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Prügelnde Ausländer

23.12.2007 22:45 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim

Prügelnde Raucher: Polizei nimmt zwei Verdächtige fest

Hat SPON getitelt, wohl in Vorbereitung der Raucherjagdsaison 2008. Nachdem sich nun herausstellte, dass die beiden Münchner U-Bahn-Gewalttäter nicht nur Nikotinisten, sondern auch griechischer und türkischer Herkunft sind: wäre obige Überschrift sachlich nicht ebenso berechtigt?

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57 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Marco, 23.12.2007 23:04 Subscribed to comments via email

Nicht unbedingt. Ich würde mich gar nicht an der “Raucher attakieren Nichtraucher”-Geschichte stören, wenn das Rauchen wirklich der Grund, nicht nur der Anlass gewesen wäre. Angesichts von Worten wie “Heute bringe ich einen Deutschen um” und “Scheiß-Deutscher” ist aber der tiefere Grund klar: deutschfeindlicher Rassismus.

Statler, 24.12.2007 10:07

Ja? Komisch. Denn wenn jemand “Scheiß-Türke” oder ähnliches sagt und dann jemanden verprügelt, dann suchen gerade Sie immer nach tausend Gründen dafür, daß da ja trotzdem kein ausländerfeindliches Motiv hintersteckt. Aber hier ist Sache klar, eh? “Deutschenfeindlicher Rassismus”, na sicher…

Marco, 24.12.2007 15:36 Subscribed to comments via email

Statler, reißen Sie sich gefälligst mal am Riehmen. Sie werden niemals erleben (und haben niemals erlebt), dass ich ein Individuum, welches “Scheiß-[[Nationalität hier einsetzen]]” und “heute bringe ich einen [[Nationalität hier einsetzen]] um” verteidigt hätte. Sie sind echt so billig.

 
 
 
Marco, 23.12.2007 23:04 Subscribed to comments via email

P.S. Trotzdem fein, dass Du Dich der Sache hier annimmst.

 
jo@chim, 23.12.2007 23:45

Aber nicht doch Marco! Der Rentner hatte unsere Müg..äh…Münchelner Jungs eindeutig provoziert. Vielleicht wollte er sie sogar mit seinem Krückstock verletzen? Was sie gerufen haben (woher hast Du überhaupt Deine Zitate?), darf im Übrigen auf gar keinen Fall eine Rolle spielen. Und ausserdem geben sie ja an, dass sie gesoffen hatten. Man is’ halt so, wenn man frisch aus dem Pilspub bzw. Bierzelt kommt, nicht?

dagny, 24.12.2007 00:22

(bin mir nicht mehr sicher obs bei SPON war) aber ich hab das Zitat heute auch gelesen.

 
Marco, 24.12.2007 01:44 Subscribed to comments via email

Das Zitat “Scheiß-Deutscher” stammte ursprünglich von der Polizei, und war ja schon vor der Festnahme der Täter bekannt.

Nach der Festnahme dann wurde ermittelt, dass einer Täter mit einem gestohlenen Mobiltelefon einen Bekannten angerufen hatte und diesem den Satz “Jetzt wirst du gerade Zeuge, wie ich einen Deutschen umbringe!” mitteilte.

Die Typen waren also ganz auf’s “Deutschenklatschen” eingestellt. Dass der ältere Mann es wagte, die Herrenmenschen anzusprechen, ließ die Wahl auf ihn als Opfer fallen.

Die Raucher-Geschichte war also eindeutig nur Anlass, nicht Grund des lebensgefährlichen Überfalls.

SPON musste irgendwann auch berichten[1] - natürlich ohne groß “RASSISMUS!! RASSISMUS!!” zu schreien. Dafür hatte man schließlich sofort einen neuen Fall parat - diesmal Gott sei Dank mit politisch korrekter Täter-Opfer-Konstellation.[2]

____________________________________
[1] http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,525153,00.html
[2] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,525114,00.html

pantoffelpunk, 26.12.2007 01:25 Subscribed to comments via email

In allen Zeitungen steht groß geschrieben, dass ein Türke und ein Grieche einen deutschen Rentner fast zu Tode geprügelt haben. Es wird außerdem in jeder Zeitung der Spruch “Jetzt wirst… Deutschen umbringe!” zitiert. Ganz Deutschland ist bewegt, bestürzt, betroffen. Und Du faselst hier so einen relativierenden Scheißdreck! Was hat denn bitte der Angriff von Nazischlägern auf Schwarze in Dresden und / oder der Überfall in Halberstadt auf eine vermeintlich Linke mit dem brutalen Überfall auf einen Rentner in München zu tun??? Was ist das bitte für ein Kindergartenniveau? Sollen Die Schwarzen sich über erfahrene Gewalt bitte nicht beschweren, weil in Bayern schließlich auch Ausländer einen Deutschen attackiert haben, sie also praktisch selber Schuld sind? Warum fühlst Du Dich so angegriffen, wenn in den Medien rechtsradikale Schläger verurteilt werden?

