Meta-Paul
Je mehr man sich mit der aktuellen Diskussion um Ron Paul beschäftigt, desto stärker wird ein Verdacht: Vielleicht ist dieser republikanische Präsidentschaftskandidat ja einfach nur ein weiteres Symptom der völligen Irrationalität von Politik. Oder genauer gesagt: der Irrationalität von Wählern, und zwar auch von eigentlich informierten Wählern. Es geht nicht um Hillbillies, die noch nie im Leben eine Zeitung in der Hand hielten, sondern um Journalisten, politische Blogger und professionelle Kommentatoren.
Nehmen wir beispielsweise Andrew Sullivan. Ein parteipolitisch völlig unabhängiger Konservativer. Einer von der Sorte kluger Leute, für die eigentlich die intellektuelle Treue zu John Locke und David Hume wichtiger ist, wesentlich wichtiger, als die Unterstützung aktueller konservativer Parteien. Außerdem ein langjähriger Gegner des Irakkrieges. Gerade dies allerdings begründet seine Begeisterung für Ron Paul:
Paul, moreover, supports the only rational response: a withdrawal, as speedily and prudently as possible. McCain, along with Lieberman, still seems to believe that expending even more billions of dollars to prop up and enable a fast-devolving, ethnically toxic, religiously nutty region is somehow in American interests. Given the enormous challenges of the terror war, the huge debt we are piling up, the exhaustion of the military, the moral and financial corruption that has its white-hot center in Mesopotamia, I do not believe that an endless military, economic and political commitment to Iraq makes sense. It only makes sense if we are determined to occupy the Middle East indefinitely to secure oil supplies. But the rational response to oil dependence is not to entrench it, but to try and move away from it. Institutionalizing a bank-breaking, morale-busting Middle East empire isn’t the way to go.
Und dann meint er sogar, daß
He’s the real thing in a world of fakes and frauds. And in a primary campaign where the very future of conservatism is at stake, that cannot be ignored. In fact, it demands support.
Ziemlich viel Lob und Beigeisterung. Man sollte auf der anderen Seite wissen, daß Sullivan andere republikanische Kandidaten, wie etwa Huckabee, wegen deren ziemlich bornierter Ablehnung der Evolutionstheorie scharf kritisiert, und das völlig zurecht. Sieht er nicht, daß Paul der gleichen Dummheit schuldig ist?
Man kann sich das ganze natürlich auch von einem anderen politischen Standpunkt aus ansehen. Libertäre sind ebenfalls von Ron Paul begeistert, viele davon ebenfalls wegen seiner strikt nicht-interventionistischen Vorstellung von Außenpolitik, manche aber auch wegen seiner Befürwortung einer Rückkehr zum Goldstandard — einer ökonomisch ziemlich bizarren Idee, die sich in manchen Kreisen aber großer Beliebtheit erfreut. Goldstandard hin oder her, wer sich liberal oder gar libertär nennt, sollte skeptisch werden, wenn ein Kandidat Probleme mit Zuwanderung hat. Schauen wir uns Ron Pauls Abstimmungshistorie zu diesem Thema an:
- Voted YES on building a fence along the Mexican border. (Sep 2006)
- Voted YES on preventing tipping off Mexicans about Minuteman Project. (Jun 2006)
- Voted YES on reporting illegal aliens who receive hospital treatment. (May 2004)
- Voted YES on extending Immigrant Residency rules. (May 2001)
- Voted YES on more immigrant visas for skilled workers. (Sep 1998)
- Rated 100% by FAIR, indicating a voting record restricting immigration. (Dec 2003)
Das ist nicht so schön. Ron Paul hätte seine Grenzen wohl lieber geschlossen als offen. Das gilt übrigens nicht nur für Immigranten, sondern auch für Handel:
- Voted NO on implementing CAFTA, Central America Free Trade. (Jul 2005)
- Voted NO on implementing US-Australia Free Trade Agreement. (Jul 2004)
- Voted NO on implementing US-Singapore free trade agreement. (Jul 2003)
- Voted NO on implementing free trade agreement with Chile. (Jul 2003)
- Voted YES on withdrawing from the WTO. (Jun 2000)
- Voted NO on ‘Fast Track’ authority for trade agreements. (Sep 1998)
Das soll eine liberale, oder gar eine libertäre Abstimmungshistorie sein? Wenn Megan McArdle schreibt, daß
I see him scoring cheap campaign points off of American hostility to foreigners, particularly poor foreigners who compete with them economically.
dann macht sie da einen guten Punkt, denke ich. Es ist mir schleierhaft, warum Libertäre die Kandidatur von Ron Paul begeistert unterstützen, ohne auf solche offensichtlichen Schwachpunkte seines Programms hinzuweisen. Für meine eigene, kleine vorweihnachtliche Fehleinschätzung kann ich mich mit einem damals nur mäßigen Informationsstand entschuldigen — aber sicher werden doch die schon lange begeisterten Unterstützer besser über ihren Kandidaten informiert sein?
