Das Problem von N=1
Laien argumentieren in wirtschaftspolitischen Diskussionen gerne mit anekdotischer Evidenz. Also mit Stichproben im Umfang von Eins. So auch Olaf Scholz, das jüngste Glied in einer längeren Kette ökonomisch völlig ungebildeter Arbeitsminister, die sich dieses Land leistet. Im Interview mit der WELT meint er:
WELT ONLINE: Experten sagen, der Mindestlohn kostet 1,9 Millionen Arbeitsplätze.
Scholz: Professoraler Unsinn! Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass ein Mindestlohn keine Arbeitsplätze vernichtet. Großbritannien hat Ende der 90er-Jahre einen gesetzlichen Mindestlohn eingeführt. Heute hat das Land Vollbeschäftigung. Die Zahl der Arbeitsplätze steigt weiter, sodass dort der Arbeitsmarkt für Osteuropäer geöffnet wurde. Es spricht manches dafür, dass ein Mindestlohn den Arbeitsmarkt sogar beleben kann.
Da ist es wieder: N=1. Großbritannien soll es also sein. Und ja, Großbritannien hat tatsächlich einen Mindestlohn eingeführt und dennoch eine steigende Anzahl von Beschäftigten erfahren. Das Problem mit den wirtschaftspolitischen Dönekeserzählern ist natürlich, daß man mit N=1 nicht für andere Einflüsse korrigieren kann, die den Effekt der Einführung des Mindestlohns überkompensieren:
WELT ONLINE: Grund für den Erfolg in Großbritannien sind aber auch der fehlende Kündigungsschutz und die niedrige Arbeitslosenunterstützung. Wollen Sie das auch übernehmen?
Solche Dinge beispielsweise. Oder das Vorhandensein einer boomenden europäischen Finanzmetropole, die ein Drittel zum britischen BIP beiträgt und deren Entwicklung von Mindestlöhnen nicht wirklich tangiert wird. Oder die Tatsache, daß die Briten einen ziemlich niedrigen Mindestlohn gesetzt haben, während Olaf Scholz erkennbar etwas anderes im Sinn hat. Oder, oder, oder.
Die Antwort auf die Frage, ob er diese Mechanismen, welche die negativen Beschäftigungseffekte eines Mindestlohns kompensieren können, auch übernehmen will, antwortet Olaf Scholz übrigens schlicht:
Scholz: Nein.
So pointiert kann ministerialer Unsinn sein.
Siehe auch hier.







Daß man sich entspannt über wissenschaftliche Erkenntnisse hinwegsetzt, wenn es einem politisch nicht in den Kram passt, wäre ja nun nichts allzu Neues. Auf Seiten der Gewerkschaften pflegt man bis heute unter dem Schlagwort “Postkeynesianismus” eine Wirtschaftstheorie, die sich für mich selbst bei äußerst wohlwollender Betrachtung eher nach Esoterik und Beliebigkeit anhört und deren wichtigste Eigenschaft es wohl sein dürfte, ihren Protagonisten politisch in den Kram zu passen, oder ist der VWL-Professor da anderer Meinung? Da Herr Scholz nun mal aus dieser Ecke kommt, ist er den sehr entspannten Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen wahrscheinlich gewohnt. Man lebt so in seiner Parallelwelt, in der es “gute” Professoren gibt, die die Ergebnisse produzieren, die einem gefallen, und “böse” Professoren, deren Ergebnisse einem weniger gefallen, die dann aber stets Agenten des Kapitals und sowieso gekauft und unglaubwürdig sind. Hach, wie kann das Leben einfach sein…
Man muss aber kein Professor sein, um zu verstehen, dass ein Arbeitsplatz, der mehr kostet, als er einbringt, nicht entsteht.
Jeder begreift das, wenn man einen Mindestlohn von 20 Euro die Stunde fordern würde.
Nach der Logik der Mindestlohn-Protagonisten führt der durch die Lohnerhöhung ausgelöste Zuwachs an Binnennachfrage (Umverteilung! Konsumquote!) natürlich automatisch zu einem derart hohen Zuwachs des BIP, daß ein Stundenlohn von 20 EUR vollkommen vertretbar wäre – so einfach ist das…
Statler, was ich wirklich bewundere, ist Deine sachliche Ruhe, in der Du den alltäglichen Polit-Mist in Beiträgen verarbeitest. Ehrlich.