 
 
 
stefanolix, 23.12.2007 23:59

Daran mag man ein weiteres Mal erkennen, dass bestimmte Verhaltensmuster eben nicht auf die ostdeutsche Provinz oder die Berliner Slums beschränkt sind. Geistige Verwahrlosung und Alkohol bilden oft ein explosives Gemisch.

 
gogo, 24.12.2007 10:06

1. Welche Kriterien muss man in der BRD erfüllen, um nicht als “Ausländer” bezeichnet zu werden?

2. Welch noch so dubiöser Vergleich wird herangezogen, um das ostdeutsche Kollektiv zu verteidigen?

Marco, 24.12.2007 11:39 Subscribed to comments via email

Ähm … ein Mann wird fast zu Tode geprügelt und Du störst Dich am Begriff “Ausländer”? Sagt eigentlich alles.

 
Rayson, 24.12.2007 12:01

Da kann ich Achim folgen: Wie mir dieses Benamsen auf den Senkel geht. Das hat ja schon was Rituelles: Kaum wird irgendwo jemand Opfer einer Gewalttat, sieht sich auch die Bloggergemeinde bemüht, die Tat durch Kategorisierung zu “bannen”. Sobald das getan ist, kann man noch sein übliches Fazit anbringen (”Die Deutschen sind alle Rassisten und Antisemiten, nur meine Freunde und ich nicht” oder “Die Ausländer wollen Deutschland beherrschen”), um sich dann wieder auf der Suche nach neuen Taten zurückzuziehen, die noch nicht vom Bannspruch getroffen wurden.

Dadurch ändert sich an der Problematik kein bisschen, jedenfalls so lange man zivile Methoden der Konfliktlösung bevorzugt.

All das, was man leider erleben muss, liegt weder an irgendwelchen genetischen oder sonstigen unabänderlichen, einem “Volk” oder einer Kultur innewohnenden Bedingungen. Da kommen soziale, ökonomische und psychische Probleme auf einem Haufen zusammen. Es bringt nichts, nur auf das Ventil zu schauen, mit dem sie sich Luft machen. Angenommen, man könnte von heute auf morgen z.B. den Rassismus per Gehirnwäsche aus den Köpfen treiben (was bei der immer weiter werdenden Definition des Begriffs eine ziemlich radikale Operation wäre…), wären dann alle froh und glücklich oder würden sich Hass und Perspektivlosigkeit nur neue Sündenböcke und Opfer suchen?

Opfer wirksam schützen, Täter konsequent bestrafen, ok, das muss sein. Aber nicht nur den Pharisäer spielen und sich freuen, dass man nicht so ist wie der da drüben. Sondern wenn man schon die Klappe aufreißt, dann bitte mit der Aussicht, wie man diese beste und schlimmste aller Welten ein bisschen besser machen kann.

So, das war’s zum Anlass des Tages.

Allen beim A’Team und den Kommentatoren ein gesegnetes Weihnachtsfest! (Auch denen, die mit Segen nicht viel anfangen können ;-))

Marco, 24.12.2007 12:45 Subscribed to comments via email

Dem kann ich in großen Teilen zustimmen. Meine Betrachtung geht ja auch viel mehr weg von eigenentlichen Tat, hin zur Medienkritik. Und da kann ich - auch ausgehend an diesem Beispiel [die Tagesschau bereichtete über den Fall des fast zu Tode getretenen deutschen Rentners keine Sekunde; über die Diskoschlägerei in DD und die andere Geschichte aber fast 2 Minuten] - feststellen, dass die [Mainstream]Medien ganz klar eine Wertigkeitshierarchie bei bestimmten Täter-Opfer-Konstellationen besitzen. Ist die Konstellation Täter: Deutscher - Opfer: Nicht-Deutscher, dann wird das in allen Medien tagelang rauf und runter gespult, dann wird reißerisch berichtet, Spekulationen für Tatsachen verkauft, jede Objektivität fahren gelassen. Umgekehrte Opferkonstellation: dann kann gar nicht wenig genug passiert sein. Dann sind es eben z.B. Raucher die einen Nichtraucher angreifen und nicht etwa rassistische Migranten, die endlich mal einen Deutschen umbringen wollten.

stefanolix, 24.12.2007 13:20

Die Tagesschau hat aber offenbar doch berichtet, wie eine schnelle Google-Suche zeigt.