Vielleicht haben sie dann einfach nur lexikographische Präferenzen: “Hauptsache, er ist für einen schnellstmöglichen Abzug aus dem Irak und für eine strikt nicht-interventionistische Außenpolitik in der Zukunft, alles andere ist zweitrangig.” Schön und gut, aber wenn das so wäre, dann würden die Sympathiebekundungen für Paul doch sicher anders ausfallen, oder? Eher widerwillig: “Na gut, die Sache mit den Immigranten und der Handelspolitik ist nicht so toll, aber zumindest ist er kein Interventionist, und das ist jetzt mal wichtiger.” Irakfixierung erklärt also nicht die schiere Begeisterung, mit der die Kandidatur von Ron Paul unterstützt wird.
Also doch Irrationalität. Und zwar nicht einfach im Sinne von Unterinformiertheit, sondern im Sinne einer Bereitschaft, das eigene politische Immunsystem abzuschalten, auf jede Skepsis zu verzichten, und dem Kerl und seiner Herde begeistert hinterher zu laufen. Der gleiche Mechanismus, bei Sozialisten, Sozialdemokraten und libertären Radikalindividualisten. Was für ein Witz.













Danke für die Mühe, die Du Dir gemacht hast, Statler. 100% Zustimmung.
Von wegen, irrational.
Der Unterschied zwischen Paul und Huckabee u.a. in Sachen Evolution/Kreationismus ist, dass Paul diese Angelegenheit aus der Politik heraushalten will. Die Einzelstaaten bzw. die Schulen selbst sollen entscheiden, wie und was sie unterrichten.
Was den Freihandel betrifft: Paul will bilaterale Verhandlungen mit allen Ländern, selbst mit Kuba, nicht die ewig langen Verhandlungen in internationalen Organisationen, bei denen am Ende nur der kleinste gemeinsame Nenner aller herauskommt.
Warum er derzeit, unter den gegenwärtigen sozialstaatlichen Umständen, für die Restriktion der Einwanderung ist, ist schon oft genug erklärt worden.
Hab das nachgeprüft. Groezinger hat Recht. Aber Huckabee ist wirklich eine Krankheit!
Also genau so typisch radikallibertär wie ein paar seiner Fanboys: Den Spatz in der Hand nicht greifen, weil vielleicht mal eine Taube auf dem Dach erscheinen könnte. Wäre ja ok, wenn er nur für sich spräche. Genau das tut er aber nicht. Mit seinem Abstimmungsverhalten hat er nicht für eigenen Wohlstandsverlust votiert, sondern für den anderer.
Leute wie Huckabee und Ron Paul gehören IMHO sowieso nicht in die Politik. Sie sorgen nur dafür, dass ein sowohl gesellschaftlicher als auch wissenschaftlicher Rückschritt eingeleitet wird.
Und das der Kreationismus absoluter Schwachsinn ist dürfte selbst ein gläubiger Christ, sofern er auch nur etwas Bildung und logischen Menschenverstand besitzt, nicht leugnen.
Aber Scientology kommt ja auch aus den USA.
Kann mir ökonomisch Minderbemitteltem mal jemand erklären, wieso der Goldstandart Blödsinn ist?
Eigentlich ganz einfach: Wenn eine Volkswirtschaft wächst, dann muß die Nachfrage nach Geld mitwachsen. Es wird einfach mehr Geld benötigt, um die zusätzlichen Transaktionen durchzuführen. In einer Papiergeldökonomie kann die Zentralbank darauf problemlos reagieren, indem sie mehr Geld druckt. In einer Goldstandardökonomie geht das nicht; wenn ich den Goldstandard tatsächlich strikt durchsetze, dann hängt das Wachstum der Geldmenge davon ab, wieviel neues Gold gefunden wird. Was, nebenbei, dazu führt, daß es auch unter einem Goldstandard enorme Inflationsraten geben kann, frag mal die Spanier nach ihrem siebzehnten Jahrhundert. Aber wenn die Volkswirtschaft über längere Zeit schneller wächst als der Wert der Goldreserven, dann fängt man sich mit dem Goldstandard sogar deflationäre Tendenzen ein, mit all den damit zusammenhängenden Schwierigkeiten.