Wenn ich Scholzens oder die Ergüsse vieler anderer lese, regt sich bei mir nur dumpfer, lähmender Zorn im Bauch – oder sehr akute Fluchtgedanken…
Hmmm, Dubai… ist das nicht das Emirat, in dem neulich ein bis dahin unbescholtener Banker zu Gefängnis verurteilt wurde, weil man an seiner Kleidung winzige Reste (<0,5g) Haschisch gefunden hatte?
Ich weiß nicht, mir sind diese autokratischen asiatischen Staaten suspekt, auch wenn sie reichlich wirtschaftliche Freiheit bieten. Dann doch lieber ein Wohnsitz, an dem ich nicht wegen versehentlicher Bagatelldelikte für Monate in einer 60-Mann-Zelle verschwinden kann.
Ist das alles, was Dir zu “Dubai” einfällt ;-)) – eine “seht-her-in-Kapitalisten-Dubai-ist-nicht-alles-Gold-was-glänzt”-Meldung eines deutschen Mainstream-Mediums?
Soltest mal hinfliegen. Dann würdest du sehen, worüber gerade NICHTS zu lesen ist in deutschen Medien über die VAE.
btw: Ich weiß nicht, mir sind diese sozialdemokratischen europäischen Staaten aus viel schwerwiegenderen Gründen suspekt, auch wenn sie reichlich ‘bürgerliche’ Freiheit bieten (auf Kosten anderer zumeist). Solltest nicht gerade Du wissen, dass “wirtschaftliche Freiheit” nur mit politischer Freiheit zu haben ist? De facto gibt es etwa in den Emiraten keinen Grund für “Politik”.
Gewagte These, ich weiß. Aber ich zum Beispiel hasche nicht….
Klar, aber die Erfahrung zeigt ja auch, daß es gelegentlich Zeitverzögerungen von ein paar Jahrzehnten gibt, bevor die politische auf die wirtschaftliche Freiheit folgt. Will ich so lange warten? Eher nicht. Und übrigens, ich hasche auch nicht, aber wir reden hier über Verurteilungen für Spuren von Drogen, die schon an Deiner Kleidung hängen bleiben können, wenn Du Dich im Cafe auf den falschen Platz gesetzt hast. Das ist halt schon extrem.
Aber letztendlich ist es eine Geschmacksfrage. Freiheit hin oder her, ich für meinen Teil bin kulturell und klimatisch immer noch arg europhil veranlagt. Da müßte hier politisch schon noch wesentlich schlimmeres passieren, bevor ich nach Asien auswandere.
Ich bemühe mich, mit offenen Augen zu schauen – und ich muss zugeben, dass ich ein klein wenig befangen bin, zumal sich mir persönlich die große Chance beruflichen Weiterkommens bietet – in den VAE.
Die Wahrheit ist, dass die (sozialdemokratische) Politik in Europa seit Jahrzehnten so dünne Scheiben von politischer Freiheit abschneidet, dass wir es entweder nicht bemerken oder wir uns daran gewöhnt haben. Weiß ich, wie _unsere_ Autokraten morgen das Problem etwa der Beamtenpensionen lösen wollen bzw. “werden”?
Natürlich sind bestimmte Regelungen auch in einem islamischen Land wie die VAE es letztlich sind, absurd. Aber 1. spielen sie im Alltag keine Rolle und 2. weiß ich _vor_ Einreise, woran ich bin und kann mein Verhalten entsprechend einrichten.
Europhil? Ich bin eher kosmopolitisch veranlagt – und nirgends in den VAE zeigt sich das “asiatische” besser als etwa an der schier unfassbare Vielfalt und dem beinahe 24stündige Gewusel auf den “Souqs”, den traditionellen Märkten. Sodom und Ghomorrha für deutsche Gewerbeaufsichtsbeamte, Zöllner und anderen Handlangern des FDOG-Clubs!
Wenn man mit feinen Antennen durch das moderne oder ‘alte’ Dubai oder Abu Dhabi läuft, stellt man fest: An den Menschen dort, egal ob Bangladeschi-Kloputzer für 400 Dhs im Monat oder libanesischer Manager einer mulitnationalen Holding aus 20 Firmen fällt auf: Ein griesgrämiges Dreinblicken oder mürrisches oder uniformiert-dressiertes “jez-bloß-nix-verkehrtes-sagen”-Gehabe, wie man es in Deutschland auf Schritt und Tritt begegnet, ist dort unbekannt. Die ham’ einfach keine Zeit dafür.