Marco, 24.12.2007 15:45 Subscribed to comments via email

Heute. Genau. Heute. Mein Beitrag, in dem ich das Nicht-Berichten anprangere, stammt von 1.44 Uhr, bezog sich also logisch auf die Berichterstattung bis zum gestrigen Tage.

Am gestrigen Tage stand die Redaktion nämlich vor folgender Abwägung: Rassistischer Überfall auf Deutschen [der ja keiner sein darf], bei dem das Opfer fast zu Tode getreten wurde + Tötungsvorsatz vorhanden reinnehmen oder statt dessen Schlägerei in Disko, bei der der Hintergrund noch lange nicht aufgeklärt ist und den Angriff von Neonazis auf eine junge Frau.

Da war für die politisch korrekten Meinungsmacher der Fall natürlich klar.

Marco, 24.12.2007 17:29 Subscribed to comments via email

P.S. Auch in den bisher ausgestrahlten TS-Sendungen wurde der rassistische Hintergrund der Tat verschwiegen. Mal schauen, ob’s in der 20-Uhr-Sendung genannt wird. Ich bin skeptisch.

P.P.S. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle, das da wohl den eine oder andere [Untertreibung] Protest wegen der Sache durch Zuschauer an die ARD gerichtet wurde. Auch der Umstand, dass die BILD sich der Sache beherzt annahm, dürfte für die Berichterstattung entscheidend gewesen sein.

 
 
 
Laura, 27.12.2007 21:04

hat vllt was mit der geschichte deutschlands zu tun, dass da ein gewisses tabu regiert. kannst aber beruhigt sein - die veröffentlichte meinung und die semiöffentliche meinung der gartenzwergnazis geht oft genug auseinander.

 
 
jo@chim, 24.12.2007 12:54

Danke für den Kommentar, Rayson, “Full Ack”. Und natürlich auch für Deine freundlichen Wünsche, die ich hiermit ganz säkular an Dich und alle anderen zurückgebe: möge Eure jeweiligen bevorzugten Riten Euch die Kraft geben, auch im neuen Jahr mit Euch selbst und Euren Mitmenschen zurecht zu kommen ;-))

 
 
 
Lina, 24.12.2007 14:03

Darf ich - ziemlich beklommen zwar - einen anderen heillosen Aspekt Deiner Meldung aufnehmen,

“…wohl in Vorbereitung der Raucherjagdsaison 2008″, schreibst Du da nämlich einleitend. Während Professor-Doktor-Beda-Stadler kürzlich die Gefahren des Passivrauchens, auf denen die regierungsamtliche Neuregelung schliesslich basiert, als Mythos zu enttarnen versucht hat

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/print/004334

sehe ich heute am Kiosk, wo ich mir - ja! - ein paar Festtagszigaretten besorgt habe, einen Flyer von

http://www.rauchenerlaubt.de

mit der plakatierten Frage: “Warum keine liberale Regelung?” ( erst habe ich in weihnachtlicher Vorfreude sogar “Regierung” gelesen…) mit dem im rebellische Bayern das “spanische Modell” gefordert wird, das auf Eigendeklaration (bei der Einraumgastronomie) und für Raucherräume (in der Mehrraumgastronomie) , auf Innovationsklauseln (Cafe Forum München) wie Revisionsklauseln (nach einem Jahr) aufbaut.

Da kann ich nur sagen: Viva Espana - Viva mas Libertad! - Und allseits noch: Feliz Navidad!

 
stefanolix, 24.12.2007 15:04

Raucher sollen überall dort ihre Freiheit genießen, wo sie niemanden in Gefahr bringen oder belästigen. Eine liberale Regelung für Gaststätten muss kommen, sonst werden eben private Raucherclubs wieder schwer in Mode kommen.