Aber es gibt noch weitere Probleme: Was heutzutage dem Goldstandard vielleicht am nächsten kommt, sind Versuche von Schwellenländern, currency boards durchzusetzen, also definitive Fixierungen des Werts der eigenen Währung am Wert einer als stabil geltenden Drittwährung. Argentinien hat das in den 1990ern mit dem US-Dollar gemacht. Currency boards endeten aber regelmäßig in Desastern und Finanzkrisen, weil sie in Rezessionen zu einer Überbewertung der so fixierten Währung führten, und die wiederum lud zu spekulativen Attacken ein. Was ähnliches droht mit dem Goldstandard, denn wenn mehrere Länder den Wert ihrer Währung in Gold ausdrücken, dann fixieren sie damit untereinander auch implizit ihre Wechselkurse. Welche Folgen das haben kann, hat man beispielsweise in der Großen Depression gesehen:
http://www.britannica.com/eb/article-234444/Great-Depression
Scheinbar hast Du Dich, unter anderem, nicht naeher mit Ron Paul’s Plattform bezueglich Gold beschaeftigt. Paul hat nicht vor Zentralbankgeld abzuschaffen, sondern er moechte Spezie mit freiem Umtauschkurs re-legalisieren.
Ich würde nicht sagen, dass die currency boards mit einem Goldstandard zu vergleichen sind. Viele Ökonomen die den Goldstandard einführen wollen (wie Rothbard) sind gleichzeitig große Kritiker der fixierten Papierwährungen (Siehe z.B. Das Scheingeldsystem). Der Wechselkurs von 100% gedeckten Währungen ist natürlich konstant, genauso wie der Wechselkurs von cm in Meter konstant ist. Denn eine 100% gedeckte Währung ist nichts anderes als eine Gewichtseinheit für die Ware dahinter (meistens Gold oder Silber). Bei der großen Depression waren es aber nicht nur vollständig gedeckten Währungen, und deshalb konnte die Krise überhaupt entstehen.
Während des Krieges hat England seine Geldmenge erweitert (ohne die Goldmenge zu erhöhen) aber wollte dann trotzdem zum alten Goldwechselkurs zurück kehren. Sie gaben also mehr Schuldscheine für Gold heraus als sie einlösen konnten. Es sollte klar sein, dass nur die ersten die Pfund in Gold umtauschen auch wirklich Gold erhalten. Für einen Amerikaner bot sich die Gewinnoption an, seine Dollar in Pfund, dann in Gold, und dann wieder in Dollar zu wechseln, und so einen Gewinn zu machen. Was dazu führte, dass Gold aus England nach Amerika strömte und der Pfund immer weiter an Boden verlor. Aber dies konnte nur statt finden weil es ein teil gedecktes System und kein vollständig gedecktes System war. Zur Vollständigkeit noch ein Text von Mises zur Weltwirtschaftskrise um auch die andere Seite zu beleuchten.
http://www.mises.de/texte/mises/Wirtschaftskrise.html
Es wäre allerdings ein spannendes Unternehmen, bei einer Rückkehr zum Goldstandard heute herauszufinden, welches die “richtigen” Goldkurse sind. Wenn es ein Musterbeispiel für ein riskantes, großes Sozialexperiment mit potentiell riesigen Kosten gibt, dann dieses.
Statler du bist Ökonom, richtig?
Welche Argumente sind gegen eine private Geldwirtschaft anzuführen? Welche Nachteile einer privaten Geldwirtschaft werden von einem staatlichen Geldmonopol aufgehoben?
Es interessiert mich wirklich, da ich in meinem (Selbst-) Studium noch bei den Basics bin und mir selber keine nennenswerten Argumente gegen eine Auflösung des staatlichen Geldmonopols einfallen. (Abgesehen von den Kosten der Umstellung)
KA, ob du überhaupt die richtige Adresse bist, aber vll kannst du mich ja auch “weiterleiten” ^^.