Ich wüsste nicht, was hier “schlimmeres” passieren müsste – wir haben eigentlich alles durch auf der Klaviatur…
@ Bodo Wünsch
*De facto gibt es etwa in den Emiraten keinen Grund für “Politik”.Gewagte These, ich weiß.*
Sehr gewagt sogar, vor allem aus der Sicht von Frauen, deren Bedarf an Politik mir evident erscheint; als europäische Frau möchte ich keinesfalls in einem Land leben, wo die einheimischen Frauen es hinnehmen müssen, in der Familie zwar viel, aber ausserhalb wenig bis nichts zu gelten. Mangels Politik!
In dem, was man in den Emiraten “öffentliches Leben” nennt, bewegen sich Frauen nicht weniger frei als Männer. Frauen werden im Geschäftsleben nicht weniger respektiert. Ich war z.B. mit einer in Abu Dhabi geborenen, arabisch sprechenden, “westlich” gekleideten, “verpartnert” lebenden Frau auf Geschäftsterminen in Abu Dhabi und Dubai. Ich konnte im Umgang keinerlei Unterschied feststellen.
In den einheimischen Familien(-verbänden) lebt und gilt die islamische Tradition; das letzte, was Frauen dort täten, wäre, aus ihnen auszubrechen. Das kann man (für sich) bewerten, wie man möchte. Die Kritik ‘am Land’ ist daher daran auszurichten, welchen Ausfluss die Religion ins Rechtliche hat. Ich meine, man wird das nicht mit Politik ändern können – sondern mit Aufklärung.
Nun sind die VAE auch eine Art “Insel” in der arabischen Welt. Wirtschaft ist dort allemal wichtiger als die Le
ehren des Propheten.Gleich noch eine gewagte These ;-)?
“In den einheimischen Familien(-verbänden) lebt und gilt die islamische Tradition; das letzte, was Frauen dort täten, wäre, aus ihnen auszubrechen.”
Woher wissen Sie, ob es nicht doch das erste wäre, was sie täten, wenn die Männer nicht länger auf der Tradition einer “Gewaltenteilung” auf allen Ebenen beharren würden?
Jeder arabischen Frau bleibt unbenommen, sich mit ihrer traditionellen Rolle zu begnügen oder sich darin sogar zu gefallen; dass sie sich aber so leicht (wie es Ihr Beispiel vorgibt) keine andere aussuchen kann, wenn sie es wollte, halte ich für ein grosses politisches Defizit.
Die Majestät hat sehr deutlich wissen lassen, was zählt, aber in einem Land mit Staatsreligion als Politikersatz und der Wirtschaft als einzig zählendem politischen Faktor würde ich – wenn Sie mich fragen? – als Frau nicht leben wollen. – Aber lassen Sie sich nicht aufhalten ;-)!
Ich verstehe, was Sie anklagen; doch niemand in den VAE kümmert es. Fragen Sie eine Dubai’in, sie würde Sie schlicht nicht verstehen – übrigens trotz ungehinderten Zugangs zu kosmopolitischer Bildung. Wie gesagt, ich bewerte das nicht.
Viel eher wäre nach freiheitlichen Aspekten die paternalistisch-despotische Grundhaltung des Gründervaters Sheik Zayed zu kritisieren – und diese bezieht sich auf das gesamte Volk – wobei VAE-Bürger wohlgemerkt längst in der Minderzahl sind, denn in den VAE leben und arbeiten überwiegend Ausländer.
Was ich zu den Emiraten schrieb und schreibe, zielt vielmehr auf einen nie dagewesenen “Siegezug” des Kapitalismus ab, einer in diesem Raum hochdynamischen Entwicklung, die in der Tat ganz ohne dem auskommt, was wir “Politik” nennen.
Wie könnte ich ausschließen, dass es in den VAE einmal nicht auch zu Restauration und Unterdrückung kommen kann?
Professionaler Unsinn ? Von weltfremden Soziologen ?
;-)
[...] 16, 2007 · No Comments Ich möchte nur auf diesen Beitrag des Herrn Statler hinweisen. Auf das noch ein Mensch ohne blassen Schimmer die Professoren in ihren Fachgebieten [...]
Ich fürchte ja, Herr Scholz und die meisten Befürworter eines absoluten Mindestlohns würden noch nicht mal Mark Twains einfaches Beispiel zur Politischen Ökonomie des sechsten Jahrhunderts verstehen (wollen) …
Statler, ich verstehe nicht inwiefern sich der Finanzplatz London auf die Arbeitsplätze in UK auswirkt. OK, da kommen Banker nach London und die bringen natürlich zusätzlichen Konsum mit.