Viel Spaß also mit Deinen Zigaretten, Lina ;-)

Beim Passivrauchen hört der Spaß aber auf. Ich schwanke noch, ob ich diesen AchGut-Artikel jetzt als Realsatire oder als ernstgemeinten Beitrag betrachten soll. Aber wenn dort die Gefahren des Passivrauchens ernsthaft verharmlost werden sollen, ist der Artikel für mich eine ganz üble Frechheit.

Ich selbst habe große Probleme mit Zigarettenrauch und habe früher nach ICE-Fahrten in der Nähe der schlecht getrennten Raucherzonen immer Auswirkungen gespürt. (Ich könnte auch nie mit Rauchern in einer WG oder mit einer rauchenden Partnerin in einer Wohnung leben). Es geht vielen anderen Menschen genauso.

Wenn Passivrauchen also keine Folgen hat: woher kommen dann gereizte Augen und Atemwege, Kopfschmerzen oder andere »Nebenwirkungen«? Ich bin sonst so fit, dass ich 2008 wahrscheinlich meinen ersten Marathon laufen werde. Aber nach einer Bahnfahrt kurz vor dem Rauchverbot in den ICE hatte ich all die oben genannten Symptome, weil ich neben einer Raucherzone sitzen musste und sonst im überfüllten Zug nichts frei war.

Lina, 24.12.2007 17:07

War denn irgendwo die Rede davon, lieber stefanolix, dass ich mit einem prospektiven Marathonläufer eine WG bilden möchte;-)? Wenn so gewollt, würde ich aus purer Rücksichtnahme auf Dich bestimmt darauf verzichten - in der Gemeinschaftsküche zu Heiligabend mit einer unheiligen Zigarette in der Hand aufzutauchen; das tue ich aber auch sonst niemandem an, nicht einmal mir selbst! Ich will doch den kalten Hecht nicht räuchern, den es heute gibt :-)…

Aber ich “oute” mich ganz gern, weil ich die schon seit geraumer Zeit laufende teilmilitante “Raucherjagdsaison” und ihre Hass-Elemente zutiefst verabscheue. Ebensogut könnten sie mich wegen roter Haare jagen, wenn ich sie hätte - und sie “Argumente” dagegen. Das Argument der “Volksgesundheit” steht als Kampfwaffe dem “gesunden Volksempfinden” immer bei Fuss; das stört mich.

Meine Zigarette gehört mir ebenso wie anderen ihre Sportarten oder ihre Biere. Jeder muss wissen, was er tut, auch wo er selbstverständlich - freiwillig oder geregelt - Rücksicht zu nehmen hat. Aber ich will ich mir nicht über ein gewisses “gesundes”, bestenfalls aufklärendes Mass hinaus hineinreden lassen müssen - und illiberal hineinregieren erst recht nicht.

Das “spanische Modell” hätte es ruhig sein dürfen, finde ich, um mir und meinesgleichen zumindest den selektiven Gang zum Wirt zu ermöglichen.

stefanolix, 24.12.2007 18:41

Als ich über das Verbot des Rauchens im ICE geschrieben habe, ging es mir nicht um die »Volksgesundheit«. Ich bezweifle, ob dieser Begriff überhaupt sinnvoll anwendbar ist, denn Gesundheit kann immer nur individuell betrachtet werden. Mir ging es also zuerst um meine ganz individuelle Gesundheit und gleichzeitig um die Gesundheit der nichtrauchenden Mitreisenden.

Das ist nicht illiberal und ich regiere auch niemandem herein. Eine liberale Einstellung ist: Du magst mit Deiner Zigarette glücklich werden und ich mit meinem Lauftraining, solange kein anderer Menschen damit geschädigt wird.

Tatsächlich wird beim Rauchen aber nur dann niemand geschädigt, wenn sich Raucher in einem abgeschlossenen Raum oder auf einer Raucherinsel versammeln. Deshalb sollte es sich in öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentlichen Gebäuden also von selbst verbieten. Dem privaten Rauchen sind dadurch trotzdem keine Grenzen gesetzt.

Gern glaube ich Dir, dass Du persönlich Rücksicht auf Nichtraucher nimmst. So kultiviert wie Du ist aber nur eine Minderheit der Raucher. Die Mehrheit der Raucher kennt das Wort Rücksichtnahme überhaupt nicht. Deshalb müssen Nichtraucher vor den Folgen des Passivrauchens geschützt werden. Ich habe Raucher im ICE ungerührt weiterrauchen sehen, während sich Kinder daneben bald die Lunge aus dem Leib gehustet haben. Es ist gut, dass dies nun endlich nicht mehr möglich ist.