Währungswettbewerb ist nicht gerade mein Spezialgebiet. Offensichtlich sind die Transaktionskosten, die entstehen, wenn mehrere private Währungen miteinander konkurrieren, wenn man die Wechselkurse zwischen diesen Währungen im Auge haben muß. Das sollte man nicht unterschätzen. Wenn es z.B. in Deutschland gerade vier, fünf konkurrierende Währungen gäbe, dann wäre eine Funktion des Geldes — ein einfacher, leicht zu fassender und ziemlich universeller Wertmaßstab zu sein — schon ein wenig gefährdet.
Nicht ganz uninteressant wäre ein potentielles Externalitätenproblem. Angenommen, einer von fünf Währungsanbietern weitet plötzlich seine Geldmenge aus. Funktioniert die Abwertung dieser Währung gegenüber den anderen vieren dann sehr schnell und völlig reibungslos? Stellen wir uns das mal für den Marktplatz von Buxtehude vor: Kurzfristig registrieren die Händler als Folge der Ausweitung der Geldmenge durch einen Währungsanbieter zunächst mal nur eine erhöhte Nachfrage nach ihren Gütern. Die erste Reaktion wäre also, für alle Konsumenten in allen Währungen die Preise zu erhöhen. Und alle weiteren Anpassungen kämen erst danach. Zumindest auf dem Weg zum neuen Gleichgewicht gibt es also die Gefahr solcher Externalitäten.
Aber dieser Wettbewerb existiert doch bereits, solange keine einheitliche Weltwährung erzwungen wird. Und es ist in nicht wenigen Ländern durchaus üblich, im täglichen Leben mit mehreren Währungen umzugehen (z.B. Euro und Franken in der Schweiz). Also macht es das Leben zwar vielleicht ein wenig komplizierter, aber damit umgehen kann man schon. In der Praxis könnte z.B. jeder Händler seine präferierte Währung haben, und das Problem der Wechselkursschwankungen dadurch umgehen, dass er alle andern Zahlungsmittel nur mit kräftigen Aufschlägen akzeptiert (so machen’s die Schweizer ja auch).
Auf der anderen Seite stehen die erheblichen Kosten, die der Wirtschaft durch das Blockieren innovativer Zahlungssysteme (z.B. E-Gold) entstehen. Gerade bei internationalen Zahlungen von Kleinbeträgen wäre letzteres nämlich angesichts der extrem überzogenen Gebühren der Banken und Kreditkartenanbieter eine deutlich bessere Alternative, wenn nicht die ständigen Gängeleien durch die US-Behörden die Nutzung so stark erschweren würden.
Aus liberaler Sicht stellt sich allerdings nicht so sehr die Frage, ob eine (willkürlich angenommene) Anzahl von x Parallelwährungen das Optimum wäre, sondern ob die damit verbundenen Probleme wirklich ein Eingreifen des Staates in die unternehmerische Freiheit rechtfertigen. Dafür taugt das Argument der potentiell höheren Kosten m.E. keinesfalls.
Wer blockiert denn innovative internationale Zahlungssysteme? PayPal geht’s ziemlich gut, nach allem was ich weiß.
E-Gold sowie deren Exchanger werden seit Jahren immer wieder vom DoJ mit sachlich unbegründeten Beschlagnahmungs- und Durchsuchungsaktionen überzogen, zuletzt Mitte des Jahres:
http://de.liberty.li/magazine/?id=4306
http://de.liberty.li/magazine/?id=1102
Das als Begründung angeführte Argument “Kinderpornographie” ist nicht besonders überzeugend, angesichts der Tatsache dass diese “Branche” in der Regel auf Kreditkarten setzt, die bei allen in den letzten Jahren bekanntgewordenen Busts als Zahlungsmittel eingesetzt wurden. Trotzdem gibt es keine vergleichbaren Aktionen gegen Visa, Mastercard usw. - man braucht wahrlich kein Verschwörungstheoretiker zu sein um zu erkennen, dass es bei den andauernden Massnahmen gegen E-Gold nicht um die Verfolgung von Verbrechern, sondern um die Behinderung des Geschäftsbetriebs und das Verbreiten von FUD (Angst, Unsicherheit, Zweifel) geht.
