NIMBY

18.12.2007 18:36 - Statler & Waldorf by Statler - 12 Kommentare

Not in my backyard! Das alte Problem. Jeder will fliegen, auch die Leute, die im Umland des Frankfurter Flughafens wohnen. Jeder will frisches Obst oder frische Fische oder argentinische Steaks essen, die per Luftfracht nach Frankfurt gebracht werden, auch die Leute, die im Umland des Frankfurter Flughafens wohnen. Aber den Lärm wollen sie nicht. Das ist verständlich, ich würde ihn auch nicht wollen. Und so ist es aus Sicht der Betroffenen völlig vernünftig, gegen den Flughafenausbau zu protestieren und darauf zu hoffen, daß die nötigen Flüge irgendwo anders abgefertigt werden.

Technische Lösungen wären ja prinzipiell denkbar. In Hahn im Hunsrück, hundert Kilometer von Frankfurt weg, gibt es beispielsweise einen Flughafen im Niemandsland, da könnte man noch zehn Startbahnen bauen und es würde sich immer noch kaum jemand gestört fühlen. Ist aber halt weit weg von Frankfurt und vom bestehenden Flughafen. Für Transferpassagiere also unzumutbar. Es sei denn, man verbindet Frankfurt und Hahn mit einem Transrapid. Dann würde der Transfer eine Viertelstunde dauern.

Was aber natürlich kostspielig ist. Ob die Umlandgemeinden des Flughafens Frankfurt und ihre Bürger bereit wären, den Transrapid zu finanzieren? Wie hoch ist die Zahlungsbereitschaft für Ruhe? Oder wenn es andersherum wäre und die Anwohner ein Eigentumsrecht an ihrer Nachtruhe hätten: Wäre der Flughafenbetreiber bereit, den Transrapid zu finanzieren, wenn er in Hahn freie Bahn für beliebigen weiteren Kapazitätsausbau hätte? Würden die Grünen auch diese Transrapidstrecke bekämpfen? Fragen über Fragen.

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12 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

FG, 18.12.2007 19:37

Ist der vorletzte Satz als indirektes liberales Plädoyer für das Milliarden-Stuereuros-zum-Fenster-raus-Projekt interpretierbar? Die FDP in Bayern scheint damit ja wirklich kein grundlegendes Problem zu haben, was ich noch mit der Bedienung von Interessen lokale Großkonzerne erklären kann. Aber dass da auch der überregionale Liberale mitspielt!?

Statler, 18.12.2007 19:49

Nein, eigentlich nicht, in München gibt es diese Probleme wie in Frankfurt ja so nicht.

Aber bei den Grünen frage ich mich immer, wann sie aufhören, gegen Neues zu sein. Gegen neue Flughafen sind sie, weil sie meinen, man könnte Menschen und Dinge auch am Boden transportieren. Gegen den Transrapid sind sie, weil sie meinen, ein ICE täte es auch. Gegen neue ICE-Strecken sind sie aber auch, weil sie meinen, das wären nur teure Vorzeigeprojekte. Also was nun, soll die ganze Republik nur von Regionalbahnen bedient werden, in denen es außerdem auch nur eine zweite Klasse geben darf, damit sich niemand diskriminiert fühlt?

FG, 18.12.2007 20:32

Aber Fakt bleibt doch, dass die beiden bislang gescheiterten Transrapidprojekte (Hamburg-Berlin und Metrorapid Rhein/Ruhr) ausschließlich an Wirtschaftlichkeitserwägungen gescheitert sind und dass es bei dem dritten wohl nicht anders sein wird. Und bei ersterem meine ich mich noch an die Grünenforderung nach einem ICE-Ausbau als Alternative zu erinnern (ohne das jetzt belegen zu können), der dann ja auch mit einiger Verspätung gekommen ist.

Statler, 18.12.2007 20:43

Vielleicht war das dann die Ausnahme, wo die Grünen mal die Kröte geschluckt haben, um den Transrapid zu verhindern. Aber ansonsten: ICE Frankfurt-Köln – die Grünen waren dagegen; ICE Nürnberg-Erfurt – die Grünen dagegen; die erste ICE-Strecke Würzburg-Hannover – gegen den Widerstand der Grünen.

Daß der Transrapid an Wirtschaftlichkeitserwägungen gescheitert ist, stimmt natürlich. Andererseits ist es aber auch so: Wenn man an alle Infrastrukturprojekte die gleichen strengen Kriterien anlegen würde wie an den Transrapid, dann würde hier kaum noch eine Bahnstrecke oder Fernstraße gebaut werden.

 
 
 
 
Bucaro, 18.12.2007 20:39

Naja, so einfach wäre ein Megaflughafen Hahn auch wieder nicht. Wo sollen die ganzen Angestellten herkommen? Am Flughafen FFM arbeiten laut Wikipedia 68500 Menschen. Hierbei fehlen noch die zahlreichen Beschäftigten, welche in Arbeitsplätzen, die unmittelbar wegen des Flughafens dort sind, arbeiten. All diese Menschen könnte man nicht tagtäglich mit dem Transrapid hin- und herkutschieren. Ganz abgesehen von Firmen, die ihre Lager, etc eben direkt neben dem Flughafen haben wollen, und nicht 100km entfernt. Es müsste mit dem Flughafen halb Frankfurt ins Hunsrück mit-umziehen, wodurch dort das gleiche Problem erneut entstehen würde, da ein Transrapid niemals in der Lage wäre solche Massen zu transportieren.