In Wahrheit wird die Beschränkung doch den Wirten und nicht den Rauchern auferlegt. Raucher haben nach wie vor die Freiheit, im Privatleben so viele Zigaretten zu rauchen, bis die Lunge kollabiert. Die Wirte sind durch die neue Regelung in ihrer Gewerbefreiheit eingeschränkt, sie müssen sich mit der Bürokratie herumschlagen und ihnen entstehen zusätzliche Kosten. Aber ich bin zuversichtlich, dass in einer funktionierenden Marktwirtschaft eine Lösung dieses Problems gefunden wird.

So, damit möchte ich die Diskussion von meiner Seite beenden, wenn nicht überraschend noch interessante Argumente auftauchen. Auf das Niveau des oben verlinkten Artikels oder der Webseite »rauchenerlaubt.de« (wo mich schon die Gestaltung anekelt; wie wollen sie damit Nichtraucher überzeugen, für die Rechte der Wirte einzutreten?) werde ich mich aber wirklich nicht herabbegeben.

Punkt und Ende.

David, 24.12.2007 22:55

Aber ich bin zuversichtlich, dass in einer funktionierenden Marktwirtschaft eine Lösung dieses Problems gefunden wird.

Das Gesetz einfach zu ignorieren, wäre wohl die naheliegendste Lösung. Wenn das Gefangenendilemma nicht wäre…

stefanolix, 25.12.2007 00:43

Mir geht’s doch überhaupt nicht um die Kneipen. Ich bin sicher, dass Gäste und Wirte eine Lösung finden werden. Selbstverständlich würde ich als Nichtraucher ein Modell unterstützen, das einem Wirt erlaubt, sein Lokal als Raucherlokal zu deklarieren. Dann kann ich doch schon am Eingang sehen, wo ich mit meiner Familie garantiert nicht essen gehen werde. Aber wenn ich nur den Kopf dieser Webseite sehe, schließe ich das Fenster sofort wieder.

Mir geht es darum, dass Lina da oben einen absolut inakzeptablen Artikel verlinkt hat, der meine Intelligenz einfach beleidigt. Dass Passivrauchen eine Reihe unterschiedlich schwerer Schäden hervorruft, ist einfach eine Binsenweisheit, ich hatte einige Folgen beschrieben. Aber wenn hier etwas geächtet wird, dann ist es doch der Rauch und nicht der Raucher. Der Raucher soll sich schlicht als denkender Mensch zeigen und dort rauchen, wo es niemanden stört.

Ich hatte erst in der letzten Woche das zweifelhafte Vergnügen, in einem kleinen Landhotel die Hälfte meines vorzüglichen Abendessens bei übelstem Zigarillogestank genießen zu müssen. Im Raum aßen außer mir noch vier weitere Gäste, aber ein einziger Raucher verpestete die Luft für alle. Soviel zum Thema Rücksichtnahme. Das war so eklig, dass ich den Rest meiner Mahlzeit stehengelassen habe und geflüchtet bin.

Früher gab es noch so etwas wie Anstandsregeln, da fragte man noch nach oder wartete, bis alle mit dem Essen fertig waren. Kannst Du alles vergessen: Raucher interessieren sich heute einzig dafür, ob ein Verbotsschild an der Wand hängt. Wenn keines dort hängt, rauchen sie ohne Rücksicht auf Kinder, Essende, Kranke oder Allergiker. So sieht’s nämlich aus. Und dann jammern sie über gesellschaftliche Ächtung. Ich fasse es ja nicht. Wollen sie einen Orden dafür haben?

So, und nachdem sich dieser Zustand nun über Jahrzehnte verschlechtert hat, betreibt der Gesetzgeber jetzt die typische Scheinpolitik und schießt über das Ziel hinaus. Das war zu erwarten. Aber es wird sich alles wieder beruhigen. Viele Kneipen werden vermutlich ein separates Zimmer für Raucher anbieten, um dem Gesetz Genüge zu tun. Andere werden halt einen Raucherclub gründen. Keinem Raucher wird auch nur eine Zigarette entgehen.