Paypal ist gegenüber E-Gold aus mehreren Gründen eine deutlich schlechtere Alternative - zum einen funktioniert es nur mit Kreditkarte oder Bankkonto (letzteres nur in einigen Ländern), zum anderen ist die interne Organisation ein absoluter Sauhaufen; die Geschichten, bei denen Accounts willkürlich eingefroren wurden und auch nach mehreren Wochen von dem Unternehmen nicht mal eine Antwort, geschweige denn eine Begründung zu erhalten war, gehen in die Tausende. In Paypal können Zahlungen noch nach Monaten zurückbelastet werden, ein absoluter Alptraum für ehrliche Händler und ein Eldorado für Betrüger, die mit der gelieferten Ware dann längst über alle Berge sind: http://paypalsucks.com; auch die c’t berichtete u.a. in den Ausgaben 14/07, 17/07 19/07, 21/07 und 26/07 (leider alle nicht kostenlos online verfügbar) über unglaubliche Mißstände, grenzenlose Schlamperei, Doppelabbuchungen und Sicherheitslücken bei Paypal.
Wohl jede andere Bank wäre bei dem Ausmaß von Pannen und Willkür schon lange geschlossen worden - man kann nur darüber spekulieren, warum Paypal trotzdem immer noch weitestgehend unbehelligt geblieben ist. Einen möglichen Hinweis liefert da der Umstand, dass Paypal sowie deren Mutterhaus Ebay keine Gelegenheit auslassen, sich vor interessierten Kreisen mit ihrer Policy zu brüsten, den Behörden nahezu beliebige Daten über die Nutzer auf Zuruf und weit über das rechtlich erforderliche Maß hinaus zu liefern. Ich halte jedenfalls den Gedanken nicht für abwegig, dass Ebay/Paypal im Gegenzug für dieses freiwillige Engagement als Hilfspolizist (man könnte auch “Spitzel” sagen) nicht nur eine bevorzugte Behandlung erhält, sondern gleichzeitig dem gefährlichsten, weil leistungsmässig gnadenlos überlegenen Konkurrenten zusätzliche Steine in den Weg gelegt werden.
Die Transaktionskosten bei mehreren Konkurrenzwährungen habe ich aus dem Bauch heraus eher als vernachlässigbar aufgefasst. Schließlich kann man heutzutage an fast jedem Ort der Welt innerhalb von Sekunden Kurse abfragen. Außerdem ist doch sicherlich anzunehmen, dass Währungen mit hohen Transaktionskosten bei Wechselkurs- bzw. Tauschwertbestimmung weniger nachgefragt werden. Diese Währungen und ihre Anbieter werden imho tendenziell aus dem Markt verdrängt.
Ganz ähnlich verhält es sich doch mit einem Anbieter, der auf Kosten anderer seine angebotene Währung inflationiert, oder?
Vielleicht kann er eine zeitlang im Verborgenen Inflationieren und sich bereichern, aber sein Betrug wird potentiell sehr schnell auffliegen. Die Marktteilnehmer und die Konkurrenzanbieter haben ein Interesse an einem möglichst hohen Vertrauen in die Währungen und somit ein Interesse die Kosten des Betrugs so hoch wie möglich zu machen.
Dieses Moral Hazard Problem und erhöhte Anreize zur Inflationierung gibt es ja besonders dann, wenn die anderen Anbieter durch einen Vertrag gezwungen wurden die jeweiligen Wechselkurse auf einem bestimmten Niveau zu halten.
In dem Moment, in dem man die Wechselkurse zwischen den Privatwährungen fixiert, reduziert man aber ganz stark die Wettbewerbsintensität. Die Wechselkurse als Preise der privaten Währungen sollten sich schon frei bilden können.
Man kann sich das mit den Transaktionskosten ja relativ schnell an einem Beispiel klarmachen: Wenn ich irgendwo in einen Laden komme, der die von mir präferierte Währung gerade nicht in bar vorrätig hat und mir eine andere anbietet, dann muß ich erstmal rausfinden, wie der Wechselkurs von Deutsche-Bank-Dollar zu Commerzbank-Dinaren ist. Und vielleicht müßte ich, je nachdem, mir auch gleich noch ein paar Informationen über die Geschäftspolitik der Commerzbank besorgen, um mir Erwartungen über die Veränderung des Wechselkurses in den nächsten Tagen zu bilden.
Das sind enorme Transaktionskosten, die einfach in der Natur der Sache liegen. Wieso empfinden es denn so viele Leute als große Erleichterung, ins europäische Ausland fahren zu können, ohne Geld wechseln zu müssen? Das ist ja keine eingebildete Erleichterung.
