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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Paul Kirchhofs Traumkanton

Statler, 17.12.2007

Mit einem eindrücklichen Ja-Stimmenanteil von 91 Prozent haben die Obwaldner Stimmberechtigten am Sonntag die Einführung der Flat-Rate-Tax gutgeheissen. Die Stimmbeteiligung erreichte 33,1 Prozent. Obwalden führt 2008 als erster Kanton eine so genannte Flat-Rate-Tax ein, bei der die Steuertarife flach und proportional sind. In Obwalden wird ein Einheitssteuersatz von 1,8 Prozent eingeführt, der mit dem Steuerfuss multipliziert werden muss. Der Steuersatz nimmt nicht mehr wie bei der Degression in den höchsten Einkommen leicht ab, sondern bleibt im Prinzip über die ganze Strecke konstant. Ganz stringent wird der einheitliche Tarif jedoch auch zwischen Lopper und Brünig nicht angewendet. Bis 10 000 Franken bleiben die Einkommen steuerfrei, um die unteren Einkommen zu entlasten. Der Freibetrag sorgt dafür, dass es eine indirekte Progression gibt. Die Rede ist deshalb von einem Obwaldner Modell. Die Regierung wählte im Juni das innovative Modell der Flat Rate Tax, nachdem das Bundesgericht degressive Steuern als verfassungswidrig erklärt hatte.

Mehr bei der NZZ (danke an TPR für den Link).
Einer der Vorteile direkter Demokratie ist wohl auch, daß die Bürger das Denken weniger an Repräsentanten delegieren, und damit ein rationalerer, oft unaufgeregterer politischer Diskurs möglich ist.



16 Kommentare zu “Paul Kirchhofs Traumkanton”

  1. Lemmy Caution

    Ich finds auch sehr bemerkenswert, dass sich die Flat Tax mittlerweile in Osteuropa immer mehr durchgesetzt hat.

  2. Parker8

    Ja, großartig! Noch mehr europäische Rosinenpickerei, noch mehr Briefkastenfirmen, noch weniger Infrastruktur in Deutschland und Frankreich, noch weniger Realwirtschaftsanteil in Helvetien.

  3. Rayson

    Das finde ich auch. Machen wir endlich Schluss mit dem Horror der fiskalischen Äquivalenz. Zahler und Nutzer dürfen möglichst nichts miteinander zu tun haben, so dass die Nutzer endlich frei(!) darüber entscheiden dürfen, wie viele Leistungen die Zahler ihnen zur Verfügung stellen. Das wäre wirklich liberal.

  4. Schmock

    Dich verstehe ich nicht, der vielleicht wichtigste Grund für die Flat Tax ist doch, dass der Staat durch Steuern nicht mehr lenkt, sondern eine “gerechte” Steuer erhebt. Insbesondere gibt es bei einer Flat Tax dann nur noch zwei steuerpolitische Entscheidungen, die Höhe des Prozentsatzes und die Höhe des Betrages der nicht besteuert wird. Wenn alle europäischen Staaten die Flat Tax einführten, wo wäre da die Rosinenpickerei?

  5. jopa

    Was zur Hölle (‘tschuldigung, stefanolix!) ist eigentlich “Realwirtschaft”? Gibt es auch eine “Irrealwirtschaft”?

  6. stefanolix

    Wieso “(’tschuldigung, stefanolix!)”? Ich habe doch nichts gegen solche Redewendungen ;-)

    In der VWL wird die Wirtschaft in Realwirtschaft und Finanzwirtschaft eingeteilt. In der Realwirtschaft werden Güter produziert und Dienstleistungen erbracht. Eine Irrealwirtschaft gibt es nicht, obwohl einem Teile der Wirtschaft manchmal so vorkommen könnten ;-)

  7. Max

    Hmmm, naja, ob man hier von Demokratie reden kann, wenn eine Miinderheit einer Mehrheit die Taxierung vorschreibt :)
    Immerhin haben ja nur 33% der Bürger über 66% abgestimmt, wenn auch diese 33% zu 90% dafür waren, was eine Ja-STimmen-Fraktion von 29.7 % entspricht =)

    Natürich könnte man jetzt noch philosophieren ob es den anderen Menschen eventuell so unwichtig war, das sie nicht abstimmen wollten, oder das sie generell dafür waren und nicht glaubten das es abgelehnt werden könnte :)