Mir geht es nicht darum, auch nur einem einzigen Raucher sein Vergnügen nehmen zu wollen. Mir geht es einzig darum, meine eigene Gesundheit, die Gesundheit meiner Familie und die Gesundheit anderer Nichtraucher zu erhalten.

David, 25.12.2007 14:58

Raucher interessieren sich heute einzig dafür, ob ein Verbotsschild an der Wand hängt.

So sind sie, die Raucher. Und wenn man sie um Rücksichtnahme bittet, dann schlagen sie einen wüst zusammen. Been there, done that.

stefanolix, 25.12.2007 23:13

Ja, in diesem Thread sollte es um die Schläger und nicht um die Raucher gehen. Ich bekenne meine Fehler:

Mea culpa: ich habe mich hinreißen lassen, auf den Kommentar zu antworten, der ein anderes Thema in die Diskussion brachte. Das war ein großer Fehler. Was ich zu den Folgen des Passivrauchens gesagt habe, muss ich nicht zurücknehmen. Aber es steht hier nicht im richtigen Zusammenhang.

Mea maxima culpa: ich bin in die Kollektivierungsfalle getappt und habe meine eigenen Wahrnehmungen auf alle Raucher verallgemeinert. Selbstverständlich atmen aber die hier mitlesenden Raucher nur völlig harmlosen Rauch mit Rosenduft aus, der die Atemluft im Grunde nur verbessern kann ;-)

Lina, 26.12.2007 06:29

@ stefanolix

” Ich bin in die Kollektivierungsfalle getappt und habe meine eigenen Wahrnehmungen auf alle Raucher verallgemeinert.”

Falsch. Du hast Deine eigenen Wahrnehmungen auf alle *Nichtraucher* verallgemeinert und bist damit meiner Argumentation von der gesellschaftlichen Ächtung durch eine neu aufgelegte “Volksgesundheitspropaganda” in die Falle gegangen. Du hast sie mit eigenen Worten belegt. - indem Du Deine Abscheu vor dem Raucher demonstrativ kollektiviert hast.

(Die hier gelegentlich mitrauchende Leserin kommt im übrigen ohne Tarnung durch Rosenduft aus; ebenso steht sie dazu, ihre Verfehlung gegen den Rest der Welt unverblümt angezeigt zu haben ;-)

stefanolix, 26.12.2007 07:12

Das ist ein sehr interessanter Einwand, aber er überzeugt mich leider nicht einmal zur Hälfte. Das Passivrauchen hat zum einen Auswirkungen auf die Gesundheit und zum anderen Auswirkungen auf das Wohlbefinden.

Die Auswirkungen auf die Gesundheit können objektiv nachgewiesen werden, deshalb habe ich auch kein Problem mit der »Kollektivierung«. Ein solcher Nachweis ist für die Auswirkungen auf das Wohlbefinden natürlich nicht möglich, weil das Wohlbefinden subjektiv ist. »Abscheu« (vor dem Rauch und nicht vor dem Raucher!) gehört ganz eindeutig in die zweite Kategorie.

Nun magst Du gern den ganzen Thread noch einmal durchforsten, aber ich habe in Bezug auf das Wohlbefinden überhaupt nicht kollektiviert, sondern immer nur von meinen eigenen Wahrnehmungen und Grundsätzen gesprochen (Ich-Botschaften): Mich ekelt Rauch an, mich stört das schlechte Benehmen der Raucher, ich will beim Essen nicht durch Rauch gestört werden, ich würde nie mit einer Raucherin eine Partnerschaft eingehen oder in einer Raucher-WG wohnen …

Und von dem Begriff der »Volksgesundheit« kannst Du nun bitte auch endlich mal loskommen, nachdem ich mich (hoffentlich) oft genug davon distanziert habe. Es geht hier um die Immission eines einzigen giftigen Stoffgemischs und die Folgen dieser Immission sind beim Passivraucher natürlich schwächer als beim Raucher. Ginge es mir also um die »Volksgesundheit«, müsste ich offensichtlich das Verbot des Rauchens (und viel weitergehende Maßnahmen auf anderen Gebieten) propagieren. Das habe ich nun wirklich nicht getan.

Lina, 26.12.2007 13:55

Stimmt, es wäre richtiger gewesen zu sagen, Du hättest Dich mit eigenen Erfahrungen und Bewertungen zum Sprachrohr aller Nichtraucher gemacht, die ebenso empfinden wie Du; gewollt oder ungewollt: es kam für mich jedenfalls als Kollektivierung ‘rüber, stefanolix.