 
Bucaro, 18.12.2007 20:43

Das gleiche Prinzip lässt sich auch bei anderen Sachen finden, z.B. den Mobilfunkmasten. Alle wollen mobil telefonieren (OK, ich besitze noch immer kein Handy), aber den Mast in seiner Nähe, damit das Mobiltelefon auch funktioniert, will keiner! Die Leute wollen also Handys, aber ohne Empfang zu Hause. Wozu gibt’s auch Festnetztelefone. Die Besucher der Heimat haben dann eben Pech gehabt. Aber in der Heimat der anderen haben gefälligst Handymasten zu setehen, da man dort ja selber gerne empfangbar sein möchte.

 
Florian, 19.12.2007 00:29

Ein Großflughafen ist allerdings aus ökonomischer Perspektive etwas anderes als sagen wir mal eine Müllverbrennungsanlage.

Bei der Müllverbrennungsanlage gibt es (nehmen wir mal an) einen positiven nationalen Nutzen und einen negativen regionalen Nutzen. Daher ist es rational, gegen eine Mülllverbrennungsanlage in der eigenen Region auf die Barrikaden zu gehen.

Beim Flughafen ist aber auch der regionale Nutzen positiv. Die Region nördliches München hat durch den Flughafen im Erdinger Moos gewaltig profitiert. Früher war dieses Eck relative wirtschaftliche Diaspora. Heutzutage hat der Landkreis Freising die niedrigste Arbeitslosenquote der Republik. Wenn irgendein internationaler Großkonzern heutzutage seine Deutschland-Zentrale in München ansiedelt, dann i.d.R. in den Münchner Norden (so geschehen bei General Electric, Microsoft, etc.). Der Münchner Süden (früher wirtschaftlich deutlich stärker) wurde deutlich abgehängt.
Entsprechende Auswirkungen gab es auf Grundstückspreise etc.

Ein Bewohner einer Flughafenumlandgemeinde hat also durchaus ein wirtschaftliches Interesse an einer Ansiedlung.
Natürlich muss er dafür auch Nachteile schlucken.
In der Abwägung mag er durchaus zum Ergebnis kommen, dass sein individueller Wohlstandsgewinn den zusätzlichen Lärm nicht aufwiegt.

Das ändert aber nichts daran, dass es positive regionale Effekte gibt (die eine Müllverbrennungsanlage nicht bietet).

 
Karsten, 19.12.2007 11:49

Auf jeden Fall könnte man dann in Frankfurt… ähh… ähh… direkt in das Flugzeug, also den Bahnhof… ähh… ähh… man könnte also in Frankfurt direkt in einen Zug, und damit in das Flugzeug einsteigen. Äh.

 
twex, 19.12.2007 12:26

Das alte Problem. Jeder will fliegen, auch die Leute, die im Umland des Frankfurter Flughafens wohnen. Jeder will frisches Obst oder frische Fische oder argentinische Steaks essen, die per Luftfracht nach Frankfurt gebracht werden, auch die Leute, die im Umland des Frankfurter Flughafens wohnen.

Woher weißt du das eigentlich? Hast du sie gefragt, ob sie nicht bereit wären, auf all diese Dinge zu verzichten, im Austausch gegen die Ruhe? Und wenn sie bereit sind, wie ließe sich dieser Tausch vollziehen? Noch mehr Fragen.

 
Marius, 19.12.2007 15:39

In Düsseldorf Lohausen freuen sich die Häuslebauer, weil sie für ein Grundstück im gehobeneren Düsseldorfer Norden ein Drittel weniger zahlen als in Stockum oder Kaiserswerth, aber kaum ist der Putz getrocknet wird der Bürgerinitiative gegen Fluglärm beigetreten.

Bucaro, 19.12.2007 18:04

Eine weitere deutsche Spezialität, die überall jederzeit beobachtet werden kann. Erst das Haus neben die Autobahn bauen, dann schreien, dass die Autobahn weg muss.

jopa, 19.12.2007 19:26

Das gilt nicht nur für Autobahnen, sondern mittlerweile für alles, was irgendetwas emittieren könnte. In meiner Geburtsstadt geht eine Bürgerinitiative dagegen vor, daß sich ein Hobelwerk (eigentlich nicht übermäßig belastend) in einem Gewerbegebiet (!) etablieren möchte – es könnte zu höherem Verkehrsaufkommen auf den Zufahrtsstraßen zum Gewerbegebiet führen, an denen (bzw. in deren Nähe) die Leute leben. So wird die Idee des Gewerbegebietes, nämlich bessere Ansiedlungsbedingungen für emissionslastige Betriebe zu bieten, ad absurdum geführt…

 
 
 

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