Ivy League Podcasts
Seien wir ehrlich, das Internet ist Dreck. Bei vielen Blogs hat man das Gefühl, sie seien, wie ein kluger Kopf mal gesagt hat, “text for people who cannot read“. Youtube mag ein schöner Fundort für verloren geglaubte Musikvideos sein, ist aber ansonsten vor allem ein Beweis dafür, daß nur sehr wenige Menschen Kameras besitzen sollten. Zeitungen publizieren im Internet den Müll, der es nicht in die Printausgaben geschafft hat. Das Internet ist ein einziger, großer, guter Grund für Kulturpessimismus — eigentlich.
Manchmal gibt es allerdings echte Perlen, wie etwa die Podcasts verschiedener Vorlesungsreihen aus Yale. Philosophie, Physik, Theologie, Politik — alles ist vertreten. Schier unglaublich ist Ramamurti Shankar, der Physiker, der ohne jede schriftlichen Unterlagen die wildesten Gleichungen aus dem Kopf an die Tafel schreibt. Und auch sonst ist es erstaunlich, wie die Dozenten im Vortragsstil und Auftreten oft den Klischees entsprechen, die man von den einzelnen Fächern hat. Jedenfalls sind diese Podcasts beste Unterhaltung für lange Winterferienabende.







Man darf das auch ruhig deutlicher ausdrücken: http://www.youtube.com/watch?v=mGz6NdLBF2Y
Shankar ist Verfasser eines ausgezeichneten Buches über Quantenmechanik*.
*Warnhinweis: Für Physiker.
Bis zu welchem Alter ist es noch erlaubt kein Kulturpessimist zu sein bzw. bis zu welchem akademischen Rang? Wollte nur sicher gehen keine Fehler zu machen.
Aber mal ernsthaft – selbst wenn 99% des Internets Dreck wären, dann sind es eben solche Perlen aufgrund derer man es tunlichst unterlassen sollte zu behaupten, das Internet wäre insgesamt Dreck.
Der Herr Moody in dem Youtube-Link (wer Ironie findet darf sie behalten) von CptCr ist auch wahnsinnig unpolemisch: “but all it’s really given us is [...] 24 hour access to kiddy porn” – brilliant und sehr nah dran an der Gebrauchsrealität des durchschittlichen Internetnutzers.
Kulturpessimist darf jeder sein, allerdings nur in den dunklen Wintermonaten und hier vor allem zur Weihnachts- und Karnevalszeit.
Zur Karnevalszeit sollte das vermutlich sogar geboten sein.
Solange virtuelle Auswanderung noch (und noch dazu so leicht) möglich ist, besteht für Kulturpessimismus m.E. kein hinreichender Anlass.
Ich kann auch noch eine interessante Fundgrube für interessante Ideen empfehlen, die TED (Technology, Entertainment, Design) Talks:
http://www.ted.com/
Klar kann man da pessimistisch sein. Muss man aber nicht. Es ist eben eine Frage, was man sich aussetzt. Das ist in einer Bibliothek oder am Zeitschriftenstand oer in einer Videothek oder sogar im TV nicht besser.
Es ist die Frage, was überwiegt. Beim “Internet” – hier als Medium gesehen und nicht als Technologie – überwiegen zweifellos noch die guten Seiten, auch wenn auf jedes gute Seite zehn Müllseiten kommen.
Der letzte Satz ist jetzt aber widersprüchlich. ;-)
Aber okay, es stimmt schon, daß das WWW natürlich viele gute Sachen bringt. Ich wollte mit dem ersten Abschnitt oben mal ein wenig sticheln, nachdem die Blogosphäre hier in den letzten wieder sehr empfindlich auf Kritik reagiert hat, die von professionellen Journalisten am Internet geübt wurde.
Stimmt, als quantitative Aussage ist es widersprüchlich. Ich meinte, dass eine gute Seite qualitativ locker den anderen Müll aufwiegt.
Und anders als bei linearen Medien wie Rundfunk und TV kann man an online publizierten Medien sehr selektiv teilnehmen.
[...] das hier (via) gibt es ja sicher in vergleichbarer Form auch noch in anderen Ländern – aber das hier (via)? [...]
[...] [via Statler]. [...]
Ich glaube ihr seht das Internet eher falsch. Auf der einen Seite hat man die nützlichen Funktionen, wie Onlinebanking, einfacher Bestellservice, einfacher Datenaustausch, etc.
Auf der anderen Seite steht Unterhaltung.
Nicht umsonst heißt es ja “The internet is serious business.”
Wer alles ernst nimmt und nicht als Erheiterung wahrnimmt, ist selber schuld. :P
Vielen Dank für den nützlichen Hinweis.
Die Vorlesungsreihe über politische Philosophie ist großartig.