Insofern ist der von mir verwendete und von Dir beanstandete Begriff der “Volksgesundheit” möglicherweise seiner Herkunft wegen anstössig, sonst aber durchaus gerechtfertigt - schliesslich sollen mittlerweile 75 % Nichtraucher unter’s Volk gekommen sein, und nur noch 25% unter die Räder des Rauchens. Dass Du dennoch erklärtermassen kein allgemeines Rauchverbot propagieren willst, macht mich dankbar;-).

(Soviel noch von unterhalb der Palme gesprochen.)

stefanolix, 26.12.2007 14:17

Ich habe keine genauen Zahlen. Bis eben hätte ich geglaubt, dass es unter den Erwachsenen etwa 50 Prozent Raucher gibt. In der Wikipedia habe ich aber gerade folgende Aussage gefunden:

In Deutschland rauchen 37% der Personen der Unterschicht, 33% in der Mittelschicht und 28% in der Oberschicht.

Und Rauchen wird in diesem Artikel eindeutig den eher bildungsfernen Schichten zugeschrieben. Tja, da muss nun jeder selbst wissen, wozu er sich gern zählt …

OK, wir stehen jetzt beide unterhalb einer Palme. Wir sollten aber aufpassen, dass uns nicht militante Raucher von oben mit Nüssen bewerfen ;-)

Ich kann trotzdem nicht widerstehen, den Artikel über den Tabakrauch zu verlinken, um den Blödsinn des AchGut-Artikels (hoffentlich) endgültig aufzuzeigen.

David, 26.12.2007 14:31

Steht in dem Artikel wirklich, Rauchen sei eine hinreichende Bedingung für Unterschichtenzugehörigkeit?

stefanolix, 26.12.2007 14:37

Nein. Habe ich das so wiedergegeben? Aber da ich beide Artikel verlinkt habe, kannst Du ja nachsehen ;-)

 
David, 26.12.2007 14:39

Nee, nicht “Unterschicht” sondern “bildungsferne Schicht” war gemeint.

 
stefanolix, 26.12.2007 14:46

OK: Der Anteil der Raucher ist in den bildungsfernen Schichten am höchsten. Jetzt zufrieden?

 
David, 26.12.2007 14:51

OK ;-)

 
 
Lina, 26.12.2007 14:47

Das wirst Du nicht erleben, “…dass uns militante Raucher von oben mit Nüssen bewerfen ;-); ich kenne nur friedfertige Raucher, und wachsende Militanz sehe ich (abgesehen vom komplexen OT-Fall) viel eher auf der Gegenseite.

Was mich aber wirklich deprimiert ist, dass die Wikipedia-Statistik vom bildungsfernen und nicht vom bildungsnahen Raucher, also mir, angeführt wird;-)…

stefanolix, 26.12.2007 14:56

Deshalb hatte ich die Seite ja auch verlinkt ;-)

Raucher können per se nicht friedfertig sein, weil sie mit jeder Zigarette ein aggressives Gemisch aus Giften in die Welt setzen (siehe die verlinkte Seite zum Tabakrauch). Von dort bis zum Nüssewerfen ist es nur noch ein kleiner Schritt ;-)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Lina, 24.12.2007 23:01

Was für eine Bescherung! Habe ich eine Heiligabend-Attacke gegen Dich geritten, stefanolix? Habe ich Dir persönlich etwa den Wächter der “Volksgesundheit” (ich bleibe dabei!) unterstellt? Ein Hineinregierenwollen in des Rauchers Bedürfnisse? Gerade so hört sich Deine ärgerliche Stellungnahme an; meine Absicht war das jedenfalls nicht!

Ein übrig gebliebenes, halbwegs “interessantes Argument” wäre es vielleicht noch, Dich darauf hinzuweisen, dass Raucher in keinster Weise mit einer Unterstützung durch Nichtraucher rechnen - auch nicht für die Anliegen der gewerbsmässig benachteiligten Wirte, die keine Umsatzeinbussen hinnehmen wollen. Raucher sind bereits gesellschaftlich geächtet, und so wäre es angesichts der scharfen Frontenbildung geradewegs paradox, solches erwarten zu wollen. So dumm sind sie nicht.

Ja, Punkt und Ende.