch wirklich eher andere Akteure zu haben.

 
 

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