Aber bitte wo ist der Zusammenhang zwischen dem Finanzplatz und einer merklichen Auswirkung auf die Beschäftigungszahlen? Als Laie sei mir die Nachfrage verziehen, aber das klingt auf mich ziemlich zweifelhaft.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Finanzplatz London und der Beschäftigungssituation? Ich gehe jetzt davon aus, dass die Banker in London auch nur Zwängen unterliegen und ihre Gelder dort investieren, wo sie die höchsten Renditen erwirtschaften können, das Investitionsverhalten mithin also gerade nicht ortsgebunden sein kann.
“Laien argumentieren in wirtschaftspolitischen Diskussionen gerne mit anekdotischer Evidenz.”
Für die Ewigkeit in der Sammlung gespeichert, Respekt.
Die Banker geben Geld aus, oder? Kaufen sich maßgeschneiderte Anzüge in London, fahren zum Golfen nach Schottland, stellen sich Sekretärinnen und Assistenten ein, treiben die Preise auf dem Immobilienmarkt in die Höhe, so daß auch alteingesessene Hausbesitzer was davon haben…
Das Geld findet schon seinen Weg in die Taschen der Leute im Nichtbankensektor.
Entschuldige bitte die später Antwort, ich komme gerade in Arbeit um.
Hat der Bankensektor in UK tatsächlich so viele Angestellte, dass die durch Konsumverhalten den Arbeitsmarkt in UK beeinflussen können? Gibt es dazu Zahlen?
Ich habe zwar zwei Leute aus der Familie in London wohnen (einer hat eine Eigentumswohnung, der andere wohnt in der Wohnung einer Großbank für die Zeit seines Aufenthalts), bin aber davon ausgegangen, dass das nicht so viele Angestellte sein können. Das überrascht mich jetzt wirklich.
Die zweite Frage: Gibt es Untersuchungen darüber, ob sich das Investitionsverhalten der Manager dahingehend ändert, dass sie in ihrem Mutterland UK auch dann investieren, wenn die Investition in einem anderen Land ertragreicher wäre? Gibt es also ein gewisse emotionale Bindung, die das Investitionsverhalten beeinflusst und die sogar in der Lage ist die Kontrolle von wirtschaftlichen Kennzahlen (so nennt man das wohl), zu überwinden?
Was mir an diesem Kommentar nicht gefällt ist, dass der Kommentator ungeprüft die Behauptungen Olaf Scholz’ übernimmt. Daß Scholz sich nur ein Beispiel aus dem reichen Schatz schlechter Erfahrungen mit zwangs-Mindestlöhnen herausnimmt, ist nicht sein schwächster Punkt. Seine schwächsten Angriffspunkte sind:
1. Daß die Arbeitslosigkeit in GB nach Einführung der Zwangs-Midestlöhnen nicht weiter stieg, beweist allein noch nicht die Harmlosigkeit von Zwangs-Mindestlöhnen. Korrelation bedeutet nicht Kausalität.
2. Der gesunde Menschenverstand sagt uns nicht, daß durch Zwangs-Lohnforderungen die Arbeitslosigkeit für *alle* Bewerbergruppen gleichmäßig stiege, egal wie deren Berufserfahrung, Qualifikation und Risiko sei. Der gesunde Menschenverstand sagt uns, Zwangs-Lohnforderungen verurteilten Bewerber ohne Berufserfahrung, mit schlechter Qualifikation und hohem Risiko zur Arbeitslosigkeit. Darunter fallen besonders Jugendliche gewisser Minderheiten. Unter diesen ist wie in allen Ländern, in denen die Zwangs-Lohnforderungen vorgibt, die Arbeitslosigkeit auch in Großbritannien besonders hoch. Und nicht nur daß:
3. Wenn die Eingriffe des Lohn-Rates (russ. für “Rat”: “Sowjet”) tatsächlich folgenlos für die Jugendarbeitslosigkeit geblieben sein sollten, dann müsste die Jugendarbeitslosigkeit der allgemeinen Arbeitslosigkeit folgen. Die Arbeitslosenquote *aller* Personen fiel von Jan/Feb 1995 (8,9%) bis Mar/Mai 2001 (4,9%) kontinierlich. Nach 2001 gab es keinen weiteren Rückgang. Die Arbeitslosenquote der 16-24jährigen blieb in dieser Zeit *konstant* (18,9% bis 17,9%)
MaW es trat in GB genau das ein, was Ökonomen für die Einführung staatlich erzwungener Mindestlöhne vorhersagen: Ein verglichen mit der Allgemeinheit relativer Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Minderqualifizierten.