Nun ja, es ist ja zum einen nicht gesagt, dass sich am Markt nicht zumindest regional eine starke Leitwährung herausbildet bzw. sich alternative Währungen gar nicht erst etablieren können, ausser in bestimmten Nischen. Und zum anderen spricht nichts gegen die Möglichkeit, solche Probleme durch entsprechende technische Hilfsmittel (z.B. Zahlungskarten) in den Griff zu bekommen.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen allerdings, dass zumindest eine gewisse Nachfrage nach alternativen Währungen tatsächlich besteht - man kann ja durchaus der Ansicht sein, dass das mehr oder weniger nur ein Privathobby für bestimmte Kreise darstellt, aber das allein ist wohl kaum ein hinreichender Grund dafür, das mit Zwang unterbinden zu wollen.
“Wenn eine Volkswirtschaft wächst, dann muß die Nachfrage nach Geld mitwachsen. Es wird einfach mehr Geld benötigt…”
Wie wär’s mal mit ein bisschen kritische Reflexion? Statler, wenn Du mal Zeit hast, dann empfehle ich Dir “What has government done to our money” von Murray Rothbard durchzulesen:
http://www.mises.org/money.asp
Das ist kein großer Schinken, sondern an ein paar Abenden durchgelesen. Und zum Thema große Depression kann man auch anderer Meinung sein:
http://www.mises.org/rothbard/agd.pdf
Im Übrigen geht es nicht um die Rückkehr zum Goldstandard, sondern einzig und allein um die Abschaffung des Zentralbankwesens an sich. Zur Erinnerung die amerikanische FED gibt es seit 1913, die große Depression begann 1929 ..
Oh, hier finde ich gerade einen hervorragenden Artikel zum Thema Goldstandard & Great Depression auf Mises.org:
http://www.mises.org/story/2824
Ansonsten wünsche ich allen ein frohes neues Jahr 2008! :-)
Danke, Gernot!!!
[deleted]
Kleiner Tipp: Nicht erst rumpöbeln und dann doch immer wieder versuchen, hier zu kommentieren!
Zur zur Vollständigkeit, Ron Paul wird auch von libertärer Seite schon seit langem für diese (und ähnliche) Positionen kritisiert. So einig wie es im Text erscheint sind sie dann doch nicht.
= Je mehr man sich mit der aktuellen Diskussion um Ron Paul beschäftigt, desto stärker wird ein Verdacht: Vielleicht ist dieser republikanische Präsidentschaftskandidat ja einfach nur ein weiteres Symptom der völligen Irrationalität von Politik. Oder genauer gesagt: der Irrationalität von Wählern, und zwar auch von eigentlich informierten Wählern. Es geht nicht um Hillbillies, die noch nie im Leben eine Zeitung in der Hand hielten, sondern um Journalisten, politische Blogger und professionelle Kommentatoren. =
@Statler
Bildung und/oder Informiertsein schützen vor Irrationalität, sie immunisieren jedoch nicht gegen Irrationalität.
Die ideologisch teils sehr unterschiedlich ausgerichteten Bruchpiloten und Obskuranten unter Ron Pauls Unterstützern und Sympathisanten, vom Antiimp über den Verfechter besonders bizarrer ökonomischer Ideen bis zum Nazi, eint vor allem ein Ressentiment gegen das politische Establishment.
Wenn es daneben den einen oder anderen gemäßigten Libertären oder unabhängigen Konservativen gibt, der sein politisches Dasein nicht in einer regelrechten ideologischen Wahnwelt fristet und bzw. aber Ron Paul unterstützt, dann sollte das strenggenommen kaum weiter verwundern. Man muss keiner wahnsinnigen Ideologie fröhnen, damit eine kritische Distanz zum politischen Establishment in Ressentiment umschlägt. Und das heißt in diesem Fall, sich ohne Rückicht auf Vernunft oder eigene Grundsätze mit demjenigen Kandidaten zu solidarisieren, der am meisten “anti-established” ist.