  8. jopa

    Ich wolle lieber Rücksicht auf eventuelle Befindlichkeiten nehmen, nach dem ein Mitglied meines Kirchenchores einmal äußerst negativ auf diese Redewendung reagierte. :-)

    Die Frage nach der Trennung zwischen Real- und Finanzwirtschaft ist mir (als ehemaligem VWL-Studenten) natürlich bekannt; die Frage war eher rhetorisch gemeint. Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, daß ich die Trennung für ziemlich schwachsinnig halte, da sie sich in der Realität so nirgends findet, dafür sind die Interdependenzen zu stark. Meiner Erfahrung nach wird sie ohnehin eher von der Linken unterstellt, im sog. Mainstream findet man sie eher weniger….

  9. stefanolix

    Es steht ja nicht an Deinem Nick dran, was Du mal studiert hast :-)

    An unserer TU war ein wenig VWL auch für Ingenieure Pflicht und das ist (unter anderem) hängengeblieben. Ich habe mir inzwischen sagen lassen, dass diese Einteilung wirklich schon etwas angestaubt sein soll.

  10. Florian

    @ Max:
    Natürlich ist das Demokratie!!!
    Erstens einmal hat hier jeder das Recht mitzustimmen. Und das ist das entscheidende.
    Und zweitens: Wenn Dich stört, dass hier eine 30% Minderheit für die restlichen 70% mitentschieden haben, dann vergleiche das einmal mit der Situation in Deutschland, wo 600 Abgeordnete 80 Mio. Einwohnern die Taxierung vorschreibt.

    Im übrigen:
    Der obige Einwand, die Schweiz würde “nur” Finanzwirtschaft anziehen trifft nicht zu. Die Schweiz ist auch industriell sehr stark. Firmen wie ABB, Roche, CibaGeigy, Nestle, etc. haben nicht “nur” ihre Zentralen in der Schweiz sondern auch beachtliche Betriebskapazitäten.

  11. jopa

    Naja, in gewisser Weise schon. :-)

    1) Das …pa steht für meinen damaligen Studienort Passau, und da kann man vor allem BWL / VWL, Jura, Lehramt und einige Sozial- und Geisteswissenschaften studieren.

    2) Da sich in diesem Forum vermutlich generell nur wenige Vertreter der letzteren drei Studiengänge herumtreiben (irgendwie sind Liberale fast immer Ingenieure, Wirtschafts- oder Rechtswissenschaftler, seltsam), liegt der Gedanke nahe, daß ich entweder Jurist oder WiWi bin.

    3) Wäre ich jedoch Jurist, würde ich mich vermutlich deutlich besser ausdrücken, also kann ich eigentlich nur WiWi sein. Wie Du siehst, sagt mein Nick eine Menge über mich aus.

    Chuck Norris hätte das gewußt! ;-)

  12. Bucaro

    Naja, die Schweiz mag zwar einige sehr große Firmen haben, dahinter kommt aber meist nicht mehr so viel. Schau Dir mal den SMI und seine Gewichtung an.
    http://www.swx.com/trading/products/indices/stock_indices/smi/basket/smi_de.html
    Die 5 größten Firmen im SMI haben ~68% des kompletten Marktwertes.

  13. Bucaro

    Beim DAX schaut die Gewichtung da schon ganz anders aus.
    Hier die Daten von heute: http://short4u.de/4766efcb04d36
    Die größte Firma (E.on) hat 11,34%. Es gibt keine Firma mit einer herausragenden Marktkapitalisierung.
    Ja, ich weiss, dass der SMI 20 Werte und der DAX 30 Werte hat, allerdings wäre das Ergebnis nicht viel anders, würde man die 10 kleinsten Werte des DAXes weglassen.

  14. F.Alfonzo

    Kann mir mal jemand den Begriff “Steuerfuss” erläutern?
    Danke…

  15. Carsten

    Wirklich sehr schön: http://www.cato-at-liberty.org/2007/12/17/swiss-canton-voters-overwhelmingly-adopt-18-percent-flat-tax/

  16. Bucaro

    Wenn die Steuern zu hoch werden und das Kapital Füße bekommt, also ins Ausland abwandert, so nennt man dies “Steuerfüße”.
    :P

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