Wer wie Scholz auch uns einen Lohn-Sowjet einführen möchte, der sollte zeigen können, daß der Quotient aus Jugend- und allgemeiner Arbeitslosigkeit in GB konstant bleibe.
Neuerdings steigt übrigens die Arbeitslosigkeit in GB wieder.
Immerhin benutzt er die Empirie für seine Argumentation, damit ist seine Sichtweise zumindest die zweitschlechteste, die schlechteste ist es doch sich nur auf den “gesunden Menschenverstand” zu verlassen. Was Du sagst ist sicher richtig, Scholz lässt einige Faktoren links liegen, aber wenn wir wirklich wissen wollen, wie sich der Mindestlohn auswirkt, führt kein Weg daran vorbei, sich die Erfahrungen in anderen Ländern anzuschauen. Dabei werden wir freilich nicht so viele Beispiele finden, die Anzahl der Daten wird also immer so gering sein (wenngleich größer als Eins), dass ein Naturwissenschaftler oder ein Mathematiker sie für wenig aussagekräftig halten wird.
Inwiefern schafft kein Kündigungschütz Arbeitsplätze? Sind die dann einfach da – so mir nichts, dir nichts?
Schon mal davon gehört, dass die nachgefragte Menge vom Preis abhängt?
Ich habe früher den Schütz noch als eine Art elektromagnetisch funktionierenden Schalter kennengelernt. Einen Kündigungsschütz kenne ich aber leider nicht ;-)
Nein, ernsthaft: Durch die Gesetzgebung zum Kündigungsschutz werden Entscheidungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern beeinflusst. Je stärker der Kündigungsschutz ausgebaut ist, desto weniger freie Entscheidungen können getroffen werden.
Ich will euch in eurem Bashing ja nicht stören, aber nur, weil in einem Interview lediglich ein Land, nämlich Großbritannien, als Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung genannt wird, heißt das noch lange nicht, dass das in anderen Ländern nicht auch genauso funktionieren kann. Spontan fallen mir Länder wie Frankreich, Irland, die Niederlande und die USA [sic] ein, in denen trotz (oder gerade wegen) eines Mindestlohns die Wirtschaft angezogen hat. Exemplarisch nenne ich z.B. folgende Studie, die deutlich zeigt, dass die Anhebung des Mindestlohns in Santa Fe County (NM) zu einem Beschäftigungszuwachs geführt hat: http://www.unm.edu/~bber/pubs/SFLWpt2.pdf
Frankreich? Tell me you’re kidding.
Aber es wäre schön, wenn er zu Frankreich auch noch eine Studie verlinken könnte, ich wäre sehr daran interessiert, wie die Studie die Realität ausblendet ;-)
Ähm nein, diese verlinkte Studie gibt nun wirklich gar nichts her. Da sind ein paar deskriptive Zeitreihen, die zeigen, daß in manchen Branchen die Zahl der Beschäftigten zugenommen hat, in anderen nicht, und daß unterm Strich in den Jahren nach Einführung des Mindestlohns tatsächlich die Beschäftigung zunahm.
Kein Wunder, wenn das Gesetz in einer Aufschwungsphase in kraft tritt, in der ohnehin die Beschäftigung zunimmt. Also, an einer günstigen Stelle des Konjunkturzyklus den Arbeitsmarkt zu regulieren, dann zu beobachten wie konjunkturell die Beschäftigung zunimmt und dann zu behaupten, die Regulierung habe den Beschäftigungszuwachs verursacht — das geht so nicht.
Die zitierte Studie weist auch darauf hin, daß das so nicht geht. Aber sie tut auf der anderen Seite auch nichts, um die konjunkturellen Einflüsse herauszurechnen. Oder um die Frage zu klären, wieviel größer der konjunkturelle Beschäftigungszuwachs ohne Mindestlohn gewesen wäre. Also nein, das ist überhaupt nicht informativ.
Und was wäre informativ?
Wie soll man erforschen was ein Mindestlohn bewirkt?
Das frage ich mich auch. Vor allem frage ich mich, wie die Experten ( “WELT ONLINE: Experten sagen, der Mindestlohn kostet 1,9 Millionen Arbeitsplätze.” ) dieses errechnet haben, meines Wissens wurde das nie empirisch untermauert.
Es mag einfach eine Mutmaßung sein oder aber eine dreiste Behauptung des “seriösen” Springer-Blattes WELT. Z