Dieser Mechanismus ähnelt z.B. dem Verhalten des unorthodoxen Liberalkonservativen Sebastian Haffner, der Ende der 60er Jahre in der Konkret Herbert Marcuse als “neuen Kant” feierte. Auch hier solidarisierte sich ohne Rücksicht auf Vernunft und eigene Grundsätze ein etablierter Außenseiter mit einem anderen etablierten Außenseiter. Dies mag auf den ersten Blick bzw. anbetracht der politischen Welten, die zwischen den beiden lagen, völlig verwundern. Mit Blick auf ihre Biographie, ihre gesellschaftliche Stellung - sie gehörten dazu und auch nicht -, ihre jeweilige Unorthodoxie sowie ihre Gegnerschaft zum politischen Establishment der Bundesrepublik erscheint es jedoch auf einer emotionalen Ebene plausibel.
Das Stichwort ist die Religion. Nur wer versteht, dass anders als in Europa, in den USA die Religion über dem Staat steht, kann verstehen, wie amerikanische Politiker aller Couleur tatsächlich ticken. Merke: Die Pilgerväter wollten keinen Nationalstaat in europäischem Sinn gründen, sondern einen Gottestaat, das neue Jerusalem.
Unsere Wege haben sich mit dem Westfälischen Frieden getrennt. Das amerikanische System ist darauf ausgelegt, nicht den Staat vor der Religion zu schützen, sondern die Religion vor dem Staat.
Wer sich in den Gründerjahren an Kommunalwahlen beteiligen wollte, konnte dies nur über religiöse Gemeinschaften tun. Dieser schonkonnte nur angehören, wer einen moralisch einwandfreien Lebenswandel führte. Womit sehr einfach gezeigt werden kann, dass die derzeitigen Kandidaten sich durchs Band in die lange Tradition der Kandidatenwahl für öffentliche Ämter einreihen.
(Damit ist auch gesagt, dass Herr Obama, wenn es darauf ankommt, nicht den Hauch einer Chance hat, da die Vermutung herumgereicht wird, er sei ursprünglich Moslem.)
Die amerikanische Nation begründet sich religiös und moralisch und man ist sich über alle Parteigrenzen hinweg eines alttestamentarischen Sendungsbewusstseins des auserwählten Volkes einig. Für uns ist es absurd, für die Amerikaner jedoch eine tägliche Gewissheit, dass diese Nation vor diesem Gründerhintergrund das Gute verkörpert.
Unser Problem ist, dass wir so tun, als verstünden wir die Amerikaner. Keinen Schimmer scheinen zumindest die Kommentatoren zu haben, die sich über die amerikanischen Wahlen auslassen. Die meisten stochern im Nebel, weil sie die europäischen politischen Schablonen über die jeweiligen Kandidaten legen und vor allem Bahnhof verstehen.
Die Präsidentschaft Bush ist eine typische amerikanische Politikerkarriere, wie es sie auf den verschiedenen Ebenen der nationalen Politik zu tausenden gibt: Nichtsnutziger Trunkenbold begegnet Jesus Christus und stellt sein Leben vortan in den Dienst der Gemeinschaft. Das plus Geld reicht.
Wir verstehen relativ wenig von der amerikanischen Politik, weil das Thema USA im Geschichtsunterricht zumindest in der Schweiz sträflich vernachlässigt wird und es an Journalisten mangelt, die, statt immer den gleichen Mist über Bush und Co. zu schreiben, Hintergrundinformationen liefern.
Then conquer we must, when our cause it is just,
And this be our motto: “In God is our Trust.”
And the star-spangled banner in triumph shall wave
O’er the land of the free and the home of the brave.
1. Wenn ich gegen ILLEGALE Einwanderung bin, macht mich das nicht zum Nazi und Freiheitsfeind, und wenn ich dann konsequenterweise gegen Allimentierung von ILLIGALEN bin, will ich nur den Anreiz für selbige drücken und nicht unmenschlich sein.
2. Dann noch was zum freien Handel, wenn Handel frei ist, wozu dann noch nafta, cafta etc, DIESER “freie” handel wäre/ist “managed” handel!!! sowas wie Planwirtschaft auf internationalem Niveau…
Zumal sich auch immer wieder zeigt das von solchen Handelsabkommen der Stärkere überproportinal partipiziert, siehe eben Latain-Amerika und Afrika!
Also muss er hier auch konsequenterweise NEIN sagen, wenn er es mit Gerechtigkeit und Freiheit ernst meint!
Richtig! (Zumal das mit dem Nazi ja auch keiner behauptet hat, aber Nazis sind ja eh überall.) Seit Moses mit den amerikanischen Gesetzen vom Capitol Hill herabgestiegen kam, haben Mitglieder der amerikanischen Legislative nämlich selbstverständlich keine Möglichkeit mehr, zu entscheiden, was legal ist und was illegal.
Auch richtig. Wenn schon Fesseln, dann aus Gußeisen. Sag ich auch immer.
Hmm, ich seh das wohl pragmatischer als sie, Statler. Er kandidiert ja nicht als Diktator, sondern als Präsident mit beschränkten Machtansprüchen und die Regelungen, welche dort im Amt treffen könnte, sind meist nur auf foreign policy beschränkt und vetos gegen spending-sprees.
Das sind beides Dinge, die er sehr wohl im Sinne liberaler Tradition erfüllen würde (auch wenn sie wohl mit mir nicht im Sinne des Iraks und Afghanistan Krieges übereinstimmen würden). Das er eine seltsame (wenn auch sozialdemokratisch begründbare und sehr logische Entscheidungen — Und letztlich sind sie doch auch Sozialdemokrat, wenn sie das Grundgesetz nicht in frage stellen) Einstellung zur Einwanderung hat, spielt nur eine geringe Rolle für die Präsidentschaft (außerdem haben diese Einstellung ein Großteil der Republikaner).
Auch seine Ablehnung gegen CAFTA und ähnliche Konstrukte sehe ich nicht so schlimm, da ich nur auf die Geschichte Europa’s verweisen kann. Erst war die EWG und heute haben wir die EUdsSR, die über-nationaler Demokratie abgeschworen hat…
Seine Ansichten zu sogenannter Commodity-Money kann ich nicht wirklich beurteilen, aber wo ist das Problem von privaten Währungen neben der staatlichen?
@Statler
danke.
Bleibt aber als Einwand gegen das gegenwärtigen System, dass die Zentralbanken in Bezug auf die Zinsen Raten auf hohem Niveau betreiben. Damit schnell Gefahr laufen, den Markt zu verzerren. Und wirtschaftliche Ungleichgewichte eher schaffen, als sie zu verhindern.
Ganz dumm gefragt: Wenn man es ökonomisch nicht ratsam ist, dass eine zentrale Instanz nach langen Berechnungen und Konsultationen den Preis für Brot festlegt, wieso ist es gut genau das beim Preis für Geld zu tun?
Hmm, Vorsicht, die Zentralbank legt den Preis fest, zu dem sich die Geschäftsbanken bei ihr Geld beschaffen können. Das ist nur einer von mehreren “Preisen” für Geld, und alle anderen bilden sich ziemlich frei auf Märkten. Und bei den administrierten Preisen geht es dann auch eher um die damit indirekt (und nur sehr unvollkommen) mögliche Steuerung des Geldmengenwachstums.
Aber warum man das macht? Naja, weil wir uns nunmal darauf geeinigt haben, daß Geld und nicht Brot das Numeraire-Gut ist, mit dem wir alle anderen Güter bewerten. Wenn wir in Brot bezahlen würden, dann müßte man zweifellos etwas tun, um ein inflationär wirkendes Brotmengenwachstum zu verhindern — also beispielsweise den Mehlpreis administrieren. Oder gleich das Brot von einer staatlichen Zentralbäckerei backen lassen. Denn die Wechselkurse zwischen Bäcker Müller-, Bäcker Schmidt- und Bäcker Schulze-Brötchen kann ja niemand alle im Kopf haben. ;-)
Staatlers Geldtheorie ist noch kruder als seine Außenpolitik, und das will was heißen!
@Statler
na ja, aber das ist ja gerade die Kritik, so wie ich sie verstanden habe: Dass die Zentralbanken über ihre Geldpolitik erst Ungleichgewichte schaffen. Dass über künstlich niedrige Zinsen Geld in den Markt gepumpt wird, das aber keiner Nachfrage in der Zukunft entspricht.
Dieses sich aber Anlagemöglichkeiten suchen muss, wodurch es zu Fehlinvestitionen und zu Blasen wie 2001 oder jetzt den Subprime-Pleiten kommt.
Und, dass Zentralbanken immer eher versucht sind die Wirtschaft zu stützen, also zu inflationieren, als eine Rezession zu riskieren.
Soweit meine östereichischen 5 Cent.
Die Ron Paul Kampagne scheint jetzt in einem Debakel zu enden:
http://www.wendymcelroy.com/news.php?extend.1299